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Landessortenversuche 2015: Winterweizen

Die Anbaufläche von Winterweizen ist im Vergleich zum Vorjahr nahezu unverändert. Die vom Landesamt für Statistik landesweit geschätzten Erträge bewegen sich fast auf dem Niveau des Rekordjahres 2014. Lesen Sie hier, wie sich die Sorten in den aktuellen Landessortenversuchen im Leistungsvergleich zeigten.

 Mehrjährige Beurteilung der Sorten
An dieser Stelle soll erneut auf die Bedeutung der Landessortenversuche für die Praxis hingewiesen werden. Landessortenversuche sind unabhängig, neutral und werden ohne ein wirtschaftliches Interesse an einer Sortenvermarktung durchgeführt. Dieses macht sie so wertvoll für die Sortenempfehlungen in der Praxis und sollte Grundlage für die Sortenentscheidung sein.
Mit Durchführung der Landessortenversuche erfolgt der Vergleich von älteren, schon länger im Praxisanbau befindlichen Sorten untereinander aber auch mit Neuzulassungen auf dem Markt. Dieses geschieht in Form von Exaktversuchen nach wissenschaftlichen Standards mit anschließender statistischer Auswertung inklusive Fehlerabschätzung und der Bewertung der Ergebnisse unter mehrortiger und mehrjähriger Betrachtung. Einer solchen Betrachtung ist eine vielfach größere Aufmerksamkeit zu schenken als Einzelorts- oder Einzeljahresergebnissen. Neben dem Ertrag sollten dabei auch viele weitere Faktoren wie die Festigkeit gegen Lager, Resistenzen gegen Krankheiten und nicht zuletzt die Winterhärte der Sorten berücksichtigt werden. 
Leider ist festzustellen, dass das Bewusstsein für die hohe Aussagekraft der Landessortenversuche  in der Praxis aber auch bei einigen Beratungsinstitutionen nicht immer vorhanden ist. Das Heranziehen von Sortenleistungen auf dem eigenen Betrieb oder aus einjährigen, einortigen Versuchsergebnissen kann dazu führen, dass eben nicht die richtigen Sorten für den Betrieb ausgewählt werden.

Leistungen der Sorten

In der Anbauregion der Marsch liegt das Ertragsniveau in den Versuchen zwar unter dem des Vorjahres aber immer noch deutlich oberhalb der 100 dt/ha-Marke. Unter diesen Bedingungen setzt Julius unter den A-Sorten die Reihe der positiven Ergebnisse über die Jahre fort. RGT Reform kann das gute Ergebnis der letztjährigen Ernte aktuell nicht wiederholen. Die kurze Wuchshöhe und die gute Standfestigkeit machen die Sorte aber interessant. JB Asano ist eine der Sorten, die unter dem diesjährigen Gelbrostauftreten besonders zu leiden hatte. Dennoch schneidet er im Relativvergleich nicht ganz so schwach ab, wie zur Ernte 2014. Pionier überzeugt erneut weniger und das trotz einer recht guten Resistenzausstattung.
Unter den B-Sorten erzielt Smaragd wie auch zur letztjährigen Ernte ein sehr gutes Ergebnis. Nach einem knapp unterdurchschnittlichen Vorjahr präsentiert sich Primus aktuell wieder besser. Interessante Ergebnisse liefern auch einige erstmalig geprüfte Sorten wie Benchmark, Bergamo und Rumor. Die für Ährenfusarien mittel bis hoch anfälligen Sorten Inspiration und Alexander positionieren sich leicht über dem Standardmittel, in dessen Höhe Memory und Johnny abschneiden. Mescal, KWS Loft und Desamo dagegen sind tendenziell schwächer.
Im C-Segment bestätigt der mit einer sehr guten Fusarienresistenz ausgestattete Anapolis seine Leistungsfähigkeit und macht sich somit weiter für den Anbau interessant. Der spät abreifende Lear präsentiert sich erneut durchschnittlich. Gleiches gilt für Sarmund. Elixer bestätigt dagegen nach einem sehr guten Vorjahr eher das etwas knappere Ergebnis der Ernte 2013. Manitou kann die guten Ergebnisse der Wertprüfung nicht unter Beweis stellen. Ebenfalls vergleichsweise schwach sind Ohio und Boxer.

Auf den Sandböden Nordwest liegt RGT Reform mit einem erneut gut mittleren Ertrag bei den A-Sorten vorn. Julius präsentiert sich knapp durchschnittlich. JB Asano fällt gegenüber der bereits schwachen Vorjahresleistung noch einmal leicht zurück.
Unter den B-Sorten zeigt Smaragd über die Jahre konstant gute Ergebnisse. Zu beachten ist bei dieser Sorte sie erhöhte Anfälligkeit gegenüber Ährenfusariosen, so dass der Anbau nach Mais vermieden werden sollte. Auf ertraglich sogar noch leicht höherem Niveau präsentieren sich die neuen Kandidaten Benchmark und Bergamo. Die Saatgutverfügbarkeit wird aber vermutlich für beide Sorten begrenzt sein. Die fusariumanfällige Sorte Inspiration präsentiert sich ebenfalls überdurchschnittlich. Nach einem vielversprechenden Vorjahresergebnis zeigt der sehr gesunde Johnny ein gut mittleres Ergebnis. Zu beachten ist bei dieser Sorte die etwas geringer ausgeprägte Winterfestigkeit. Der erstmalig geprüfte Alexander verfehlt knapp das Standardmittel. Primus und Rumor tendieren im Sortenvergleich eher schwächer. Edward, KWS Loft und Mescal bilden das Schlusslicht dieser Qualitätsgruppe. Vor allem Letzterer bricht damit gegenüber dem Vorjahresergebnis deutlich ein. Die Schwäche in der Standfestigkeit, die beim Anbau zu berücksichtigen ist, kann als eine Erklärungsursache herangezogen werden.
Beste C-Sorte ist nach einem durchschnittlichen Vorjahr Anapolis. Der in den letzten zehn Jahren massiv ausdehnente Maisanbau und die Integration von Mais in Weizenfruchtfolgen sind bei der Sortenwahl zu berücksichtigen. Es handelt sich bei Ährenfusarium nicht nur um einen Schaderreger, der Ertrags- und Qualitätseinbußen beim Getreide hervorrufen kann. Durch die Möglichkeit der Kontamination mit Mykotoxinen kommt dieser Pflanzenkrankheit eine ganz andere Bedeutung zu. Diese können unter anderem in der Sauenhaltung zu Fruchtbarkeitsstörungen und Aborten führen. Kontaminiertes Erntegut ist bei Überschreiten der Grenzwerte im schlimmsten Fall sogar als Sondermüll zu entsorgen. Die Art der Bodenbearbeitung und die Sortenwahl sind die beiden wichtigsten Stellgrößen, die es dem jeweiligen Landwirt ermöglichen, die Produktion unbedenklichen Erntegutes direkt zu steuern und zu beeinflussen. Mit Anapolis bietet sich hier eine gegenüber Ährenfusarien niedrig Anfällige Sorte an. Boxer präsentiert sich nach einem sehr schwachen Vorjahr überdurchschnittlich. Die Saatgutverfügbarkeit wird aber äußerst gering sein. Mit Lear, Elixer und Manitou präsentiert sich eine Reihe von Sorten in Höhe des Standardmittels. Elixer zeigte sich in den Vorjahren allerdings besser.

Die zur Ernte 2014 auf den Sandböden Nordhannover erzielten Rekorderträge konnten aktuell witterungsbedingt nicht wiederholt werden. Unter den A-Sorten kann Linus am besten abschneiden. Die Sorte ist somit die mehrjährig ertraglich Interessanteste in dieser Anbauregion, hat jedoch als Schwäche die sehr gering ausgeprägte Fallzahlstabilität zu verzeichnen. RGT Reform bestätigt das durchschnittliche Ertragsniveau. Auch der winterharte Julius kann die Ergebnisse der Vorjahre bestätigen, dieses jedoch auf unterdurchschnittlichem Niveau. JB Asano ist im Vergleich erneut schwächste A-Sorte.
Unter den B-Kandidaten stellt sich der erstmalig geprüfte Benchmark an die Spitze des Gesamtsortiments. Hier bleibt abzuwarten, ob sich das Ergebnis im kommenden Jahr wiederholen lässt. Im Vergleich schwächer aber immer noch überdurchschnittlich sind Johnny, Alexander und Inspiration. Bergamo, KWS Loft und Smaragd ordnen sich leicht oberhalb des Standardmittels ein. Während Smaragd sich damit gegenüber dem Ergebnis der Ernte 2014 leicht verschlechtert, kann KWS Loft das schwache Abschneiden ausgleichen. Memory zeigt sich über die Jahre durchschnittlich. Gleichauf liegt der vergleichsweise frühreife Rumor. Desamo, Mescal und Matrix präsentieren sich eher schwächer. Während Matrix und Mescal damit gegenüber 2014 abfallen, bestätigt Desamo das unterdurchschnittliche Vorjahresergebnis.
Im Bereich der C-Sorten hebt sich Sarmund deutlich ab. Lear zeigt eine hohe Leistungskonstanz über die Jahre. Anapolis und Boxer präsentieren sich in Höhe des Standardmittels, der in der Vergangenheit deutlich bessere Elixer und der erstmalig geprüfte Anapolis liegen knapp dahinter. Ohio bricht stark ein.

Auf den Lehmstandorten Nordwest stellt sich RGT Reform an die Spitze im Feld der A-Gruppe. Neben kurzer Wuchshöhe und guter Standfestigkeit zeichnet sich diese Sorte durch eine gute Resistenzausstattung und Winterhärte aus. Julius kann den leicht überdurchschnittlichen Ertrag des Vorjahres nicht wiederholen,  sondern bestätigt die eher schwächere Leistung aus 2013. JB Asano und Pionier fallen erneut deutlicher ab.
Unter den B-Sorten liefern die beiden neuen Kandidaten Benchmark und Bergamo die besten Ergebnisse des Gesamtsortiments. Auch Smaragd, Johnny und Rumor erreichen überzeugende Ergebnisse. Inspiration präsentiert sich nach einem schwächeren Vorjahr leicht über dem Standardmittel. Gleich auf liegt Alexander. Die übrigen B-Weizen KWS Loft, Desamo, Edward und Mescal zeigen im Vergleich schwache Leistungen. Während dieses bei KWS Loft bereits zur letztjährigen Ernte der Fall war, haben die anderen drei Sorten zum Teil massive Einbußen zu verzeichnen.
Im Bereich der C-Sorten schneidet Landsknecht zur Ernte 2015 am besten ab. Die Erträge liegen aber nicht über denen der guten B-Kandidaten.  Elixer lieferte in den Vorjahren konstant gute Erträge, aktuell präsentiert er sich leicht überdurchschnittlich. Gleichauf liegt Boxer, der damit das sehr schwache Vorjahresergebnis revidiert. Auch Manitou ordnet sich auf diesem Leistungsniveau ein. Für eine neu zugelassene Sorte in diesem Qualitätssegment wünschte man sich aber höhere Erträge. Sarmund erzielt aktuell ein knapp mittleres Ergebnis. Anapolis und Ohio brechen gegenüber dem Vorjahr massiv ein und liefern aktuell für Futterweizen unzureichende Erträge.

Die Standortgruppe der Lehmböden Südhannover umfasst das vergleichsweise größte Sortiment an Weizensorten. Damit wird der vor allem in Südniedersachsen großen Bedeutung des Qualitätsweizenanbaues Rechnung getragen. Das Ertragsniveau liegt erneut sehr hoch.
Beste A-Sorte ist bereits im vierten Jahr in Folge Linus. Leider hat diese Sorte große Probleme in der Fallzahlstabilität, die auch 2015 in einigen Regionen wieder einmal auf die Probe gestellt wurde.  Auch bei verzögerter Ernte absolut keine Fallzahlprobleme hat RGT Reform aufzuweisen, der sich ertraglich in Höhe des Standardmittels positioniert. Meister und Julius dagegen erzielen leicht schwächere Erträge. Opal und der für Gelbrost hoch anfällige JB Asano zeigen sich sehr schwach.
Im B-Segment sind sich Benchmark und Alexander leistungsmäßig sehr stark. Bei Alexander sollte der Anbau nach Mais aufgrund der erhöhten Fusarienanfälligkeit vermieden werden. Aufmerksamkeit verdient auch die vergleichsweise schwächer ausgeprägte Winterhärte von Benchmark. Mulan kann nach zwei etwas schwächeren Jahren zur aktuellen Ernte überdurchschnittlich abschneiden. Auf gleichem Niveau präsentiert sich die neue Sorte Bergamo. Die gegenüber Gelbrost sehr widerstandsfähigen Sorten Kredo und Johnny sowie auch Smaragd, Kurt erreichen ein gut mittleres Ergebnis. Der kurze und standfeste Kurt ist in seiner Anfälligkeit gegenüber Ährenfusarien durch das Bundessortenamt als „hoch“ eingestuft worden. Für diese Sorte ist bereits im Jahr 2015 in Deutschland keine Vermehrungsfläche mehr angelegt worden.
Der lageranfälligere Mescal präsentiert sich leicht unterdurchschnittlich. Der erstmalig im Landessortenversuch geprüfte frühreife Rumor fällt im Gesamtvergleich mit späteren Sorten ertraglich deutlicher zurück. Der gesunde und sehr winterharte Desamo kann nach einem durchschnittlichen Vorjahr aktuell weniger überzeugen. Matrix zeigt durch die sehr hohe Anfälligkeit gegenüber Gelbrost zur aktuellen Ernte erneut einen sehr schwachen Ertrag. Darüber hinaus ist die Fallzahlstabilität dieser Sorte als kritisch einzustufen, so dass sich hier bessere Anbaualternativen ergeben.
Landsknecht ist bereits zum zweiten Mal stärkste C-Sorte dieser Anbauregion. Sarmund und der mit einer Resistenz gegen die Orangerote Weizengallmücke ausgestattete Lear präsentieren sich ebenfalls erfreulich. Elixer ordnet sich nach zwei sehr guten Vorjahren zur aktuellen Ernte leicht über dem Standardmittel ein. Manitou präsentiert sich im ersten Prüfjahr durchschnittlich. Als Futterweizen muss er seine Leistungen im relativen Sortenvergleich im kommenden Jahr aber steigern, um sich für einen Anbau interessant zu machen. Anapolis und Ohio erzielen nach einem sehr erfreulichen Ertrag zur Ernte 2014 aktuell ein knapp mittleres Ergebnis. Im Vergleich schwächer zeigt sich Boxer.

Um bei der Vermarktung von Eliteweizen zufrieden stellende Erlöse zu erzielen, sollte die Vermarktung optimalerweise bereits im Vorfeld mit den Erfassunginstituionen abgesichert werden. Die recht lange aber dennoch standfeste Sorte Bernstein fällt aus ertraglicher Sicht gegenüber dem Restsortiment zurück. Um den Anbau wirtschaftlich erscheinen zu lassen, müssen bei der Vermarktung aufgrund der Qualität entsprechende Mehrerlöse realisierbar sein. Andernfalls werden sich die Anbauer nicht für eine solche Sorte entscheiden.

In den Höhenlagen Mitte/West führt RGT Reform wie auch schon in der Ernte 2014 das Feld der A-Sorten an. Linus präsentiert sich nach einem ebenfalls sehr starken Vorjahr aktuell in Höhe des Standardmittels. JB Asano präsentiert sich unterdurchschnittlich. Die Hohe Gelbrostanfälligkeit macht sich in einer sehr hohen Ertragsdifferenz zwischen behandelter zu unbehandelter Stufe bemerkbar. Nach einem durchschnittlichen Vorjahr fällt Julius wieder auf das  eher schwache Niveau des Jahres 2013 zurück. Die sehr gute Winterhärte macht ihn aber vor allem für einen Anbau in frostgefährdeten Lagen interessant. Opal und Pionier zeigen, dass die Leistungen des Vorjahres offenbar eine Ausnahme darstellten. Zu berücksichtigen ist dabei in den Landessortenversuchen  der Höhenlagen vergleichsweise schwächere Ertragsniveau im Jahr 2014.
Im Bereich der B-Qualitäten können lediglich die erstmalig geprüften Kandidaten Benchmark, Alexander und Bergamo überdurchschnittliche Sortenleistungen erzielen. Bei der Anbauplanung sollte die schwächere Winterhärte von Benchmark beachtet werden. Johnny erreicht nach einem sehr guten Vorjahr aktuell ein mittleres Ergebnis. Primus, Smaragd, der im letzten Jahr schwache Mescal und der erstmalig im Landessortenversuch geprüfte Rumor positionieren sich knapp unter dem Standardmittel. Kredo präsentiert sich trotz einer guten Gelbrostresistenz ertraglich schwächer. Desamo und KWS Loft haben im Vergleich zum Vorjahr einen sehr deutlichen Ertragseinbruch zu verzeichnen. Gleiches gilt für Edward, der enttäuscht.
Beste C-Sorte ist zur aktuellen Ernte Sarmund, dicht gefolgt von Elixer und Manitou. Lear rangiert wie auch in den beiden Vorjahren leicht über dem Standard. Durchschnittlich präsentiert sich Anapolis. Bei dieser Sorte ist gerade in den am stärksten frostgefährdeten Höhenlagen zwischen der guten Eignung als Maisweizen und der erhöhten Gefahr der Auswinterung abzuwägen. Nach einem sehr guten Vorjahr erzielt Ohio im Jahr 2015 ein knapp mittleres Ergebnis. Boxer enttäuscht bereits zum zweiten Mal.


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Andreas Lege
Getreide, Öl- und Eiweißpflanzen
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Stand: 15.09.2015