Webcode: 01024096

Landessortenversuche 2013: Wintergerste

Die Anbaufläche der Wintergerste hat sich gegenüber dem Vorjahr wieder gesteigert. Aktuelle Ergebnisse aus den diesjährigen Landessortenversuchen können Sie hier nachlesen.

Landessortenversuche neutral und unabhägig

Zu Beginn der neuen Auswertungssaison soll an dieser Stelle auf die Bedeutung der Landessortenversuche für die Praxis hingewiesen werden. Landessortenversuche sind unabhängig, neutral und werden ohne ein wirtschaftliches Interesse an einer Sortenvermarktung durchgeführt. Dieses macht sie so wertvoll für die Sortenempfehlungen in der Praxis und sollten Grundlage für die Sortenentscheidung sein.
Mit Durchführung der Landessortenversuche erfolgt der Vergleich von älteren, schon länger im Praxisanbau befindlichen Sorten untereinander aber auch mit Neuzulassungen auf dem Markt. Dieses geschieht in Form von Exaktversuchen nach wissenschaftlichen Standards mit anschließender statistischer Auswertung inklusive Fehlerabschätzung und der Bewertung der Ergebnisse unter mehrortiger und mehrjähriger Betrachtung. Einer solchen Betrachtung ist eine vielfach größere Aufmerksamkeit zu schenken als Einzelorts- oder Einzeljahresergebnissen. Neben dem Ertrag sollten dabei auch viele weitere Faktoren wie die Festigkeit gegen Lager, Halm- und Ährenknicken, Resistenzen gegen Krankheiten und nicht zuletzt die Winterhärte der Sorten berücksichtigt werden. 
Leider ist festzustellen, dass das Bewusstsein für die hohe Aussagekraft der Landessortenversuche  in der Praxis aber auch bei einigen Beratungsinstitutionen nicht immer vorhanden ist. Das Heranziehen von Sortenleistungen auf dem eigenen Betrieb oder aus einjährigen, einortigen Versuchsergebnissen kann dazu führen, dass eben nicht die richtigen Sorten für den Betrieb ausgewählt werden.
.

Ergebnisse der Sorten

Die Aussaat konnte auf den Marschstandorten im letzten Herbst erst spät bis sehr spät Ende Oktober erfolgen. Zwei Standorte konnten witterungsbedingt gar nicht angelegt werden, da die Böden nicht befahrbar waren. Die nicht zuletzt auch durch das späte  Frühjahr verspätete Abreife der Gerstenbestände machte sich in der Marsch in diesem Jahr besonders stark bemerkbar. Der letzte Versuchsstandort konnte erst am 24. August beerntet werden.
Unter den mehrjährig geprüften Sorten stellen sich die doppelt resistente Nerz und Pelican an die Spitze und stellen somit erneut ihre Anbauwürdigkeit in dieser Region unter Beweis. Zzoom präsentiert sich leicht überdurchschnittlich und zeigt schwankende Erträge über die Jahre. KWS Tenor und Hobbit liegen in Höhe des Standardmittels, KWS Meridian knapp dahinter.
Die beiden nunmehr zweijährig geprüften Sorten SY Leoo und Antonella präsentieren einen knappmittleren Ertrag. SY Leoo zeigte sich zur Ernte 2012 deutlich besser. Otto bestätigt die schwachen Erträge des Vorjahres und empfiehlt sich nicht für einen Anbau. Bei einer expliziten Betrachtung der drei in dieser Anbauregion geprüften Hybridgersten zeigt sich, dass sie ertraglich nicht in einer Weise abschneiden, wie es zur Deckung der erhöhten Saatgutkosten notwendig ist. Hybridgersten wird nachgesagt, dass sie für eine späte Aussaat besonders geeignet seien. Aufgrund der verspäteten Aussaattermine des letzten Herbstes hätten sie diese Eignung unter Beweis stellen können. Im Vergleich mit den Liniensorten können sie aber relativ keine Vorteile erzielen.
Unter den neuen Sorten zeigt sich die gegen beide Typen des Gelbmosaikvirus resistente Sorte KWS Keeper sehr vielversprechend. Auch Anja liefert einen überdurchschnittlichen Ertrag. Loreley dagegen enttäuscht.
Um den Ertragsabstand zwischen den verschiedenen Sortentypen aufzeigen zu können, erfolgt  auch im Sortiment der Marschregion der Anbau einer zweizeiligen Sorte, wenngleich der Anbau auf diesen Standorten eher eine untergeordnete Rolle spielt. Die hier geprüfte Matros positioniert sich nach einem etwas schwächeren Vorjahr wieder sehr gut und somit besser als so mancher ihrer Mitstreiter aus dem mehrzeiligen Sortiment. Zu beachten ist aber, dass die Sorte über keine Resistenz gegen das Gelbmosaikvirus verfügt.

Auf den Lehmstandorten Nordwest stellt sich Zzoom unter den langjährig geprüften Sorten nach einem schwächeren Abschneiden in 2012 nach vorne. Es folgen Nerz und Hobbit mit durchgängig überdurchschnittlichen Erträgen. Leibniz dagegen tendiert aktuell etwas schwächer. Einen recht starken Einbruch hat Lomerit zu verzeichnen.
KWS Meridian und KWS Tenor konnten im letzten Jahr mit den Folgen des Frostes am besten umgehen. Sie zeigten vergleichsweise geringe Schäden. Dieses machte sich auch im vergleichsweise sehr guten  Kornertrag bemerkbar. Die beiden Sorten liegen in dieser Anbauregion aktuell im Bereich des Standardmittels beziehungsweise leicht darüber.
Unter den zweijährig geprüften Sorten stellen sich SY Leoo und Antonella nach vorn. Vor allem letztere kann sich deutlich besser darstellen als im Vorjahr. Otto und Titus können weniger überzeugen.
Vier neue Sorten standen erstmals in der Prüfung. Hier zeigt sich die Hybride Galation am besten. Leicht über dem Standardmittel präsentiert sich Loreley. KWS Keeper und Anja dagegen können die vielversprechenden Ergebnisse der Wertprüfung noch nicht bestätigen.
Die zweizeilige Sorte Matros präsentiert sich bereits im dritten Jahr in Folge erfreulich und zeigt, dass sie den guten mehrzeiligen Gersten in nichts nachsteht.


In der Anbauregion der Sandböden Nordwest führt unter den mehrjährig geprüften Sorten Hobbit das Feld an. Leibniz präsentiert sich wie schon im Vorjahr leicht unterdurchschnittlich. Auch Lomerit, die älteste Sorte im Sortiment, schneidet ähnlich schwach wie 2012 ab. Einen massiven Einbruch hat Naomie zu verzeichnen.
KWS Tenor, im vergangenen Jahr der Standortgruppensieger, erreicht aktuell einen gut mittleren Ertrag. Gleichauf ist Roseval.
Antonella stellt sich unter den zweijährig geprüften Kandidaten nach vorn. SY Leoo liefert mit einem Ergebnis in Höhe des Standardmittels einen Ertrag, der für eine Hybride absolut nicht ausreicht, um die höheren Saatgutkosten wieder einzubringen. Otto und Titus enttäuschen erneut und scheinen für diese Anbauregion weniger geeignet zu sein.
Die erstmalig geprüfte Hybride Galation erzielt den Spitzenertrag dieser Anbauregion. Loreley liegt leicht über dem Standardmittel, KWS Keeper und Anja leicht dahinter.
Die Sortimente der niedersächsischen Sandböden enthalten vergleichsweise viele Sorten, da hier der größeren Bedeutung des Anbaus zweizeiliger Futtergersten Rechnung getragen wird. Ein wichtiges Argument für den Anbau dieser Sorten war in der Vergangenheit häufig die bessere erzielbare Qualität. Auf diesem Gebiet haben die mehrzeiligen Vertreter der Art aber stark aufgeholt
Die Gesamtbetrachtung der Resultate dieser Standortgruppe zeigt, dass die Erträge der meisten zweizeiligen Gersten denen der Mehrzeiler durchaus ebenbürtig oder in diesem Jahr sogar überlegen sind. Es ist also hier ein deutlicher Zuchtfortschritt zu erkennen.
Nach einem enttäuschenden Vorjahr stellt sich California in diesem Jahr unter den Zweizeilern nach vorne. Dicht gefolgt von Matros, die im vergangenen Jahr als einzige zweizeilige Gerste ein überdurchschnittliches Ergebnis erbringen konnte. Metaxa und KWS Cassia zeigen, dass es sich beim Jahr 2012 wohl um einen ertraglichen Ausrutscher nach unten handelte. Albertine präsentiert sich durchschnittlich. Ruby reicht nicht an das Leistungsniveau der anderen Sorten heran.


Auf den Sandböden Nordhannover ist Hobbit mit geringem Vorsprung vor KWS Tenor die beste mehrjährig geprüfte Sorte. Somit ist der Abstand zwischen den beiden, wie schon im Vorjahr, sehr gering. Naomie fällt dagegen etwas zurück. Zu beachten ist bei dieser Sorte auch die hohe Neigung zum Ährenknicken.
SY Leoo ist geringfügig besser als Hobbit. Es fällt den Hybriden aber erneut schwer, erforderliche Mehrerträge zu erzielen, um den Anbau wirtschaftlich erscheinen zu lassen.
Antonella und Otto hatten im vergangenen Jahr unter dem strengen Frost zu leiden. Während Antonella in diesem Jahr einen durchschnittlichen Ertrag zeigt, enttäuscht Otto erneut. Auch Titus kann nicht überzeugen.
Unter den neuen Sorten liegen KWS Keeper und Galation mit einem gutmittleren Ertrag vorn, stellen aber aktuell keine Verbesserung gegenüber älteren Sorten dar. Auch Loreley und Anja können die Ergebnisse der Wertprüfung noch nicht bestätigen.
Sehr erfreulich zeigt sich wieder einmal Matros. Auch California und Albertine können überdurchschnittliche Erträge erzielen. Zephyr präsentiert sich durchschnittlich, KWS Cassia knapp dahinter  und zeigt somit schwankende Erträge über die Jahre. Augusta zeigt sich vergleichsweise schwächer. Auch die neue Sorte Ruby kann weniger überzeugen.


Auf den Lehmböden Südhannover liegen die in diesem Erntejahr führenden, langjährig geprüften Sorten sehr dicht beieinander. Nach Zzoom und KWS Tenor folgen unmittelbar Leibniz und KWS Meridian. Leibniz zeigt eine erhöhte Anfälligkeit gegenüber Zwergrost, die es zu beachten gilt. Die gegen beide Typen des Gelbmosaikvirus resistente Nerz positioniert sich leicht überdurchschnittlich. Hobbit und Lomerit fallen dagegen gegenüber den Leistungen der Vorjahre deutlicher zurück.
Unter den Sorten mit nun zweijähriger Prüfung erreicht Titus ein Ergebnis in Höhe des Standardmittels. Antonella und die mit einer doppelten Virusresistenz ausgestattete Sorte Otto liegen knapp dahinter. Beide Sorten zeigten im Vorjahr ein deutlich schwächeres Ergebnis, sicherlich auch bedingt durch die Folgen des Frostes. SY Leoo tendiert gegenüber 2012 deutlich schwächer. Der aktuelle Ertrag ist für eine Hybridgerste absolut nicht ausreichend.
Unter den vier neuen Sorten kann lediglich KWS Keeper ein erfreuliches Ergebnis erbringen und somit die viel versprechenden Zahlen der Wertprüfung bestätigen. Darüber hinaus verfügt diese Sorte über eine Resistenz gegen beide Typen des Gelbmosaikvirus. Anja schneidet mit einem knappmittleren Ertrag ab. Es folgen Loreley und Galation.
Die zweizeilige Sorte Matos zeigt erneut, dass sie im Ertrag durchaus mit den mehrzeiligen Vertretern mithalten kann. Darüber hinaus ist sie mit einer guten Resistenz gegenüber Zwergrost ausgestattet. Was dieser Sorte jedoch fehlt ist eine Resistenz gegenüber dem Gelbmosaikvirus. Diese Information sollte man in einigen Regionen besonders berücksichtigen.


Besonders dramatisch zeigten sie die Auswirkungen der Kahlfröste im Februar 2012 in den Höhenlagen Mitte/ West. Diese führten dazu, dass im vergangenen Jahr keine Auswertung der Versuche in dieser Anbauregion erfolgen konnte. In diesem Jahr schützte eine Schneedecke die Bestände vor starkem Frost, so dass aktuell wieder eine Sortenbeurteilung erfolgen kann.
Wie schon in der Vergangenheit zeigt Zzoom gute Leistungen in dieser Anbauregion. Die hohe Neigung zum Ährenknicken sollte aber nicht ganz aus dem Auge gelassen werden. Auch Pelican kann ertraglich überzeugen, hatte aber im Jahr 2011 einen stärkeren Einbruch zu verzeichnen. Leibniz, Nerz und Hobbit schneiden mit gutmittleren bzw. mittleren Erträgen ab, hatten in der Vergangenheit im Vergleich bessere Leistungen. Lomerit dagegen präsentiert sich aktuell vergleichsweise schwach.
Für KWS Tenor liegt in dieser Anbauregion aufgrund der Auswinterung des letzten Jahres nunmehr ein zweijähriges Ergebnis vor. Selbst diese vergleichsweise winterharte Sorte konnte sie den sehr strengen Kahlfrösten nicht trotzen. Aktuell tendiert sie ertraglich eher schwächer nach einem sehr guten Ergebnis 2011.
Für eine Vielzahl von Sorten liegt nun ein lediglich einjähriges Ergebnis vor. KWS Keeper stellt sich in deisem Segment, dicht gefolgt von SY Leoo. Galation erreicht einen gutmittleren Ertrag. Anja bestätigt die sehr guten Ergebnisse mit einem leicht unterdurchschnittlichen Ertrag noch nicht. Antonella, Loreley, Titus und Otto tendieren schwächer. Vor allem Otto zeigte in diesem Jahr einen starken Mehltaubefall, der sich ertragliche Auswirkungen gehabt haben wird.
Die zweizeilige Sorte Matros, die hinsichtlich der Winterfestigkeit sehr positiv zu beurteilen ist, bringt erneut einen sehr guten Ertrag und stellt sich an die Spitze dieser Anbauregion. Leider verfügt die Sorte nicht über eine Resistenz gegen das Gelbmosaikvirus. Die Anbaueignung in dieser Standortregion ist somit eingeschränkt.


Kontakt:
Andreas Lege
Getreide, Öl- und Eiweißpflanzen
Telefon: 0511 3665-4387
Telefax: 0511 3665-4525
E-Mail:


Stand: 29.08.2013