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Grünland bei Bedarf erneuern

Wenn die Grünlandbestände den Leistungsansprüchen nicht mehr gerecht werden, muss über eine Verbesserung nachgedacht werden. Oft liegt der Schlüssel zum Erfolg in der Grünlanderneuerung, allerdings ist dabei häufig auch ein erhöhtes Risiko durch Witterungs- und Standortbedingungen gegeben.

 

Die Ansprüche an die pflanzenbaulichen Leistungen vom Grünland variieren je nach Verwertungsrichtung und Produktionsziel der landwirtschaftlichen Betriebe. Wenn die Grünlandbestände den Leistungsansprüchen nicht mehr gerecht werden, muss über eine Verbesserung nachgedacht werden. Oft liegt der Schlüssel zum Erfolg in der Grünlanderneuerung, allerdings ist dabei häufig auch ein erhöhtes Risiko durch Witterungs- und Standortbedingungen gegeben.

In intensiv genutzten und für die Milchviehfütterung vorgesehenen Beständen ist bald der dritte Aufwuchs schnittreif. Für Grünlanderneuerungen sollte der Zeitraum nach dem dritten Schnitt ab Mitte Juli bis Ende August genutzt werden, um die notwendigen Arbeiten zeitgerecht durchzuführen.

Die Grünlanderneuerung durch Neuansaat stellt auch auf absolutem Grünland eine Maßnahme im Rahmen der ordnungsgemäßen Grünlandbewirtschaftung dar, die jedoch nur unter bestimmten Voraussetzungen und unter Abwägung der Erfolgsaussichten und Kosten vorgenommen werden sollte (Tabelle 1). Zu den absoluten Grünlandstandorten zählen in Niedersachsen vor allem die landwirtschaftliche genutzten Hoch- und Niedermoore sowie Überschwemmungsgrünland und sonstige Feuchtgrünlandstandorte (Gleye).

Entscheidungskriterien

Ob eine Grünlanderneuerung überhaupt wirtschaftlich ist, hängt von verschiedenen Kriterien ab. Um zu entscheiden, ob eine Grünlanderneuerung wirtschaftlich sinnvoll ist, müssen folgende Fragen beantwortet werden:

  • Wie hoch ist der Besatz mit futterbaulich minderwertigen Pflanzen insgesamt?
  • Besteht die Möglichkeit, unerwünschte Pflanzen selektiv zu bekämpfen?
  • Wie hoch ist der Anteil futterbaulich minderwertiger Gräser?
  • Sollen vorhandene Bodenunebenheiten behoben werden?
  • Ist der Standort für eine Bodenbearbeitung mit Pflug und/oder Fräse geeignet?
  • Wie lange soll die Neuansaat genutzt werden, bevor wieder eine Neuansaat erfolgt?

Mängelsituation begründen

Die Gründe für nicht leistungsgerechte Grünlandnarben sind in der Regel standortbedingt. Trockenheit und Auswinterungsschäden sowie Schädlingsbefall (Tipula auf organischen Standorten) sind die häufigsten Gründe für starke Mängel im Grünland. In lückenhaften Beständen zu Beginn der Vegetation 2017 konnten sich aufgrund des anhaltend kühlen Frühsommers vermehrt unerwünschte Arten wie das „Gemeine Rispengras“ gegenüber den wertvolleren Weidelgräsern durchsetzen. Diese Mängel werden oft erst in der zweiten Jahreshälfte erkannt und können Anlass für eine Grünlanderneuerung sein.

Durch Bewirtschaftungsfehler herbeigeführte Mängel im Grünland sollten, ebenso wie das standortbedingte Ausfallrisiko, unbedingt

erkannt werden, bevor eine Grünlanderneuerung durchgeführt wird. Die Gründe liegen meist in einer einseitigen und nicht mit dem Standort harmonisierenden Nutzungsintensität. Als Beispiele können zu hohe bzw. geringe Besatz­dichten, ungünstige Koppelformen, nicht optimale Koordination von Düngung und Nutzung, ungleichmäßige Verteilung von Wirtschftsdüngern, zu tiefer Schnitt sowie unvollständiges Abräumen des Erntegutes nach Pflegeschnitten genannt werden.

Bei einer Grünlandbegehung sollte im Rahmen einer Bestandsaufnahme zunächst der Zustand der Grünlandflächen kontrolliert werden, um den Anteil der minderwertigen Gräser und Kräuter ungefähr abzuschätzen. Sollten z.B. deutlich mehr als 30% Quecke und Gemeine Rispe den Bestand sowie eine mittlere bis starke Verkrautung (> 15-20%) dominieren, kann je nach spezifischer Verkrautung eine Grünlanderneuerung sinvoll sein.  

  • Ein alleiniger Quecken- oder Rispenbesatz bzw. eine alleinige Verkrautung, z.B. mit gewöhnlichem Löwenzahn, von weniger als 30-40% würden eine Grünlanderneuerung eher ausschließen, da durch gezielte Maßnahmen effektiv gegengesteuert werden könnte. Die Quecke kann z.B. durch intensive Beweidung, die Gemeine Rispe durch intensives Striegeln in ihrer Ausbreitung mindestens aufgehalten werden. Verkrautung lässt sich im Grünland mit geeigneten selektiv wirksamen Pflanzenschutzmaßnahmen gezielt ausschalten. Durch Nachsaaten schnellwüchsiger Grasarten in einer Größenordnung von 10-20 kg/ha im Spätsommer sollten die genannten Gegenmaßnahmen unterstützt werden.
  • Der Einsatz von Totalherbiziden (Glyphosate) zum Abtöten der Altnarbe sollte bei einem wiedereraustreibenden, etwa 10-15 cm hohen Bestand erfolgen.
  • Insbesondere in langjährigen Standweiden und auf Moorstandorten können die Grünlandnarben im Laufe der Jahre stark uneben werden und die Bewirtschaftung stark erschweren. In extensiveren Standweidenutzungen sind die Leistungsansprüche eher gering, da diese Flächen fast nur durch Mutterkühe und heranwachsende Rinder genutzt werden. Milchviehweiden (Umtriebs- und Kurzrasenweide) können ebenfalls nach Beweidung temporär feuchter Grünlandflächen oder z.B. als Folge von Schwarzwildschäden stark geschädigt sein. Diese Unebenheiten lassen sich auf Mineralböden nicht immer durch den Einsatz von Walzen beheben und sollten dann vor einer Nachsaat bzw. Neuansaat mit flacher Bodenbearbeitung (Fräse, Kreiselegge, vgl. Abbildung) eingeebnet werden.
  • Größere Unebenheiten auf Moorstandorten sind durch die moortypischen Sackungsprozesse auf Schnitt- und Weideflächen gleichermaßen anzutreffen. Diese Unebenheiten sowie eine gewisse Ertragsmüdigkeit infolge sogenannter „kopflastiger Nährstoffprofile“ sollten die wesentlichen Gründe für eine Grünlanderneuerung mit „flacher“ Bodenbearbeitung auf Moorstandorten sein. Auf Moorstandorten kann eine tiefere Pflugfurche (>20 cm) nur bei Vermurschungshorizonten (unerwünschter Gefügeverlust der Torfsubstanz) oder bei Versauerung der obersten Schicht sinnvoll sein. Eine Bodenbeprobung in 2 bis 3 Profilschichten von jeweils 10-15 cm sollte bei tieferem Eingriff vorab Aufschluss über die Nährstoffsituation und den pH-Wert unterhalb der durchwurzelten Moorschicht geben.
  • Eine Grünlanderneuerung allein aus Gründen der Bestandszusammensetzung sollte auf Moorstandorten dagegen als Direktsaat, ohne wendende oder fräsende Bodenbearbeitung erfolgen. Die Vorteile der Direktsaat werden damit begründet, dass die Grasnarbe nach der Neuansaat schneller wieder befahrbar ist und die abgestorbene Altnarbe einen wirksamen Schutz gegen eine moortypische Verkrautung darstellt. Als besonders beachtenswerter Vorteil für die Umwelt und die Nachhaltigkeit der Bewirtschaftung des Standortes ist die Schonung der Moorsubstanz und der durch Vermeidung erhöhter Mineralisation bedingte Grundwasserschutz hervorzuheben.
  • Grünlandneuansaaten sind kostenintensive Maßnahmen im Dauergrünland (vgl. Tabelle). Die Wirtschaftlichkeit der Maßnahmen ist von verschiedenen Rahmenbedingungen abhängig. Wenn Standortmängel eine regelmäßige Grünlandneuansaat erfordern, damit die Bestände den betrieblichen Leistungsansprüchen gerecht werden, sollte über eine Anpassung dieser Ansprüche nachgedacht werden. Beispielhaft kann etwa eine geringere Bewirtschaftungsintensität mit Heuverkauf oder Färsenaufzucht die kostenintensive Grünlandverbesserung (Tabelle 2) überflüssig machen.
  • Ackerfähige Mineralstandorte können im Gegensatz zu absoluten Grünlandstandorten durch regelmäßige Grünlanderneuerung wirtschaftlich mit großem Erfolg geführt werden. In den ersten Jahren nach einer Neuansaat, etwa bis zum 3. Vegetationsjahr, sind die Grasbestände in der Regel besonders ertragreich und wüchsig. Die jährlich zu kalkulierenden Kosten (kapitalisierte Kosten in Abhängigkeit von der Nutzungsdauer) einer Grünlanderneuerung sollten allerdings auch wieder durch Mehrertrag und/oder –qualität erwirtschaftet werden.

Qualitätssaatgut wählen

Die richtige Mischung für das Nutzungsziel und den Standort zu wählen erscheint bei der Fülle von Werbeprospekten und Mischungskonzepten schwierig. Die absoluten Prozentanteile der einzelnen Mischungspartner sind dabei nicht so entscheidend wie die Qualität des Saatgutes hinsichtlich der Keimfähigkeit und der spezifischen Sorteneigenschaften der eingemischten Arten.

Für Grünlandneuansaaten bei mittelintensiver bis intensiver Nutzung sind die Qualitätsstandardmischungen G II oder G III zu empfehlen. Sie enthalten hohe Anteile Deutsches Weidelgras sowie Wiesenlieschgras, Wiesenrispe und Wiesenschwingel (nur G II) sowie 6 % Weißklee.

Für Wechselgrünland mit einer geringeren Nutzungsdauer von bis zu 4 Jahren kann eine GV-Grünlandmischung mit oder ohne Weißklee sowie die etwas robustere Mischung G III-S mit Wiesenlieschgras zum Einsatz kommen.

Mischungskonzepte mit Rohrschwingel als Bestandspartner sind für extreme Standorte und bei Beachtung der höheren Strukturwirkung im Aufwuchs ebenfalls empfehlenswert. Diese Mischungen werden hinsichtlich ihrer Anbaueignung für verschiedene Standorte geprüft. Insbesondere auf Moorstandorten besteht die Aussicht, dass Rohrschwingel zur Verbesserung der Ausdauer und der Tragfähigkeit der Grasnarbe besonders geeignet ist.

Für alle Ansaaten und Nachsaaten auf Moorstandorten ist darauf zu achten, dass ausschließlich Mischungen mit hierfür geeigneten Weidelgrassorten (M-Sorten) zum Einsatz kommen. Die Qualitäts-Standardmmischungen sind zusätzlich durch die Bezeichnung `Moor´ bzw. `M´ auf dem Etikett gekennzeichnet. In vergleichbaren Mischungen der Unternehmen Agravis, Deutsche Saatveredelung, Meiners-Saaten und HEGA-Saaten werden ebenfalls nur empfohlene Sorten verwendet. Die empfohlenen Mischungen sind an dem Etikett der Freiwilligen Mischungskontrolle Niedersachsen erkennbar.


Kontakt:
Gerd Lange
Berater Grünland und Naturschutzprogramme
Telefon: 04271 945-224
Telefax: 04271 945-222
E-Mail:
Dr. Matthias Benke
Leiter Fachbereich Grünland und Futterbau
Telefon: 0441 801-420
Telefax: 0441 801-432
E-Mail:


Stand: 28.07.2017



PDF: 28275 - 48.400390625 KB   Tabellen Ackergras 2017   - 48 KB