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Landessortenversuche 2017: Sommerweizen

Aktuelle Ergebnisse

Sommerweizen wird für den Anbau 2017/2018 eine deutliche Flächenausdehnung erfahren, da im Herbst 2017 viele Flächen nicht wie geplant mit Winterweizen bestellt werden konnten. Eine zeitige Saatgutbestellung ist daher von besonderer Bedeutung; vielfach scheint es jedoch bereits zu Engpässen von ausgewählten Sorten zu kommen. Speziell beim Sommerweizen gewinnen für die kommende Aussaat sogenannte Wechselweizensorten eine besondere Bedeutung, da sie auch bereits im Spätherbst oder während des Winters bestellt werden können. Es bleibt zu hoffen, dass der ohnehin steigende Sommerweizenanbau nicht noch durch zusätzliche Auswinterungsschäden in den Winterungen weiter forciert wird.

Sommerweizen wurde 2017 nach den vorläufigen Zahlen des niedersächsischen Landesamtes für Statistik auf 5.400 ha angebaut. Der Rückgang gegenüber dem Vorjahr ist durch die günstigen Aussaatbedingungen für Winterweizen im Herbst und die praktisch nicht aufgetretenen Auswinterungsschäden zu erklären. Der Anstieg der Winterweizenfläche für die Ernte 2017 ging daher auch zum Teil zu Lasten des in der Regel ertragsschwächeren Sommerweizens

Das Ertragsniveau in den Versuchen lag in diesem Jahr mit 81 dt Kornertrag je Hektar in der Marsch um ca. 10 % unter dem der Vorjahre, und knapp 30 % unter dem des Winterweizens. Auf den lehmigen Standorten konnte mit gut 65 dt/ha nur ein unterdurchschnittliches Ergebnis im Vergleich zu den letzten 3 Jahren erzielt werden. Die Ertragsunterschiede gegenüber dem Winterweizen waren auch in dieser Anbauregion sehr ausgeprägt.  


Ergebnisse der Sorten

Der Prüfumfang hinsichtlich Sorten und Standorte ist bedingt durch die geringe Anbaubedeutung eingeschränkt. In der Beschreibenden Sortenliste des Bundessortenamtes sind derzeit 24 Sorten eingetragen, wovon die vier neu zugelassenen Sorten aktuell auch Bestandteil der Landessortenversuche 2017 sind. Von den vier neuzugelassenen Sorten sind Jack, KWS Sharki und Zenon als E-Sorten eingestuft, während Servus in die Qualitätsgruppe A eingruppiert wurde.

In die niedersächsischen Auswertungen fließen Ergebnisse von Standorten aus Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein mit ein, um trotz geringeren Prüfumfanges für die jeweiligen Regionen ein aussagefähiges Ergebnis zu erzielen. Außerdem werden bei der mehrjährigen Verrechnung auch die Ergebnisse aus Wert- und EU-Prüfungen einbezogen, die an Standorten in den jeweiligen Anbauregionen durchgeführt wurden.

In der Marsch wurden jeweils 4 Sorten aus den Qualitätsgruppen E und A an 3 Standorten geprüft. Ertraglich konnte bei den A-Sorten vor allem die neue Sorte Servus mit überdurchschnittlichen Ergebnissen überzeugen. Aber auch die Sorte Quintus bestätigte ihre sehr guten Vorjahresergebnisse. Die Sorten Licamero und KWS Mistral erzielten einen durchschnittlichen Ertrag.

Aus dem Bereich der E-Sorten erreichte mit rel. 103 die neue Sorte Zenon ein sehr gutes Ergebnis. Jack und die EU-Sorte Anabel lieferten leicht unterdurchschnittliche Erträge. KWS Sharki konnte zumindest in dieser Anbauregion noch nicht überzeugen.

Die Sorte Quintus wird aufgrund der konstant hohen Ertragsleistungen und ihrer guten Widerstandfähigkeit gegenüber Blattkrankheiten und Ährenfusariosen für den Anbau empfohlen. Licamero liefert als dreijährig geprüfte Sorten gute Leistungen. Mit leichten Schwächen gegenüber Braunrost aber besserer Einstufung gegenüber Mehltaubefall ist sie ebenfalls für den Anbau zu empfehlen. Von den einjährig geprüften Sorten erhält Servus dank hoher Erträge bei gleichzeitig insgesamt guter Einstufung gegenüber Krankheiten eine vorläufige Empfehlung für den Probeanbau. Die 2017 nicht mehr geprüfte Sorte Tybalt wäre aufgrund der insgesamt guten Leistungen in den Vorjahren ebenfalls noch zu empfehlen. Aufgrund der erhöhten Anfälligkeit gegenüber Ährenfusarium sollte auf den Anbau nach Maisvorfrucht jedoch verzichtet werden.

In der Anbauregion der lehmigen Standorte Nordwest wurde zusätzlich die Sorte Sonett geprüft. Diese mehrjährig geprüfte E-Sorte erreichte 2017 wiederum leicht unterdurchschnittliche Ergebnisse. Von den übrigen, erstmalig geprüften E-Sorten lieferte die EU-Sorte Anabel gute Leistungen; unter Einbeziehung der EU-Prüfungsergebnisse erreichte sie ein mittleres Ertragsniveau. Die vier geprüften A-Sorten erzielten alle überdurchschnittliche Erträge. Die besten Leistungen zeigte auch hier die neue Sorte Servus. Mehrjährig betrachtet sind für diese Anbauregion die Sorten Quintus und Licamero zu empfehlen. Die zweijährig geprüfte Sorte KWS Mistral konnte 2017 die schwachen Ergebnisse aus dem Vorjahr wettmachen und liefert im mehrjährigen Vergleich ebenfalls gute Ergebnisse, sodass sie eingeschränkt empfohlen wird. Die einjährig geprüfte Sorte Servus bestätigte ihre guten Einstufungen aus den Wertprüfungen, so dass sie auf dieser Grundlage auch für diese Anbauregion für den Probeanbau zu empfehlen ist.


Die Qualitäten

Die geprüften Sorten erreichen im Mittel Proteingehalte von 14,8 % und liegen damit auf einem sehr hohen Niveau. Die E-Sorten erreichen mit Ausnahme der EU-Sorte Anabel alle Werte über 15 % RP. Die Unterschiede zwischen den Qualitätsgruppen wird zumindest in diesem Jahr beim Proteingehalt erkennbar, da alle A-Sorten hier schwächere Werte aufweisen.

Die niedrigsten Werte mit allerdings immer noch über 14 % RP-Gehalt zeigen die ertragsstarke Sorte Quintus sowie Anabel.

Die an vier Standorten durchgeführten Fallzahluntersuchungen weisen mit einem Durchschnittswert von 287 sek. gute Werte auf. Die höchsten Werte erreichen Servus und Zenon, was auch die Einstufung der Beschreibenden Sortenliste widerspiegelt.  Aber auch die schwächeren Sorten liegen mit rund 240 sek. noch auf einem guten Niveau.

Im Hektolitergewicht erreichen mit Ausnahme von Servus, Zenon und Sonett die übrigen Sorten Werte von über 73 kg. KWS Mistral und Anabel erzielen Werte oberhalb von 75, sowie KWS Sharki knapp darunter.


Wechselweizen

Wie bereits eingangs erwähnt, spielt in diesem Winter bzw. Frühjahr diese Eignung einzelner Sommerweizensorten möglicherweise eine größere Rolle, da viele Flächen noch nicht mit Winterweizen bestellt werden konnten. Mögliche Schönwetterphasen mit entsprechend bearbeitbaren Bodenverhältnissen könnten dazu genutzt werden, auch um die Jahreswende die Flächen zu bestellen.  Von den Sommerweizensorten in der Beschreibenden Sortenliste sind folgende Sorten mit dieser Eignung geprüft worden: Jack, Lennox, Matthus, Thasos. Zu den Ertragsleistungen sind jedoch noch keine regionalen Ergebnisse vorhanden. In den kammereigenen sogenannten Spätsaatversuchen mit Winterweizen wurden auf den Lössstandorten in Niedersachsen auch ausgewählte Sommerweizensorten geprüft. Hier konnte Licamero im Prüfjahr 2017 überzeugen.


Zusammenfassung

Die schwächeren Erträge des Sommerweizens gegenüber dem Winterweizen belegen auch 2017 wieder, dass die Anbaubedeutung im Normalfall weiterhin relativ gering bleiben wird, vorausgesetzt der Sommerweizen muss nicht als „Notnagel“ zur Verfügung stehen. Die Aussaatschwierigkeiten in diesem Herbst führen jedoch zu genau diesen Bedingungen, wo Alternativen zum herkömmlichen Winterweizen gefragt sind. Es ist daher davon auszugehen, dass die Anbaufläche von Sommerweizen wieder deutlich ansteigen wird. Zu erwartende schwächere Erträge können auch durch die durchweg guten Qualitäten, insbesondere im Rohproteingehalt, nicht ausgeglichen werden.


Kontakt:
Carsten Rieckmann
Leiter Sachgebiet Mähdruschfrüchte, Nutzungssysteme u. Qualitätserzeugung
Telefon: 0511 3665-4357
Telefax: 0511 3665-4500
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Stand: 01.03.2018