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Betriebsleiterpflicht – Verfahrenssteuerung der Grünlandernte

Die Futterbergung managen, ist wesentliche Aufgabe des Betriebsleiters. Er muss den siliertechnischen Ablauf des Verfahrens im regelmäßigen Abstand kontrollieren und im Bedarfsfall steuernd eingreifen. Lesen Sie jetzt, was es besonders zu beachten gilt.  

 

Sind Sie im Allgemeinen mit der Qualität Ihrer Grassilage zufrieden? Welche Verdichtung hat Ihr Silofutterstock? Werden die Silagen im Fütterungszeitraum häufig warm? Erreichen Sie die in der Futterrationsplanung angestrebten Grundfutteraufnahmen?

Als Betriebsleiter sollten Sie sich diese Fragen insbesondere noch vor der Siliersaison widmen und mit Ihren Mitarbeitern nach Möglichkeiten zur weiteren Verbesserung suchen. Hierbei ist auch zu prüfen, ob eine ordnungsgemäße Silierarbeit bei einer Ernte von mehr als 100 ha noch zu managen ist oder besser eine Planung in zwei Etappen bei besserer Berücksichtigung der Grasreife sinnvoller wäre.

Häufig sind die Betriebsleiter selbst zu sehr in Arbeiten der allgemeinen Außenarbeit eingebunden und das Leiten und Koordinieren bleibt auf der Strecke. Kontrollierend und steuernd in den Ablauf der Grasernte einzuwirken, ist jedoch zentrale Aufgabe des Betriebsleiters. Er sollte die Vorgaben rechtzeitig und eindeutig geben und im Bedarfsfall auch Änderungen einfordern.

Nachfolgend geben wir Tipps und einzelne Beispiele aus dem Bereich, wo der Betriebsleiter unbedingt als Manager während der Futterbergung des ersten Grasschnittes agieren sollte.

Mahd

Die Silierarbeit ist als technologischer Verfahrensprozess zu verstehen, welcher mit der Mahd beginnt und erst mit der fertigen Siloabdeckung endet.

Schauen Sie sich Ihre Einzelflächen vor den Feldarbeiten noch einmal genauer an. Nehmen Sie günstigenfalls den Mitarbeiter mit, der die Mäharbeiten verrichten soll. Notieren Sie sich die Einzelflächen, auf denen Sie vermehrt Fehlstellen, Lücken oder Maulwurfshauen finden. Hier sollte bei der Mahd vorzugsweise die Schnitthöhe mit mindestens 7 cm bewusst höher vorgenommen werden als sonst üblich. Für die dichten Grasnarben kann weiterhin die Schnitthöhe von mindestens 5 cm gewählt werden.

Wenden, Kreiseln, Schwaden

Bei diesen Arbeiten im siliertechnischen Verfahrensprozess kommt es darauf an, das Futter gleichmäßig anzuwelken und den Schmutzeintrag zu vermeiden. Letzteres gelingt durch die richtige Geräteeinstellung. Speziell beim Zetten und Wenden sind die unterschiedlichen Einstellwinkel des Kreiselheuers zu beachten: beim Zetten ist eine steilere (ca. 17°) und für das Wenden eine flachere Einstellung (ca. 13°) erforderlich. Auch wenn man als Betriebsleiter mit einem erfahrenen Mitarbeiterstamm zusammenarbeitet, kann nicht erwartet werden, dass die Hinweise aus dem letzten Jahr noch präsent sind. Nehmen Sie sich Zeit und sprechen Sie konkret die Punkte an, wo Einfluss auf die Futter- und Silagequalität genommen werden kann.

Futterbergung

Planen Sie den Ablauf so, dass noch feuchtes Gut als Oberschicht auf das Silo kommt. Damit kann die Verdichtung in diesem sensiblen Bereich verbessert werden.

Wenn es Grasbestände minderer Qualität gibt, so sollten diese möglichst zuerst eingeholt werden, um dort auf jeden Fall eine hohe Lagerungsdichte und damit gute Voraussetzungen für die Gärung zu gewährleisten.

Bleiben Sie während der Silierarbeit, die im Allgemeinen vom Lohnunternehmer verrichtet wird, stets in Kontakt mit dem Dienstleister. Geben Sie ihm nicht nur die Erntereihenfolge vor, sondern auch die zu wählende Schnittlänge. Wenn Sie während der Futterbergung feststellen, dass das Siliergut nun deutlich stärker angewelkt ist als in den Vormittagsstunden, so wäre dann ein Umstellen auf eine noch kürzere Schnittlänge vorteilhaft.

Beobachten Sie auch im regelmäßigen Zeitabstand, ob auf dem Silo eine gute Walzarbeit verrichtet werden kann. Falls die Erntekette schneller ist und die Walzarbeit darunter leidet, sind Unterbrechungen erforderlich. Gegebenenfalls muss auch eine Transporteinheit aus der Erntekette herausgenommen werden. Die Güte der Walzarbeit hat den Ablauf und die Schnelligkeit der Futterbergung zu bestimmen. Es ist sinnvoller, sich für diesen neuralgischen Punkt im Verfahren der Silagebereitung Zeit zu nehmen als später verdorbene bzw. verschimmelte Futterschichten manuell aus dem Silo zu selektieren.

Für eine gute Walzarbeit muss auch die Silogeometrie passend sein. Lesen Sie mehr dazu im Kasten unten sowie im Beitrag von Alfons Fübbeker.

Siliermittel

Wenn Sie Siliermittel einsetzen wollen, so weisen Sie im Vorfeld den Lohnunternehmer Ihres Vertrauens darauf hin und klären Sie mit ihm die Applikationsmöglichkeiten. Siliermittel können nur wirken, wenn sie homogen in das Erntegut verteilt werden und eine stete Behandlung des Erntegutes erfolgt. Beim Häcksler ist die Grundeinstellung für den Siliermittelzusatz schnell gefunden. Man kann auch davon ausgehen, dass die Dosierpumpe auf der Feldfläche stetig in Betrieb ist.  

Etwas anders sieht es allerdings bei den Ladewagen aus. Die Dosierpumpe wird auf dem Feld an- und beim Transport wieder abgestellt. Da könnte man schon einmal vergessen, rechtzeitig den Einstellknopf wieder zu betätigen.

Um das Risiko an dieser Stelle zu minieren, kann in der Fahrerkabine ein großer Erinnerungszettel angebracht werden. Zudem darf der Betriebsleiter auch beim Entleeren der Waagen einen kontrollierenden Blick auf die Silierbehälter werfen. Ist dieser nach drei Stunden immer noch randvoll, wurde das Einschalten der Pumpe wohl vergessen. Auch die kurze Essens- und Trinkpausen bietet Gelegenheit, sich über den bisherigen Verbrauch der Siliermittellösung kundig zu machen.

Siloabdeckung

Mit der letzten Fuhre auf dem Silo und dem Nachwalzen endet die Arbeit für den Futterbaubetrieb noch nicht. Die ordnungsgemäße und möglichst rasche Siloabdeckung gehört zu den weiteren abschließenden Aufgaben.

Legen Sie Wert darauf, dass der Futterstock direkt nach der Walzarbeit luftdicht abgedeckt wird. Eine gewisse Rückdehnung der letzten Futterschichten nach dem Walzen ist unvermeidbar. Umso wichtiger ist, dass mit einem raschen Siloverschluss dafür gesorgt wird, dass die Sauerstoffnachlieferung begrenzt bleibt und eine rasche Gärung mit der anzustrebenden schnellen pH-Wertabnahme auch in diesen Schichten gesichert ist. Im günstigen Fall organisieren Sie sich im Voraus entsprechende Unterstützung, z.B. durch den Lohnunternehmer und seine Fahrercrew, die Nachbarschaft oder den Betriebshilfsdienst.

Silierprotokoll

Das im letzten Jahr für Lohnunternehmer vorgestellte Silierprotokoll ist auch für den Landwirt nutzbar. Es kann auf der Homepage der Landwirtschaftskammer heruntergeladen werden. Nutzen Sie nach getaner Arbeit das Silierprotokoll, um in Kürze wesentliche Aufzeichnungen zum Silierablauf und zu speziellen Besonderheiten zu machen. Das Silierprotokoll kann Ihnen später als Kontrollinstrument hilfreich sein. Um den Prozess stetig weiter zu optimieren, messen Sie bei Öffnung des Silos auch einmal die erzielte Lagerungsdichte, die Temperatur im Silokern und an den Silokanten. Machen Sie sich Notizen zum Aussehen der Siloanschnittfläche und vergleichen Sie ihre organoleptische Prüfung der Silage (Geruch, Farbe, Struktur) mit dem Gärqualitätsbefund der LUFA.

Wir fassen zusammen

Die Futterbergung managen, ist wesentliche Aufgabe des Betriebsleiters. Er muss den siliertechnischen Ablauf des Verfahrens im regelmäßigen Abstand kontrollieren und im Bedarfsfall steuernd eingreifen. Keinesfalls sollte daher der Betriebsleiter selbst Arbeiten auf den Maschinen verrichten. Die Leitungsfunktion ist wichtiger und wird sich im günstigen Fall durch eine noch bessere Silagequalität bemerkbar machen.


Einfluss der Silogeometrie auf die Nacherwärmung

Ein zu geringer Futtervorschub ist oft Hauptursache von Nacherwärmungen.

Um den Anforderungen zum Futtervorschub im Winter von mindestens 1,50 m und ab Frühjahresbeginn von mindestens 2,50 m je Kalenderwoche entsprechen zu können, ist der an den Tierbestand angepasste wöchentliche Futterbedarf zu ermitteln. Daraus leitet sich bei festgelegter Silobreite die maximale Silohöhe ab (siehe Tabelle 1).


 

 


Kontakt:
Dr. Christine Kalzendorf
Komm. Leiterin Feldversuchsstation für Grünlandwirtschaft und Rinderhaltung, Beraterin Grünland, mehrj. Ackerfutterbau und Futterkonservierung
Telefon: 0441 801-428
Telefax: 0441 801-432
E-Mail:
Dr. Matthias Benke
Leiter Fachbereich Grünland und Futterbau
Telefon: 0441 801-420
Telefax: 0441 801-432
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Stand: 05.05.2017