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Was ist beim Kauf von Pflanzkartoffeln zu beachten?

Der Anbau von Kartoffeln hat sich oft in spezialisierten Profibetrieben etabliert. Diese erwarten einwandfreies Pflanzgut. Meistens wird solches geliefert. In Teil 1 dieses Artikels sollen Hinweise gegeben werden, auf was bereits bei der Anlieferung geachtet werden soll. Teil 2 geht kurz auf die Behandlung des Pflanzgutes nach der Lieferung ein und befasst sich mit dem Sonderfall „Schrumpelige Knollen“. In Einzelfällen kommt es zu Beschwerden aufgrund von Pflanzgutmängeln. Wie damit umgegangen werden soll, wird in Teil 3 unter dem Titel „Reklamation bei Pflanzgut“ beschrieben. Voran gestellt werden einige grundsätzliche rechtliche Anmerkungen.

Pflanzkartoffelverordnung wurde verschärft

Mit der Neufassung der Pflanzkartoffelverordnung aufgrund der ergangenen EU-Richtlinien 2013/63/EU, 2014/20/EU und 2014/21/EU kommen auf die Pflanzgutwirtschaft neue Herausforderungen, aber auch neue Chancen hinzu. Dazu gehören einerseits, dass im Virusbereich nur noch zwischen krank und gesund unterschieden wird, was zum einen eine gewisse Verschärfung der Virusnorm mit sich bringt, aber zum anderen auch eine weitere Verbesserung der Pflanzgutqualität bedingt. Die Qualität der Pflanzgutknollen soll durch die Hinzunahme von weiteren Parametern wie die Beurteilung auf Rhizoctonia Sklerotien (Rhizoctoniapocken), Pulverschorf und turgorschwaches Knollenmaterial (schrumpelige Knollen) weiter gefördert werden.

Der Pflanzgutkäufer kann sich freuen, weil der hohe Qualitätsstandard von deutschem Pflanzgut durch diese gesetzlichen Vorgaben noch weiter unterstützt und gefördert wird. Der Käufer ist aber auch selbst gefordert, durch einen sachgemäßen Umgang mit dem gekauften Pflanzgut, die Qualität des Produkts zu erhalten.

In diesem Sinne soll dieser Leitfaden auch einen Beitrag leisten, berechtigte Forderungen zu unterstützen und überzogene Forderungen zu minimieren.

Teil 1

Was ist beim Empfang von Pflanzkartoffeln zu beachten?

Die Pflanzkartoffeln werden teilweise in Jutesäcken (25 oder 50 kg) geliefert (Bild 1), mittlerweile aber auch häufig in Big Bags (bis 1.250 kg) (Bild 2) oder auch lose in Kisten oder lose im LKW angedient. Neben dem Prüfen der Dokumente ermöglicht eine erste Inaugenscheinnahme vor dem Entladen einen ersten allgemeinen Eindruck.

Kontrolle der Dokumente

  • Ist die Ware korrekt verschlossen, ist ein Etikett vorhanden, sind die Behältnisse in Ordnung (keine beschädigten Behältnisse)?
  • Ist das Transportmittel sauber?
  • Stimmen die Angaben auf dem Lieferschein, dem Begleitschein, ggf. auf der Rechnung und dem Etikett überein?

Folgende Angaben sollten vorliegen:

  • Lieferdatum/Verladedatum
  • Liefermenge (evtl. Wiegekarte)
  • Sortenbezeichnung, Kategorie (Basis, Z), Klasse (Basis: S, SE, E; Z: A, B)
  • Anerkennungsnummer
  • Sortierung
  • Kennzeichen des Transportmittels (z. B. Motorwagen, Anhänger)
  • Lieferant
  • Unterschrift
  • Etikett

Allgemeiner Eindruck der Beschaffenheit der Ware

Zu achten ist vor der Entladung auf:

  • Fremdgeruch (und Fremdgeschmack)
  • abnorme Feuchtigkeit an den Knollen
  • Keime
  • Einhaltung der angegebenen Größensortierung (Grenzwerte siehe Anlage 5 PflKartV und Teil 3)
  • dunkle Ware oder anhaftende Erde können Mängel verdecken
  • Beimengungen

Dazu sind auch einzelne Säcke zu öffnen und möglichst auch aus einer Tiefe bis 40 cm Knollen zu entnehmen. Gleiches gilt bei lose angelieferter Ware.

Die entnommenen Knollen sind dann genau anzuschauen und ggf. sind einige Knollen durchzuschneiden. Entsteht hier der Eindruck, dass in größerem Ausmaß Mängel vorhanden sind, dann sollte eine Reklamation eingeleitet werden (siehe Teil 3).

Sind die gelieferten Pflanzkartoffeln augenscheinlich in Ordnung, kann die Entladung beginnen bzw. fortgesetzt werden.

Teil 2

Zwischenlagerung und Behandlung von gelieferten Pflanzkartoffeln bis zur Pflanzung

Je nach Verwendungszweck, ob die Kartoffeln in Keimstimmung gebracht oder vorgekeimt werden sollen oder nicht, sind die gelieferten Knollen in geeigneten Räumlichkeiten vorzubereiten bzw. zu lagern.

Kartoffeln atmen und brauchen dafür ausreichend Sauerstoff. Deshalb sind sie möglichst schnell nach der Anlieferung aus den Jutesäcken z. B. in Großkisten zu entleeren. Big Bags sind nur dann für eine längere Zwischenlagerung geeignet, wenn sie ausreichende Lüftungsschlitze aufweisen. Gleichzeitig sollte in den Räumlichkeiten eine gleichmäßige Temperatur herrschen, um Kondensation an den Pflanzkartoffeln zu vermeiden. Nicht zu vergessen ist, dass Kartoffeln selbst Wärme produzieren und so regelmäßig ein Luftaustausch auch zum Kühlen erforderlich ist.

Rechtzeitig vor dem Legen sollte man sich aber auch Gedanken über eine gezielte Vorbereitung des Pflanzgutes machen. Spezialisierte Frühkartoffelanbauer stellen ihr Pflanzgut bereits sehr früh in Vorkeimkisten auf, um über eine möglichst sortenspezifische Temperatur- und Lichtführung in besonders hergerichteten Vorkeimräumen die Ausbildung stabiler Lichtkeime zu fördern. Aber auch das Pflanzgut für die Haupternte sollte gezielt vorbereitet werden. Das Pflanzgut sollte rechtzeitig vor dem geplanten Pflanztermin bezogen werden, um ausreichend Zeit für eine optimale Vorbereitung zu haben. Hier bietet sich das Keimstimmen des Pflanzgutes an. Dazu werden die Pflanzknollen gezielt für einige Tage durch Zufuhr von Warmluft erwärmt (innerhalb von 2 – 3 Tagen Knollentemperatur 12 – 15° C anstreben) oder nach draußen in die Sonne gestellt. Mit kalten Temperaturen kann die Wachstumsgeschwindigkeit der Keime verlangsamt, aber nicht mehr gestoppt werden. Ziel sind stecknadelkopfgroße Keime. Deshalb sollte bei der Zeitplanung neben der langjährigen Erfahrung auch immer die Wetterbedingungen des aktuellen Frühjahrs mit berücksichtigt werden. Das Kartoffellegen ist nicht am Kalender, sondern an der Feuchtigkeit, Temperatur und Struktur des jeweiligen Bodens auszurichten.

Als wasserreiches, vegetatives Pflanzenorgan sind Kartoffeln allgemein sehr empfindlich, was die Verletzungsempfindlichkeit betrifft und sollten wie rohe Eier behandelt werden. Jede Verletzung, jede Beschädigung stellt eine potenzielle Eintrittspforte für pilzliche und bakterielle Schaderreger dar und davon gibt es eine Vielzahl, die die Kartoffeln heimsuchen können. Deshalb sollten auch die Pflanzkartoffeln beim Befüllen der Legemaschinen möglichst schonend und über geringe Fallhöhen in den Bunker gelangen. Wenn Kartoffeln auf Kartoffeln fallen, sind 1 m Fallhöhe das Maximum, während beim Auftreffen auf den Blechboden des Legemaschinenbunkers schon mehr als 25 cm zu viel sind.

Die Kartoffelknolle lebt, sie atmet. Schließlich sollen aus den vorhandenen Seitensprossen, gemeinhin „Augen“ genannt, kräftige Pflanzenstengel und Wurzeln hervorgehen. Die Kartoffelknolle ist also ständigen Veränderungen im Laufe der Zeit unterworfen. Feststeht, dass die Qualität der Knollen im Laufe der Zeit nie besser wird. Es geht also darum, diese Prozesse der Veränderungen so schonend wie möglich zu gestalten. Feststeht weiterhin, dass Mängel, die bei diesem Produkt naturgemäß vorhanden sein können, nicht im Laufe der Zeit verschwinden. Gerade bei unsachgemäßer Behandlung und Zwischenlagerung können ggf. auch Welkeprozesse stark gefördert werden. Deshalb muss der Käufer die gekaufte Ware umgehend kontrollieren und wenn er den Eindruck gewinnt, dass das Maß an zulässigen Mängeln überschritten ist, auch unverzüglich reagieren und entsprechende Schritte einleiten. Dazu aber ist es erforderlich, dass alle Beteiligten, also Verkäufer und Käufer, mit Augenmaß und Sachlichkeit, vorhandene Mängel einordnen und bewerten können. Überzogene Forderungen sind hier genauso wenig hilfreich, wie schlechtes Reklamationsmanagement.

      

Sonderfall „Geschrumpelte Kartoffeln oder shrivelled tubers“

Dieser neue Parameter resultiert aus der seit Jahren geführten Diskussion rund um die Thematik „Silberschorf“. Seitdem nahezu sämtliche Speiseware nur noch gewaschen angeboten wird, tritt scheinbar immer mehr Silberschorf auf. Diese pilzliche Erkrankung, die häufig während der Lagerung zunimmt, führt im Laufe der Zeit durch die gegebene Verletzung der äußeren Schichten der Schale (Epidermis) zu einer Erhöhung der natürlichen Wasserabgabe und kann damit Turgszenzverluste der Knolle mit Welkeerscheinungen begünstigen. Davon können natürlich auch Pflanzkartoffeln betroffen sein, wobei ein gewisser Wasserverlust der Kartoffel auch bei optimaler Temperatur- und Luftfeuchtigkeitsführung im Lager auch ohne Erkrankungen normal ist, da die Knolle lebt und später auch keimen soll. Nachgewiesen ist auch, dass ein massiver Silberschorfbefall an den „Kartoffelaugen“ Triebkraft und Keimfähigkeit negativ belastet und zwar umso gravierender, je stärker der Befall ausgeprägt ist und insbesondere je mehr Augen betroffen sind. Aber den Silberschorfbefall direkt berücksichtigen weder die EU-Richtlinien noch die PflKartV. Hier wurde als leicht sichtbares Kriterium „Schrumpelung“ genommen. Die Eignung dieses Kriteriums als Gradmesser für eine mehr oder weniger stark beeinträchtigte Triebkraft und Keimfähigkeit ist nur äußerst eingeschränkt gegeben, da es bestenfalls nur einen sehr losen Zusammenhang gibt, der wissenschaftlich und aus Erfahrungswerten heraus nicht fundiert belegt werden kann. Das angelegte Bildmaterial (Bilder 3 und 4) von Z-Pflanzgut verschiedener Sorten (Links: geschrumpeltes Exemplar der Sorte A, rechts: Sorte A ohne Welkeerscheinungen) mag dies verdeutlichen. Jeweils beide dargestellten Knollen keimten ausgezeichnet.

Dies möge sich auch der Käufer bei Reklamationen wegen verschrumpelter Knollen sehr genau vor Augen führen. Hinzuweisen ist in diesem Zusammenhang auch noch darauf, dass in der Pflanzkartoffelverordnung gerade bei diesem Kriterium auch ausdrücklich darauf hingewiesen wird, dass die Angaben für die Anerkennung sich auf den Zeitpunkt der Beschaffenheitsprüfung hier Bonitur auf weitere Knollenkrankheiten und äußere Mängel bezieht. Diese erfolgt zeitnah zur Verladung. Dem Aufbereiter können keine Gewährleistungen abverlangt werden, für von ihm nicht zu verantwortende und beeinflussbare Veränderungen des Knollenmaterials hinsichtlich der Turgeszenz, die sich im Laufe der Handelswege oder der Zwischenlagerung im Laufe von mehreren bis vielen Wochen ergeben können, insbesondere wenn zwischenzeitlich unzweckmäßige Handhabungen des Materials zum Tragen kommen.

Weiterhin zeigt die Erfahrung, dass gesunde Knollen auch mit Welkeerscheinungen meist noch über eine hinreichende Triebkraft und Keimfähigkeit verfügen. Bei konsequenter Herangehensweise hätte der Gesetzesgeber als Grenzwert einen zu definierenden Besatz der Knollenoberfläche für Silberschorf in Analogie zu Kartoffelschorf oder Rhizoctoniapocken festlegen sollen. Damit wäre eher eine Beziehung Krankheitsbefall – Minderung der Keimfähigkeit gegeben.

Teil 3

Reklamation bei Kartoffelpflanzgut

Die sog. Berliner Vereinbarungen (BV), Synonym für Deutsche Kartoffelgeschäftsbedingungen, regeln seit Jahrzehnten die bestehenden Handelsbräuche und Verkehrssitten im nationalen Geschäftsverkehr mit Kartoffeln.  Internationale Geschäfte werden unter zur Hilfenahme der RUCIP-Regeln (Règles et Usages du Commerce Intereuropéen des Pommes de Terre) abgewickelt. BV und RUCIP sind dem Privatrecht zuzuordnen.

Gleichwohl werden hinsichtlich der fachlichen Anforderungen, zahlreiche Anleihen und Bezüge, insbesondere zu den gesetzlich vorgegebenen Grenzwerten aus der PflKartV getätigt. Obwohl die vorliegende BV die aktuellen Gesetzesänderungen der neuen PflKartV noch nicht realisiert hat, kann dennoch angenommen werden, dass die jetzt geltenden gesetzlichen Anforderungen für das Anforderungsprofil der BV angenommen werden können. Wie bereits eingangs erwähnt, wurden in der neuen PflKartV die Anforderungen an die Beschaffenheit hinsichtlich Knollenkrankheiten und äußere Mängel spürbar verschärft. Neben der Verschärfung der Anforderungen hinsichtlich Nassfäule im Z- und Basisbereich, dem Wegfall der Begrifflichkeiten „sofern hierdurch der Pflanzgutwert beeinträchtigt wird“ bei Kartoffelschorf und äußeren Fehlern, wurden zusätzliche Qualitätskriterien wie Besatz mit Rhizoctoniapocken, Pulverschorf und schrumpelige Knollen aufgenommen. Während erstere beide zweifelsohne eine qualitative Verbesserung darstellen, ist dies bei den geschrumpelten Knollen (shrivelled tubers) zweifelhaft und muss von allen Seiten mit sehr viel Augenmaß angegangen werden. Als „Sonderfall“ wurde dies gesondert erläutert.

 

Abläufe bei Reklamationen von Pflanzkartoffeln

Zeigen die Pflanzkartoffeln Mängel vermutlich in einem Umfang, der zur Reklamation Anlass gibt, ist es außerordentlich wichtig, dass sachgerecht vorgegangen wird, damit die Reklamation erfolgreich sein kann.

Der erste Schritt ist aber immer derjenige, dass der Verkäufer informiert wird, damit sich dieser vor Ort einen Eindruck verschaffen kann. Ist keine gütliche Einigung möglich, dann sollte konsequent der Weg nach BV, wie es im Folgenden beschrieben wird, begangen werden.

In den BV werden verschiedene Mängelarten, nämlich offene, versteckte und geheime (verborgene) Mängel unterschieden.

Mängelarten und Fristen

  • Offene Mängel sind Mängel der Güte und Beschaffenheit der Ware, die bis zu etwa 40 cm Ladungstiefe bei sorgfältiger Prüfung oder durch Schnittprobe sofort erkennbar sind. Derartige Mängel sind im Regelfall vor der Entladung zu rügen.
  • Verdeckte Mängel sind Mängel der Güte und Beschaffenheit, die sich erst im Laufe der Entladung in den unteren Schichten von mehr als etwa 40 cm zeigen oder dort wesentlich stärker auftreten. Bei loser Ware und Beanstandungen muss sich diese noch auf dem Transportmittel befinden.
  • Geheime Mängel (verborgene Mängel) sind bei Pflanzkartoffeln Mängel der Sortenechtheit, Sortenreinheit, Gesundheit, Keimfähigkeit, soweit diese vom Verkäufer zu vertreten sind, die sich erst im Winterlager, bei der Vorkeimung oder während des Wachstums im Feldbestand feststellen lassen.

Kommt es zur Rüge müssen bestimmte Fristen eingehalten werden.

Festzuhalten bleibt, dass auftretende Mängel umgehend und geheime Mängel sofort nach erkennbar werden, gerügt werden müssen! Also die Ware nicht bis zur Pflanzung irgendwo ablegen, sondern die Ware bereits bei der Anlieferung gründlich in Augenschein nehmen. Bei begründeter Bemängelung kann ggf. die Annahme verweigert werden, eine Ersatzlieferung gefordert oder in bestimmten Fällen auch Schadensersatz geltend gemacht werden.

Benennung des Sachverständigen, Untersuchungsprobe und Begutachtung

  • Ein Gutachten kann nur nach Benennung durch die Benennungsstelle durchgeführt werden. Eine Befangenheit des Gutachters muss ausgeschlossen werden können.

Die Details zur Begutachtung, zu Probenmengen, zu relevanten, rügefähigen Mängeln und deren Grenzwerte sind in den BV niedergelegt und sind dem Sachverständigen bekannt. Hinzuweisen ist darauf, dass auftretende Mängel, die sich im Rahmen der gesetzlichen Grenzwerte bewegen, ohne Minderung toleriert werden müssen. Überdies bleiben leichte Mängel unberücksichtigt. Erst wenn die Grenzwerte überschritten werden, kann Minderung verlangt werden oder bei deutlichen Überschreitungen der Werte, die Ware geweigert werden. Am Beispiel Trockenfäule sei dies aufgezeigt. Knollen mit Anzeichen von Trockenfäule (nicht verwechseln mit Nassfäule, siehe Bilder 5 und 6) werden, unabhängig vom Ausmaß und vom Erreger (Braunfäule, Hartfäule oder Weißfäule, Schüsselkrankheit) erfasst und gewogen. Bis zu einem Gewichtsanteil von 0,5 % wären diese zu tolerieren (Nassfäule 0,2 %). Erst bei mehr als 0,5 % trockenfaulen Knollen kann eine Minderung geltend gemacht werden und bei mehr als 6 % trockenfaulen Knollen (Nassfäule > 4 %) kann das Pflanzgut geweigert werden.

Benennungsstelle und Gebühren

Als Benennungsstelle für Kartoffelsachverständige fungiert in Deutschland der „Deutsche Kartoffelhandelsverband“ in Berlin, also nicht die Landwirtschaftskammern oder Landesanstalten (Deutscher Kartoffelhandelsverband e. V. DKHV, Schumannstr. 5, 10117 Berlin, Tel.: 030/664058-51, Fax: 030/664058-53, E-Mail: info@dkhv.org)

Die Anforderung einschl. Benennung eines Gutachters ist mit Gebühren belegt, die sich zusammenfassend aus einer Begutachtungsgebühr (180 €), der Zeitvergütung (45 €/h), den Fahrtkosten (0,30 €/km) und der Benennungsgebühr (90 €) zusammensetzt. Die Kosten trägt zunächst derjenige, der das Gutachten in Auftrag gibt. Er erhält die Rechnung vom Sachverständigen für das Gutachten und von der Benennungsstelle für die Benennung des Sachverständigen. Wie üblich hat letztlich derjenige die Gebühren zu tragen, der in einem ggf. folgenden Schiedsgerichtsverfahren unterliegt. Auch vor diesem Hintergrund sollte eine Reklamation mit eingeforderter Begutachtung unbedingt fundiert sein.

Zusammenfassung und Fazit

  • Geliefertes Pflanzgut sofort kontrollieren und vorhandene Mängel sachgerecht ansprechen und realistisch einstufen
  • Bei Reklamationen è Berliner Vereinbarung beachten
    • gütliche Einigung zwischen den privat (rechtlichen Parteien) meist sinnvoll und erstrebenswert
    • keine gütliche Einigung möglich
  1. Rügefristen bei Mängelarten (offene, verdeckte, geheime Mängel) sind wichtig; Schadensminderungspflicht beachten
  2. Sachverständiger ist zu benennen
  3. Benennungsstelle: Deutscher Kartoffelhandelsverband, Berlin
  • Angeforderte Gutachten sind gebührenpflichtig
  • Mögliche Rechte/Ansprüche bei begründeter Bemängelung
  • Annahmeverweigerung
  • Ersatzlieferung
  • Evtl. Schadensersatz, wenn Nacherfüllung nicht möglich oder Ersatz vergeblicher Aufwendungen
  • Festzuhalten ist, dass in der BV privatrechtliche Belange Gegenstand sind. Öffentlich-rechtliche Aspekte werden z. B. durch die Pflanzkartoffelanerkennung im Rahmen der Pflanzkartoffelverordnung (PflKartV) durch die Anerkennungsstellen in Deutschland wahrgenommen. Deshalb sind die Anerkennungsstellen oder die regionalen Landwirtschaftsämter nicht die richtigen Stellen in Reklamationsfragen.
  • Zu berücksichtigen ist, dass bei unberechtigten Reklamationen, die ggf. über ein entsprechendes Sachverständigengutachten zurückgewiesen werden, die nicht unerheblichen Begutachtungsgebühren beim Reklamierenden verbleiben.

Kontakt:
Willi Thiel
Leiter Anerkennungsstelle für Saat- und Pflanzgut
Telefon: 0511 3665-4370
Telefax: 0511 3665-4508
E-Mail:
Eric Preuß
Anerkennung von Saat- und Pflanzgut
Telefon: 0511 3665-4353
Telefax: 0511 3665-994353
E-Mail:


Stand: 10.03.2017