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Einfache Feldgefügeansprache - Beurteilung der Bodenstruktur durch den Praktiker

Da beim Befahren bzw. Bearbeiten des Bodens die Auswirkungen der Landtechnik auf die Bodenstruktur von entscheidender Bedeutung sind, gehört eine Bodengefügeansprache zu den wichtigsten Instrumenten erfolgreicher Bodenbewirtschaftung. 

Das Interesse der Landwirte ist groß, betrachtet man nur die Profilgruben auf den Feldtagen, die sich großer Beliebtheit erfreuen. Leider bleiben nach einer fachmännischen Ansprache durch einen Bodenwissenschaftler  nur zu oft die Begeisterung und das gute Gefühl für den Boden übrig. Selbst auf dem eigenen Acker die Bodenstruktur mit Hilfe der vorhandenen Methoden auf evtl. Gefügeschäden anzusprechen, ist bisher für den Landwirt schwierig.

Dieses Thema war schon immer von Bedeutung, besonders in Wissenschaft und Beratung. So wurden von Fachleuten verschiedene Methoden der Bodenansprache entwickelt, wie die „Spatendiagnose“ oder ein „Bestimmungsschlüssel für Bodengefügeschäden“ oder das „Visual Soil Assessment“ aus Neuseeland.

Feldgefügeansprache
Was bisher fehlt, ist eine „Einfache Feldgefügeansprache für den Praktiker.“ Wissenschaftler und Berater aus den Disziplinen Bodenkunde, Pflanzenbau und Landtechnik haben solch eine Methode entwickelt. Nach einer fachmännischen Unterweisung ist der Landwirt in der Lage, sein Bodengefüge selbst zu beurteilen und Schlussfolgerungen für die Bewirtschaftung daraus abzuleiten. Dieses Instrument der Bodenansprache - auch wenn es hohen wissenschaftlichen Ansprüchen kaum gerecht wird -hilft letztendlich, den Maschineneinsatz an die Verdichtungsempfindlichkeit der Standorte anzupassen.

Dabei werden verschiedener Bausteine schon bekannter Methoden miteinander verknüpft - die einfache Feldgefügeansprache ist ein Kompromiss aus dem Bodenanstich mittels Spatendiagnose und einer begehbaren Profilgrube. Zur Durchführung der Methode wurde ein etwa DIN A3 großes Klemmbrett entwickelt. In der Mitte des Klemmbrettes können die Bewertungsbögen (DIN A4) befestigt werden. Zusätzlich kann ein Fächer zur Abschätzung der Bodenbedeckung herangezogen werden.

Grundsätzliche Vorgehensweise
- die Profilgrube (100 x 50 x 50 cm) kann mit einem scharfen Spaten ausgehoben werden, sodass ein Minibagger nicht erforderlich ist
- sie unterscheidet deutlich in den Horizonten zwischen „Oberfläche /  Krume / Krumenbasis / krumennaher Unterboden“
- nach dem Ausheben wird zunächst der Profilgrubenboden auf Regenwurmgänge, Wasser- und Luftdurchlässigkeit untersucht
- dann wird in der rechten Profilwand ein Taschenmesser (mit fixierter Klinge) eingestochen, um die unterschiedlichen Bodenwiderstände in den Horizonten zu lokalisieren
- die linke Profilwand wird mit dem Messer zur Sichtbarmachung von Bioporen und Wurzeln präpariert
- die 6 Beurteilungsparameter : (1) Struktur der Oberfläche
                                                      (2) Durchwurzelung des Bodens
                                                      (3) Makroporen
                                                      (4) Gefüge und Festigkeit
                                                      (5) organische Reststoffe
                                                      (6) Farbe und Geruch
sind in Farbbildern in „gewünschter“ und „unerwünschter Form“ auf der Vorderseite dargestellt . Die Der Landwirt kann die Profilwand mithilfe von 5 Stufen (++ / + / 0 / - / --) bewerten.

Das Ergebnis dieser Gefügeansprache wird mittig auf einem DIN A 4 Blatt festgehalten und kann als Dokumentation in der Schlagkartei abgeheftet werden.
Auf der Rückseite des wasserfesten Klemmbrettes sind drei Beispiele für einen lehmigen Sand, einen Löss-Lehm und einen Tonboden aufgeführt, damit der Landwirt seine Vorgehensweise an praktischen Beispielen überprüfen kann.

Schlussbetrachtung
Damit der vorsorgende Bodenschutz nicht theoretisch auf Landkarten erfolgt, sondern standortangepasst  auf Praxisflächen durchgeführt wird, müssen die aktuellen Bodenzustände vom Bewirtschafter  beurteilt werden. Gerade bei dem ökonomischen Ziel einer rentablen Bewirtschaftung, sind die Fahrzeugparameter an kritische Bodenzustände anzupassen – das gelingt nur vor Ort durch die Gefügeansprache und nicht am Rechner im Büro.
Vor diesem Hintergrund hat die Landwirtschaftskammer Niedersachsen die vorgestellte Feldgefügeansprache zum Beratungsschwerpunkt  gemacht. Die Unterweisung, eine Bodengefügeansprache selbst durchzuführen,  erfolgt durch Wissenschaftler des von Thünen Institutes (vTI),  Spezialberater der Kammer und durch die Gesellschaft für Konservierende Bodenbearbeitung (GKB).
Das Klemmbrett kann bei der Gesellschaft für Konservierende Bodenbearbeitung bezogen werden. Inzwischen ist die dritte Auflage erschienen.
 


Kontakt:
Marion Senger
Pflanzenbau
Telefon: 0511 3665-4250
Telefax: 0511 3665-994250
E-Mail:


Stand: 20.02.2014