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Landessortenversuche 2012: Winterweizen

Hier finden Sie die aktuellen Ergebnisse zu den Landessortenversuchen Winterweizen 2012.

Das Jahr 2012 wird allen sicherlich noch lange in Erinnerung bleiben. Nach einem recht trockenen Herbst und milden Temperaturen bis in den Januar hinein führte der plötzliche Frosteinbruch Anfang Februar zu Auswinterungschäden im Getreide, wie sie schon lange nicht mehr beobachtet wurden. Besonders stark betroffen war der Winterweizen. In einem Streifen entlang der Weser südlich von Bremen über die Lössregionen im südlichen Niedersachsen bis in die Höhenlagen waren massive Schäden zu beobachten. Landesweit mussten gut 25 Prozent der im Herbst angelegten Winterweizenflächen umgebrochen und neu bestellt werden. Daraus erklärt sich auch der starke Anbaurückgang gegenüber dem Vorjahr. Die vom Landesbetrieb für Statistik und Kommunikationstechnologie geschätzte niedersächsische Erntemenge fällt mit rund 2,4 Millionen Tonnen somit etwa 20 Prozent niedriger aus als im Vorjahr.
Die Ernte konnte witterungsbedingt verspätet aber unter warmen und trockenen Bedingungen eingefahren werden.

 Auswirkungen des Winters

Die geschilderte Situation hatte auch Auswirkungen auf die Landessortenversuche. Lediglich die Standorte in den Marschregionen überstanden die Frostereignisse relativ unbeschadet. Sämtliche Versuchsanlagen in den anderen Regionen zeigten mehr oder weniger starke Schäden bis hin zu Totalausfällen. Besonders betroffen waren die Höhenlagen. Sowohl in Niedersachsen als auch in Nordrhein-Westfalen konnte keiner der angelegten Standorte beerntet werden.

Vor dem Hintergrund der nach wie vor anhaltenden Diskussionen um den Klimawandel und der Tatsache, dass ähnliche Witterungskalamitäten lange zurück liegen, war die Winterhärte der Sorten bei der Auswahl vielleicht etwas aus dem Augenwinkel geraten. In der Abbildung 1 sind die Sorte in der Reihenfolge ihrer Winterhärte aufgeführt, so wie sich die Situation in den diesjährigen Landessortenversuchen zeigte. In die Bonituren flossen Daten aus Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen ein. Mit Sorten wie Julius, Kerubino, Opal und Elixer zeigen sich Kandidaten aus allen Qualitätsgruppen als besonders winterhart. Die momentan bedeutendste Winterweitensorte JB Asano zeigte gewisse Schwächen. Deutlich stärkere Schäden zeigten aber Versuchsglieder wie Winnetou, Mentor, KWS Erasmus und Egoist. Dieses spiegelt sich auch in den vergleichsweise schlechtesten Einstufungen durch das Bundessortenamt wider.

Die relative Ertragsbewertung der jeweiligen Sorten ist in diesem Jahr somit äußerst schwierig. Weder das übermäßig gute Abschneiden der winterharten Sorten noch das extrem schlechte Abschneiden der Sorten mit geringer Winterfestigkeit kann eins zu eins übernommen werden. Stets ist bei der Interpretation der Grad der Winterschäden zu berücksichtigen. Bei der Sortenentscheidung im Hinblick auf die Ertragsleistung sind somit die Vorjahresergebnisse heranzuziehen. Daher sollen  nachfolgend vor allem die Sorten angesprochen werden, die aufgrund der Summe ihrer Eigenschaften als besonders interessant für den Anbau in der Praxis erscheinen. Ohnehin sollte der Sortenleistung über mehrere Jahre eine höhere Aufmerksamkeit geschenkt werden als dem Einzeljahresergebnis. Besonders interessant sind vor allem jene Sorten mit einer großen ökologischen Streubreite. Das bedeutet, dass Sorten unter verschiedensten Standort- und Witterungsbedingungen stets gute Leistungen erzielen können.

Um die diesjährigen Versuche statistisch besser absichern zu können, wurde auf die Anlage der sonst üblichen reduzierten Behandlungsstufe verzichtet. Es erfolgte somit eine zweistufige Anlage unbehandelt und unter optimiertem Einsatz von Wachstumsreglern und Fungiziden. Die in den Vorjahren getroffenen Aussagen zur Wirtschaftlichkeit der durchgeführten Maßnahmen sind somit zur aktuellen Ernte nicht möglich, da zu viele Einflussfaktoren das Ergebnis verfälschen würden.


Leistungen der Sorten


In der Marsch zeigten sich, wie bereits erwähnt die geringsten Probleme. Das Ertragsniveau präsentiert sich auf sehr erfreulichem Niveau. Dennoch können einige leistungsstarke Sorten ihre Ergebnisse der Vorjahre nicht ganz bestätigen. Der Winter scheint somit auch hier gewisse Einflüsse gehabt zu haben. Die interessantesten A-Sorten für diese Regionen sind sicherlich Julius und JB Asano.
Im Bereich der B-Sorten kann Tobak seine überdurchschnittlichen Leistungen wiederholen. Zu beachten ist hier aber die erhöhte Anfälligkeit gegenüber Ährenfusariosen, so dass der Anbau nur in begrenztem Umfang erfolgen sollte. Auch wenn Fusarien in den zurückliegenden Ernten in Nordwestdeutschland keine allzu großen Probleme bereiteten, sollte der Aspekt nicht außer Acht gelassen werden. Zur aktuellen Ernte stellte sich die Situation bereits anders dar. In einigen Regionen war ein verstärktes Auftreten zu beobachten. Nicht zuletzt der sich nach wie vor ausdehnende Maisanbau und die Integration von Mais in Weizenfruchtfolgen sind bei der Sortenwahl zu berücksichtigen. Es handelt sich bei Ährenfusarium nicht nur um einen Schaderreger, der Ertragseinbußen hervorrufen kann. Durch die Möglichkeit der Kontamination mit Mykotoxinen kommt dieser Pflanzenkrankheit eine ganz andere Bedeutung zu. Kontaminiertes Erntegut ist bei Überschreiten der Grenzwerte im schlimmsten Fall sogar als Sondermüll zu entsorgen. Die Art der Bodenbearbeitung und die Sortenwahl sind die beiden wichtigsten Stellgrößen, die es dem jeweiligen Landwirt ermöglichen, die Produktion unbedenklichen Erntegutes direkt zu steuern und zu beeinflussen.
Im C-Bereich sind bei der mehrjährigen Betrachtung Tabasco und Lear die interessantesten Sorten. Eine erfreuliche Leistung zeigte auch die neue und winterharte Sorte Elixer.


Die auf den Sandböden Nordwest erzielten Erträge des Standardsortiments fallen in diesem Jahr außerordentlich hoch aus. Die zahlreichen Niederschläge in der Kornfüllungsphase ermöglichten eine gute Kornausbildung und gute Erträge.
Im A-Sortiment steht Julius klar an der Spitze. Linus präsentiert sich durchschnittlich. JB Asano tendiert witterungsbedingt schwächer, kann aber nach wie vor, nicht zuletzt wegen seiner frühen Abreife, für den Anbau herangezogen werden.
Unter den B-Sorten sind Tobak und Smaragd interessante Kandidaten, bei denen jedoch die Anfälligkeit für Ährenfusarium zu berücksichtigen ist. Aufgrund ihrer Wirkung können Mykotoxine im Futter Aborte verursachen und sollten daher gerade von Sauenhaltern besonders im Auge behalten werden.
Tabasco und Muskat zeigen im C-Bereich gute Leistungen über die Jahre. Überzeugend mit einem einjährigen Prüfergebnis ist Elixer.
Deutliche Ertragseinbußen zeigen jene Sorten, die mit einer mangelnden Winterhärte ausgestattet sind.


In der Anbauregion der Sandböden Nordhannover waren einige Sorten so stark von der Auswinterung betroffen, dass sie für die Auswertung nicht herangezogen werden konnten. Julius erzielt dagegen im Relativvergleich ein sehr gutes Ergebnis. Auch die Vorjahre sind durchweg positiv zu beurteilen, doch ist es aktuell die  gute Winterhärte, die das deutlich überdurchschnittliche Abschneiden erklärt. Linus zeigte ebenfalls geringe Auswinterungsschäden, was sich in den diesjährigen Erträgen widerspiegelt. Großes Manko dieser Sorte ist jedoch die außerordentlich schwache Fallzahlstabilität bei ungünstigen Erntebedingungen, die unter Umständen ein Risiko bei der angestrebten Vermarktung als Brotgetreide darstellen kann.
Als B-Sorten bieten sich Tobak und Smaragd an. Der Anbau sollte jedoch wegen der Fusarienanfälligkeit nur eingeschränkt erfolgen, um genügend Schlagkraft bei der Blütenbehandlung mit Fungiziden vorhalten und leisten zu können. Ertraglich ebenfalls interessant ist Matrix, bei dem aber die schwächer ausgeprägte Fallzahlstabilität zu beachten ist.
Als C-Sorten sind wiederum Tabasco und Lear interessant, auch wenn Tabasco eine höhere Boniturnote bei den Auswinterungsschäden zeigt. Die Sorte scheint jedoch ein recht gutes Regenerationsvermögen zu besitzen, da sie trotz der höheren Auswinterungsbonitur nicht so stark im Ertrag einbricht. Lear verfügt über eine äußerst geringe Fallzahl was bei der Vermarktung als Futtergetreide aber von untergeordneter Bedeutung ist. Hermann ist im relativen Vergleich nicht die stärkste Sorte, eignet sich aufgrund seiner geringen Anfälligkeit für Ährenfusarium aber besonders für den Anbau nach einer Maisvorfrucht. Zu beachten ist hier wie generell, dass auf eine gute Zerkleinerung des Maisstrohes und eine gründliche Einarbeitung der Erntereste zu achten ist, um das Infektionsrisiko im kommenden Jahr so gering wie möglich zu halten.


Auf den Lehmstandorten Nordwest ist Julius aktuell sehr erfreulich, zeigt aber über die Jahre schwankende Erträge. JB Asano schneidet zur Ernte 2012 schwächer ab, überzeugte aber stets in der Vergangenheit. Linus erreicht ein gutmittleres Ergebnis. Der sehr fallzahlstabile Meister dagegen bricht aufgrund der Frostschäden ertraglich stark ein.
Tobak und Smaragd liefern wie auch in den anderen Anbauregionen gute Ergebnisse in der mehrjährigen Betrachtung. Mulan präsentiert sich aktuell schwächer, lieferte in den Vorjahren aber stets konstant durchschnittliche Erträge. Im C-Bereich erzielen aktuell lediglich die neuen Sorten Elixer und Bombus überdurchschnittliche Erträge. Neben anderen Kandidaten des Prüfsortimentes zeigt auch Bombus eine erhöhte Anfälligkeit für Ährenfusariosen.

In der Standortgruppe der Lehmböden Südhannover konnten erneut einige Sorten nicht in die Auswertung einbezogen werden, da sie ausgewintert sind. Kerubino zeigt im E-Bereich ein gutes Ergebnis, welches im Relativvergleich aber vor allem durch die gut ausgeprägte Winterhärte hoch ausfällt.
Auch Julius steht aus diesem Grund aktuell sehr gut da. JB Asano lässt dagegen aufgrund des Winters ertragliche Schwächen erkennen. Der im Hinblick auf die Fallzahlstabilität extrem schwache Linus kann dagegen zur Ernte 2012 im Ertrag punkten, und zeigte auch vergleichsweise geringe Auswinterungsschäden.
Unter den B-Sorten stellen sich Tobak, Matrix und Smaragd bei der mehrjährigen Betrachtung in den Vordergrund. Alle drei Sorten verfügen aber über bereits mehrfach erwähnte Schwächen.
Unter den Futterweizen sind Lear und Hermann wegen ihrer Gesamteigenschaften zu erwähnen. Der in den Vorjahren ertraglich recht gute Winnetou ist ausgewintert. Als neue Sorte scheint Elixer sehr interessant zu sein. Hier sind jedoch weitere Versuchsjahre erforderlich, um die Sortenleistung abschließend beurteilen zu können.

Wie bereits erwähnt sind zur Ernte 2012 alle Versuchsstandorte in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen, die sonst die Ergebnisse für die Höhenlagen Mitte/ West liefern ausgewintert. Es stehen somit aktuell keine Versuchsergebnisse zur Verfügung.
Vor allem in exponierten Lagen ist das Merkmal der Winterhärte besonders zu berücksichtigen, wenn über den Anbau von Winterweizen nachgedacht wird. Das Auswinterungsrisiko ist in die gesamte Anbauentscheidung einzubeziehen. Die Wahrscheinlichkeit, wann und ob ein Auswinterungsereignis wie 2012 wiederkehrt, muss von jedem Betriebsleiter selbst eingeschätzt und bewertet werden. Wie überall sollte der Fokus vor allem auf eine Risikoverteilung liegen und bei der Sortenwahl nicht alles auf eine Karte gesetzt werden.


Kontakt:
Andreas Lege
Getreide, Öl- und Eiweißpflanzen
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Stand: 14.09.2012