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Spätsaat Winterweizen - auf Sorteneignung achten

Generell ist Winterweizen die Getreideart mit den geringsten Ansprüchen an die Saatzeit, so dass das Aussaatfenster sehr breit ausfallen kann. Soll nach einer späten Mais- oder Zuckerrübenernte noch eine Weizenaussaat erfolgen, werden an die Sorten erhöhte Anforderungen gestellt.

Hier bedarf es frohwüchsiger, robuster und bestockungsfreudiger Sorten, die sich trotz der späten Aussaat unter den dann vorherrschenden Kurztagsbedingungen sehr zügig entwickeln. In der Regel beginnen die spät bestellten Bestände erst im Frühjahr mit der Bestockung oder laufen unter extremen Bedingungen dann erst auf. In jedem Fall ist die Bestockungsperiode vergleichsweise kurz, bevor die durch die Tageslänge induzierte Schossphase einsetzt. Somit können von der einzelnen Pflanze weniger Triebe ausgebildet werden, weshalb die Aussaatstärke ja nach Sorte auf 350 bis 450 Körner je m² angehoben werden sollte. Ganz anders als bei den Frühsaaten, besitzt die Krankheitsanfälligkeit der Sorten bei einer späten Saat eine geringere Bedeutung bei der Sortenwahl. Gerade bei einer Weizensaat nach Mais, und hier insbesondere nach Körnermais, sollte jedoch unbedingt die Anfälligkeit für Fusarien beachtet werden und die Aussaat möglichst nach einer Pflugfurche erfolgen, bei der optimalerweise keine Maisstoppel auf der Bodenoberfläche zurückbleiben, da diese ein erhöhtes Infektionspotential im kommenden Sommer darstellen können.

Um die aktuellen Winterweizensorten bezüglich ihrer potenziellen Eignung für eine Spätsaat beurteilen zu können, führt die Landwirtschaftskammer Niedersachsen auf einigen Versuchsstationen entsprechende Versuche durch, bei denen die Aussaat im Herbst 2007 frühestens ab dem 20. November mit einer Saatstärke, je nach Standort von 380 bis 425 Körner je m² erfolgte. Sicherlich stellten die Witterungsbedingungen im vergangenen Winter, wie auch schon im Jahr zuvor, keine allzu großen Belastungen für die Bestände dar. Problematischer als niedrige Temperaturen und Kahlfröste erwiesen sich eher die häufig schlechten Boden- und Bestellbedingungen aufgrund der hohen Niederschläge. Die aktuellen Spätsaatergebnisse sind in der Tabelle 1 im Anhang dargestellt. Besonders erfreulich präsentiert sich unter den gegebenen Bedingungen die Sorte Mulan. Auch die beiden neuen Sorten JB Asano und Tabasco konnten überdurchschnittlich abschneiden. Jenga, Julius und Hermann zeigten sich in Höhe des Standardmittels bzw. leicht darunter. Die verbleibenden Sorten des Prüfsortimentes, darunter auch zwei Wechselweizen, konnten dagegen weniger überzeugen.

Zum Schutz vor der Brachfliege erfolgt in den Versuchen generell eine insektizide Beizung des Saatgutes. Zur Kontrolle wurden die Sorten Mulan, Brilliant und Schamane ein zweites Mal ohne Insektizid ausgesät. Wie zu erkennen ist, gestaltet sich der Ertragsabfall gegenüber der mit Insektizid gebeizten Variante sehr gering, so dass die Maßnahme nicht unbedingt wirtschaftlich war. Da Aussagen dieser Art leider immer erst nach der Ernte und nicht zum Zeitpunkt der Aussaat getroffen werden können und die aktuelle Schaderregersituation schlecht einzuschätzen ist, empfiehlt es sich bei Spätsaaten standortabhängig jedoch häufig einen Schutz gegen Brachfliege einzusetzen.

 Da bei Versuchen im Freiland viele Einflussfaktoren einwirken, sollten, um abgesicherte Aussagen treffen zu können, möglichst mehrjährige Ergebnisse betrachtet werden, um Jahreseffekte ausschließen zu können. In der Tabelle 2 im Anhang sind daher Sorten dargestellt, für die ein zweijähriges Ergebnis vorliegt. Auch hier liegt Mulan deutlich an der Spitze. Impression und Schamane konnten im Vorjahr deutlich besser abschneiden, so dass sie sich im zweijährigen Mittel durchschnittlich präsentieren. Hermann und Epos dagegen scheinen für eine späte Aussaat im Vergleich weniger geeignet zu sein.

 


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Andreas Lege
Pflanzenbau
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Stand: 18.11.2008