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Steckbrief: Grünland, N-Düngebedarfsermittlung

Seit dem 02.06.2017 ist die neue Düngeverordnung in Kraft. Neu ist unter anderem, dass vor dem Ausbringen von Düngemitteln der Düngebedarf zu ermitteln und zu dokumentieren ist. Für die Vorgehensweise bei der Düngebedarfsermittlung gibt es bundesweit einheitliche Vorgaben, die sich nach dem N-Bedarf der Pflanzen richten und je nach Standort und Bewirtschaftung unterschiedliche Korrekturfaktoren vorsehen.

 

Für die unterschiedlichen Grünlandnutzungen gibt es verbindliche Stickstoffbedarfswerte.

Der N-Düngebedarf ergibt sich dann aus dem jeweiligen Stickstoffbedarfswert und nach Zu- oder Abschlag von Korrekturfaktoren. Hierbei sind zu berücksichtigen:

  1. Ertrag (Tabelle 1)
  2. Rohproteingehalt (Tabelle 1)
  3. Stickstoffnachlieferung aus dem Bodenvorrat (Tabelle 2)
  4. Stickstoffnachlieferung aus der N-Bindung von Leguminosen (Tabelle 2)
  5. Die Nachlieferung von Stickstoff aus der Anwendung von organischen oder organisch mineralischen Düngemitteln im Vorjahr (10 % der mit diesen Düngemitteln aufgebrachten Menge an Gesamtstickstoff)

 

 

Tabelle 1: Stickstoffbedarfswerte und ertragsabhängige Zu-/Abschläge
Nutzung: Ertragsniveau [dt TM/ha] Rohproteingehalt [% RP:6,25 = kg N/dt TM] Stickstoffbedarfswert [in kg N/ha] Zu- und Abschläge [kg N/ha]
Je 10 dt TM/ha Ertragsdifferenz Je 1% Rohprotein in der TM Rohproteindifferenz
Grünland/Dauergrünland
1-Schnittnutzung 40 8,6 55 14 6
2-Schnittnutzung 55 11,4 100 18 9
3-Schnittnutzung 80 15,0 190 24 13
4-Schnittnutzung 90 17,0 245 27 14
5-Schnittnutzung 110 17,5 310 28 18
6-Schnittnutzung 120 18,2 350 29 19
Weide/Mähweide
Weide intensiv 90 18,0 130 15 8

Mähweiden, 60% Weideanteil

94 17,6 190 20 11

Mähweiden, 20% Weideanteil

98 17,2 245 25 14
Weide extensiv 65 12,5 65 10 5

 

Tabelle 2: N-Nachlieferung aus dem Bodenvorrat und aus der N-Bindung von Leguminosen
 

Mindestabschläge

[kg N/ha]

Abschläge für die Stickstoffnachlieferung aus dem Bodenvorrat
Sehr schwach bis stark humose Grünland- oder Dauergrünlandböden (weniger als 8 % organische Substanz) 10
Stark bis sehr stark humose Grünland- oder Dauergrünlandböden (8 % bis weniger als 15 % organische Substanz) 30
Anmoorige Grünland- oder Dauergrünlandböden (15 % bis weniger als 30 % organische Substanz) 50
Moorböden (30 % und mehr organische Substanz); Hochmoor 50
Moorböden (30 % und mehr organische Substanz); Niedermoor 80
Abschläge für Stickstoffnachlieferung aus der Stickstoffbindung von Leguminosen [kg N/ha]
Ertragsanteil von Leguminosen 5 bis 10 % 20
Ertragsanteil von Leguminosen größer 10 bis 20 % 40
Ertragsanteil von Leguminosen größer 20 %

60


In Zukunft wird es noch wichtiger sein eine hohe Nährstoffeffizienz, insbesondere beim Einsatz von Wirtschaftsdüngern, zu erreichen. Entscheidend sind hierbei, neben der standortspezifischen Düngebedarfsermittlung, der Zeitpunkt der Ausbringung und möglichst verlustarme Ausbringungstechnik. Ausreichender Lagerraum und Befahrbarkeit der Flächen sind hierfür Voraussetzung.

Ausbringungszeitpunkt: Hinsichtlich der Verteilung der organischen Düngung lässt sich sagen, dass diese mindestens zur Hälfte im zeitigen Frühjahr und die letzte Wirtschaftsdüngergabe am besten vor dem letzten Schnitt erfolgen sollte. Bei Ausbringung von Wirtschaftsdüngern nach dem letzten Schnitt besteht besonders bei warmer Herbstwitterung die Gefahr, dass die Bestände den Stickstoff noch in Ertragszuwachs umsetzen, nicht kurzrasig in die Winterruhe gehen und die Ausdauer der Gräser darunter leidet.

Grünlandpflege: Für die Ertragssicherung ist die Düngung nicht allein maßgebend. Eine an den Standort angepasste Nutzung, regelmäßige Nachsaaten mit hochwertigen Mischungen und das richtige Augenmerk für die notwendigen Pflegemaßnahmen tragen überwiegend zum Erhalt wertvoller Grünlandbestände bei.


 

 

 

 

Weitere Änderungen im Überblick:

  • Sperrfrist: Düngemittel mit wesentlichen Gehalten an Stickstoff dürfen auf Grünland in der Zeit vom 1. November bis zum 31. Januar nicht ausgebracht werden. Eine Verschiebung der Sperrfrist kann weiterhin beantragt werden. Festmist von Huf- oder Klauentieren oder Komposte dürfen in der Zeit vom 15. Dezember bis zum 15. Januar nicht ausgebracht werden.
  • Abstände zu Oberflächengewässern: Die neue Düngeverordnung fordert einen Mindestabstand von 4 m zur Böschungsoberkante. Der Mindestabstand kann bei präziser Ausbringungstechnik (z. Bsp. Schleppschlauch, Grenzstreueinrichtung) auf 1 m reduziert werden. Innerhalb eines Abstandes von 1 m zur Böschungsoberkante darf nicht gedüngt werden. Weitergehende Abstandsregelungen gelten auf stark geneigten Flächen.
  • Anforderungen an die Ausbringungstechnik: Ab dem 01.01.2025 dürfen Wirtschaftsdünger bei Grünland oder mehrschnittigem Feldfutterbau nur noch streifenförmig oder direkt in den Boden ausgebracht werden.
  • Obergrenze von 170 kg N/ha für Wirtschaftsdünger: Die Obergernze von 170 kg N/ha für Wirtschaftsdünger bleibt bestehen und bezieht in Zukunft alle organischen und organisch-mineralischen Düngemittel ein, also auch den gesamten Stickstoff aus Gärresten.

Kontakt:
Dr. Matthias Benke
Leiter Fachbereich Grünland und Futterbau
Telefon: 0441 801-420
Telefax: 0441 801-432
E-Mail:
Amelie Bauer
Feldversuchsstation für Grünlandwirtschaft und Rinderhaltung
Telefon: 04401 82956-12
Telefax: 04401 82956-11
E-Mail:


Stand: 19.12.2017