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Landessortenversuche 2013: Winterbraugerste

Um die Versorgung mit qualitativ hochwertiger Braugerste sicherzustellen, kommt vor allem in Jahren mit knappem Angebot die Diskussion um die Verfügbarkeit und die Verarbeitbarkeit von Winterbraugerstensorten auf. Der Anbau muss für die Betriebe aus wirtschaftlichen Überlegungen interessant sein, um über den Einstieg in die Produktion dieser Getreideart nachzudenken. 

Durch den Einsatz von Winterbraugersten lassen sich Engpässe in der Versorgungsbilanz sowie unzureichende Qualitäten bei Sommergersten auffangen. Das Tabu des Einsatzes von Winterbraugerste gehört der Vergangenheit an, seit dem durch züchterische Bearbeitung für die Verarbeitung qualitativ hochwertige Winterbraugerstensorten für die Agrar-, Mälzerei- und Brauwirtschaft zur Verfügung stehen.

 Um Informationen zur Winterbraugerste liefern zu können, führt die Landwirtschaftskammer Niedersachsen in Zusammenarbeit mit Züchterhäusern auf leichteren Standorten im Nordosten Niedersachsens, also in der klassischen Braugerstenregion, Landessortenversuche durch. Neben den Winterbraugersten kam eine leistungsstarke Futtergerste zum Anbau, um einen Vergleich der Erträge herstellen zu können.

 Aus ertraglicher Sicht liegt die  nunmehr zweijährig geprüfte Sorte KWS Joy wie auch schon 2012 vorn. Wintmalt und Malwinta liegen auf Durchschnittsniveau bzw. etwas darunter. Bei Betrachtung des mehrjährigen Ergebnisses ist Malwinta unter den mehrjährig geprüften Sorten die bessere Kandidatin. Im diesjährigen Landessortenversuch Futtergerste zeigte Lomerit gewisse ertragliche Schwächen. Auch im Winterbraugerstenversuch positioniert sich die zum Vergleich angebaute Sorte lediglich durchschnittlich.  In der Vergangenheit lag die Futtergerste aber häufig unerreichbar vorn. Vor diesem Hintergrund müssen Preisaufschläge für Winterbraugerste gezahlt werden, um eine Konkurrenzfähigkeit herzustellen. Bei den Preisaufschlägen darf dabei nicht allein die Ertragsdifferenz herangezogen werden. Auch das Risiko bei unzureichenden Qualitäten doch nur den Futtergerstenpreis gezahlt zu bekommen muss in die Kalkulation einbezogen werden. Für den Landwirt wird der Anbau interessant, wenn sich der Winterbraugerstenpreis deutlich vom Futtergerstenpreis abhebt und damit die Ertragsvorteile der Futtergerste aufheben.

 Hinsichtlich des Proteingehaltes stellen die neueren Sorten im Vergleich zu alten Kandidaten wie zum Beispiel die bekannte Vanessa einen deutlichen Fortschritt dar. Wintmalt und KWS Joy liegen dabei noch niedriger als Malwinta. Auch im Hektolitergewicht präsentieren sie sich besser. Im Marktwareanteil sind alle Sorten unauffällig.

 Verarbeitungsqualitäten

 Unter der Federführung des Vereins zur Förderung des bayerischen Qualitätsgerstenbaues e.V. wurde mit finanzieller Unterstützung des Cluster Ernährung Bayern ein Pilotjahr zur Ermittlung der Verarbeitungseigenschaften von vier neu zu gelassenen Winterbraugerstensorten durchgeführt. Die vom Bundessortenamt zugelassenen Braugerstensorten KWS Ariane, KWS Scala, KWS Joy, KWS Liga wurden im Vergleich zur im Markt bereits etablierten Sorte Wintmalt analog zu den Untersuchungen im Berliner Programm der Braugersten-Gemeinschaft e.V. für Sommergerste untersucht.

Vor dem Hintergrund, dass die Braugersten-Gemeinschaft e.V. kein kontinuierliches Bewertungsverfahren für neu zugelassene Winterbraugerstensorten anbietet, wurden die Ergebnisse aus den halbtechnischen Versuchen nicht durch ein Sortengremium bewertet, so dass auch kein Ranking der Sorten stattfand. Die Beschreibung der Lösungseigenschaften ist ein Vergleich der Sorten untereinander sowie eine Beurteilung der Ausgewogenheit der zyotolytischen, proteolytischen und amylolytischen Lösungseigenschaften. Da Winterbraugerstensorten insgesamt moderate Lösungseigenschaften besitzen wurden die Mittelwerte zur Bewertung abweichend vom Bewertungsschema für Sommergersten an die Lösungseigenschaften angepasst.

Von den vier im Pilotjahr untersuchten Sorten wurde KWS Joy als einzige im niedersächsischen Landessortenversuch geprüft. Nach den Ergebnissen des Forschungsprojektes der Bundes-Braugersten-Gemeinschaft  e.V. kann KWS Joy qualitativ wie folgt eingeschätzt werden. Die Sorte verfügt über eine mittlere Extraktausbeute. In den Lösungseigenschaften (Zytolyse, Proteolyse und Amylolyse) zeigte sie sich unabhängig von den Mälzungsparametern ausgewogen. Dieses ist erforderlich, damit sich die Sorte in der Mälzerei problemlos verarbeiten lässt. Die Malzmürbigkeit (Friabilimeter) von KWS Joy lag vergleichsweise höher als bei Wintmalt. Diese ist erwünscht, da sich nur ein mürbes Malz  beim Maischen schnell und vollständig extrahieren lässt. Der ß-Glucan-Gehalt tendierte etwas geringer als bei Wintmalt.

 Würze- und Bierqualität

Für weitergehende Untersuchungen werden aus den zuvor erzeugten Malzen Kleinsude hergestellt. Neben der Erfassung von Ausbeuteparametern im Sudhaus werden auch weitere relevante Prozessparameter zur Charakterisierung des Läuterverhaltens erfasst. Die Verarbeitung der aus KWS Joy produzierten Würze war im Gesamtbild zufriedenstellend. Während früher bei Bieren, die aus 100% Winterbraugerstenmalz hergestellt wurden, Auffälligkeiten wie z. B. strohiger Geruch oder nachhängende Bittere bemerkt wurde, war dieses bereits schon bei einer Sorte wie Wintmalt nicht mehr der Fall. Auch bei KWS Joy lassen sich diesbezüglich keine Auffälligkeiten feststellen.

Auch wenn durch intensive züchterische Bearbeitung die Winterbraugersten deutliche Verbesserungen erfahren haben, lassen sich die Sommerbraugersten in der Malz- und Brauindustrie keinesfalls ersetzen. Sie bieten aber die Möglichkeit, in der Verarbeitung in stärkerem Maße eingesetzt zu werden und stellen somit durchaus eine Alternative zur Absicherung der Rohstoffversorgung dar.  


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Andreas Lege
Getreide, Öl- und Eiweißpflanzen
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Stand: 30.10.2013