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Vermehrung von Gräsern in Deutschland 2017 etwas reduziert, spürbarer Rückgang bei Großkörnigen Leguminosen

Leicht reduziert wurde die Vermehrung im Gräserbereich. Die relativ starke Ausdehnung des Anbaus von Großkörnigen Leguminosen wie z. B. Futtererbsen, Ackerbohnen und Blauen Lupinen im Jahr 2015 im Zusammenhang mit den seinerzeit schon geltenden agrarpolitischen und förderungsrechtlichen Rahmenbedingungen der Agrarreform durch den Baustein Greening mit den Komponenten Anbaudiversifizierung und ökologische Vorrangfläche und sonstige Agrarumweltmaßnahmen hat sich schon 2016 nur noch verhalten weiterentwickelt, in diesem Jahr wurde die Vermehrung nun spürbar eingeschränkt.
 

Bei den jetzt vorliegenden Zahlen handelt es sich noch um vorläufige Angaben, weil u. a. die Anträge zur Nutzung des zweiten Samenschnitts z. B. bei Rotklee und Luzerne noch nicht in Gänze vorliegen oder noch nicht eingeflossen sind. Dieser Anteil dürfte das Gesamtbild noch verändern, insbesondere bei Rotklee ist aus Bayern noch mit einer beträchtlichen Anzahl an Anmeldungen von Vermehrungsvorhaben für die Samenernte im 2. Schnitt zu rechnen. In der vorliegenden Tabelle sind die aktuellen Vermehrungszahlen für Gräser, Kleinkörnige und Großkörnige Leguminosen getrennt nach Arten und Bundesländern und insgesamt im Vergleich zu den endgültigen Anmeldezahlen aus 2016 dargestellt. Betrachtet man die Gesamtzahlen, so ist zunächst bei Gräsern eine leichte Rücknahme um 3,3 % festzustellen, während bei den Kleinkörnigen Leguminosen nach dem derzeitigen Stand ein deutlicher Rückgang vorliegt. Dieser Rückgang wird aber durch die Ergänzung der fehlenden Angaben für Rotklee noch vermindert werden. Die Vorjahreszahlen dürften aber auch bei dieser Fruchtart nicht in Gänze erreicht werden. Bei den Großkörnigen Leguminosen fand keine erneute Ausdehnung der Vermehrungsflächen statt, sondern die Vermehrungsflächen wurden um fast 14 % zurückgenommen. Von 2014 zu 2015 waren die Vermehrungsflächen der Großkörnigen Leguminosen deutschlandweit um immerhin 52 % ausgeweitet worden und 2016 noch um 5 %. Die Diskussionen rund um den Einsatz oder das Verbot von Pflanzenschutzmitteln auf ökologischen Vorrangflächen haben deutliche Spuren hinterlassen.

 

 

 

 

 

 

Gräser

Insgesamt wurden im Gräserbereich die Vermehrungsflächen um 824 ha reduziert.

Damit wurde die leichte Ausdehnung aus dem Vorjahr mehr als zurückgenommen. Bereits im Jahr 2015 waren die Gräservermehrungsflächen um mehr als 1.500 ha verringert worden. Die stärkste Gräservermehrung steht weiterhin in Sachsen, wo das Vorjahresniveau leicht übertroffen wurde. In diesem Bundesland befinden sich weiterhin etwas über 30 % der deutschen Gräservermehrungsflächen.

Weitere Vermehrungsschwerpunkte mit mehr als 3.000 ha oder etwas darunter liegen in Niedersachsen und Brandenburg. Das Bundesland Mecklenburg-Vorpommern erreicht gut 2.200 ha, gefolgt von Thüringen mit 2.100 ha und Rheinland-Pfalz mit gut 1.800 ha. In allen genannten Bundesländern wurden die Gräservermehrungen etwas eingeschränkt.

Insgesamt entfallen von der bundesdeutschen Gräservermehrungsfläche knapp 68 % auf die östlichen Bundeländer und demzufolge gut 32 % auf den Westen. Wie in der Vergangenheit bestimmen die verschiedenen Weidelgräser das Artenspektrum. Mit einer Vermehrungsfläche von 7.477 ha führt das Welsche Weidelgras deutlich die Artenliste an. Es folgen Deutsches Weidelgras mit 4.915 ha und Einjähriges Weidelgras (Bild 1) mit 4.367 ha. Während beim Deutschen Weidelgras und beim Einjährigen Weidelgras kaum Veränderungen gegenüber dem Vorjahr aufgetreten sind, wurde die Vermehrung von Welschem Weidelgras erkennbar reduziert (-10,8 %).

Ausgedehnt wurden die Vermehrungen bei Bastardweidelgras und, was erfreulich ist, bei den kleinen Spezialarten Knaulgras und Lieschgras. Dagegen wurde die Wiesenrispe, die mittlerweile auch zu den kleinen „Spezialarten“ zu zählen ist, weiter reduziert.

 

 

 

 

 

Kleinkörnige Leguminosen

Bei den Kleinkörnigen Leguminosen werden die meisten Arten in Blanksaat oder auch in Mischung für den Futterpflanzenanbau genutzt oder geeignete Weißklee- und Rotkleesorten finden auch Platz in verschiedenen Mischungen für die Grünlandnutzung. Bei den Kleinkörnigen Leguminosen, die weiterhin ganz eindeutig vom Rotklee dominiert werden, wurde die Vermehrungsfläche in etwa beibehalten oder etwas reduziert. Zu berücksichtigen ist, dass die Anträge für Samennutzung zweiter Schnitt noch nicht enthalten sind. Aber aufgrund der weiterhin anhaltenden Probleme mit Mäusen sowie aufgrund der enttäuschenden Ernten aus der jüngeren Vergangenheit wäre eine gewisse Reduzierung nicht unwahrscheinlich. Vermehrungsschwerpunkte für Rotklee befinden sich in Bayern und in Sachsen. Daneben wird noch etwas Luzerne, geringe Umfänge an Inkarnatklee und ganz wenig Weißklee in Deutschland vermehrt.

 

 

 

 

 

 

Großkörnige Leguminosen

Beträchtliche Veränderungen hat es beim Anbau und bei der Vermehrung von Großkörnigen Leguminosen in den letzten Jahren gegeben. Nachdem die Großkörnigen Leguminosen im Jahr 2014 gegenüber dem Vorjahr um mehr als 1.000 ha auf nicht ganz 8.000 ha ausgedehnt wurden und im Folgejahr nochmals fast 4.000 ha Vermehrungsfläche hinzukamen und damit eine Größenordnung von fast 12.000 ha erreicht wurde, erfolgte im Jahr 2016 lediglich eine Zunahme um 755 ha auf nun 12.717 ha. Dieses Jahr folgte nun eine Rücknahme um vorläufig 1.740 ha, von welcher besonders die Futtererbse und abgeschwächt auch Blaue Lupine und Ackerbohne betroffen war. Aber auch alle anderen Großkörnigen Leguminosenarten wurden im Vermehrungsumfang reduziert. Bei den Großkörnigen Leguminosen entfallen gut 94 % auf die Arten Futtererbse, Ackerbohne und Blaue Lupine (Bild 3). Davon nehmen wiederum die Futtererbsen (Bild 2) einen Anteil von 56 % und die Ackerbohnen von 26 % ein. Daneben spielen Zottelwicken (Bild 4), Saatwicken und Gelbe Lupine noch eine gewisse Rolle. Bis auf die Blaue Lupine und die Weiße Lupine erfuhren alle Großkörnigen Leguminosen eine leichte Ausdehnung der Vermehrungsflächen, die noch am stärksten bei den Futtererbsen ausgeprägt war. Die Vermehrungsschwerpunkte liegen in Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt und Brandenburg. Mit deutlichem Abstand folgen hier Sachsen, Niedersachsen, Bayern und Thüringen.

 

 

 

 

 

 

Fazit

Bei den Gräsern und den Großkörnigen Leguminosen wurden im Jahr 2017 die Vermehrungsflächen mehr oder weniger deutlich verringert und auch für die Kleinkörnigen Leguminosen kann ein gewisser Rückgang erwartet werden. Und das obwohl insbesondere bei den Kleinkörnigen Leguminosen die Versorgungssituation eher knapp und demzufolge das Preisniveau vergleichsweise hoch war und ist und demzufolge bis auf weiteres auch erst einmal so bleibt. Bei der Vermehrung der Großkörnigen Leguminosen ist sicherlich ein Zusammenhang zu den Diskussionen um die Einsatzmöglichkeiten von chemischen Pflanzenschutzmitteln auf ökologischen Vorrangflächen gegeben. Ohne diese Möglichkeiten dürfte eine wirtschaftliche Erzeugung von Großkörnigen Leguminosen nur bedingt erreichbar sein.


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Stand: 25.08.2017