Webcode: 01019705

Landessortenversuche 2011: Sommerbraugerste

Die Talsohle des Braugerstenanbaus in Niedersachen scheint vorerst durchschritten zu sein. Zur Ernte 2011 war wieder ein Ansteigen der Anbaufläche zu erkennen. Hier finden Sie die aktuellen Versuchsergebnisse.

Die guten Preisaussichten führten bei vielen Anbauern dazu, ihre Braugerstenfläche wieder auszudehnen. Die Landwirte prüfen mittlerweile genau, wie wirtschaftlich der Anbau verschiedener Kulturen ist. Darin liegt auch eine bedeutende Ursache in der Flächenverringerung der Vergangenheit. Die mit anderen Feldfrüchten zu erzielenden Erlöse lagen höher, so dass die Anbauentscheidung oft zu Ungunsten der Braugerste ausfiel. Wichtig sind frühe Preissignale seitens der aufnehmenden Hand damit bei der Anbauplanung entsprechende Flächen bereitgehalten werden können.
Das Ertragsniveau fiel nicht unbedingt in den Landessortenversuchen aber auf vielen Praxisbetrieben erfreulich aus. Aufgrund der intensiven Feldberegnung konnten stellenweise Rekorderträge verzeichnet werden. Auch aus qualitativer Sicht gab es keinerlei Beanstandungen. Die niedersächsischen Ergebnisse stehen somit erfreulicherweise im Gegensatz zu den Daten aus anderen Braugerstenregionen Deutschlands. Die dort fehlenden Beregnungsmöglichkeiten führten zu geringen Erträgen und Qualitätsproblemen. Es zeigt sich erneut, wie wertvoll die Feldberegnung in Niedersachsen ist. Dabei darf nicht vergessen werden, dass sie sehr zeitaufwändig ist und hohe Kosten verursacht.

Erträge der Sorten

Der Grund für die hohen Erträge in Niedersachsen ist im diesjährigen Ertragsaufbau zu finden. Bei hohen Bestandesdichten, einer guten Bekörnung (Anzahl Körner je Ähre) war es vor allem das hohe Korngewicht, das zu diesen sehr erfreulichen Erträgen führte.
Wie schon in den Vorjahren stellt sich Quench unangefochten an die Spitze. Die Sorte ist nicht nur ertraglich stark sondern überzeugt auch in ihren agronomischen Eigenschaften. Es folgt Propino mit nunmehr zweijährigem Prüfergebnis. Marthe kann sich gegenüber den eher schwächeren Ergebnissen der Vorjahre mit einem aktuell durchschnittlichen Ertrag wieder etwas verbessern, reicht aber in der mehrjährigen Betrachtung nicht an die Leistungsträger heran. Sunshine, KWS Bambina und Grace schneiden unterdurchschnittlich ab. Zwar haben alle drei Sorten eine Verarbeitungsempfehlung des Berliner Programms bekommen, präsentieren sich in der niedersächsischen Braugerstenregion aus ertraglicher Sicht aber als wenig konkurrenzfähig.

Verarbeitungsqualitäten

Bei kaum einer Fruchtart werden bei der Anbauempfehlung für eine Sorte so viele Parameter betrachtet wie bei der Braugerste.
Neben dem Ertrag stellen die qualitativen (Gerste, Malz, Würze, Bier) und verarbeitungstechnischen Eigenschaften (Mälzerei, Brauerei) wichtige Parameter dar. Um hier frühzeitige Informationen zu erhalten, erfolgt bereits ab dem letzten Wertprüfungsjahr eine Überprüfung der großtechnologischen Eigenschaften in den Brauereien im Rahmen des so genannten Berliner Programms. Am Ende bekommen die Braugerstensorten eine Verarbeitungsempfehlung für die Malz- und Bierherstellung oder, wenn die Untersuchungsergebnisse negativ ausfallen, eben nicht. Nur positiv beurteilte Sorten wurden daher auch in das Qualitätsuntersuchungsprogramm der Arbeitsgemeinschaft zur Förderung des niedersächsischen Braugerstenanbaus aufgenommen.

Aus den diesjährigen Qualitäts- und Malzuntersuchungen geht Quench als Sorten mit dem geringsten Proteingehalt hervor. Auch sonst überzeugt die Sorte in ihren zytolytischen und proteolytischen Eigenschaften. Lediglich in der Kornsortierung > 2,8 mm ist sie im Vergleich mit den anderen Sorten schwächer.
Marthe zeigt eine geringere Malzmürbigkeit und einen sehr hohen ß-Glucan-Gehalt.
Grace weist die höchste Malzmürbigkeit aller Sorten auf. KWS Bambina ist im Hinblick auf den ß-Glucan-Gehahlt sehr positiv zu bewerten. Der lösliche Stickstoff sowie der freie Aminostickstoff (FAN) sind jedoch recht hoch. Propino liefert neben guten Qualitätsparametern die beste Sortierung größer 2,8 mm. Sunshine verfügt über die geringste Malzmürbigkeit und den geringsten Extraktgehalt.

Anhand der vorliegenden Ertrags- und Qualitätsergebnisse hat die Arbeitsgemeinschaft zur Förderung des niedersächsischen Braugerstenanbaus in ihrer Mitgliederversammlung Anfang Februar die Anbauempfehlung für das Jahr 2012 erarbeitet. Für den Anbau wird ausschließlich die Sorte Quench empfohlen.


Kontakt:
Andreas Lege
Getreide, Öl- und Eiweißpflanzen
Telefon: 0511 3665-4387
Telefax: 0511 3665-4525
E-Mail:


Stand: 01.03.2012