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Landessortenversuche 2012: Wintergerste

Die aktuellen Ergebnisse der Landessortenversuche Wintergerste liegen vor und können an dieser Stelle nachgelesen werden.

Nach recht guten Aussaatbedingungen im vergangenen Herbst konnte die Wintergerste gut entwickelt in den Winter gehen. Dieser zeigte sich in seinem Verlauf im Hinblick auf die Getreidebestände tückisch. Der milde Verlauf bis Anfang Januar führte kaum zum Aufbau einer Frosthärte, mancherorts wuchsen die Bestände sogar langsam weiter. Der plötzliche Einbruch der Kälteperiode Anfang Februar erwischte das Getreide im wahrsten Sinne des Wortes kalt. Vor allem im südlichen Niedersachsen, wo eine schützende Schneedecke fehlte, richteten die über 14 Tage anhaltenden Kahlfröste zum Teil verheerende Schäden an. Die Wintergerste war dabei nicht ganz so stark betroffen wie der Weizen, jedoch waren auch in einigen Regionen Totalausfälle zu beobachten. Nach Schätzungen des Landesbetriebes für Statistik und Kommunikationstechnologie Niedersachsen wurden landesweit rund 17 Prozent der Wintergerstenfläche umgebrochen. Vor allem hiermit erklärt sich auch der Rückgang der Anbaufläche gegenüber dem Vorjahr.
Das Frühjahr gestaltete sich zunächst eher zu trocken, in der Kornfüllungsphase waren jedoch ausreichend Niederschläge vorhanden.
Ein Zuviel an Regen verzögerte jedoch anschließend den Beginn der Ernte und stellte zum Teil hohe Anforderungen an die Standfestigkeit der Bestände.
 

Ergebnisse der Sorten

In der Marsch liegen die Erträge in den Landessortenversuchen nach einem schwächeren Vorjahr wieder auf einem erfreulichen Niveau.
Zzoom schneidet als beste Sorte ab, dicht gefolgt von Pelican und Naomie. Pelican erweist sich im mehrjährigen mittel dabei als die beste Sorte. Auch Nerz liefert erneut ein erfreuliches Ergebnis. Hobbit liegt mit einem knapp überdurchschnittlichen Ertrag für eine Hybridgerste auf eher niedrigem Niveau. Lomerit und Souleyka tendieren eher schwächer.
Unter den zweijährig geprüften Sorten liegt KWS Tenor vorn. KWS Meridian kann dagegen das viel versprechende Vorjahresergebnis nicht bestätigen.
Erstmalig geprüft wurde die neue Hybridsorte SY Leoo, die die guten Erträge aus der Wertprüfung auch im Landessortenversuch bestätigt.  Die drei weiteren neuen Sorten Antonella, Otto und Medina überzeugen weniger.
Einzige zweizeilige Gerste in dieser Anbauregion ist Matros, die sich aktuell leicht unterdurchschnittlich präsentiert.

Auf den Lehmstandorten Nordwest rangiert Nerz bereits im zweiten Jahr in Folge an der Spitze. Auch Lomerit zeigt, dass sie trotz der Tatsache, dass es sich um die älteste Sorte im Sortiment handelt, nach wie vor zu den Leistungsträgern gehört. Zu beachten ist hier jedoch die starke Lagerneigung, der mit intensiven Pflanzenschutzmaßnahmen zu begegnen ist. Hobbit reicht nach zwei deutlich besseren Jahren nicht an das Niveau der beiden bereits erwähnten Sorten heran. In Höhe des Standardmittels liegen Leibniz und Saturn. Wie schon Hobbit, so reicht auch die Hybride Zzoom nicht an die Vorjahresergebnisse heran. Die starke Neigung zum Ährenknicken wird aufgrund der Witterungsbedingungen einen negativen Einfluss auf den Ertrag gehabt haben. Pelican präsentiert sich bereits im zweiten Jahr unterdurchschnittlich. Souleyka hat einen deutlichen Ertragseinbruch zu verzeichnen. Eine Erklärung ist mit Sicherheit in der geringer ausgeprägten Winterhärte zu finden.
Deutlich besser konnten KWS Tenor und KWS Meridian mit den Folgen des Frostes umgehen. Sie zeigten vergleichsweise geringere Schäden. Dieses macht sich auch im Kornertrag bemerkbar. Die beiden Sorten liegen in dieser Anbauregion ertraglich an der Spitze. Knappmittlere Erträge erreichen Amelie und Roseval. Medina tendiert schwächer.
Beste unter den erstmalig geprüften Sorten ist Titus. SY Leoo positioniert sich in Höhe des Standardmittels. Dieser Ertrag ist für eine Hybridsorte eher schwach. Antonella und vor allem Otto schneiden deutlich schwächer ab. Otto zeigte mancherorts Schwächen in der Winterfestigkeit.
Die zweizeilige Sorte Matros präsentiert sich wie auch schon 2011 erfreulich.

In der Anbauregion der Sandböden Nordwest führt unter den mehrjährig geprüften Sorten erneut Naomie das Feld an. Zzoom erreicht nach einem schwächeren Vorjahr ein mittleres Ergebnis. Ebenso Saturn. Beide Sorten neigen bekanntermaßen zu starkem Ährenknicken. Leibniz und Hobbit folgen im Ertrag dicht dahinter. Vor allem Hobbit hat somit im Sortenvergleich einen doch recht deutlichen Ertragsrückgang zu verzeichnen. Auch Lomerit bricht stark ein. Amrai, Souleyka und Laverda können ebenfalls nicht mit den Leistungsträgern mithalten.
KWS Tenor macht im aktuellen Erntejahr einen deutlichen Sprung nach vorne und geht als Standortgruppensieger hervor. Auch die neue Hybride SY Leoo zeigt einen deutlich überdurchschnittlichen Ertrag. Wie bei allen Hybriden sind hier die höheren Saatgutkosten zu berücksichtigen und in die Gesamtbetrachtung bei der Sortenentscheidung einzubeziehen. Roseval erreicht einen gutmittleren Ertrag.
So auch die erstmalig geprüfte Antonella. Titus präsentiert sich leicht unterdurchschnittlich, Otto dagegen deutlich schwächer.
Bester Kandidat im zweizeiligen Sortiment ist Matros. California, Metaxa und KWS Cassia können mit diesem Ertragsniveau nicht mithalten.

Auf den Sandböden Nordhannover ist, wie auch in den beiden Jahren zuvor, Hobbit unter den mehrjährig geprüften Sorten der Spitzenreiter. Lomerit kann sich gegenüber dem Vorjahresergebnis im Vergleich wieder etwas verbessern, während Naomie auf gleichem Niveau etwas abfällt. Zzoom zeigt im Verlauf der Jahre schwankende Erträge und ist aktuell unterdurchschnittlich. Deutlich abgeschlagen liegen Pelican und Souleyka.
Die Gruppe der zweijährig geprüften Sorten wird auch in dieser Anbauregion unangefochten von KWS Tenor angeführt. SY Leoo präsentiert sich schwächer aber immer noch gut überdurchschnittlich. Henriette dagegen enttäuscht. Gleich schwach zeigen sich auch die beiden neuen Sorten Antonella und Otto.
Genau wie in den westlichen Sandregionen Niedersachsens erfolgt auch auf den leichten Standorten Nordhannovers eine relativ umfangreiche Prüfung zweizeiliger Wintergersten. Hier zeigt jedoch nur Matros, dass sie unter dem diesjährigen Ertragsniveau durchaus mit einigen mehrzeiligen Kandidaten mithalten kann. Die Tatsache, dass Matos nicht mit einer Resistenz gegen das Gelbmosaikvirus ausgestattet ist, spielt auf den Sandböden eine untergeordnete Rolle. Zephyr und California erreichen einen knappmittleren Ertrag. Sandra, Augusta und KWS Cassia dagegen überzeugen eher nicht.

Auf den Lehmböden Südhannover kann die gegen beide Typen des Gelbmosaikvirus resistente Sorte Nerz das Beste Ergebnis unter den langjährig geprüften Kandidaten erbringen. Dichtauf liegt Saturn. Das sehr gute Ergebnis aus dem Jahr 2012 wird somit bestätigt.  Zu beachten ist jedoch die hohe Neigung zum Halm- und Ährenknicken. Hinsichtlich ihrer Einstufung zur Resistenz gegen das Gelbmosaikvirus ist diese Sorte etwas schwierig zu beurteilen. Nach Auskunft des Züchters bestehen Resistenzen gegen die GMV-Typen BaYMV-1 und BaYMV-2, nicht aber gegen den Typ BaMMV, der häufig gemeinsam mit dem Typ 1 auftritt. Das Bundessortenamt hat diese Sorte daher insgesamt als nicht resistent eingestuft. Zzoom, Lomerit und Hobbit präsentieren sich im Verlauf der Jahre konstant positiv. Leibniz dagegen erzielt aktuell nur einen knappmittleren Ertrag. Vergleichsweise schwächer ist Pelican. Bei der Sorte Souleyka zeigen sich die Folgen des Frostes besonders deutlich. Wie bereits erwähnt fehlte vor allem in den südlicheren teilen Niedersachsens eine Schneedecke, um die Pflanzen vor dem Frost zu schützen. Die mit einer geringeren Winterhärte ausgestattete Souleyka bricht in ihren Erträgen im Vergleich somit auch besonders deutlich ein.
Genau anders herum präsentiert sich dagegen die offenbar winterhärtere Sorte KWS Tenor, die im Vergleich ein sehr erfreuliches Ergebnis liefert. Auch KWS Meridian zeigt sich wieder positiv. Roseval und Amelie bestätigen dagegen eher das schwächere Vorjahresergebnis.
Die erstmalig im Landessortenversuch vertretenen SY Leoo und Titus bestätigen die viel versprechenden Ergebnisse aus der Wertprüfung. Diese gelingt Antonella und Otto dagegen nicht.
Die zweizeilige Sorte Matos zeigt, dass sie im Ertrag durchaus mit den mehrzeiligen Vertretern mithalten kann.

Besonders drastisch zeigten sie die Auswirkungen der Kahlfröste in den Höhenlagen Mitte/ West. Diese führten dazu, dass im aktuellen Erntejahr 2012 keine Auswertung der Versuche in dieser Anbauregion erfolgen konnte. Bei der Sortenentscheidung muss also auf die Vorjahresergebnisse zurückgegriffen werden.
Ohnehin sollten die Sortenleistungen über mehrere Jahre über das Abschneiden eines einzelnen Jahres gestellt werden. Neben dem Ertrag sind dabei auch viele weitere Faktoren wie die Festigkeit gegen Lager, Halm- und Ährenknicken, Resistenzen gegen Krankheiten und nicht zuletzt die Winterhärte der Sorten berücksichtigt werden.  Diese ist in der Abbildung noch einmal graphisch dargestellt. Eingeflossen sind die Bonituren aus Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen.
 

Qualitäten der Ernte

Nach wie vor ist das Hektolitergewicht ein wichtiges Qualitätskriterium bei der Vermarktung der Wintergerste.
Vor allem auf den leichten Standorten fallen die Hektolitergewichte wieder etwas besseraus als im Vorjahr. Lediglich Pelican und Otto erreichen die erforderlichen Mindestwerte von 62 kg/hl nicht. Otto liegt dagegen auch auf den besseren Standorten knapp an der unteren Grenze.
Genau wie bei den Erträgen so gilt es auch hier, auf mehrjährige Ergebnisse zu achten.
 

Im Anhang finden Sie den Artikel inklusive einiger Tabellen zum download.


Kontakt:
Andreas Lege
Getreide, Öl- und Eiweißpflanzen
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Stand: 20.08.2012