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Vermehrungen von Wintergetreide 2017 leicht ausgedehnt

Alljährlich erfolgt die Anmeldung der Wintergetreide-Vermehrungsflächen zum 31. März, so dass nun das Zahlenmaterial für das gesamte Bundesgebiet in zusammengefasster Form vorliegt. Wie immer zum jetzigen Zeitpunkt eines Jahres sind die Zahlen noch mit einer gewissen Unsicherheit behaftet und als vorläufig zu betrachten. Auch deshalb, da in aller Regel bis zum Beginn der Feldbesichtigungen noch mit einem gewissen Anteil an Zurückziehungen zu rechnen ist. Anders als im Vorjahr haben Verluste durch Auswinterung keine nennenswerte Rolle gespielt. Ein Rückblick auf die zurückliegende Ernte und die Witterung macht die Entwicklung der Vermehrungsflächen teilweise besser verständlich. Die Ernte der Wintergerste 2016 erfolgte im üblichen Zeitrahmen und meist ohne Probleme. Je nach Region lagen häufig die Erträge spürbar unter den sehr guten Werten aus den beiden Vorjahren, erreichten aber noch in etwa normale Größenordnungen. Der Sortierabgang war ebenfalls häufig erhöht und nicht selten lagen auch schwache Hektolitergewichte vor. Die Ernte des Winterweizens verzögerte sich einerseits reifebedingt (fehlende Sonne) und durch zahlreiche, mitunter massive Regenunterbrechungen und konnte diese in manchen Betrieben erst in den letzten Augusttagen beendet werden. Auch beim Winterweizen wurden überwiegend geringere Erträge als in den Vorjahren erzielt und auch hier waren die Siebabgänge meist erhöht. Insgesamt präsentierte sich der August aber trockener als der Vormonat und immer wieder setzten sich Hochdruckgebiete durch, die sonnige und trockene Phasen brachten. Der September war ausgesprochen warm mit ungewöhnlich zahlreichen Sommertagen (Tage mit mehr als 25 Grad Celsius), teilweise wurde dadurch auch ein ungleichmäßiger und mitunter mangelhafter Aufgang in Winterrapsaussaaten bedingt. Dafür war der Oktober etwas frischer als gewöhnlich. Zudem war er im Osten oft zu nass, ansonsten aber eher zu trocken. Im November gab es in Norddeutschland einen frühen, wenn auch kurzen Wintereinbruch. Die Aussaat der Winterungen konnte im geplanten Umfang erfolgen, wie die unten genannten vorläufigen Anbauzahlen belegen. Der Dezember war überwiegend regenarm und zu warm, fast 200 Sonnenstunden auf der Zugspitze, was es zuletzt im Dezember im Jahr 1972 gegeben hat. Auch der Januar zeigte sich überdurchschnittlich sonnig aber auch durchaus frostig. Der Februar begann winterlich kalt, besonders im Nordosten und endete im Süden mit frühlingshaften Temperaturen mit insgesamt durchschnittlichen Niederschlägen. Der März verlief insgesamt ebenfalls zu warm. Im Süden und Norden fielen zudem überdurchschnittlich viel Regen, der allerdings auch dringend erforderlich war. Insgesamt haben die Pflanzenbestände diese Witterungsverläufe gut überstanden und befinden sich für diese Jahreszeit in dem üblichen Vegetationsstadium.

Vermehrung bei Wintergetreide legt zu

In Deutschland wurde die Vermehrung von Wintergetreide, nach spürbaren Rücknahmen in den beiden Vorjahren, in diesem Jahr wieder leicht ausgedehnt, und zwar um 3.819 ha, so dass die Gesamtvermehrungsfläche für Wintergetreide nun bei vorläufig 96.596 ha liegt. Das entspricht einer Zunahme gegenüber dem Vorjahr um 4,1 %. Eine wesentliche Ursache kann darin gesehen werden, dass die Saatgutläger, welche durch die überdurchschnittlichen Getreideerträge der Jahre 2014 und 2015 außergewöhnlich voll waren, im vergangenen Herbst durch die teilweise durchwachsenen Erträge und Qualitäten doch weitestgehend geräumt werden konnten. Dies spiegelt sich teilweise auch in den vorläufigen Anbauzahlen für Wintergetreide wider. Danach wurde zwar die Gesamtanbaufläche von Wintergetreide leicht (- 0,8 %) auf 5.343.100 ha verringert, wobei leichte Zunahmen bei Winterweizen (+ 0,4 %) zu verzeichnen waren und moderate Rückgänge bei Wintergerste (- 0,8 %), Roggen (- 4,9 %), Triticale (- 4,5 %) und Getreide zur Ganzpflanzenernte (- 5,6 %) in den vorläufigen Statistiken (Quelle: Destatis 07.03.2017) genannt werden.

Von der Zunahme in der Vermehrung profitierten, relativ betrachtet, insbesondere Wintergerste (+ 9,0 %), Wintertriticale (+ 7,2 %) und Winterroggen (+ 6,4 %) und in eingeschränktem Maße auch Winterweizen (+ 1,7 %). Nach der deutlichen Zunahme von Spelzweizen von 2014 auf 2015, wurde dieser zu 2016 hin fast ebenso stark zurückgenommen und erfuhr nun zur Ernte 2017 hin erneut einen spürbaren Rückgang (‑ 13,7 %). Dagegen wurde die Vermehrung von Winterhartweizen nach einer Verdoppelung im vergangenen Jahr erneut etwas ausgedehnt (+ 9,2 %), allerdings von einem vergleichsweise geringen Vermehrungsniveau ausgehend.

Wintergerste erholt

Nachdem bereits in den drei Jahren zuvor die Wintergerstenvermehrung spürbar zurückgenommen wurde, im vergangenen Jahr um 6.000 ha, wurde die Fläche dieses Jahr um 1.806 ha ausgedehnt und liegt nun bei 21.955 ha. In allen Bundesländern, bis auf Bayern, wurde die Vermehrung von Wintergerste etwas ausgedehnt, am stärksten ausgeprägt war dies absolut betrachtet in den Bundesländern Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein und Niedersachsen. Rund 70 % der Zunahmen entfielen auf diese drei Vermehrungsregionen. Der Rückgang bei der Wintergerste betraf im vergangenen Jahr die Hybridsorten im besonderen Maße. In diesem Jahr entfällt knapp die Hälfte der Zunahme auf die Hybriden. In diesem Zusammenhang erhöhte sich der Anteil der mehrzeiligen Sorten leicht und liegt nun bei 71,1 %. Hauptsorte ist wie in den Vorjahren, mit 3.042 ha, die mehrzeilige Sorte KWS Meridian, die um rund 10 % in der Vermehrung ausgedehnt wurde, gefolgt von der zweizeiligen Sorte California. An dritter Stelle steht weiterhin die zweizeilige Sorte Sandra mit nahezu unveränderter Vermehrungsfläche im Vergleich zum Vorjahr. An vierter Stelle kommt dann wie im Vorjahr die altbekannte Sorte Lomerit, gefolgt von der mehrzeiligen Sorte KWS Kosmos, die um rund 840 ha an Vermehrungsfläche zulegte. Wieder dazu gewonnen im Vergleich zum Vorjahr und somit weiterhin sehr bedeutend ist die mehrzeilige Sorte Quadriga mit einem Vermehrungsumfang von 1.546 ha. Schließlich folgt an siebter Stelle mit Wootan die erste Hybridsorte, deren Vermehrung kräftig ausgedehnt worden ist und mehr als 60 % Anteil an der Vermehrungsfläche der Hybridsorten innehat. Hieran schließt sich die mehrzeilige Sorte SU Ellen an, die als letzte der genannten Sorten auf einen Vermehrungsumfang oberhalb von 1.000 ha kommt. Mit Anja folgt eine weitere mehrzeilige Sorte, mit einem Flächenumfang von 619 ha. Auf dem zehnten Platz rangiert nun die mehrzeilige Sorte Joker, die mit einem Rückgang von 772 ha auf nun 599 ha eine erhebliche Reduktion erfuhr.

A-Weizensorte kommt auf 7.000 ha

Bei Winterweichweizen wurde in Thüringen, Schleswig-Holstein, Brandenburg und Rheinland-Pfalz die Vermehrung leicht eingeschränkt, in den übrigen Bundesländern etwas ausgedehnt, besonders kräftig in Mecklenburg-Vorpommern (+ 10 %). Die diesjährige Vermehrungsfläche liegt bei 51.863 ha, das entspricht einer Zunahme gegenüber dem Vorjahr um gut 900 ha. Die Spitzensorte ist in diesem Jahr wie in den beiden Vorjahren die Winterweizensorte RGT Reform, ein A-Weizen, der nochmals fast 1.800 ha im Vermehrungsumfang zulegte und jetzt auf 7.095 ha kommt. Damit wurde diese Sorte von 388 ha im Jahr 2014 auf nun über 7.000 ha hochgezogen. An zweiter Stelle liegt wie im Jahr 2015 die C-Sorte Elixer mit knapp 2.800 ha Vermehrungsfläche, gefolgt von der A-Sorte Patras, die in diesem Jahr rund 2.500 ha erreicht. Beide Sorten verloren nur unerheblich an Boden. Leicht zurückgenommen wurde die B-Sorte Tobak, diese Sorte liegt bei 2.294 ha. An fünfter Stelle liegt mit 2.202 ha die A-Sorte Julius, die 250 ha an Vermehrungsfläche dazu bekam. Ebenso wurde Benchmark, eine B-Sorte, etwas ausgedehnt und liegt nun oberhalb der 2.000 ha-Marke. Anschließend folgt mit Nordkap eine weitere A-Sorte, die 980 ha an Vermehrungsfläche hinzugewann und bei 1.655 ha liegt, gefolgt von der C-Sorte Anapolis, die etwas an Fläche einbüßte, aber immer noch oberhalb von 1.200 ha liegt. An neunter Stelle rangiert die A-Sorte Opal, die mit 978 ha fast an die 1.000 ha-Grenze heranreicht. Vergleichbare Größenordnungen erreicht nun die E-Sorte Ponticus, die beträchtlich an Fläche zunahm. Mit der B-Sorte Porthus und den A-Sorten Apostel und Boregar liegen drei weitere Sorten oberhalb von 900 ha Vermehrungsfläche, wobei Apostel besonders stark im Vergleich zum Vorjahr ausgeweitet wurde. Weitere ausgeprägte Zuwächse in der Vermehrung im Vergleich zu 2016 erfuhr die A-Sorte Dichter, die B-Sorten LG Imposanto und Bosporus, die A-Sorten Kashmir und Spontan sowie die C-Sorte Sheriff. Deutliche Rücknahmen traten beispielsweise bei den B-Sorten Rumor und Desamo und bei der A-Sorte Pionier auf. Der Umfang an mit Ausnahmegenehmigung vermehrten Winterweizenhybriden liegt bei 12 ha und somit etwas niedriger als im Vorjahr und ist auf eine Sorte beschränkt. Hinsichtlich der Zuordnung zu den einzelnen Qualitätsgruppen haben sich keine nachhaltigen Veränderungen ergeben. Der Anteil der E-Sorten verringerte sich gegenüber dem Vorjahr leicht und liegt bei 8,5 % (Vorjahr: 9,7 %). Die A-Sorten erreichen einen Anteil von 48,4 % (2016: 45,0 %), die B-Sorten liegen bei 26,3 % (Vorjahr: 28,5 %) und der Anteil der C-Sorten ging auf 11,3 % zurück (2015: 13,2 %).

 

 

 

 

 

 

 

Die Vermehrung von Spelzweizen wurde um 259 ha auf 1.638 ha zurückgenommen. Bereits im Vorjahr war die starke Ausdehnung durch eine starke Reduzierung zum Jahr 2015 nahezu egalisiert worden. Hauptvermehrungsregionen sind hier weiterhin vor allem Baden-Württemberg und Bayern. Hauptsorten in der Vermehrung sind wie bisher Zollernspelz, Oberkulmer Rotkorn und Franckenkorn, wobei letztere beiden die Plätze in der Rangfolge getauscht haben.

Die Nischenfruchtart Winterhartweizen wird im Umfang von 938 ha (2016: 859 ha; 2015: 350 ha) vermehrt. Schwerpunkte sind hier Sachsen-Anhalt, Baden-Württemberg, Bayern und Thüringen.

Mehr als 50 % Populationssorten

Die Vermehrungsfläche für Winterroggen beträgt in diesem Jahr 9.504 ha. Das ist ein Zuwachs im Vergleich zum Vorjahr um 572 ha. Während in Baden-Württemberg, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern spürbare Ausdehnungen der Vermehrungsflächen vorgenommen wurden, gingen die Flächen in Sachsen-Anhalt und Nordrhein-Westfalen erkennbar zurück. In den übrigen Bundesländern änderten sich die Vermehrungsumfänge nur geringfügig. Nicht so stark wie im Vorjahr aber immer noch deutlich hervortretend ist die Verschiebung hin zur Vermehrung von mehr Populationssorten. Lag der Anteil der Hybridsorten im Jahr 2015 noch bei 57,8 %, so ging dieser im letzten Jahr auf 47,4 %, um nun im Jahr 2017 auf 44,6 % zu kommen. Umgekehrt ausgedrückt liegt also der Anteil der freiabblühenden Roggensorten bei 55,4 %. Auch im siebten Jahr in Folge wird die Sortenrangliste von der Populationssorte Dukato angeführt mit 1.563 ha (Vorjahr: 1.641 ha). Auch an zweiter Stelle folgt mit der Grünroggensorte Protector, die speziell für den Winterzwischenfruchtanbau geprüft wurde, eine weitere Populationssorte, bei welcher der Vermehrungsumfang um 150 ha auf jetzt 1.113 ha ausgedehnt wurde. Schließlich folgen mit KWS Binntto, SU Cossani und SU Performer drei Hybridsorten mit Vermehrungsflächen von rund 900 – 1.000 ha. Alle drei Sorten haben eine Ausdehnung der Vermehrungsfläche erfahren, besonders die erstgenannte Sorte. Mit Inspector folgt eine weitere konventionelle Sorte. An siebter Stelle kommt KWS Eterno eine neue Hybridsorte, die jetzt auf 383 ha vermehrt wird. Anschließend liegen mit Matador, Conduct und Bonfire (Grünroggen) weitere Populationssorten mit ihren Vermehrungsflächen oberhalb von 300 ha, letztere Sorte wurde stark ausgeweitet.

Wie geschildert, erfuhr auch die Vermehrungsfläche von Wintertriticale eine spürbare Ausdehnung um knapp 720 ha und erreicht in diesem Jahr vorläufig 10.698 ha (2016: 9.980 ha). Wie im Vorjahr steht an Platz 1 mit 3.461 ha die Sorte Lombardo, das entspricht nahezu einer Verdoppelung im Vergleich zum Vorjahr, im Jahr 2015 lag die Sorte noch bei 69 ha. An zweiter Stelle liegt nun die Sorte Barolo mit 1.169 ha, gefolgt von den Sorten Tantris, Tulus und Agostino, die auf Vermehrungsumfänge von 650 – 810 ha kommen. Dann folgt mit 432 ha die im Vorjahr noch an zweiter Stelle gelegene Sorte Adverdo (2016: 1.304 ha). Als Besonderheit ist zu nennen, dass die Hybridsorte HYT Max auf 61 ha vermehrt wird. Das entspricht etwa dem Vorjahreswert.

Abschließend wird darauf hingewiesen, dass aus Platzgründen von den angesprochenen Fruchtarten nicht alle Sorten dargestellt werden können. In der Regel wurden Sorten mit weniger als 20 ha Vermehrungsfläche in Deutschland nicht aufgeführt, bei Winterweizen wurde die Grenze aufgrund des besonders großen Sortenspektrums bereits bei 100 ha gezogen.


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Stand: 25.08.2017