Webcode: 01032723

Vermehrungsfläche von Sommergetreide in Deutschland 2017 unverändert, großkörnige Leguminosen spürbar reduziert

Während die Wintergetreidevermehrung nach den vorläufigen Zahlen spürbar um rund 3.800 ha auf nun 96.596 ha ausgedehnt wurde, was einer Zunahme gegenüber dem Vorjahr von 4,1 % entspricht, wurde die Sommergetreidevermehrung  auf einem weiterhin niedrigen Niveau nur marginal um 0,7 % ausgeweitet. Insgesamt wurde die Vermehrung des Sommergetreides lediglich um 104 ha ausgedehnt und beläuft sich jetzt vorläufig auf 15.861 ha in Deutschland. Hier fanden bereits in der jüngeren Vergangenheit stärkere Rücknahmen in der Vermehrungsfläche statt. Allein seit dem Jahr 2012 beträgt der Rückgang bei den Sommerungen rund 16 %. Dagegen wurde die Vermehrung von großkörnigen Leguminosen nach starken Zunahmen in 2015 und moderaten Zunahmen im Jahr 2016 nun wieder spürbar zurückgenommen. Hierzu berichten wir separat. Wie immer handelt es sich bei den Flächenangaben für das Jahr 2017 um vorläufiges Datenmaterial, welches noch leichten Änderungen unterworfen sein kann. In den Sortentabellen wurden Kandidaten mit weniger als 20 ha Vermehrungsfläche nicht dargestellt, sondern unter Sonstige aufsummiert.

 

Die Vermehrungsfläche für Sommerweichweizen liegt nun bei 2.120 ha, das sind 48 ha mehr als im letzten Jahr oder plus 2,3 %. Hauptvermehrungsregionen in Deutschland sind insbesondere Mecklenburg-Vorpommern. Niedersachsen, Thüringen, Sachsen-Anhalt und Bayern. Die Hauptsorte ist nun die Sorte Quintus, die kräftig in der Vermehrungsfläche zulegte, gefolgt von Lennox sowie Sonett. Quintus und Lennox verfügen nach Züchterangaben auch über eine Eignung zum Anbau als Wechselweizen, also Aussaateignung in später Herbstaussaat.

Wie in der Vergangenheit wird Sommerhartweizen überwiegend in Sachsen-Anhalt und Thüringen vermehrt. Gegenüber dem Vorjahr wurden die Flächen spürbar um gut 200 ha reduziert. In diesem Jahr ist die Hauptsorte hier die EU-Sorte Duramonte, gefolgt von Miradoux und Anvergur.

Die Vermehrungsfläche von Sommertriticale wurde nach einer leichten Ausdehnung im Vorjahr im Frühjahr 2017 um gut 90 ha zurückgenommen und liegt nun bei 640 ha. Hauptvermehrungsregionen sind in diesem Jahr die Bundesländer Brandenburg, Bayern und Sachsen-Anhalt. Hauptsorte ist wie im Vorjahr die Sorte Somtri, gefolgt von Dublet und der älteren Sorte Logo. Besonders deutlich reduziert wurde die Sorte Team PZO. Hier handelt es sich um eine Sorte, die speziell für die Eignung im Zweitfruchtanbau beim Bundessortenamt geprüft wurde. Es handelt sich hierbei um Sortentypen, die auch noch vergleichsweise spät im Juni bis Anfang Juli ausgesät werden können und dann immer noch vergleichsweise hohe Frischmasse- bzw. Trockenmasseerträge liefern können.

 

 

 

 

 

 

 

 

Im Sommerungsbereich bleibt die Sommergerste wie in der Vergangenheit die wichtigste Getreideart. Nach mehreren Jahren mit deutlichen Rückgängen wurde in diesem Frühjahr erkennbar mehr Sommergerste zur Vermehrung ausgesät. Die aktuelle Vermehrungsfläche liegt nun vorläufig derzeit bei 8.263 ha. Das ist ein Zuwachs von 287 ha bzw. um rund 3,6 %. Diese Ausdehnung ist zwar moderat aber der Abwärtstrend hat sich nicht weiter fortgesetzt. Wie bisher sind die Hauptvermehrungsgebiete in Deutschland die Bundesländer Bayern, Niedersachsen, Baden-Württemberg, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Die deutlichsten Zuwächse an Vermehrungsflächen waren dabei in Sachsen-Anhalt zu verzeichnen. Während in Westdeutschland die Vermehrungsfläche lediglich um 95 ha ausgedehnt wurde, erfolgte in den ostdeutschen Bundesländern eine etwas stärkere Ausdehnung in der Vermehrung (+ 191 ha). Hauptsorten im Jahr 2017 sind wie im Vorjahr die Braugerstensorte Avalon gefolgt von RGT Planet, die zumindest in benachbarten EU-Ausland auch gerne zur Vermälzung herangezogen wird. Beide Sorten erfuhren erneut eine deutliche Zunahme. Auf Platz drei folgt die Sorte Quench, die ebenfalls spürbar ausgedehnt wurde. Auf dem vierten Platz rangiert nun die Sorte Laureate, die von 27 ha nun auf 444 ha in Vermehrung gestellt wurde. Leicht ausgedehnt wurde auch die Braugerstensorte Solist. Dagegen wurde die dann folgende Sorte Grace um mehr als 450 ha reduziert und erreicht nur noch 237 ha. Erst dann folgt mit Eunova die erste Futtergerstensorte, die im Vermehrungsumfang konstant gehalten wurde, gefolgt von der Braugerste Marthe und Vespa, eine weitere Futtergerste. An zehnten Stelle rangiert in diesem Jahr die Sorte Milford. Insgesamt entfallen auf die ersten acht genannten Braugerstensorten rund 76 % der gesamten Vermehrungsfläche und davon wiederrum fast 75 % auf die drei Sorten Avalon, RGT Planet und Quench. In der Summe wurden in diesem Jahr, ohne Hinzurechnung der Stämme, 66 Sorten in Deutschland zur Vermehrung angemeldet. Das zeigt, dass gerade bei Braugersten weiterhin eine starke Fokussierung auf einige wenige Sorten gegeben ist.

 

 

 

 

 

 

 

 

Einen weiteren kleinen Aufschwung erfuhr die Vermehrung von Sommerhafer in diesem Jahr. Die Vermehrungsfläche wurde erneut ausgedehnt und zwar um 2,2 %, das sind 90 ha. In der Angabe der Vermehrungsfläche ist auch der Rauhafer enthalten, der seinerseits mit einigen Sorten vertreten ist. Im Vergleich zum Vorjahr wurde die Fläche allerdings um 183 ha zurückgenommen. Die Rauhafersorten haben damit immer noch einen Anteil an der Hafervermehrungsfläche von gut 20 %. Hauptvermehrungsgebiete im Westen sind die Bundesländer Bayern, Niedersachsen, Baden-Württemberg und Schleswig-Holstein. Im Osten liegen die größten Vermehrungsflächen in Brandenburg und in Mecklenburg-Vorpommern. Hauptsorte mit 1.001 ha ist wie im Vorjahr Max, gefolgt von Apollon, Bison und Scorpion. Alle vier Sorten sind Gelbhafer. Dann folgt mit Ivory die erste Weißhafersorte. Auch bei den Hafersorten ist mit der Sorte Pinnacle eine für den Zweitfruchtanbau geprüfte Sorte dabei, die allerdings spürbar in der Vermehrung zurückgenommen wurde. Als Besonderheit spielt nach wie vor der Schwarzhafer Zorro eine gewisse Rolle. Insbesondere in Hafervermehrungen hat das Vorkommen von Flughafer fatale Auswirkungen, da hier eine gesetzliche Nulltoleranz gilt. Wie in anderen Getreidearten auch, führt das Auftreten von Flughafer Jahr für Jahr vereinzelt zu Aberkennungen im Feld.

In der Vermehrung stehen, wie erwähnt, auch eine Reihe von Rauhafersorten (Avena strigosa). Der Rauhafer, auch Sandhafer genannt, wird für einen Zwischenfruchtanbau auch im Zusammenhang mit der Erzeugung von Biogas genutzt. Bei den Sorten steht mit einer Vermehrungsfläche von 644 ha die Sorte Panache eindeutig im Vordergrund, gefolgt von der Sorte Pratex, die allerdings im Vermehrungsumfang reduziert wurde. Insgesamt kommen diese zwei Sorten auf eine Vermehrungsfläche von 723 ha von insgesamt 839 ha Rauhafervermehrungsfläche.

Der Sommerroggen kommt in diesem Jahr mit 333 ha Vermehrungsfläche nicht ganz an die Vorjahresfläche heran (- 26 ha). Die meisten Vermehrungen stehen in Brandenburg, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Schleswig-Holstein, wobei die Sorte Arantes dominiert und außerdem spielt die Sorte Ovid eine größere Rolle.

Eine Abschätzung der Saatgutversorgungssituation bei den Sommerungen für das kommende Frühjahr ist natürlich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht seriös möglich. Überwiegend kam das Sommergetreide zeitgerecht und unter günstigen Bedingungen in die Erde und zeigte eine gute Entwicklung.


Kontakt:
Willi Thiel
Leiter Anerkennungsstelle für Saat- und Pflanzgut
Telefon: 0511 3665-4370
Telefax: 0511 3665-4508
E-Mail:
Eric Preuß
Anerkennung von Saat- und Pflanzgut
Telefon: 0511 3665-4353
Telefax: 0511 3665-994353
E-Mail:


Stand: 25.08.2017



PDF: 28419 - 241.293945312 KB   Bundesländer Sommerungen 2017   - 241 KB