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Grünlanddüngung 2017

Um die Vorgaben der Düngeverordnung im intensiven Milchvieh-Futterbau auch zukünftig einzuhalten zu können, muss die Effizienz der Düngung des Grünlands in vielen Betrieben verbessert werden. Anforderungen und Anpassungsmaßnahmen aus Sicht der Beratung werden zusammenfassend vorgestellt.

 

Wirtschaftsdünger effizient einsetzen

Flächenausstattung und Standort werden zukünftig einen größeren Einfluss auf die Düngepraxis der Betriebe haben. Um die Vorgaben der Düngeverordnung im intensiven Milchvieh-Futterbau auch zukünftig einzuhalten zu können, muss die Effizienz der Düngung des Grünlands in vielen Betrieben verbessert werden. Anforderungen und Anpassungsmaßnahmen aus Sicht der Beratung werden zusammenfassend vorgestellt.

Düngebedarf

Die bedarfsgerechte Düngung sollte sich an den im Oberboden verfügbaren Grundnährstoffen Kalium, Phosphor, Magnesium, dem pH-Wert der Bodenlösung sowie den Ertragserwartungen orientieren. Voraussetzung für eine bedarfsgerechte Grunddüngung ist daher die regelmäßige Überprüfung der Nährstoffverfügbarkeit der Grünlandböden. Auch die daraus abgeleiteten Düngeempfehlungen sind nach Nutzungsart (Schnitt – Weide) und Nutzungsintensität (Anzahl Schnitte) differenziert (Tabelle 1)

Wechselgrünland sollte, im Gegensatz zum Dauergrünland, etwa in Krumentiefe beprobt werden (0 - 30 cm). Im Dauergrünland mit mehr als 5 Jahren Nutzungsdauer wird eine Bodenprobenahme nur in den oberen 10 cm entnommen, weil nur diese Bodenschicht bei dauerhaft ungestörter Grasnarbe wesentlich durchwurzelt wird.

Tabelle 1: Empfehlungen für die jährliche Entzugsdüngung von Grundnährstoffen

Kalium ist neben Stickstoff der wichtigste Baustein für das Gräserwachstum. Auf sorptionsschwachen Standorten (Moore, Sandböden) kann es leicht zu Mangelsituationen kommen, während die lehmigen und tonigen Mineralböden eine mehrjährige Vernachlässigung der Kaliumdüngung besser kompensieren. Für Marschstandorte werden deshalb deutlich reduzierte Empfehlungen zur Kaliumdüngung des Grünlands gegeben. Bei 4 Schnitten werden mit 100 dt Trockenmasse Gras mindestens 240 kg K2O (2,2 % K in T.) bei der Ernte vom Feld gefahren. 

Mit einer praxisüblichen Rindergülle wird heute etwa gleich viel Kalium wie Stickstoff mit dem Wirtschaftsdünger gedüngt. Die Kaliumgehalte im Wirtschaftsdünger sind durch Prozesswasser (z.B. Milchspülung) und bei maisbetonter Grundfutterration häufig niedriger, als dies in Richtwerttabellen steht. Bei Ausbringung von 200 kg N/ha (170 kg netto bei 85 % Anrechenbarkeit) mit der Rindergülle entspricht das Kaliumangebot aus diesem Wirtschaftsdünger daher nur annähernd dem tatsächlichen Pflanzenbedarf Sofern Reserven in der Bodenlösung vorhanden sind, ermöglicht die Gehaltsklasse C (hoch versorgt) vorübergehend einen Verzicht der K-Düngung als solches Kosten reduzierendes Maßnahme. Mittelfristig würde der stetige Verzicht auf die mineralische Kalium-Ergänzungsdüngung auf intensiv genutztem Grünland in den meisten Betrieben ein Versorgungsdefizit in den Grünlandböden nach sich ziehen. In vielen Betrieben ist also ein latenter Kaliummangel zu vermuten, den es durch mineralische Ergänzungsdüngung auszugleichen gilt. Insbesondere in den Marschböden lassen sich suboptimale Kaliumgehalte (Versorgungsstufen A- B) nur mit hohem Aufwand wieder aufdüngen, denn ein Teil des gedüngten Kalium wird in ausgemagerten Tonböden zunächst fixiert.

Der Phosphorentzug der Grünlandpflanzen ist deutlich geringer als der des Kaliums. Mit 3-4 Schnitten (80 – 100 dt TM) werden praktisch 70-90 kg P2O5 je ha entzogen (0,36 % P in TM). Dieser Düngebedarf kann durch eine durchschnittliche Rindergülle (2,0 kg P2O5/m3) voll abgedeckt werden. Bei sehr niedriger Bodenversorgung (Gehaltsklassen A, B) kann der P2O5-Bedarf durch den Einsatz phosphorreicher Wirtschaftsdünger aus Schweinehaltungen vergleichsweise günstig ausgeglichen werden.

Tabelle 2: Ziel ph-Wert und regelmäßiger Kalkbedarf auf Günlandstandorten

Auf stark humosen sowie anmoorigen Standorten und Moorböden ist eine Kalkung in der Regel nicht erforderlich, da die Nährstoffverfügbarkeit bei niedrigen pH-Werten (4,0 – 4,5) nicht eingeschränkt ist und eine Kalkung dieser Standorte zu unerwünscht beschleunigter Mineralisation und Abbau der organischen Masse führen würde. Die Kalkung von Mineralstandorten wird dagegen im Dauergrünland oft vernachlässigt. Mineralstandorte können von regelmäßiger Kalkung profitieren und sollten nicht erst nach Unterschreitung des pH-Zielwertes aufgekalkt werden (Tabelle 2). Die Einwirkdauer des Kalks im Grünland (oberflächige Ausbringung) sollte bei der Terminierung berücksichtigt werden. Höhere Kalkbedarfe sollten durch jährliche Kalkgaben über mehrere Jahre verteilt werden. Der beste Termin für eine Kalkung des Grünlandes ist im Herbst nach der letzten Nutzung. Dann ist auch die Kalkherkunft (Kreide-, Konverter-, Mergelkalk) nicht entscheidend, der Kalk kann über Winter einwaschen und seine Wirkung im Boden rechtzeitig entfalten. Branntkalk ist allerdings nicht auf einer intakten Grasnarbe zu düngen, weil es damit zu Verbrennungen der Grasnarbe kommen würde.

Wirtschaftsdünger gezielt einsetzen

In vielen Betrieben dient die Rindergülle als vollwertige Quelle für die Grundnährstoffversorgung. Da die Nährstoffgehalte in Wirtschaftsdüngern starken Schwankungen unterliegen, ist in regelmäßigen Abständen eine Untersuchung der eigenen Gülle anzuraten, bevor die weitere Düngeplanung durchgeführt wird. Die Proben können aus der gut homogenisierten  Gülle während der Tankbefüllung entnommen und gut verschlossen in einem etwa 1 Ltr.-Gefäß (75%  Füllung) zusammen mit dem Analyseauftrag versandt werden (www.lufa-nord - west.de).

Tabelle 3: Richtwerte und Untersuchungsergebnisse zum Nährstoffgehalt 

Die N-Wirksamkeit der organischen Wirtschaftsdünger wird vor dem Hintergrund der neuen Düngeverordnung (plausibilisierte Nährstoffbilanz, Nährstoffobergrenzen) entscheidend für die Einhaltung der Nährstoffsalden auf Betriebsebene sein. Die Bodennahe Ausbringung mit der Schleppschuhtechnik hat sich dabei für die Grünlandbewirtschaftung in den meisten Fällen als am besten geeignet erwiesen. Nur eine gut homogenisierte Gülle mit günstigen Fließeigenschaften gewährleistet dabei eine gleichmäßige Nährstoffverteilung ohne technische Probleme. Die Separierung von Gärresten erfolgt bereits auf einigen Biogasbetrieben und verspricht auch bei der Grünlanddüngung mit Rindergülle Vorteile.

Stickstoffbedarf und Wirkung

Um auch 2017 die erforderlichen Ertrags- und Qualitätsansprüche  im Grundfutter erreichen zu können, müssen dem Grünlandbestand bei intensiver Nutzung etwa 2,4 bis 2,9 kg N je kg Trockenmasseertrag (vgl. Tabelle 4) zur Verfügung stehen. Diese Stickstoffgehalte entsprechen einem Rohproteingehalt von 15-18 % in der Trockenmasse.

Tabelle 4: Wie die Nutzungsintensität den N-Bedarf beeinflusst

Die In Tabelle 5 genannte N-Bedarfswerte bei unterschiedlichen Nutzungen basieren auf diesem Zusammenhang. Der Stickstoffbedarf wird im Entwurf der (neuen) Düngeverordnung als standortbezogene Obergrenze von diesen Zahlen abgeleitet. Nach Abzug der pauschalen N-Nachlieferung aus dem Bodenvorrat (Humusgehalt) sowie der potenziellen N-Bindung durch Leguminosen wird je nach Standort der Düngebedarf für Stickstoff ermittelt. In Tabelle 5 sind die danach ermittelten Obergrenzen der N-Düngung im Grünland und mehrschnittigen Futterbau beispielhaft dargestellt. Es zeigt sich eine gute Übereinstimmung mit den bisherigen Empfehlungen bei mittlerer bis hoher Ertragserwartung auf Mineralböden.

Tabelle 5: N-Düngebedarf nach Obergrenzen in Abhängigkeit von der Nutzung

Einschränkungen im Bereich der stark humosen und organischen Böden (An-/ Hoch- und Niedermoore) sowie bei Weidehaltung (25 % Anrechnung des Stickstoffanteils aus der Weidehaltung) sind zu beachten. Ein pauschaler Abzug von 50 kg (Hochmoor) und 80 kg (Niedermoor) N/ha begrenzt die Stickstoffdüngung bei Weide- und Schnittnutzung nochmals und bedeutet für die intensive Umtriebsweide auf Moorstandorten eine Reduzierung der N-Ergänzung auf max. 20 kg N/ha Niedermoor- bzw. 50 kg N/ha Hochmoorweide.

Der Einsatz von Wirtschaftsdünger führt auf diesen Standorten grundsätzlich dazu, dass eine mineralische Stickstoffergänzung nur in sehr geringem Umfang ordnungsgemäß ist. Als Konsequenz kann die effizientere Verwertung der organischen Nährstoffträger auf Ersatzstandorten (z.B. im Ackerfutterbau auf Geest) sein. Nur eine teilweise Verlagerung der Ausbringung organischer Wirtschaftsdünger auf Ersatzstandorte außerhalb des Moorgrünlands ermöglicht dann noch die erforderliche N-Ergänzungsdüngung mit Handelsdüngerformen.

Die sommerliche N-Düngung ist auf den Moorstandorten sollte gegenüber der Frühjahrsdüngung deutlich einzuschränken, denn durch Mineralisation (der organischen Anteile im Wirtschaftsdüngerwird Stickstoff freigesetzt. Dieser  kann im Sommer einen vergleichsweise hohen Anteil des N-Bedarfs abdecken. Auf dem Niedermoorgrünland sind, beeinflusst durch Mineral- und Nährstoffeinträge aus dem zuführenden Grundwasser, im Vergleich zu Hochmooren insgesamt höhere Nährstoffgehalte kennzeichnend. Deshalb stehen im Sommer auf Niedermoorgrünland höhere N-Mengen durch Mineralisation zur Verfügung als auf dem Hochmoorgrünland. Die Stickstoffdüngung auf den Niedermoorstandorten deshalb im Vergleich zu Hochmoorgrünland deutlich eingeschränkt und auf 2-3 Gaben begrenzt werden.

Die Düngeverordnung wird für Grünlandbetriebe einige Änderungen und Beschränkungen mit sich bringen. Es ist nun innerbetrieblich genauer hinzusehen und abzuwägen, wo die effiziente Nährstoffverwertung der anfallenden Wirtschaftdünger am besten gelingt. Insbesondere die absoluten Grünlandstandorte auf Nieder- und Hochmoor sowie Weidebetriebe werden durch Abzüge beim Düngebedarf zukünftig in ihren Möglichkeiten deutlich eingeschränkt. Vor dem Hintergrund ist es wünschenswert, dass mit der neuen DüVO die Derogation wieder möglich wird. Durch eine höhere Besatzstärke (230 bzw. 250 kg N/ha) im Betrieb würden auch die theoretisch erforderlichen Grundfuttervorräte je Hektar Futterbaufläche zunehmen, was sich wiederum günstig bei der Saldierung der Stickstoff- und Phosphorbilanzen auswirkt.

Die Vorgaben der neuen Düngeverordnung werden in vielen Futterbaubetrieben zu Anpassungen bei der Verwendung und Verwertung der organischen Wirtschaftsdünger und dem Einsatz von Handelsdünger erfordern. Anpassungsmaßnahmen und Optimierungsmöglichkeiten der Düngung des Grünlands stellen sich, abhängig von der Vieh- und Flächenausstattung sowie dem vorgegebenen Standort, in jedem Betrieb anders dar.


Schwefelbedarf

Die Untersuchung der Grassilagen auf den Schwefelgehalt und das daraus abzuleitende Verhältnis zu Stickstoff gibt Auskunft über die Schwefelversorgung der vorliegenden Ernte. Ein Verhältnis von 10:1 bis 12:1 Mengenanteilen (N:S) in der Grassilage lässt auf eine ausreichende Schwefelversorgung schließen. Ein Verhältnis von >12:1 (N:S) deutet allerdings auf latenten Schwefelmangel hin und kann nur durch direkte Schwefeldüngung vermieden werden. Im Intensivgrünland unter Schnittnutzung werden etwa 25-30 kg Schwefel von den Pflanzen mit dem Erntegut abgefahren, weitere 10-15 kg sind in der Wurzelmasse gespeichert, so dass ein Schwefelbedarf von etwa 40 kg / ha besteht.

Auch bei der Schwefeldüngung hilft der Wirtschaftdünger mit. Etwa 0,5 kg Schwefel sind in 1 m3 Rindergülle enthalten, so dass bereits 25-30 kg S/ha mit 2-3 Gaben Rindergülle zur Verfügung stehen. In angesäuerter Gülle wird zusätzlich Schwefel als Schwefelsäure oder ASL zugesetzt. Schwefel ist außerdem Bestandteil organischer Verbindungen und wird in kohlenstoffreichen Böden (Moore) bei wärmeren Bodentemperaturen aus dem Humusvorrat mineralisiert wie Stickstoff. Ein grundsätzlicher S-Düngebedarf für Standorte aus mineralischer Herkunft  besteht in der Regel nur auf sehr leichten Böden (Sand) ohne regelmäßige Zufuhr wirtschaftseigener Düngemittel. Geeignete mineralische Ergänzungsdünger sind Kaliumdüngemittel auf Sulfatbasis (Kaliumsulfat, Kainit) oder schwefelhaltige Stickstoffdüngemittel (z.B. Sulfan).


 


Kontakt:
Gerd Lange
Berater Grünland und Naturschutzprogramme
Telefon: 04271 945-224
Telefax: 04271 945-222
E-Mail:
Dr. Matthias Benke
Leiter Fachbereich Grünland und Futterbau
Telefon: 0441 801-420
Telefax: 0441 801-432
E-Mail:


Stand: 03.03.2017



PDF: 27514 - 98.6416015625 KB   Nährstofftabellen 2017   - 99 KB