Webcode: 01020632

Von der Natur lernen: Zwischenfruchtmischungen zur Auflockerung der Fruchtfolge

Von der Natur lernen heißt, verstärkt natürliche Zusammenhänge nutzen, von denen unsere Vorväter schon wussten. Derzeit erfolgt eine Rückbesinnung auf das "alte" Wissen und vieles wird neu ausprobiert. Zwischenfrüchte und besonders Zwischenfruchtmischungen werden vermehrt von Landwirten in der Fruchtfolge angebaut.

Die Gründe sind vielfältig. Mit Zwischenfrüchten ist der nachfolgende Bestand gesünder. Unkräuter werden unterdrückt. Es treten weniger Pilzkrankheiten und Schädlinge auf. Die Zwischenfrüchte sorgen für Bodenbedeckung und dienen den Bodenlebewesen als Nahrungsgrundlage. Ständige Bodenbedeckung bedeutet Humusaufbau. Durch Wurzelausscheidungen der Pflanzen und die Aktivität des Bodenlebens werden Nährstoffe mobilisiert und so effektiver genutzt. Gerade Phosphor weist eine höhere Verfügbarkeit auf, wenn der Boden ausreichend mit Humus versorgt und das Bodenleben aktiv ist. Durch den Anbau von Zwischenfrüchten haben die standortbedingten Unterschiede des Bodens auf einer Fläche weniger Auswirkungen. Der nachfolgende Bestand wächst gleichmäßiger.

Regenwürmer bevorzugen Leguminosen
Die Pflanzenreste der Leguminosen werden sehr stark von Schimmelpilzen durchsetzt und dann von den Regenwürmern gefressen. Schimmelpilze mobilisieren Nährstoffe und produzieren antibiotische Stoffe gegen Krankheitserreger. Vorteile des Anbaus von Leguminosen sind Förderung des Bodenlebens, sehr hohe Krümelstabilität gegen Verschlämmung, Nährstoffmobilisierung (besonders Phosphor) und große Tiefenentwicklung der Wurzeln. Die Tiefenentwicklung der Wurzeln hängt z. T. auch mit der Förderung von Regenwürmern zusammen. Durch die vertikalen Regenwurmgänge, die weit in die Tiefe reichen, können die Wurzeln schnell in große Tiefen vordringen. Leguminosen und Regenwürmer begünstigen sich gegenseitig. Durch die vertikalen Regenwurmgänge können Zwischenfrüchte, die nach Ernte von Getreide angebaut werden in größere Tiefen wachsen. Nach 6 bis 8 Wochen schon über einen Meter je nach Standort, auf guten Standorten sogar zwei Meter. Durch Regenwurmkot wird das Bodengefüge stabilisiert und bleibt auch stabil, wenn es zu kalt oder zu trocken für aktives Bodenleben ist. Die Effekte der Gare durch Beschattung verschwinden sehr schnell wieder sobald keine lebenden Pflanzen vorhanden sind. Regenwurmkot enthält etwa das 7fache an Phosphor im Vergleich zur Krume. Der Humusgehalt ist im Regenwurmkot und in der Auskleidung der Regenwurmgänge, den sogenannten Ton-Humuskomplexen, ebenfalls bedeutend höher. Die Regenwurmgänge der Tiefgräber kann man auch auf sandigen finden, wenn genügend Nahrung für die Regenwürmer vorhanden ist. Durch Bodenkleintiere und Regenwürmer werden Pflanzenteile zerkleinert. Dabei werden mineralische und organische Bestandteile miteinander verbunden und bilden stabile Gefüge, die zum Humusaufbau im Boden beitragen. Die tiefgrabenden Regenwürmer sind darauf angewiesen die Pflanzenreste von der Bodenoberfläche zu holen. Eingearbeitete Pflanzenreste können sie nicht verwerten.

Bodenbedeckung durch Zwischenfrüchte
Bodenbedeckung fördert die Wurzelbildung, v. a. die Bildung von Mykorrhizawurzeln. Mykorrhizza ist eine Symbiose zwischen Pilz und Wurzeln, die die Wurzeloberfläche vergrößert und die Nährstoffaufnahme verbessert. Sie kommt auch bei Getreide vor. Durch die Bodenbedeckung nehmen auch der pH Wert und der Humusgehalt zu. Außerdem wird durch die Bodenbedeckung die Verdunstung vermindert, die Versickerung gefördert und der Wassergehalt erhöht. Bodenbedeckung gleicht Schwankungen der Bodentemperatur aus. Durch Einschränkung der Wärmestrahlung behält der bedeckte Boden im Herbst und Winter bis in den Februar hinein eine höhere Bodentemperatur als der unbedeckte. Hierdurch wird Aktivität des Bodenlebens, wie Schimmelpilze, Strahlenpilze, sauerstoffliebende Bakterien und besonders Regenwürmer, stark gefördert. Abfrierende Zwischenfrüchte bedecken den Boden über Winter. Im Frühjahr erwärmen sich gerade schwere und staunasse Böden sehr schlecht und trocknen nicht ab. Um die Bodenerwärmung zu fördern kann man Zwischenfrüchte mit dunklem Stroh wählen, wie Phacelia oder Ackerbohnen. Beim Anbau von Mais kann man außerdem den Aussaatzeitpunkt so weit nach hinten verlegen bis der Boden höhere Temperaturen aufweist. Wählt man nicht abfrierende Zwischenfrüchte bleibt die Schattengare im Boden durch die lebenden Pflanzen und Wurzeln länger erhalten und der Bodenkann kann leichter abtrocknen.

Wasserbedarf
Zwischenfrüchte verbrauchen Wasser für ihr Wachstum. Beim Anbau von Zwischenfrüchten im Sommer steht aber trotzdem genügend Wasser für die nachfolgende Winterung zur Verfügung. Über Winter wird dann durch die Niederschläge genügend Wasser im Boden aufgefüllt, so dass für die Hauptfrucht nach abfrierenden Zwischenfrüchten genug Wasser zur Verfügung steht. Winterharte Zwischenfrüchte sollte man rechtzeitig im Frühjahr vor der Aussaat oder Pflanzung abschlegeln. Durch Zwischenfrüchte wird unproduktive Verdunstung vermieden. Das Wasser bei Taubildung, etwa 1 l pro Tag und Quadratmeter, kann von den Pflanzen zusätzlich genutzt werden. Es herrscht ein ganz anderes Mikroklima vor im Vergleich zum Feld, wo nur das auflaufende Getreide oder der auflaufende Raps steht. Es werden aus der Luft zusätzlich Nährstoffe durch den Bestand der Zwischenfrüchte aufgenommen. Die Infiltration ist verbessert und mehr Wasser kann verwertet werden. Die lebenden Pflanzen speichern außerdem Wasser über ihre Wurzeln und über Wurzelausscheidungen. Nach Messungen aus Sachsen weisen leichte Böden im Frühjahr mit abfrierenden Zwischenfrüchten die gleiche Bodenfeuchte auf, wie die Fläche, wo nach der Ernte nur Stoppelbearbeitung erfolgte.

Aussaat
Bei der Aussaat der Zwischenfrucht ist genau so viel Sorgfalt erforderlich wie bei der Hauptfrucht. Damit der Anbau gerade auch in trockenen Regionen gelingt, ist es notwendig auf Bodenbearbeitung soweit wie möglich zu verzichten. Um Bodenfeuchte und Bodengare durch Beschattung der Pflanzen noch nutzen zu können, ist eine Aussaat kurz nach der Ernte innerhalb von 4 bis 8 Stunden zu empfehlen. Hierbei kann Bodenbearbeitung und Aussaat kombiniert werden oder soweit es die Drilltechnik hergibt, z. B. mit der Zinkendrille, direkt eingesät werden. Daneben gibt es die Möglichkeit mit einem pneumatischen Schleuderstreuer vor der Ernte die Zwischenfrüchte auszubringen. Zum Ausprobieren können die Zwischenfrüchte zunächst mit der Hand in den Bestand ausgestreut werden. Während der Ernte können Zwischenfrüchte auch mit Hilfe der Schneidwerkssaat ausgebracht werden (Saattank und Verteilungsschläuche am Mähdrescher). Der Vorteil der Aussaat vor der Ernte oder unmittelbar nach der Ernte ist, dass die Zwischenfrüchte schneller auflaufen als das Auflaufgetreide. Auflaufgerste und Raps laufen mit auf und die Zwischenfrucht überwächst Gerste und Raps. Die Ablagetiefe ist bei Zwischenfruchtmischungen für alle Mischungspartner gleich, egal ob  Hell- oder Dunkelkeimer. Meist werden 2 bis 3 cm empfohlen. Je nach Höhe des Leguminosenanteils und Vorfrucht kann auf eine Stickstoffdüngung verzichtet werden. Je nach Strohauflage ist ansonsten eine Düngung von 30 bis 50 kg zu empfehlen. Möchte man durch optimale Ablagetiefe einen sichereren Auflauf fördern wählt man Mischungspartner mit gleicher Ablagetiefe, wie zum Beispiel Hafer und Peluschke (Felderbse). Zwischenfrüchte und Untersaaten können auch direkt mit der Gülle ausgebracht und eingearbeitet werden. Damit sich Gülle und Saatgut nicht entmischen sollte nach dem Einsaugen des Saatgutes in das Fass die Ausbringung bald erfolgen. Zwischen zwei Winterkulturen benötigt man 6 bis 8 Wochen für den Zwischenfruchtanbau.

"Ernte" Zwischenfrucht
Durch Walzen des Zwischenfruchtbestandes bleibt das Wasser im Bestand, da durch das Abknicken der Halme die Wasserzufuhr unterbrochen wird und der Pflanzensaft in der Pflanze bleibt. Die Pflanzen müssen sich aber schon in der generativen  Phase sein, das heißt sie müssen Blühen, damit sie nach dem Walzen nicht weiterwachsen. Ansonsten gibt es noch die Möglichkeit mit der Messerwalze, dem Schlegel oder Mulcher den Bestand zu zerkleinern. Die Intensität der Zerkleinerung richtet sich nach vorhandener Drilltechnik für die nachfolgende Frucht. Im Herbst oder Frühjahr kann direkt eingesät werden ohne Glyphosateinsatz. Zerkleinert man die Zwischenfrüchte Ende Oktober/Anfang November für die nachfolgende Frühjahrskultur und lässt sie an der Bodenoberfläche liegen, arbeiten die Bodentiere die Pflanzenreste ein. Der Boden kann so im Frühjahr gerade auf schwereren Boden besser abtrocknen. Dies ist besser, als einen  massigen Senfbestand über Winter liegen zu lassen. Die Abtrocknung im Frühjahr ist dann schwierig, das helle Stroh reflektiert das Sonnenlicht und kann den Boden nicht erwärmen.
Auswahl der Zwischenfrüchte. Klassischer Weise wird Senf oder Ölrettich ausgewählt, da es kostengünstig ist oder den Nematoden entgegenwirken soll.

Zwischenfruchtmischungen
Leguminosen und manch andere Kulturen sind in Reinsaat meist sehr teuer. Zwischenfruchtmischungen bieten eine Alternative. Der Wurzelraum wird durch verschiedene Arten besser ausgenutzt und Nährstoffe können effektiver aufgeschlossen werden. Die Mischung reagiert flexibler auf unterschiedliche Umweltbedingungen (nass/trocken). Die Zusammensetzung der Mischung richtet sich nach den Zielsetzungen des Betriebes. Soll es eine Mischung für alle Kulturen (Getreide, Zuckerrüben, Raps, Mais etc.) sein, empfiehlt es sich auf Kreuzblütler zu verzichten, um so auch, vielleicht sogar mit mehreren Betrieben, in größeren Mengen und nach eigenen Vorstellungen bestellen zu können. Je mehr Mischungspartner gewählt werden, z. B. fünf, desto geringer ist die Gefahr der Entmischung. Bei der Auswahl der Arten sollte darauf geachtet werden, dass keine Arten verwendet werden, die in der nachfolgenden Hauptfrucht Probleme bereiten oder in der Kultur schlecht kontrolliert werden können, wie z. B. Buchweizen vor Zuckerrüben. Bei der Verwendung von Ölrettich sollte der Anteil in Mischungen eher gering sein, da er im Wachstum sehr stark dominiert. In einer Mischung von Ölrettich und Felderbse (in Anlehnung an die Mischung des Meliorationsrettichs mit Platterbse) kann sich die rankende Felderbse eher durchsetzen als andere Pflanzen. Rankende Pflanzen wie Sommerwicke weisen innerhalb kurzer Zeit ein erhebliches Längenwachstum auf und Beschatten sehr stark den Boden, so dass Unkräuter und Ausfallgetreide sehr gut unterdrückt werden. Peluschken (Felderbsen) haben im Vergleich zu anderen Erbsenarten breitere Blätter und beschatten ebenfalls den Boden. Hafer und Rauhafer (Avena strigosa) wirken  allelopathisch und reduzieren freie Nematoden. Seradella und Buchweizen eignen sich besonders gut für trockene Standorte. Bei Buchweizen empfehlen sich spät blühende Sorten oder rechtzeitiges Abschlegeln, da er sehr schnell Aussät. Es werden schon fertige Mischungen mit unterschiedlichen Zielrichtungen angeboten: Biomasseertrag, Bodenlockerung, Stickstofffixierung, Blumenweide, Futtermischung, Mischungen für den Ökoanbau ohne/mit  Leguminosen, spätsaatverträgliche Mischungen etc.

In der beigefügten Datei finden Sie genauere Informationen zu verschiedenen Zwischenfruchtmischungen.
 


Kontakt:
Marion Senger
Pflanzenbau
Telefon: 0511 3665-4250
Telefax: 0511 3665-994250
E-Mail:


Stand: 04.08.2016



PDF: 15466 - 8.4228515625 KB   Zwischenfruchtmischungen   - 8 KB