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Landessortenversuche 2009: Sommerweizen

 An den zu beobachtenden erheblichen Schwankungen der Anbauflächen wird die typische „Lückenbüßerfunktion“ der Frucht eindrucksvoll deutlich. Interessant wird ein Anbau vor allem wenn wenn schwierige Aussaatbedingungen für Wintergetreide auftreten oder starke Auswinterung zu verzeichnen ist. Lesen Sie nachfolgend, wie die Sorten im aktuellen Landessortenversuch abschnitten.

Die schlechten Bestellbedingungen des Herbstes 2007 hatten vor allem auf den schwereren Standorten zur Ernte 2008 zu einer massiven Anbauausdehnung von Sommerweizen von fast 200 Prozent geführt.  Zur Ernte 2009 ist die Anbaufläche nun wieder auf das „übliche“, eher unbedeutende Niveau abgesunken. An diesen erheblichen Schwankungen wird die typische „Lückenbüßerfunktion“ der Frucht eindrucksvoll deutlich. Allgemein findet eine vermehrte Aussaat häufig nur dann statt, wenn schwierige Aussaatbedingungen für Wintergetreide auftreten oder starke Auswinterung zu verzeichnen ist. Unter normalen Umständen erfolgt die Aussaat lediglich nach letzten Zuckerrüben als Wechselweizen, auf Vorgewenden nach Mietenlagerung und schließlich zur absichern­den und vorbeugenden Er­zeugung von Sommergetreidesaatgut. Der recht deutliche Ertragsabstand zur Winterform macht den Sommerweizen wenig konkurrenzfähig.

Das Ertragsniveau lag 2009 nach der amtlichen sta­tistischen Ermittlung rund elf Prozent unter dem mehrjährigen Mittel. Die fehlenden Niederschläge im Frühjahr konnten offensichtlich später nicht mehr ausgeglichen werden.

Die Erträge der Sorten

Da die Ansprüche von Sommerweizen an den Boden sogar eher etwas höher sind als die vom Winterweizen, findet ein Anbau praktisch aus­schließlich auf schweren Standorten statt. Eine Prüfung in Sortenversu­chen wird deshalb auch nur in der Marsch und auf Lehmstandorten durchgeführt. Um der geringen Anbaubedeutung gerecht zu werden, sind die Versuchsaktivi­täten bei dieser Frucht allerdings so gering, dass ein aussagefähiges Ergebnis nur im Verbund mehrerer Länderdienststellen erreicht werden kann.

Entgegen dem landesweiten Trend geringerer Erträge, der auch auf den lehmigen Versuchsstandorten zu verzeichnen ist, sind die Ergebnisse auf den Marschböden deutlich höher als in den Vorjahren. Unter diesen Bedingungen zeigen Tybalt und Passat erneut ihre hohe Leistungsfähigkeit und bestätigen damit das mehrjährige Ergebnis. Auch die erstmalig geprüften Sorten Alora und KWS Chamsin schneiden erfreulich ab. Granny liegt konstant über die Jahre auf Durchschnittsniveau. Erwartungsgemäß schwächer im Ertrag präsentieren sich die E-Sorten Taifun und SW Kadrilj, die sich aber dennoch gegenüber 2008 leicht steigern können. KWS Scirocco schneidet in dieser Standortgruppe als schwächste ab und überzeugt nicht.

In der Anbauregion der Lehmigen Standorte Nordwest ist Tybalt unter den mehrjährig geprüften Sorten nach wie vor der leistungsstärkste Kandidat. KWS Chamsin erreicht im ersten Jahr das gleiche erfreuliche Ergebnis und bestätigt die viel versprechenden Zahlen aus der Wertprüfung. Leicht überdurchschnittlich und somit im Vergleich etwas schwächer als in den beiden Vorjahren ist Passat. Auf gleichem Niveau und somit für eine E-Sorte erfreulich gut präsentiert sich SW Kadrilj. Auch die neue Sorte Alora kann leicht über dem Standardmittel abschneiden. Wie schon in der Marsch so bewegt sich auch in dieser Standortgruppe Granny auf durchschnittlichem Niveau. Wenig überzeugend präsentiert sich KWS Chirocco. Die E-Sorte Taifun präsentiert sich im Gesamtvergleich deutlich schwächer und liegt somit erneut im Bereich der Vorjahresergebnisse.

Zu den Qualitäten

Nach einem sehr guten Vorjahr, in dem der durchschnittliche Proteingehalt im Mittel über alle Sorten oberhalb 15 Prozent lag, fallen die diesjährigen Werte im Schnitt wieder etwas geringer aus. Bei genauerer Betrachtung werden aber Sortenunterschiede deutlich. Eine nochmalige Steigerung und einen sehr hohen Wert von 16,4 Prozent erreicht Taifun. Der zweite geprüfte E-Weizen SW Kadrilj fällt im Protein stark ab und liegt niedriger als die meisten A-Weizen. In dieser Qualitätsgruppe hat KWS Chamsin eher schwache Gehalte. Der Sedimentationswert und die Fallzahl sind in diesem Jahr nicht untersucht worden. 

 


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Andreas Lege
Getreide, Öl- und Eiweißpflanzen
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Stand: 13.12.2011