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Mehrjähriger Ackergrasanbau - Masse und Klasse produzieren

Der Ackergrasanbau hat wieder an Bedeutung gewonnen, denn die wirtschaftliche Situation zwingt zu einer nachhaltig intensiven Nutzung des Bodens. Grünfutter mit hoher Nährstoffdichte und guter Verdaulichkeit ist sowohl für den Futterbauer als auch für den Biogas produzierenden Landwirt von Interesse.

Der Ackergrasanbau wirkt sich darüber hinaus förderlich auf die Bodenfruchtbarkeit aus. Die tief wurzelnden Ackergräser und Leguminosen beleben die Fruchtfolge und unterliegen keinen Anbaupausen. Durch Ackergräser lässt sich zudem die im Jahr anfallende Gülle gut verwerten. Lediglich die Mehrschnittnutzung kann kontrovers diskutiert werden, denn sie erfordert einen entsprechenden Kosten- und Zeitaufwand für Düngungs- und Erntemaßnahmen. In Jahren mit einer guten Niederschlagsverteilung kann man mit mindestens sechs schnittwürdigen Aufwüchsen rechnen. Allerdings lassen sich durch die Mehrschnittnutzung aber auch ungünstige Witterungs- und Ertragssituationen kompensieren. Hinzu kommt, dass mit dem mehrjährigen Ackergrasanbau auch auf die jährliche Aussaat, Saatbettvorbereitung und Saatgutbeschaffung verzichtet werden kann.

Zu den typischen Ackergräsern gehören das Welsche Weidelgras, das Bastardweidelgras und das Einjährige Weidelgras. Das Deutsche Weidelgras und der Wiesenschweidel können sowohl auf dem Dauergrünland als auch auf dem Ackerland angebaut werden.
Prinzipiell weisen alle dieser Gräser einen guten Futterwert aus, wenn sie frühzeitig vor bzw. zu  Beginn des Ährenschiebens geerntet werden. Wird im Futterbaubetrieb jedoch zunehmend Struktur in den Rationen benötigt, so kann die Ernte leicht hinausgezögert werden. Bereits bei deutlichem Sichtbarwerden der Ähre liegt der Rohfaserhalt in aller Regel bei etwa 24 % und mehr.
Auch die Silierung von Ackergrasbeständen gelingt im Allgemeinen bei raschem Anwelken des Futters und bei Mindesttrockensubstanzgehalten von 30 %.  Lediglich für das im Herbst geerntete Gras sollte der Siliermitteleinsatz zur Verhinderung von Fehlgärungsprozessen als fester Verfahrensbaustein im Ernteprozess eingeplant werden.
Im Folgenden sollen vor allem die Ackergräser bzw. Acker- und Kleegrasmischungen vorgestellt werden, die bis zum Herbst ausgesät werden können. In Tabelle 1 sind diese Mischungen in einer Übersicht zusammengestellt.

A1-Mischung
Die  Ackergrasmischung A1 enthält ausschließlich Welsches Weidelgras. Das Welsche Weidelgras ist die ertragreichste Grasart. In Landessortenprüfungen wurden in Niedersachsen durchschnittliche Ertragswerte in den zurückliegenden sechs Jahren von 130 dt TM/ha auf leichten Sandstandorten bis über  200 dt TM/ha auf Seemarschstandorten erzielt. Die Ertragsunterschiede zeigen die Bedeutung der Wasserversorgung.
Bei einem derartig hohen Ertragsniveau sind im Hauptnutzungsjahr Stickstoffgaben bis zu 360 kg N/ha erforderlich, denn es werden hierbei N-Entzüge von über 400 kg s erzielt.  Dementsprechend besteht auch ein hoher Kalium- und Phosphorbedarf, den es organisch oder mineralisch zu ergänzen gilt.
Diese Ackergrasmischung wird vorzugsweise Mitte September in ein gut hergerichtetes Saatbett ausgesät. Erst durch den Kältereiz im Winter kann das Gras im Folgejahr in die generative Phase gelangen und damit zur Strukturbildung kommen. Der erste Schnitt ist im Allgemeinen Ende April bzw. Anfang Mai je nach Standort mit Erträgen von mindestens 40 bis etwa 70 dt TM/ha zu erwarten. Insofern fällt die Ernte zeitlich früher an als der erste Schnitt vom Grünland.
Soll das Ackergras bereits im August gleich nach einer frühen Getreideernte ausgedrillt werden, wird mit hoher Wahrscheinlichkeit noch eine erste Nutzung im Herbst erforderlich sein, damit das Gras nicht zu lang in den Winter geht. Hierbei ist zu berücksichtigen, dass es sich um strukturarmes Futter handelt. Sowohl bei großflächiger Beweidung als auch bei Frischverfütterung ist auf eine Strukturergänzung zu achten. 

Soll nun besser eine Mischung oder doch vorzugsweise – wie im Ackerbau üblich- nur eine leistungsfähige Sorte angebaut werden?
Der Sortenmischung ist stets dann der Vorrang einzuräumen, wenn das Welsche Weidelgras ganzjährig oder auch überjährig genutzt wird. Damit begegnet man dem Risiko von Ertragseinbußen infolge ungünstiger Witterungs- und Nutzungsbedingungen. Liegen jedoch mehrjährige Erfahrungen und gute Standortbedingungen für den Ackergrasbau vor, kann durchaus die Empfehlung zur Aussaat von nur einer Sorte  gegeben werden. Die Auswahl für eine leistungsstarke Sorte kann auf Grundlage der regionalen Sortenempfehlung (Tabelle 2) vorgenommen werden, denn die Landwirtschaftskammer aktualisiert und veröffentlicht hierzu jährlich ihre Sortenempfehlungen auf Grundlage von Ertragsergebnissen aus Landessortenversuchen.

A1-WZ-Mischungen
In vielen Fällen wird das Welsche Weidelgras eher als Winterzwischenfrucht mit dem Ziel genutzt, nur einen ersten frühen Schnitt im Frühjahr des Folgejahres zu erzielen.
Für diese klassische Nutzung des Welschen Weidelgrases als Winterzwischenfrucht gibt es eine spezielle Mischung auf dem Markt mit der Bezeichnung „A1- WZ“ (WZ= Winterzwischenfrucht). Diese Mischung enthält hochwertige Sorten mit guter Winterhärte und einem hohen Frühjahresertrag. Bei der Sortenempfehlung für diese Mischung wird demzufolge ein besonderer Wert auf Genotypen mit einem sehr hohen Ertrag zum ersten Schnitt gelegt. Folgerichtig unterscheiden sich die Sortenempfehlungen für die A1- und die A1-WZ-Mischung, was ebenfalls der Tabelle 2 zu entnehmen ist. Sowohl in der A1- als auch in der A1-WZ-Mischung sind dem Anteil tetraploider Sorten keine Grenzen gesetzt.

A3- Mischung
Ackergrasmischungen mit der Bezeichnung „A3“ setzen sich aus drei Grasarten dem Bastard-, Welschem - und Deutschem Weidelgras zusammen. Diese Mischung sollte vorzugsweise mindestens 2- bis 3-Jahre genutzt werden.
Die Aussaat der A3-Mischung erfolgt vorzugsweise noch im August, damit sich alle drei Grasarten gleich gut entwickeln können. Räumt die Vorfrucht allerdings erst Anfang September, sollte so zügig wie möglich die Aussaat bis spätestens Mitte September erfolgen. Unter dem Schutz des Welschen Weidelgrases und bei einem milden Herbst haben dann auch noch das Deutsche und das Bastardweidelgras die Chance, sich weiter zu entwickeln.
Im ersten Nutzungsjahr wird insbesondere das Welsche Weidelgras dominieren und den Ertrag am meisten beeinflussen. Die Ertragsanteile des Welschen Weidelgrases nehmen bereits im zweiten Nutzungsjahr stark ab, so dass nunmehr sowohl das Bastardweidelgras als auch das Deutsche Weidelgras stärker zur Ausprägung kommen und den Ertrag sichern. 
Die A3-Mischung ist auch für die Beweidung geeignet, denn das in der Mischung enthaltene Deutsche Weidelgras führt im Gegensatz zur A1-Mischung zu einer deutlich dichteren und damit trittfesten Grasnarbe. Zudem beeinflusst das Deutsche Weidelgras als Untergras positiv die Nutzungselastizität des Aufwuchses.

A5-Mischung und A5-spät-Mischung
Die A5- und  A5-spät Mischung enthält ausschließlich Sorten des Deutschen Weidelgrases. Beide Mischungen unterscheiden sich lediglich in Bezug auf die Reifegruppen. Sind von den Weidelgrassorten alle drei Reifegruppen enthalten, so handelt es sich um eine klassische A5-Mischung. Besteht die Mischung jedoch aus Sorten mit je 50 % der mittleren und der späten Reifegruppe, wird diese Mischung als „ A5 spät“ bezeichnet.
Die Mischung eignet sich sowohl für den zwei- bis mehrjährigen Ackerfutterbau als auch für das Wechselgrünland.
Für den ersten Eindruck ähneln sich sowohl die  A5- als auch die A5-spät-Mischung in ihrer Zusammensetzung mit den beiden Grünland-Nachsaatmischung GV und GV-spät. Jedoch gibt es einen prinzipiellen Unterschied zwischen den Ackergras- und Grünlandmischungen. Die A5-Mischung enthält vorrangig ertragsstarke Sorten. Die Ausdauerleistung findet hierbei im Gegensatz zu den Grünlandmischungen keine so große Beachtung, da die Nutzungsdauer der Ackergrasmischungen begrenzt ist.

Kleegrasmischungen

Leider werden Kleegrasmischungen noch viel zu wenig in konventionell wirtschaftenden Betrieben eingesetzt. Ihr Wert ist vor allem in der Erzeugung von proteinreichem und schnell verdaulichem Grobfutter bei gemäßigter N-Düngung zu sehen. Eine Startgabe von 30 bis maximal 40 kg N, auch über die Gülledüngung
wäre allein schon ausreichend, um langfristig ohne zusätzliche N-Gaben ein gutes Ertragsniveau zu halten. Doch auch im Verlaufe der Nutzungsjahre können hin und wieder noch organische Gaben gegeben werden. Im Allgemeinen betrifft das den ersten Aufwuchs, wenn der Grasanteil bei über 50 % liegt und es gilt, die Gräser zu versorgen. Prinzipiell beeinflusst die Höhe der N-Düngung auch den Kleeanteil, so dass man damit regulierend in den Bestand eingreifen kann.

Sowohl bei reduzierter N-Düngung als auch bei gänzlichem Verzicht auf N-Gaben sind Kostenersparnisse möglich.
Wenn es gelingt, den Klee gut und relativ gleichmäßig im Bestand zu etablieren, kann Kleegras nach kurzer Anpassungszeit durchaus das Ertragsniveau von reinen Ackergrasbeständen erreichen. Kleegras zeichnet sich im Allgemeinen durch deutlich höhere Energiekonzentrationen und besserer  Nutzungselastizität aus. Bei der Wahl der Mischung ist auf leistungsfähige Gras- und Kleesorten zu achten. Die von der Landwirtschaftskammer empfohlenen Standardmischungen können für die meisten Standorte als Orientierungshilfe für die Zusammenstellung von Kleegrasmischungen dienen (Tabelle 1).

A3 plus W und A3 plus S
Die Basis dieser Kleegrasmischung ist die Ackergrasmischung A3.
In der A3 plus S wurde die „A3“ ausschließlich mit Rotklee ergänzt. Diese Mischung dient vornehmlich der Schnittnutzung. Damit der Rotklee im zweiten Nutzungsjahr nicht zu drastisch zurückgedrängt wird, sollte die A3 plus S-Mischung maximal vier Mal pro Jahr geschnitten werden.
Für die Mähweidenutzung ist es sinnvoll, den Weißklee zusätzlich in die Mischung einzubringen, um die Trittfestigkeit der Narbe zu erhöhen. Diesem Anspruch wird man mit der A3 plus W-Mischung gerecht. Die „A3 plus W“ ist von den beiden Kleegrasmischungen die nutzungselastischere Variante, die auch eine intensivere Nutzung verträgt.

A5 spät plus W, A5-spät plus S
Für die Kleegrasmischungen mit Deutschem Weidelgras gilt das Gleiche, wie für die mit Leguminosen angereicherten A3-Mischungen.
Auch hierzu gibt es eine Mischung mit Rotklee, die vorzugsweise für die Mähnutzug konzipiert ist. Vor dem Hintergrund wird diese Gras-Leguminosen-Mischung als A5-spät plus S bezeichnet. Das „S“ steht hierbei für die bevorzugte Schnittnutzung.
Für den Fall, dass auch eine Beweidung der Fläche geplant ist, sollte die Kleegras-Mischung zudem gewisse Anteile an Weißklee enthalten. Dieses ist in der Mischung A5-spät plus W der Fall. Die Integration des Buchstaben „W“ betont in diesem Namen die Möglichkeit der zusätzlichen Weidenutzung.  

A7-Mischung
Zu einer weiteren artenreichen Kleegrasmischung gehört die Standardmischung A7. Die Mischung enthält neben Rot- und Weißklee auch drei ausdauernde Grasarten wie Deutsches Weidelgras, Wiesenschwingel und Wiesenlieschgras. Da es sich bei den Gräsern um bevorzugte Grasarten des Grünlandes handelt, zeichnet sich die Mischung durch eine hohe Ausdauer aus.
Der optimale Schnittzeitpunkt dieser Mischung ist dem des Dauergrünlandes ähnlich, so dass im Allgemeinen auch eine zeitgleiche bzw. zeitnahe Beerntung möglich ist.
Allerdings erreicht diese Mischung zumeist nicht das Ertragsniveau der A3 plus S-Mischung. Durch die Verwendung von ertragsstarken Sorten des Deutschen Weidelgrases lässt sich die Massewüchsigkeit der Mischung jedoch verbessern.

Wir fassen zusammen
Der mehrjährige Ackerfutterbau gelingt am besten auf tiefgründigen Böden mit guter Wasserversorgung. In Anbetracht der hohen Nährstoffentzüge ist gleichfalls eine gute Nährstoffversorgung der Pflanzen wesentlich für das Ausschöpfen des Ertragspotentials.
Wer die oben aufgeführten Vorteile von Ackergräsern nutzen will, sollte darüber hinaus auf die richtige Auswahl der Mischungen achten. Für die Ansaat von Ackergras oder Kleegras im Herbst stehen verschiedene Mischungen zur Verfügung. Welche Mischung letztendlich gewählt wird, sollte eine einzelbetriebliche Entscheidung bleiben. Wichtige Kriterien der Auswahl sind neben dem Aussaatzeitpunkt die Nutzungsdauer, die Ertragsleistung und die Düngungsintensität. 
Von den nordwestdeutschen Landwirtschaftskammern wird jährlich ein Faltblatt herausgegeben (auch als Olives Faltblatt bezeichnet), in welchem sowohl die typischen Ackergrasmischungen als auch die aktuellen Sortenempfehlungen aufgeführt sind. Das Olive Faltblatt können Sie entweder von Ihren Bezirksstellen anfordern oder auch von dieser Internetseite herunterladen. Mit Berücksichtigung der regionalen Sortenempfehlungen wird ein hoher Qualitätsstandard in den Mischungen erreicht. Die Sortenechtheit und kontrollierte Qualität der Mischung erkennen Sie durch das rote Siegel der Freiwilligen Mischungskontrolle Niedersachsen.


Kontakt:
Dr. Christine Kalzendorf
Beraterin Grünland, mehrjähriger Ackerfutterbau und Futterkonservierung
Telefon: 0441 801-428
Telefax: 0441 801-432
E-Mail:
Dr. Matthias Benke
Leiter Fachbereich Grünland und Futterbau
Telefon: 0441 801-420
Telefax: 0441 801-432
E-Mail:


Stand: 07.08.2012



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