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Herbst ist auch Grünlandpflege-Zeit

Die heftigen Niederschläge in diesem Jahr haben vielerorts das Grünland unter Stressbedingungen gebracht. Erkennbar wird das zuerst an Fahrspuren, die oftmals Bodenverdichtungen nach sich ziehen. Staunässe wirkt sich zudem auf den Pflanzenbestand aus und verändert insbesondere die Artenzusammensetzung. Beurteilen Sie jetzt den Status quo und leiten Sie daraus die erforderlichen Pflegeaktivitäten auf dem Grünland ab.  Die Maßnahmen im Herbst legen den Grundstein für die Futterproduktion im nächsten Jahr.

Striegeln, Nachsaat, Walzen

Besonders in diesem Jahr waren Trittschäden auf Weiden nicht immer vermeidbar. Fahrspuren konnten auch mit optimaler Reifenbreite und möglichst geringem Reifendruck auf vielen nassen Flächen nicht verhindert werden. Somit war es häufig schwierig, die Bewirtschaftungsmaßnahmen auf die Bodenverhältnisse abzustimmen.

 

 

 

 

 

 Fahrspuren ließen sich in diesem Jahr wegen der hohen Niederschläge nicht immer vermeiden.

 

Die entstandenen Lücken in der Grasnarbe sollten nun so schnell wie möglich geschlossen werden, bevor sich dort unerwünschte Gräser oder Kräuter ansiedeln. Lücken verringern zudem den Ertrag und tragen zum Schmutzeintrag bei der Silierung bei. In der Folge wirkt sich das negativ auf die Futter- und Gärqualität aus.

Zur Beseitigung von Trittschäden bietet sich je nach Schwere und Bodenverhältnissen Abschleppen in Kombination mit Walzen an. Soll auch nachgesät werden, ist es häufig notwendig, vorher zu striegeln, um ausreichend Platz und Licht für die Nachsaat zu schaffen. Die Konkurrenz durch die Altnarbe muss möglichst geringgehalten werden. Bei den Witterungsverhältnissen der letzten Jahre war eine Nachsaat noch bis Mitte September gut möglich.

Striegeln in Kombination mit Nachsaat ist gleichfalls zu empfehlen, wenn im Bestand vermehrt Gemeine Rispe oder Ausläufer bildende Gräser wie Quecke oder Straußgras festgestellt werden. Hier gilt es zu verhindern, dass sich die unerwünschten Arten im Bestand etablieren. Bei speziellen Fragen zum Pflanzenschutz wenden Sie sich bitte an die Beratung der Bezirksstelle vor Ort.

Trotz des Zeitdrucks der jetzt zwischen Ernte, Pflegemaßnahmen und Alltagsarbeit schnell entsteht, lohnt es sich, die Nachsaatmischung mit Blick auf die eigenen Produktionsziele sorgfältig auszusuchen. Wer beispielsweise mit dem Proteingehalt seiner Futterration noch nicht zufrieden ist, kann mit der Nachsaatmischung „GV-Klee“ gezielt die wertvolle Leguminose in den Bestand etablieren. Hilfe bei der Auswahl bietet das Grüne Faltblatt „Qualitätsstandardmischungen für Grünland“ der nordwestdeutschen Kammern, denn hier finden Sie insgesamt drei Auswahlmöglichkeiten für die Nachsaat.

Düngung

Auch bei der Düngung gilt es, viele verschiedene Faktoren zu berücksichtigen. Bei der Düngung von Grünlandbeständen muss neben den unmittelbaren Ertragseffekten auch die langfristige Erhaltung eines leistungsfähigen Bestandes im Blick behalten werden. Besonders bei milder Herbstwitterung erhöht die Düngung die Gefahr, dass die Bestände zu üppig in den Winter gehen. Die mit der Güllegabe verbundene Kalium-Zufuhr kann sich jedoch positiv auf die Winterhärte der Pflanzen auswirken. Zusätzlich wird die Widerstandskraft gegen Pilzbefall erhöht. Können die Pflanzen den gedüngten Stickstoff im Herbst nicht mehr in Aufwuchs umsetzten, steigt aber das Risiko für Nitratauswaschung. Dies ist sowohl unter Gesichtspunkten der Nährstoffeffizienz als auch des Umweltschutzes zu verhindern!

Bei allen Düngungsmaßnahmen sind die Vorgaben der neuen Düngeverordnung einzuhalten. Über viele Änderungen wurde in verschiedenen Ausgaben bereits informiert. An dieser Stelle soll noch einmal auf die geänderten Sperrfristen, vom 01.11. bis zum 31.01. hingewiesen werden. Außerdem ist die Ausbringung von Festmist vom 15. 12. bis zum 15.01. nicht erlaubt. Eine Verschiebung der Sperrfrist kann weiterhin beantragt werden.

Rost im Bestand!

Viele Betriebe konnten in diesem Jahr verstärkten Rostbefall in ihren Beständen feststellen. Erfahrene Weidetiere meiden die befallenen Pflanzen. Gegen den Rostbefall hilft: Mulchen! Sind die Bestände zu hoch, muss der Aufwuchs abgefahren werden. Um eine weitere Ausbreitung zu vermeiden, sollten Pflegemaßnahmen bei befallenen Beständen unter möglichst trockenen Bedingungen erfolgen.

Eine unausgewogene Düngung wird insbesondere mit dem Rostbefall der Gräser in Zusammenhang gebracht. Die Rostresistenz kann bei den verschiedenen Sorten durchaus variieren. Auch deshalb lohnt sich vor der Nachsaat ein Blick in das Grüne Faltblatt.

Weidenutzung im Herbst

Weideflächen erfordern im Herbst besondere Aufmerksamkeit, um den Futteransprüchen der Tiere gerecht zu werden und die Grünlandbestände nicht zu sehr zu strapazieren. Da sich die Futterqualität zum Ende der Weideperiode ändert, muss die Zufütterung entsprechend angepasst werden. Ist der Aufwuchs vor dem Beweiden zu hoch, leidet die Futterqualität darunter.

Eine möglichst lange Weidenutzung ist zwar erstrebenswert, besonders in diesem Jahr, muss jedoch auf nassen Flächen auch die Grasnarbe geschützt werden. Auch wenn einige Fläche ohne Risiko bis Mitte-/Ende Oktober beweidet werden können, kann es bei hohen Niederschlägen oder nassem Boden notwendig sein, die Tiere kurzfristig aufzustallen. Hier liegt die Herausforderung darin, flexibel auf Boden- und Witterungsverhältnisse zu reagieren, um die Grasnarbe zu schonen. Eine geschickte Platzierung von Tränken und Zugängen zu Weideflächen kann ebenfalls dazu beitragen, die Grasnarbe zu schützen. Wie diese Maßnahmen umgesetzt werden können, ist jedoch von Betrieb zu Betrieb sehr verschieden.

 

 

 

 

 Bei ungleichmäßig abgeweideten Beständen ist häufig ein Pflegeschnitt notwendig.

 

Auch auf Weideflächen sollten die Grasbestände möglichst gleichmäßig in den Winter gehen. Wenn die Bodenverhältnisse es erlauben, ist deshalb auf unregelmäßig abgeweideten Flächen ein Pflegeschnitt empfehlenswert. Wichtig ist, die Besatzdichte entsprechend dem Futteraufwuchs (Weideresten) anzupassen. Besonders bei Pferdeweiden muss darauf geachtet werden, dass die Bestände vor dem Winter nicht zu tief abgeweidet werden.

 

Die Grünlandnarbe auf den Winter vorbereiten – optimale Aufwuchshöhe

Mit welcher Höhe das Grünland in den Winter geht, ist entscheidend für die Bestandsentwicklung im folgenden Frühjahr. Optimal ist eine Höhe von 5-8 cm.

Höhere Bestände sind stärker auswinterungsgefährdet. Im Winter fallen die zu hohen Bestände in sich zusammen und ersticken damit die bislang noch vitale Grasnarbe. Auf Weiden sollten deshalb hohe Futterreste abgefahren werden. Das Altgras in der Narbe verschlechtert die Aufwuchsbedingungen und führt zu verringerter Futterqualität. In hohen Beständen finden auch Schneeschimmelerreger und Fusarien einen idealen Nährboden; aber auch Wiesenschnaken und Mäusen fühlen sich in hohen Beständen wohl.

 

 

 

 

 

 

 Die richtige Höhe trägt entscheidend dazu bei, dass die Bestände gut durch den Winter kommen.

 

Bei zu niedrigen Beständen leidet ebenfalls die Winterhärte. Die Pflanzen können nicht genügend Reservestoffe in Wurzeln und Stoppeln speichern und die Entwicklung im folgenden Frühjahr verzögert sich. Besonders das Deutsche Weidelgras reagiert hier empfindlich. Auch Weißklee ist auf eine ausreichende Blattfläche zu Beginn des Winters angewiesen.

Pflegeschnitte sind, wenn möglich, nicht in Frostphasen durchzuführen.

 

Bodenuntersuchung einplanen!

Der Herbst ist für Grundbodenuntersuchungen ein geeigneter Zeitpunkt. Die Ergebnisse liegen dann rechtzeitig für die Planung im kommenden Jahr vor. Bei den Proben werden der pH-Wert, Phosphat, Kalium und Magnesium bestimmt. Sie sollten mit einem möglichst großen Zeitabstand zur letzten Düngung gezogen werden. Um ein repräsentatives Ergebnis zu erhalten, sind bei Grünland 30 bis 40 Einstiche bis zu einer Tiefe von 10 cm notwendig. Die Einstichstellen dürfen nicht parallel zur Bearbeitungsrichtung liegen, da zum Beispiel Bodenverdichtungen oder die Schwadablage während der Ernte das Ergebnis beeinflussen. Auf Weidestellen dürfen deshalb auch Tränk- oder Kotstellen nicht beprobt werden.

Fazit:

  • Die Grünlandpflege im Herbst bildet die Basis für die Futterproduktion im nächsten Jahr.
  • Die optimale Bestandeshöhe (5-8 cm) trägt entscheidend dazu bei, Auswinterungsschäden zu vermeiden.
  • Eine angepasste Nährstoffversorgung fördert die erwünschten Futterpflanzen.
  • Passen Sie die Weidenutzung im Herbst den Witterungsbedingungen an.
  • Machen Sie sich die Ursachen für Fahrspuren und Trittschäden klar; nicht immer sind nasse Standorte die Hauptursache.

 

 


Kontakt:
Amelie Bauer
Grünlandwirtschaft Feldversuchsstation
Telefon: 04401 82956-18
Telefax: 04401 82956-11
E-Mail:
Dr. Christine Kalzendorf
Beraterin Grünland, mehrj. Ackerfutterbau und Futterkonservierung
Telefon: 0441 801-428
Telefax: 0441 801-432
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Stand: 07.09.2017