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Mehrjähriger Ackerfutterbau - Mischungen nach Produktionszielen wählen

Mit dem Anbau von Ackergras kann ggf. noch in diesem Jahr das Futter produziert, was aktuell in den Silos aufgrund zu geringer Erträge fehlt. Der Futterausgleich kann auch mit mehrjährigen und ertragreichen Feldgrasmischungen für das nächste Jahr geplant werden. Die Wahl der Mischungen ist von der speziellen Zielsetzung abhängig. Worin weitere Unterschiede in den Mischungen bestehen, lesen Sie im Folgenden.

Futter knapp in Niedersachsen – das ist eigentlich ein seltenes Phänomen. Doch in diesem Jahr waren die Erträge der Grasernte, insbesondere für den zweiten Aufwuchs, in vielen Regionen Niedersachsens sehr gering. Die Wetterkapriolen haben sich zum Teil auch auf den Mais ausgewirkt. Starkregen und Hagel, welcher mancherorts sehr heftig ausfiel, schädigte den kurz vor der Blüte stehenden Mais so sehr, dass er in den betroffenen Regionen als Grünmais geerntet werden musste.

Vor dem Hintergrund gestaltet sich die Futtermenge für den Winter in Niedersachsen sehr unterschiedlich. Von einem unterdurchschnittlichen Niveau kann man in aller Regel dort ausgehen, wo auf leichten Standorten gewirtschaftet wird. Jetzt noch mit dem Anbau von Ackergras zu reagieren, macht nicht nur für jene Regionen in Niedersachsen Sinn, die bislang die Silos weniger gefüllt haben als sonst üblich. Im süddeutschen Raum Deutschlands ist die Situation um die Futtergewinnung noch ärger einzuschätzen als bei uns. Es kann deshalb durchaus damit gerechnet werden, dass für Grünfuttersilagen eine Nachfrage besteht. 

Über das Einjährige Weidelgras im Zwischenfruchtanbau wurde bereits in der Ausgabe 29 des Blattes berichtet. Es zeichnet sich durch seine Schnellwüchsigkeit aus.  Je nach Sortenwahl erreicht das Einjährige Weidelgras spätestens nach 30  Vegetationstagen die Weidereife und nach etwa 45 Tagen die Schnittreife. Die Entwicklung hängt dabei zum einen von den Witterungsbedingungen im Spätsommer und hierbei vor allem von den Niederschlagsmengen  ab. Zum anderen kann aber auch die richtige Sortenwahl die Aufwuchsleistung beeinflussen.

Die Genotypen mit früher Ährenbildung liefern im Allgemeinen einen höheren Ertrag. Allerdings ist ihre Energiekonzentration infolge des höheren Rohfasergehaltes eher durchschnittlich. Dennoch werden diese Sorten bei der Herbstfütterung häufig bevorzugt, da sie als Strukturträger für die Futterration nützlich sind. Als schnellwüchsige Sorten des Einjährigen Weidelgrases haben sich im Sommerzwischenfruchtanbau Alberto, Bigbang, Diplomat und Pulse besonders bewährt. Bei milder Herbstwitterung besteht die Chance, dass nach der Mahd sogar noch eine weitere Nutzung möglich ist. Im günstigsten Fall lohnt es sich sogar, den Nachwuchs zu mähen. Er kann als Frischfutter oder als Silage Verwendung finden. Im Allgemeinen wird das nachwachsende Gras des zweiten Aufwuchses zur Beweidung genutzt.

Neben dem Einjährigen Weidelgras im Sommerzwischenfruchtanbau stehen weitere Ackerfuttermischungen zur Verfügung. Wie Tabelle 1 zu entnehmen ist, sind die Feldgrasmischungen in erster Linie für eine mehrjährige Nutzung oder als Winterzwischenfrucht konzipiert. Bei früher Saat und der richtigen Auswahl der Mischung kann aber auch noch eine Vornutzung in diesem Jahr möglich sein.

Wenn noch Futter in diesem Jahr benötigt wird, kann beispielsweise die A2-Mischung in Frage kommen. Im Allgemeinen sollte die A2-Mischung bestehend aus zwei Dritteln des Welschen Weidelgras und einem Drittel des Einjährigen Weidelgrases im Frühjahr gesät werden. Die Saat bis Mitte August kann jedoch auch in diesem Herbst noch einen lohnenswerten Ertrag für die Schnittnutzung bringen. Es ist jedoch zu bedenken, dass nur das Einjährige Weidelgras in das Schossen kommt und zur Struktur im Futter beiträgt. Das Welsche Weidelgras verbleibt im jungen Blattstadium. Für die Futterqualität ist diese Zusammensetzung sicherlich als positiv zu werten, doch erschwert es zusätzlich das Anwelken im Herbst. Vorzugsweise sollte ein Siliermittelzusatz in der Wirkungsrichtung 1a oder 1b für die Silierung mit geplant werden.

Viel Ertrag für 2018 verspricht die Ackergrasmischung A1, welche sich zu 100 Prozent aus Welschen Weidelgrases zusammensetzt und die in aller Regel nur im Rahmen einer Vegetationsperiode genutzt wird. Im September gesät, erbringt das Gras im Folgejahr mindestens vier bis sechs schnittreife Aufwüchse, je nach Standort, Wasserverfügbarkeit und Düngungsintensität. Die A1 muss aus mindestens drei Sorten bestehen, um eine optimale Ertragsstabilität zu gewährleisten. Der Anteil tetraploider Sorten ist nicht begrenzt.

Die Triebkraft des Ackergrases lässt bei einem weiteren Nutzungsjahr stark nach, was Ertragsrückgänge von 25% und mehr bedingt.

Vorzugsweise wird das Welsche Weidelgras in Niedersachsen als Winterzwischenfrucht mit dem Ziel genutzt, nur einen ersten frühen Schnitt im Frühjahr des Folgejahres zu erzielen. Speziell für diesen Zweck steht eine Saatgutmischung mit der Bezeichnung  „A1 WZ“ (WZ= Winterzwischenfrucht) zur Verfügung. Die A1WZ enthält insbesondere hochwertige Sorten mit guter Winterhärte und einem hohen Ertrag zum ersten Aufwuchs. Der Unterschied zwischen der A1- und der A1WZ-Mischung besteht somit vorrangig in der Sortenzusammensetzung. Wesentliche Sorteneigenschaften von den in Nordwestdeutschland empfohlenen Genotypen sind der Tabelle 2 zu entnehmen. Darin ist neben Ertragsmerkmalen und der Rostresistenz auch die Eignung für den Anbau als Winterzwischenfrucht aufgeführt.

Zu den Ackergrasmischungen mit mehrjähriger Nutzung gehören die A3- und die A5-Mischung.

Ackergrasmischungen mit der Bezeichnung A3 setzen sich aus drei Grasarten, dem Bastard-, Welschen - und Deutschen Weidelgras zusammen. Die empfohlene Nutzungsdauer dieser Mischung beträgt zwei bis drei Jahre. Auch diese Mischung wird, vergleichbar mit der A1, vorzugsweise zur Mahd mit vier bis fünf Schnitten genutzt.

Durch den Anteil des Deutschen Weidelgrases in der A3 ist die Narbe dichter und trittfester, damit auch zur Beweidung geeignet.  Die Verwendung von ertragsstarken Sorten des Deutschen Weidelgrases verbessert die Massenwüchsigkeit der Mischung. Außerdem trägt das Deutsche Weidelgras zur Nutzungselastizität bei.

Die Aussaat der A3-Mischung erfolgt im günstigen Fall noch im August, damit sich alle drei Grasarten gleich gut entwickeln können. Räumt die Vorfrucht allerdings erst Anfang September, sollte die Saat bis spätestens Mitte September so zügig wie möglich vorgenommen werden. Unter dem Schutz des Welschen Weidelgrases und bei einem milden Herbst haben dann auch noch das Deutsche - und das Bastardweidelgras die Chance, sich ausreichend vor Winter zu etablieren.

In den Grasmischungen A5 und A5 spät ist mit dem Deutschen Weidelgras nur eine Grasart enthalten. Für beide Mischungen werden nur die ertragsstärksten Sorten des Deutschen Weidelgrases verwendet. Die Ausdauerleistung findet hierbei im Gegensatz zu den Grünlandmischungen keine so große Beachtung, da die Nutzungsdauer der Ackergrasmischungen begrenzt ist. Das unterscheidet die A5- bzw. A5- spät Mischungen auch von den Grünlandmischungen GV und GV-spät.

Die Mischungen A5 und A5 spät unterscheiden sich lediglich in Bezug auf die Reifegruppen (Tabelle 1). Sind alle drei Reifegruppen wie in der A5-Mischung enthalten, liefern die frühen Sorten die erforderliche Struktur und die mittleren und späten Sorten die Energie. Die Futterqualität wird von den Sortenanteilen im Bestand beeinflusst. Eine höhere Nutzungselastizität sichern die A5 spät-Mischungen, bei der auf die frühen Sorten verzichtet wird.   

Beide Deutsch Weidelgras-Mischungen eignen sich sowohl für den zwei- bis mehrjährigen Ackerfutterbau als auch für das Wechselgrünland. Im Vergleich zu der A1 und A3 Mischung erbringen die beiden Deutsch Weidelgrasmischungen nicht ganz so hohe Erträge. Dafür ist aber in aller Regel die Futterqualität etwas besser. Somit kann die A5 und A5 spät besonders für Betriebe mit hohen Anforderungen an die Energiekonzentration des Grundfutters empfohlen werden.

Tipps zum Anbau

Gras gehört zu den Feinsämereien, die bei der Saat nur flach in den Boden zu drillen sind. Deshalb ist zur Vorbereitung ein feinkrümeliges und gut abgesetztes Saatbeet herzustellen. Zudem empfiehlt sich ein Walzgang nach der Saat, um besonders den kapillaren Wasseraufstieg zu fördern.

Als Grundprinzip des mehrjährigen Ackerfutterbaus gilt, dass mit längerer Nutzungsdauer stets der Anbau von Mischungen zu bevorzugen ist. Aber auch Mischungen sind nur so gut wie ihre Einzelkomponenten. Die einzelnen Sorten der Mischungen sollten sich alleine nicht nur durch gute Ertragsleistungen auszeichnen, sondern auch durch eine hohe Winterhärte und eine geringe Krankheitsanfälligkeit.  

Die für den nordwestdeutschen Raum empfohlenen Ackerfuttersorten werden jährlich neu im Faltblatt „Qualitätsstandardmischungen für den Ackerfutterbau“ bekannt gegeben. Sie können es gleichfalls auf dieser Internetseite der Landwirtschaftskammer herunterladen. Vor dem Kauf von Mischungen ist anzuraten, die Deklaration auf den Saatgutsäcken mit den Sortenempfehlungen abzugleichen. Das Siegel der Freiwilligen Mischungskontrolle auf dem Sackanhänger erspart diese zeitaufwändige Arbeit. Das rote oder magentafarbene Siegel, welches von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen vergeben wird, weist darauf hin, dass die Sackware die Sortenempfehlung der norddeutschen Landwirtschaftskammern berücksichtigt.  

Fazit

Das Ackergras bringt im Allgemeinen gute Erträge. Es kann aktuell dazu dienen, die teilweisen knappen Futtermengen in 2017 besser zu kompensieren. Dabei kommt es darauf an, jetzt die richtige Mischung zu wählen und das Saatgut zügig in den Boden zu bekommen. Kann man in den Monaten August und September weiterhin mit regelmäßigen Niederschlägen rechnen, so sind zumindest bei dem Einjährigen Weidelgras nahezu noch zwei Nutzungen möglich. Das Witterungsrisiko lässt sich durch den Anbau von Welschem Weidelgras als Winterzwischenfrucht bzw. durch den Anbau mehrjähriger Ackergräser mit Saatzeitpunkt im September vermindern.

 

 


Mischungen oder Sorten anbauen?

Auf die speziellen Eigenschaften der Sorten sollte man besonders achten, wenn anstatt von Mischungen nur eine Sorte angebaut werden soll. Prinzipiell ist die Aussaat von  lediglich einer Sorte zwar möglich, um das Leistungspotential einer Sorte maximal auszuschöpfen, doch birgt diese Verfahrensweise auch Risiken. Insbesondere in Jahren mit widrigen Witterungsbedingungen kann es bei dem Anbau von nur einer Sorte wesentlich rascher zu Ertragsausfällen kommen. Bei solchen Gegebenheiten sind Mischungen von mindestens drei Sorten wesentlich robuster und ertragsstabiler. 


 

 

 


Kontakt:
Dr. Christine Kalzendorf
Komm. Leiterin Feldversuchsstation für Grünlandwirtschaft und Rinderhaltung, Beraterin Grünland, mehrj. Ackerfutterbau und Futterkonservierung
Telefon: 0441 801-428
Telefax: 0441 801-432
E-Mail:
Dr. Matthias Benke
Leiter Fachbereich Grünland und Futterbau
Telefon: 0441 801-420
Telefax: 0441 801-432
E-Mail:


Stand: 27.07.2017



PDF: 28275 - 48.400390625 KB   Tabellen Ackergras 2017   - 48 KB