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65. Grünlandtag 2017

Konsequentes Kostenmanagement betreiben, strengere Umwelt- und Sozialstandards einkalkulieren, wirtschaftseigenen Dünger effizienter einsetzen, in der Grundfutterproduktion Ertrags- und Qualitätspotenziale heben und die Herde in allen Phasen der Produktion mit besten Nährstoffen, Mineralien und Vitaminen versorgen – dies waren die allgemeinen Empfehlungen der Referenten des 65. Grünlandtags.

 

 

„Für die Zukunft planen“ lautete das Motto der Veranstaltung, zu der am 08.02.2017 etwa 350  Besucher nach Spohle (LK Ammerland) und am 09.02.2017 circa 180 Gäste nach Harsefeld (LK Stade) kamen.

 

 

 

Wesentliche Aussagen des Kammerpräsidenten

„Grußwort


"Die Milchmarktkrise hat gezeigt, dass man Stetigkeit auf dem Weltmarkt nicht erwarten kann“, bewertete Gerhard Schwetje, Präsident der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, die aktuelle Situation der Branche. „Der lange Zeitraum unzureichender Milchpreise hat deutlich gemacht, dass alle Investitionen und alle Kostenpositionen gegenwärtig und künftig viel intensiver zu durchleuchten sind.“

Für die Zukunft zu planen bedeute bei allen erfreulichen Erfolgen in der Produktivitätssteigerung auch, die Anforderungen aus der Gesellschaft im Blick zu haben, sagte Schwetje weiter. Denn mit der Intensivierung der Produktion seien auch Artenverlust, Nährstoffüberschüsse und Resistenzen einhergegangen. „Neue Aufgaben stehen bevor: Von uns wird zunehmend erwartet, eine nachhaltige Landwirtschaft zu betreiben“, stellte der Kammerpräsident heraus.

 

 

 

Wesentliche Aussagen von Franz Jansen-Minßen

„Künftige Anforderungen aus Politik und Gesellschaft zur Futterproduktion“

Die Landwirtschaft steht weltweit vor großen Herausforderungen. Bei endlichen Ressourcen für Wasser, Boden und Phosphat ist die Frage zu beantworten, wie die laut FAO erforderliche Verdoppelung der weltweiten Nahrungsmittelproduktion bis 2050 erreicht werden kann, wenn gleichzeitig die Flächenkonkurrenz durch höhere Anforderungen des Natur- und Umweltschutzes, die Erzeugung erneuerbarer Energien sowie durch Infrastrukturmaßnahmen zunimmt.

Die Erfolgsindikatoren der Landwirtschaft im 20. Jahrhundert waren im Wesentlichen ökonomische und biologische Leistungsdaten und die Produktionsleistung der Landwirtschaft stand im Mittelpunkt der gesellschaftlichen Betrachtung. Seit der Neuausrichtung der gemeinsamen Agrarpolitik im Jahr 1992, dem Ende der Marktinterventionspolitik der Europäischen Union, traten die multifunktionalen Leistungen der Landwirtschaft im Zuge des Ausbaues von Maßnahmen zur ländlichen Entwicklung zunehmend in den Fokus der Öffentlichkeit. Eine nachhaltige, multifunktionale Landwirtschaft, die mehr mit weniger produzieren und gleichzeitig öffentliche Gelder nur für öffentliche Güter erhalten soll, rückt damit in den Mittelpunkt der gesellschaftlichen Diskussion.

Sowohl die Europäische Union als auch ihre Mitgliedsstaaten haben damit begonnen, die in internationalen Abkommen vereinbarten Nachhaltigkeitsziele durch förderrechtliche und ordnungsrechtliche Maßnahmen in der Agrar- und Umweltpolitik zu verankern. Gleichzeitig haben alle Staaten entsprechend ihrer EU-Verpflichtungen Monitoring-
systeme zur Erfassung von Nachhaltigkeitsindikatoren installiert und erstatten hierüber regelmäßig Bericht an die EU.

Futterbaubetriebe haben unter Berücksichtigung der Nachhaltigkeitsindikatoren ökonomisch, ökologisch und sozial in ihrer Entwicklung eine hervorragende Leistungsbilanz aufzuweisen. Bei einer stark flächengebundenen Produktion werden heute hochwertige Produkte und Ökosystemdienstleistungen mit nie gekannten Prozess- und Qualitätsstandards erzeugt. Viele Ökosystemdienstleistungen werden bislang als kostenloses Koppelprodukt der Milch- und Fleischerzeugung auf dem Grünland erbracht.

Gleichwohl müssen die Produktionssysteme auch im Futterbau weiter optimiert und umweltschädigende Emissionen reduziert werden. Dabei gilt es, umweltrelevante Ökosystemdienstleistungen durch Markt- und Förderpolitik besser in Wert zu setzen. Die Weiterentwicklung des Futterbaues sollte auf der Basis eines offensiven, faktenorientierten Dialogs mit der Gesellschaft stattfinden und auf eine faire Entlohnung aller erbrachten Produkte und Dienstleistungen zielen. Der Erfolg oder Misserfolg der Betriebe bemisst sich künftig nicht nur an ökonomischen und biologischen Leistungen, sondern zunehmend an objektiv messbaren Umwelt- und Sozialstandards. Landwirtschaft wie sie war, wie sie ist und wie sie sein wird, ist immer das Ergebnis eines gesellschaftlichen Dialogs, den die Futterbaubetriebe nicht scheuen müssen.

 

Wesentliche Aussagen von Dr. Albert Hortmann-Scholten

„Nationale und internationale Milchmarktentwicklungen – Wie wettbewerbsfähig sind die niedersächsischen Milcherzeuger?“

Agrarmärkte bergen unkalkulierbare Risiken, wie die lange währende Misere bei Milch und Schweinen zeigt. Tiefstpreise über Jahre haben viele landwirtschaftliche Betriebe hart getroffen und manche Existenzen gefährdet. Die neuen und sich weiter ändernden Rahmenbedingungen sowie die Ansprüche der Gesellschaft an die Nutztierhaltung verunsicherten viele Betriebsleiter.

Am Milchmarkt ist endlich die Trendwende erreicht. Erstmals seit 4 Jahren wird der Milchkuhbestand in der EU kleiner werden. Die Kommission rechnet für 2017 mit weniger als 23 Mio. Tieren. Ende 2016 liegt die Zahl der Milchkühe unter Vorjahresniveau. Zum Zähltermin im Dezember dieses Jahrs werden nur noch rund 23,1 Mio. Kühe erwartet, das wären rund 300.000 Tiere oder 1,2 % weniger als vor 12 Monaten. Für Ende 2017 wird ein Bestand von nur knapp 22,8 Mio. Kühen erwartet. Dies ist damit zu begründen, dass die hohen Kuhschlachtungen, in Deutschland sind das kumuliert bis zum heutigen Tag rund 15 % sowie das angelaufene Programm zur Reduzierung der Milchmengen, sich noch weiter bestandsreduzierend auswirken.

EU-weit werden in diesem Jahr rund 153 Mio. Tonnen Milcherzeugung erwartet. Das wären bezogen auf die Europäische Union 0,6 % mehr als im Vorjahr. Nach Einschätzung der Brüsseler Experten werden die Milchanlieferungen in den ersten Monaten 2017 zunächst noch unter dem jeweiligen Niveau von 2016 bleiben, danach aber wieder über die Vorjahreslinie hinauslaufen. Dieser Effekt werde umso stärker sein, je höher die Milcherzeugerpreise in den nächsten Wochen steigen werden.

In preislicher Hinsicht kommt die Markterholung in den letzten Wochen deutlicher in Schwung, allerdings gibt es zwischen den einzelnen Molkereien große Unterschiede. In Abhängigkeit von den Produktionsschwerpunkten der einzelnen Molkereien wird die Spanne der Auszahlungspreise möglicherweise im Jahr 2017 weiter hoch bleiben.

Das Jahr 2017 wird für viele Milcherzeuger weitere Herausforderungen mit sich bringen. Schließlich ist nach der Tiefpreisphase vor der Hochpreisphase und vor der nächsten Krise.

Ein konsequentes Kostenmanagement sowie folgende Maßnahmen sind für eine nachhaltige Betriebsentwicklung zwingend notwendig.

ð         Strategien für eine Konsolidierung durchdenken

ð         Liquiditätsreserven aufbauen und richtig anlegen

ð         Produktion optimieren, Ertrag sichern

ð         steuerliche Gestaltungsmöglichkeiten nutzen

ð         keine Lustkäufe in Landtechnik oder Betriebsmitteln

ð         offene Kommunikation mit der Hausbank

 

Wesentliche Aussagen von Dr. Hubert Kivelitz

„Mit wenig Aufwand viel Futter produzieren – Praxistipps“

Auch wenn die Milchpreise seit einigen Wochen wieder eine aufsteigende Tendenz aufweisen und – je nach Molkerei – die 30 Ct-Marke erreicht oder bereits leicht überschritten worden ist, so liegen die Milchpreise dennoch bei Weitem nicht auf einem Niveau, bei dem die Produktionskosten der Milch gedeckt werden können.

Gerade in Zeiten niedriger Milchpreise sinkt die Liquidität der Betriebe, was durch steigende Produktionsmittelkosten (Düngemittel, Futtermittel, Saatgut, Kraftstoffe etc.) zusätzlich forciert werden kann. Unter diesen Bedingungen wird erfahrungsgemäß häufig zuerst bei den Grünlandmaßnahmen gespart, deren Effekt nicht unmittelbar wahrnehmbar und messbar ist. Dazu gehören vor allem Nachsaaten sowie Grunddüngung oder Kalkung. So kommt es sukzessive zu einer verringerten Leistungsfähigkeit des Grünlandes mit all den Folgewirkungen auf die tierische, betriebliche und damit ökonomische Leistung der Produktion.

Investitionen ins Grünland wie regelmäßige Nachsaaten, angepasste Grundnährstoffdüngung, Kalkung, konsequente Mäusebekämpfung und die Inanspruchnahme einer fachkundigen Beratung, führen nachgewiesenermaßen und empirisch zu besseren Betriebsergebnissen. Ob das aber letztlich reicht, eine ausreichende Rentabilität der Milchproduktion, auch über einen längeren Zeitraum mit niedrigen Milchpreisen, zu erzielen und gleichzeitig den Zielen deutlich verringerter Stickstoffüberhänge gerecht zu werden, kann gegenwärtig nicht hinreichend beurteilt werden. Dennoch stellen Verbesserungen der Grundfutterleistung durch eine nachhaltige Optimierung des Grünlandmanagements einen wichtigen Beitrag dar, die Produktivität der intensiven Milchviehhaltung zu erhalten.

Gleichwohl stecken gerade in der Grundfutterproduktion auf dem Grünland in vielen Betrieben noch große Ertrags- und Qualitätspotenziale, die mangels konsequenten Grünlandmanagements oftmals nicht hinreichend erschlossen werden. Diese verschenkten Potenziale bedeuten im Grunde verschenktes Geld, da importierte Futtermittel teuer zugekauft und verfüttert werden müssen, um ein hohes Milchleistungsniveau aufrecht zu erhalten. Hohe Zukauffuttermittelraten belasten nicht nur den Geldbeutel unmittelbar, sondern auch die Nährstoffbilanzen, was insbesondere vor dem Hintergrund des Grundwasserschutzes kritisch beurteilt wird. Das Problem in der Praxis ist, dass diese vermeintlichen Potenziale meist nicht wahrgenommen werden, da Flächenerträge weder bekannt sind, noch gemessen werden. Ebenso gibt es noch großen Beratungsbedarf hinsichtlich der pflanzenbaulichen Beurteilung von Grünlandbeständen. Die politisch und gesellschaftlich stärker geforderte Weidehaltung ist im Hinblick auf das Tierwohl überaus positiv zu bewerten. Ebenso ist bei intensiver und optimierter Weidehaltung eine mehr oder weniger deutliche Reduktion der Futterkosten möglich. Weidehaltung ist aber für viele wachsende Betriebe mit großen Tierzahlen und nicht ausreichend arrondierten Flächen keine Option.

Vor dem Hintergrund der kommenden novellierten Düngeverordnung wird es in der Grünlandbewirtschaftung künftig noch stärker als bisher darauf ankommen, die verfügbaren Nährstoffe aus den wirtschaftseigenen Düngern, wie Gülle oder Gärreste, so effizient wie möglich in Grünlandertrag und –qualität umzusetzen.

 

Wesentliche Aussagen von Dirk Albers

„Wichtige Fütterungsaspekte zur Gesunderhaltung der Milchkühe“

Die meisten Milchkühe verfügen heute über ein hohes genetisches Leistungsvermögen. Um dieses Potential ausschöpfen zu können, müssen die Kühe fit und gesund sein. Dieses bedingt eine bedarfsgerechte Versorgung mit Energie, Nährstoffen, Mineralien und Vitaminen in allen Phasen der Produktion. Darüber hinaus sind bei der Fütterung die Besonderheiten des Verdauungsystems bei Wiederkäuern (Vormagenverdauung) zu berücksichtigen. Fehler im Fütterungsmanagement oder eine nicht bedarfsgerechte und wiederkäuergerechte Fütterung können vor allem in der so genannten Transitperiode (ca. 21 Tage vor und nach der Geburt des Kalbes) sowie in der Frühlaktation, in der die meiste Milch produziert wird, zu Stoffwechselproblemen oder Verdauungsstörungen führen.  

Grundlage für eine gesundheitsfördernde Fütterung ist die Bereitstellung von qualitativ hochwertigem Grobfutter, also von Gras- und Maissilagen. Gut vergorene Silagen mit hohen Energie- und Nährstoffkonzentrationen werden gerne gefressen und sind die Basis für eine bedarfs- und wiederkäuergerechte Fütterung. Damit das Grobfutter gut gelingt, müssen jedoch Bestandspflege, Erntetermine, Siliermaßnahmen etc. aufeinander abgestimmt und optimiert werden. Nährstoffarme oder fehlvergorene Silagen werden oftmals ungern gefressen. Gleiches gilt für Silagen, die nach Öffnen der Mieten zur Nacherwärmung neigen. Ursache für die Erwärmung sind u.a. eine erhöhte Aktivität von Schimmelpilzen, Hefen oder anderen Gärschädlingen. Sie können u.a. Stoffwechselprodukte bilden, die neben einer reduzierten Futter- und Nährstoffaufnahme zu einer Schwächung des Abwehrsystems der Tiere gegenüber zahlreichen Erkrankungen führen können.

 

Wesentliche Aussagen von Dr. Christine Kalzendorf

 „Silagewettbewerb Niedersachsen 2016 – Ergebnisüberblick, die Sieger berichten, Siegerehrung“

Dass Futterbaubetriebe im zurückliegenden Jahr trotz teilweise widriger Wetterverhältnisse gute Ergebnisse einfahren konnten, zeigten die Gewinner des niedersächsischen Silagewettbewerbs, die auf dem Grünlandtag ausgezeichnet wurden. „Alle Gewinner legen auf gut gepflegte und gesunde Pflanzenbestände sowie eine bedarfsgerechte Nährstoffversorgung der Grünland- und Maisflächen sehr hohen Wert“, sagte Dr. Christine Kalzendorf, Fachreferentin für Grünland und Futterkonservierung bei der LWK Niedersachsen.

Uwe Hollwedel aus Affinghausen (Kreis Diepholz) errang mit 195 von 200 möglichen Punkten bei den Grassilagen des ersten und zweiten Aufwuchses Platz eins. Den zweiten Platz in der Kategorie „Erster und zweiter Grasaufwuchs 2016“ teilten sich Stefan Kerlfeld aus Bohmte (Kreis Osnabrück) sowie Mechthild Rolfes und Heinrich Rolfes aus Friesoythe (Kreis Cloppenburg) mit jeweils 185 Punkten.

Bei den Grassilagen der nachfolgenden Grasaufwüchse (ab dem dritten Schnitt) lag erneut Georg Harms aus dem Saterland (Kreis Cloppenburg) ganz vorn. Die Zweitplatzierten: Peter Beneke aus Wense (Kreis Rotenburg) und Christopher Hammann aus Bergen (Kreis Celle). Letzterer war bereits in 2016 einer der Preisträger. Hans-Hermann Schwarte aus Dersum (Kreis Emsland) durfte sich über den dritten Platz freuen.

Bei den Maissilagen ist es Hans-Peter Detjen aus Wohnste (Kreis Rotenburg) gelungen, die Maximalpunktzahl von 200 Punkten zu erzielen. Mit 190 Punkten erreichten Ralf Klintworth (Ahlerstedt/Kreis Stade) und Eberhard Mysegades (Rehburg-Loccum/Kreis Nienburg) den zweiten Platz. Knapp darunter folgt Christian Schriefer (Lintig/Kreis Cuxhaven) mit 185 Punkten.

 

 


Kontakt:
Dr. Christine Kalzendorf
Komm. Leiterin Feldversuchsstation für Grünlandwirtschaft und Rinderhaltung, Beraterin Grünland, mehrj. Ackerfutterbau und Futterkonservierung
Telefon: 0441 801-428
Telefax: 0441 801-432
E-Mail:
Dr. Matthias Benke
Leiter Fachbereich Grünland und Futterbau
Telefon: 0441 801-420
Telefax: 0441 801-432
E-Mail:


Stand: 28.02.2017



PDF: 27399 - 3420.66113281 KB   Vortrag Dirk Albers GLT 2017   - 3421 KB