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Landessortenversuche 2016: Sommerweizen

Aktuelle Ergebnisse

Sommerweizen wurde 2016 nach den vorläufigen Zahlen des niedersächsischen Landesamtes für Statistik auf 6.600 ha angebaut.

Durch günstige Aussaatbedingungen bis in den Dezember 2015 hinein wurden für den Weizenanbau die in der Regel ertragsstärkeren Winterweizensorten angebaut. Da Auswinterungsschäden bei Wintergetreide und Winterraps kaum zu verzeichnen waren, lag der Anbauumfang des Sommerweizens auf dem vergleichbaren niedrigen Niveau der letzten drei Jahre.

Auch in diesem Herbst waren für die Ernte 2017 gute Voraussetzungen für eine problemlose Wintergetreidebestellung gegeben. Einzig Auswinterungsschäden über Winter könnten noch dazu führen, dass der Sommerweizen, wie zuletzt 2012, als Ersatzfrucht fungieren muss. Bei großflächigem Ausfall bereits bestellter Flächen kann es dann zwangsläufig zu Engpässen beim Saatgut kommen.

Das Ertragsniveau lag in diesem Jahr mit 84 dt Kornertrag je Hektar in der Marsch um ca. 10 % unter dem der Vorjahre. Auf den lehmigen Standorten hingegen konnte mit 79 dt/ha ein durchschnittliches Ergebnis erzielt werden, wobei das schwächere Ergebnis aus 2015 deutlich überschritten wurde. Gegenüber dem Winterweizen lagen die Erträge damit um rund 10 dt/ha niedriger.

Ergebnisse der Sorten

Der Prüfumfang hinsichtlich Sorten und Standorte ist bedingt durch die geringe Anbaubedeutung eingeschränkt. In der Beschreibenden Sortenliste des Bundessortenamtes sind derzeit 20 Sorten eingetragen, wovon 8 im Landessortenversuch 2016 geprüft wurden. In die niedersächsischen Auswertungen fließen Ergebnisse von Standorten aus Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein mit ein, um trotz geringeren Prüfumfanges für die jeweiligen Regionen ein aussagefähiges Ergebnis zu erzielen.

In der Marsch wurde lediglich mit Granus eine Sorte aus dem Bereich der E-Qualitäten geprüft. Mit einem Kornertrag von rel. 94 werden die unterdurchschnittlichen Ergebnisse aus den Vorjahren bestätigt.

Bereits zum dritten Mal erreichte im A-Sortiment die Sorte Quintus das beste Ergebnis. Neben hohen Ertragsleistungen kann die Sorte auch mit sehr guter Widerstandfähigkeit gegenüber Blattkrankheiten und Ährenfusariosen aufwarten. Tybalt hingegen konnte an die überdurchschnittlichen Ergebnisse der Vorjahre nicht anknüpfen, zählt mehrjährig gesehen jedoch ebenfalls zu den empfehlenswerten Sorten. Aufgrund der erhöhten Anfälligkeit gegenüber Ährenfusarium sollte auf den Anbau nach Maisvorfrucht verzichtet werden.

Konstante Ergebnisse auf durchschnittlichem Niveau lieferte wiederum die Sorte Cornetto. Als zweijährig geprüfte Sorte konnte Licamero das schwächere Vorjahresergebnis dank überdurchschnittlicher Erträge 2016 wettmachen. Die erstmalig im LSV geprüfte Sorte KWS Mistral erfüllte die Ertragserwartungen aufgrund der guten Wertprüfungsergebnisse nicht.

In der Anbauregion der lehmigen Standorte Nordwest wurde aus dem E-Qualitätsbereich die Sorte Sonett geprüft. Nach einem schwachen Jahr 2015 konnte sie diesjährig das Ergebnis etwas verbessern. Insgesamt erreicht sie über die Jahre betrachtet recht stark schwankende Leistungen.

Auch in dieser Anbauregion konnte die dreijährig geprüfte Sorte Quintus mit den besten Ertragsleistungen wieder überzeugen. Trotz leicht unterdurchschnittlicher Ergebnisse in 2016 zählt Tybalt mehrjährig betrachtet insgesamt zu den ertragsstärksten Sorten.

Cornetto enttäuschte 2016 in den Ertragsleistungen und erreicht dreijährig einen mittleren Ertrag. Licamero konnte in ihren beiden Prüfjahren mit überdurchschnittlichen Erträgen überzeugen und kann für diese Anbauregion mit empfohlen werden. KWS Chamsin hingegen erreichte wie 2015 nur ein unterdurchschnittliches Ergebnis und kann daher auch mehrjährig nicht überzeugen. Die nur unterdurchschnittlichen Ergebnisse der neuen Sorte KWS Mistral in der Marschregion bestätigen sich auch auf den lehmigen Standorten. Hier bleibt abzuwarten, ob die besseren Wertprüfungsergebnisse aus den Vorjahren im kommenden Jahr bestätigt werden können.

Die Qualitäten

Die geprüften Sorten erreichen im Mittel Proteingehalte von 14,5 % und liegen damit auf einem sehr hohen Niveau. Die höchsten Gehalte erreichen mit über 15 % dabei die A-Weizensorten KWS Mistral, Licamero und KWS Chamsin. Besonders erfreulich sind die Werte bei der Sorte Licamero, weil sie diese Werte bei gleichzeitig überdurchschnittlichen Erträgen erreicht. Schwächere Werte hingegen zeigen die ertragsstärkste Sorte Quintus sowie Tybalt. Die beiden E-Weizen heben sich qualitativ nicht von den Vertretern des A-Sortiments ab.

Die Fallzahluntersuchungen sind lediglich an einem Standort durchgeführt worden. Die erzielten Werte liegen mit 260 sek. knapp auf dem Niveau des Vorjahres. Lediglich die E-Sorte Sonett verfehlt den geforderten Wert von 200 sek.. Positiv fällt auch hier die Sorte KWS Chamsin auf.

Im Hektolitergewicht erreichen mit Ausnahme von Tybalt die übrigen Sorten Werte von über 73 kg, wobei einzelne Sorten auch oberhalb von 75 kg liegen. Zu nennen sind beispielsweise KWS Mistral, Licamero, KWS Chamsin oder Granus.

Zusammenfassung

Die Ergebnisse des Jahres 2016 belegen, dass aufgrund der schwächeren Ertragsleistungen gegenüber dem Winterweizen die Anbaubedeutung des Sommerweizens weiterhin relativ gering bleiben wird, vorausgesetzt es müssen keine Auswinterungsschäden bei Winterungen oder andere Kalamitäten kompensiert werden. Das machen auch die durchweg guten Qualitäten, insbesondere im Rohproteingehalt, nicht wett.


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Carsten Rieckmann
Leiter Sachgebiet Mähdruschfrüchte, Nutzungssysteme u. Qualitätserzeugung
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Stand: 22.12.2016