Webcode: 01026980

Landessortenversuche 2014: Winterweizen

Die Ergebnisse der Landessortenversuche mit Winterweizen 2014 finden Sie hier.

Die Anbaufläche von Winterweizen ist gegennüber dem Vorjahr etwas ausgedehnt worden. Die geschätzten Erträge fallen ähnlich hoch aus wie im Vorjahr. Nach einem milden Winter waren keine Auswinterungsschäden zu verzeichnen. Der sehr frühe Vegetationsbeginn ließ zunächst eine frühe Ernte erwarten. Die kühlen Temperaturen im Juni bremsten den Vegetationsvorsprung gegenüber Normaljahren jedoch wieder aus. Die Witterungsbedingungen des Frühjahrs trugen dazu bei, dass die Bestände insgesamt vergleichsweise lang wurden. Langjähriger Einsatz organischer Dünger, eine frühe und hohe Andüngung sowie frühe Saaten verstärkten diesen Trend. Vor allem in Regionen mit starken Gewittern ging in diesem Jahr neben Gerste und Raps auch sehr viel Weizen ins Lager. Die zunächst guten Erntebedingungen wurden durch immer häufigere Niederschläge und eine unbeständige Großwetterlage ins Gegenteil gekehrt, so dass die Ernte in Niedersachsen auch Ende August noch nicht vollständig abgeschlossen war. Zum Ende der Erntesaison wurden viele Schläge bei vergleichsweise hohen Kornfeuchten geerntet, um das Getreide überhaupt vom Halm zu bekommen. Dieses bringt Abzüge bei der Ablieferung bzw. hohe Trocknungskosten mit sich. Darüber hinaus leidet bei verzögerter Ernte auch die Qualität des Erntegutes. Erneut wurde die Fallzahlstabilität der Sorten auf die Probe gestellt. 


Leistungen der Sorten

Auf den Prüfstandorten der Marsch liegt das Ertragsniveau in einem rekordverdächtigen Bereich. Unter diesen Bedingungen kann sich unter den A-Sorten der erstmals geprüfte RGT Reform nach vorne stellen. Neben dem Ertrag sind auch die kurze Wuchshöhe und die gute Standfestigkeit interessant. Julius erreicht einen gutmittleren Ertrag und bestätigt damit die Leistungstreue. Nach einem guten ersten Jahr zur Ernte 2013 überzeugt Pionier trotz einer guten Resistenzausstattung aktuell weniger. JB Asano ist eine der Sorten, die unter dem diesjährigen Gelbrostauftreten besonders zu leiden hatte. Dieses spiegelt sich im sehr schwachen Ertrag wider.
Unter den B-Sorten erzielt Smaragd ein sehr gutes Ergebnis. Die erstmalig geprüfte Sorte Mescal präsentiert sich eben falls überdurchschnittlich. Der ebenfalls neue KWS Loft positioniert sich in Höhe des Standardmittels. Die verbleibenden B-Sorten Inspiration, Primus, Desamo und Memory liegen allesamt dicht dahinter. Johnny bestätigt die recht guten Wertprüfungsergebnisse nicht.
Im C-Segment stellt sich Elixer nach einem etwas schwächeren Vorjahr nach vorn. Der mit einer sehr guten Fusarienresistenz ausgestattete Anapolis bestätigt die Leistungsfähigkeit. Gleichauf liegt Ohio, gefolgt von Sarmund. Der spät abreifende Lear präsentiert sich durchschnittlich. Boxer dagegen tendiert schwächer. Bombus hat einen massiven Einbruch zu verzeichnen.

Auf den Sandböden Nordwest liegt RGT Reform mit einem gut durchschnittlichen Ertrag bei den A-Sorten vorn. Julius präsentiert sich durchschnittlich. Pionier bestätigt das vergleichsweise schwächere Ergebnis der Ernte 2013. JB Asano fällt gegenüber der Vorjahresleistung deutlich zurück.
Unter den B-Sorten zeigt Smaragd ein sehr gutes Ergebnis. Zu beachten ist bei dieser Sorte sie erhöhte Anfälligkeit gegenüber Ährenfusariosen, so dass der Anbau nach Mais vermieden werden sollte. Die beiden erstmalig geprüften Sorten Mescal und Johnny liefern vielversprechende Erträge. Mescal scheint jedoch gewisse Schwächen in der Standfestigkeit zu haben, die beim Anbau zu berücksichtigen ist. Edward erreicht einen gutmittleren Ertrag. Die fusariumanfällige Sorte Inspiration präsentiert sich durchschnittlich. Desamo tendiert dagegen schwächer und erreicht einen Ertrag in Höhe des Vorjahres. Auch der stark braunrostanfällige KWS Loft schneidet eher schwächer ab. Gleiches gilt für Primus und Kredo.
Beste C-Sorte ist erneut Elixer. Lear und Ohio realisieren einen gut mittleren Ertrag. Anapolis präsentiert sich in Höhe des Standardmittels und damit etwas schwächer als zur letztjährigen Ernte. Bombus, Boxer und Sarmund überzeugen dagegen, vor allem für einen Futterweizen, ertraglich weniger.
Der in den letzten zehn Jahren massiv ausdehnente Maisanbau und die Integration von Mais in Weizenfruchtfolgen sind bei der Sortenwahl zu berücksichtigen. Dieses gilt vor allem für höher anfälligen Sorten JB Asano, Smaragd, Inspiration, Bombus und Ohio. Es handelt sich bei Ährenfusarium nicht nur um einen Schaderreger, der Ertrags- und Qualitätseinbußen beim Getreide hervorrufen kann. Durch die Möglichkeit der Kontamination mit Mykotoxinen kommt dieser Pflanzenkrankheit eine ganz andere Bedeutung zu. Diese können unter anderem in der Sauenhaltung zu Fruchtbarkeitsstörungen und Aborten führen. Kontaminiertes Erntegut ist bei Überschreiten der Grenzwerte im schlimmsten Fall sogar als Sondermüll zu entsorgen. Die Art der Bodenbearbeitung und die Sortenwahl sind die beiden wichtigsten Stellgrößen, die es dem jeweiligen Landwirt ermöglichen, die Produktion unbedenklichen Erntegutes direkt zu steuern und zu beeinflussen.

Auch auf den Sandböden Nordhannover konnten in den diesjährigen Versuchen Rekorderträge erzielt werden. Im A-Bereich bestätigt Linus das im Gesamtvergleich über alle Qualitätsgruppen durchschnittliche Ergebnis aus der letztjährigen Ernte. Die Sorte ist somit die mehrjährig ertraglich interessanteste in dieser Anbauregion, hat jedoch als Schwäche die sehr gering ausgeprägte Fallzahlstabilität zu verzeichnen. Der erstmalig getestete RGT Reform präsentiert sich leicht über dem Standardmittel. Der sehr winterharte Julius verbessert zwar das Vorjahresergebnis, bleibt aber unterdurchschnittlich. Pionier und vor allem JB Asano dagegen präsentieren sich deutlich schwächer.
Beste B-Sorte ist Smaragd. Matrix und Mescal liegen leicht über dem Standardmittel gefolgt von Memory und Inspiration. KWS Loft und Johnny betätigen die Ergebnisse der Wertprüfung bisher nicht. Auch Desamo ist eher schwach.
Die C-Sorten präsentieren sich ertraglich erwartungsgemäß am stärksten. Ganz vorn liegen Lear und Elixer, die eine hohe Leistungskonstanz über die Jahre aufzeigen. Auch Anapolis schneidet gut ab und verbessert sich damit gegenüber 2013. Der erhöht fusariumanfällige Ohio präsentiert im ersten Prüfjahr ein überdurchschnittliches Ergebnis. Der Gelbrostbefall von Boxer fiel nicht so massiv aus, wie man ihn anhand der Einstufung durch das Bundessortenamt erwartet hätte. Die lageranfällige Sorte erreichte aktuell einen gut mittleren Ertrag. Ertraglich gleichauf liegt Sarmund.

Auf den Lehmstandorten Nordwest liegt das Ertragsniveau deutlich niedriger als in der Vergangenheit. Unter diesen Bedingungen stellt sich RGT Reform an die Spitze im Feld der A-Gruppe. Neben kurzer Wuchshöhe und guter Standfestigkeit zeichnet sich diese Sorte durch eine gute Resistenzausstattung aus. Julius erreicht einen leicht überdurchschnittlichen Ertrag und verbessert sich damit gegenüber dem Vorjahr. Pionier präsentiert sich unterdurchschnittlich. Gleiches gilt für JB Asano, der deutliche Einbußen zu verzeichnen hat.
Smaragd liefert zur aktuellen Ernte ein sehr überzeugendes Ergebnis. Gleiches gilt für die beiden „Neulinge“ Johnny und Mescal. Desamo und Edward liegen in Höhe des Standardmittels beziehungsweise leicht darüber. Inspiration und der kurze und standfeste Kurt sind im Vergleich unterdurchschnittlich. KWS Loft und vor allem Primus wurde die hohe Gelbrostanfälligkeit zum Verhängnis.
Unter den C-Sorten liefert Elixer konstant gute Erträge über die Jahre. Der gering fusariumanfällige Anapolis kann sich gegenüber dem durchschnittlichen Vorjahr deutlich verbessern. Ertraglich auf gleich gutem Niveau liegt Ohio. Sarmund präsentiert sich im Gesamtvergleich leicht über dem Standardmittel, auf dessen Höhe Landsknecht liegt und das Lear knapp verfehlt. Bombus und Boxer fallen gegenüber dem Vorjahr deutlich zurück und liefern aktuell für Futterweizen unzureichende Erträge.

Die Standortgruppe der Lehmböden Südhannover umfasst das vergleichsweise größte Sortiment an Weizensorten. Damit wird der vor allem in Südniedersachsen großen Bedeutung des Qualitätsweizenanbaues Rechnung getragen.
Beste A-Sorte ist bereits im dritten Jahr in Folge Linus. Leider hat diese Sorte große Probleme in der Fallzahlstabilität, die in diesem Jahr wieder einmal auf die Probe gestellt wird. Keine Fallzahlprobleme hat RGT Reform, der sich im ersten Versuchsjahr erfreulich präsentiert. Dieses gilt auch für Meister und Julius, die sich im Bereich des Standardmittels positionieren. Aus qualitativer Sicht ist Meister sowohl im Proteingehalt als auch in der Fallzahlstabilität eine interessante Sorte, so dass eine Risikoabwägung zwischen sicheren Qualitäten und einer erhöhten Auswinterungsgefahr für den eigenen Betrieb erfolgen muss. Opal verbessert sich gegenüber dem Vorjahr, bleibt aber dennoch unterdurchschnittlich. Hervorzuheben ist bei dieser Sorte die hohe Widerstandsfähigkeit gegenüber Ährenfusarium. Der frühreife Cubus zeigt sich erneut schwächer. JB Asano hat einen dramatischen Ertragseinbruch zu verzeichnen. Diese Sorte war besonders stark vom Gelbrost betroffen. Der Anbau nach Mais sollte aufgrund der erhöhten Fusarienanfälligkeit vermieden werden.
Gleiches gilt für Smaragd, der ertraglich sehr überzeugen kann. Auch Kredo präsentiert sich, nicht zuletzt wegen seiner guten Widerstandsfähigkeit gegenüber Gelbrost, sehr erfreulich. Auf gleichem Niveau rangieren die beiden erstmalig geprüften Sorten Johnny und der lageranfälligere Mescal. Deutlich standfester ist Kurt, der einen durchschnittlichen Ertrag erreicht. Desamo liegt auf gleicher Höhe. Mulan verfehlt knapp das Standardmittel. Inspiration bestätigt erneut das schwächere Abschneiden, so dass sich hier nicht zuletzt wegen der erhöhten Gelbrost- und Fusariumanfälligkeit bessere Anbaualternativen ergeben. Matrix hat durch die sehr hohe Anfälligkeit gegenüber Gelbrost zur aktuellen Ernte ebenfalls einen massiven Einbruch gegenüber der Vergangenheit zu verzeichnen. Darüber hinaus ist die Fallzahlstabilität dieser Sorte als kritisch einzustufen. Memory und vor allem KWS Loft überzeugen weniger.
Landsknecht ist in den diesjährigen Versuchen stärkste C-Sorte dieser Anbauregion. Hier bleibt abzuwarten, ob sich die Leistungen im kommenden Jahr bestätigen. Elixer ordnet sich mit seinem guten Ergebnis in die Reihe der erfreulichen Leistungen aus den Vorjahren ein. Auf gleichem Niveau liegen der im Jahr 2013 vergleichsweise schwächere Anapolis und die neue Sorte Ohio. Ebenfalls positiv präsentieren sich Lear und der neu in den Landessortenversuchen vertretene Sarmund. Winnetou erzielt einen gutmittleren Ertrag. Boxer kann das vielversprechende Ergebnis des Vorjahres aktuell nicht bestätigen.
Um bei der Vermarktung von Eliteweizen zufrieden stellende Erlöse zu erzielen, sollte die Vermarktung optimalerweise bereits im Vorfeld mit den Erfassunginstituionen abgesichert werden. Unter den beiden geprüften Sorten stellt sich auf den Lehmböden Südhannover die recht lange aber dennoch standfeste Sorte Bernstein aus ertraglicher Sicht nach vorn. Etwas schwächer tendiert der vergleichsweise  winterharte Kerubino. Die erforderlichen Qualitätsgrenzen für einen E-Weizen lassen sich aber nicht immer sicher erreichen.

In den Höhenlagen Mitte/West führen Linus und die Neuzulassung RGT Reform das Feld der A-Sorten an. Opal liefert nach einem schlechten ersten Jahr aktuell ein überzeugendes Ergebnis. Auch Julius und Pionier können sich mit einem diesjährigen durchschnittlichen Abschneiden verbessern. JB Asano fällt dagegen im Vergleich stark zurück.
Beste Sorte der B-Qualitäten ist Edward. Hier bleibt abzuwarten, ob er in der kommenden Prüfung das aktuell gute oder  zur Ernte 2013 schwache Ergebnis bestätigt. Johnny bestätigt die guten Zahlen der Wertprüfung. Smaragd und Desamo präsentieren sich überdurchschnittlich. So auch Primus und KWS Loft. Kredo erzielt einen gut mittleren Ertrag. Deutlich schwächer positioniert sich dagegen Inspiration. Auch Mescal kann im ersten Prüfjahr wenig überzeugen.
Im Vergleich mit den anderen Anbauregionen kann Ohio besonders in den Höhenlagen die viel versprechenden Ergebnisse der Wertprüfung auch in den Landessortenversuchen zeigen und erringt den Gesamtgruppensieg aller Sorten. Vergleichsweise schwächer aber immer noch überdurchschnittlich ist Anapolis. Bei dieser Sorte ist gerade in den am stärksten frostgefährdeten Höhenlagen zwischen der guten Eignung als Maisweizen und der erhöhten Gefahr der Auswinterung abzuwägen. Lear bestätigt den gut mittleren Ertrag der Ernte 2013. Elixer positioniert sich nach dem sehr guten Vorjahr in Höhe des Standardmittels. Gleichauf liegt Sarmund Boxer und Bombus brechen im Ertrag massiv ein.


Kontakt:
Andreas Lege
Getreide, Öl- und Eiweißpflanzen
Telefon: 0511 3665-4387
Telefax: 0511 3665-4525
E-Mail:


Stand: 04.09.2014