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Landessortenversuche 2012: Sommerbraugerste

Die Sommerbraugerste konnte ihre Anbaufläche gegenüber dem Vorjahr leicht erhöhen. Wie die Sorten in den Landessortenversuchen in den Braugerstenregionen Niedersachsens abschneiden konnten, lesen Sie hier.

Wie schon häufiger berichtet führte die Auswinterungssituation im Frühjahr 2012 zu einem massiven Anstieg des Anbauumfangs von Sommergetreide. Neben dem Sommerweizen kam nach den landesweiten Erhebungen vor allem Sommergerste zu Anbau. Davon profitierte die Braugerste jedoch nur wenig. Während die Futtergerstenfläche um fast 25.000 Hektar anstieg, fiel die Steigerung des Braugerstenanbaus mit rund 2000 Hektar gering aus. Eine der Ursachen ist damit zu begründen, dass die stärksten Frostschädigungen des Wintergetreides vor allem im südlichen Niedersachsen zu verzeichnen waren. Die hier vorherrschenden besseren Bodenqualitäten eignen sich für die Produktion qualitativ hochwertiger Braugersten weniger als leichtere Standorte.
Das momentan sehr hohe Preisniveau für Futtergerste macht es schwer, die erforderlichen Qualitätsprämien für Braugerste zu erzielen. Ein Aufschlag auf den Futtergerstenpreis von mindestens 20 bis 30 Euro je Tonne ist notwendig, um den Anbau wirtschaftlich erscheinen zu lassen. Der Entscheidung für oder gegen eine bestimmte Feldfrucht geht seitens der Landwirte immer eine Prüfung der Wirtschaftlichkeit voraus. Es bleibt abzuwarten, ob die Braugerstenfläche zur Ernte 2013 auf gleichem Niveau bleibt oder ob sie aufgrund der sehr stabilen Preise für Futtergetreide wieder absinken wird. In jedem Fall sind hier rechtzeitige Preissignale seitens des Erfassungshandels erforderlich.

Die Praxiserträge liegen im niedersächsischen Schnitt höher als im Vorjahr. Dabei ist  zu berücksichtigen, dass diese regional stark unterschiedlich ausfallen können. Abhängig ist Erfolg oder Misserfolg der Braugerstenproduktion in der Mehrzahl der Jahre vom Vorhandensein einer leistungsfähigen Feldberegnung. Die Braugerstenregionen in Niedersachsen sind dabei, anders als viele andere Bundesländer, in der glücklichen Lage, über ein enges Beregnungsnetz zu verfügen und so Ertragsverlusten oder Qualitätsproblemen vorbeugen zu können. Dabei darf aber nicht vergessen werden, dass sie sehr zeitaufwändig ist und hohe Kosten verursacht.

 Erträge der Sorten

Die Sortenprüfungen mit Sommerbraugerste standen in diesem Jahr auf drei auswertbaren Standorten im intensiven Anbaugebiet im nordosthannoverschen Raum.
In den Prüfungen zeigte Quench erneut ihre Leistungsfähigkeit und stellte sich mit ihrem Ertrag unter den mehrjährig geprüften Sorten an die Spitze. Hinsichtlich ihrer agronomischen Eigenschaften ist sie sowohl im Bereich Halm- und Ährenknicken als auch in der Widerstandsfähigkeit gegenüber Krankheiten als positiv zu bewerten. Lediglich die Anfälligkeit gegenüber Zwergrost ist erhöht. Nachdem Marthe in den Jahren 2009 und 2010 ertraglich schwächelte, bestätigt sie aktuell das durchschnittliche Ergebnis des Vorjahres. Relativ konstant im Bereich des Mittels präsentiert sich Propino. Grace dagegen zeigt, dass sie unter den niedersächsischen Anbaubedingungen für einen Anbau weniger geeignet zu sein scheint.
Im aktuellen Landessortenversuch Braugerste wurden zwei neue Sorten erstmalig geprüft. Catamaran bestätigt dabei die viel versprechenden Ergebnisse aus der Wertprüfung. Passenger dagegen fällt im Ertrag deutlicher zurück.

Sorte Quench mit erhöhter Stickstoffdüngung

Die Düngung der Braugerste mit Stickstoff erfordert Fingerspitzengefühl und Erfahrung des Landwirtes, um zu hohe Proteingehalte zu vermeiden. Der Protein- und somit letztlich der Stickstoffgehalt in der Braugerste spielt eine bedeutende Rolle in der Malz- und Bierherstellung. So können erhöhte N-Gehalte unter anderem die Gärung beeinträchtigen oder die Filtration erschweren. Sie sind somit unerwünscht. Auf der anderen Seite sind zu geringe N-Gehalte unter neun Prozent ebenfalls ungünstig, da Stickstoffsubstanzen eine gewisse Rolle bei der Schaumstabilität und dem Geschmack des Bieres spielen.

In den vergangenen Jahren zeigte die Sorte Quench in den Versuchen und ebenfalls im Praxisanbau vergleichsweise geringe Proteingehalte. Dieses spiegelte sich auch ab, wenn die Stickstoffdüngung in einigen Fällen leicht erhöht war.
Um diese Beobachtungen zu überprüfen, erfolgte in den Jahren 2011 und 2012 im Rahmen der Landessortenversuche die Anlage einer Variante der Sorte Quench mit erhöhter N-Düngegabe. Die Stickstoffmenge wurde dabei um 30 kg/ha erhöht. Die zusätzliche Gabe wurde zum Zeitpunkt des Schossens aufgebracht.
Im Jahr 2011 führte die zusätzliche N-Gabe zu einem deutlichen Mehrertrag. Zur Ernte 2012 ließ sich kein absicherbarer Mehrertrag im Vergleich zur herkömmlich gedüngten Variante erzielen. In beiden Jahren zeigte sich eine vergleichsweise erhöhte Bestandesdichte bei verringerter Bekörnung der Einzelähre in der höher mit Stickstoff versorgten Variante. Der Proteingehalt wurde leicht erhöht. Im Jahr 2011 fiel der Vollgerstenanteil der Quench + 30 kg etwas geringer aus. Im Jahr 2012 zeigte sich ein umgekehrtes Bild. Der Gehalt an löslichem Stickstoff sowie freiem Amino-Stickstoff in der Lösung war höher.
Insgesamt sind die vorliegenden Ergebnisse sehr interessant, es bedarf jedoch einer weiteren Prüfung, um gesicherte Aussagen hinsichtlich möglicher Mehrerträge oder der Auswirkungen auf den Proteingehalt treffen zu können. Von einer generellen Erhöhung der Stickstoffdüngung beim Anbau der Sorte Quench ist daher momentan noch abzuraten. In jedem Fall müssen dabei die standortspezifischen Eigenschaften sowie die Erfahrungen des Betriebsleiters berücksichtigt werden.

 Verarbeitungsqualitäten

Neben dem Ertrag sind vor allem die qualitativen und verarbeitungsrelevanten  Eigenschaften der Sorten für eine Anbauempfehlung von Bedeutung. Bei keiner der einheimischen Getreidearten werden dabei so viele Parameter zur Beurteilung einer Sorte herangezogen wie bei der Braugerste.
Für den Landwirt sind vor allem der Proteingehalt, das Hektolitergewicht und die Sortierung von Bedeutung. Diese können direkte Auswirkungen auf die Preisbildung haben. Im Rahmen der gesamten Wertschöpfungskette von der Braugerste bis zum Bier spielen für Mälzer und Brauer weitere Qualitätskriterien eine Rolle, die letztlich zu einer Gesamtbewertung der Sorte führen.

Um rechtzeitig Informationen hinsichtlich der Verarbeitungsqualitäten in der Malz- und Bierherstellung zu erhalten, erfolgt im letzten Wertprüfungsjahr der Sorte eine Überprüfung großtechnologischer Eigenschaften in den Brauereien im so genannten „Berliner Programm“. Nur im Rahmen dieser Untersuchungen positiv beurteilte Sorten finden ihren Weg in die Landessortenversuche und somit auch in das gemeinsame Qualitätsuntersuchungsprogramm von Landwirtschaftskammer und der Arbeitsgemeinschaft zur Förderung des niedersächsischen Braugerstenanbaus.

Wie in den Vorjahren geht  Quench aus den Qualitäts- und Malzuntersuchungen als Sorte mit dem geringsten Proteingehalt hervor. Die Malzmürbigkeit (Friabilimeter) liegt vergleichsweise hoch. Diese ist erwünscht, da sich nur ein mürbes Malz  beim Maischen schnell und vollständig extrahieren lässt. Auch sonst überzeugt die Sorte in ihren zytolytischen und proteolytischen Eigenschaften. Lediglich im Vollgerstenanteil und in der Kornsortierung größer 2,8 mm ist sie im Vergleich mit den anderen Sorten schwächer.
Marthe zeigt die geringste Malzmürbigkeit aller Sorten und einen sehr hohen ß-Glucan-Gehalt. Dieser kann zu Schwierigkeiten bei der Filtration des Bieres in der Brauerei führen. Grace ist hinsichtlich dieses Kriteriums positiv zu bewerten.
Propino liefert den höchsten Extraktgehalt aller geprüften Sorten. Die hiermit ausgedrückte Extraktergiebigkeit des Malzes, ist eines der wichtigsten Untersuchungsmerkmale. Catamaran verfügt über die geringste Malzmürbigkeit und einen im Vergleich leicht erhöhten ß-Glucangehalt. Der Extraktgehalt ist positiv zu bewerten.
Passenger weist den höchsten Proteingehalt des Sortimentes auf. Dieses liegt unter anderem vermutlich am geringeren Ertragsniveau. Die Malzmürbigkeit ist ausgesprochen hoch, der ß-Glucangehalt am geringsten. Hinsichtlich der Sortierung oberhalb 2,8 mm liegt die Sorte an der Spitze.


Kontakt:
Andreas Lege
Getreide, Öl- und Eiweißpflanzen
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Stand: 29.01.2013