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Landessortenversuche 2013: Sommer-Braugerste

Die Sortenprüfungen mit Sommerbraugerste standen in diesem Jahr auf drei auswertbaren Standorten im intensiven Anbaugebiet Sandstandorte Nordwest. Hier finden Sie die aktuellen Versuchsergebnisse.

Nach einem absoluten Tiefpunkt im Jahr 2010 scheint sich die Anbaufläche der Sommerbraugerste in Niedersachsen auf etwa 20.000 Hektar einzupendeln. Die Befürchtung, die Braugerstenfläche könne zur Ernte 2013 aufgrund der sehr stabilen Preise für Futtergetreide im Jahr 2012 wieder absinken, hat sich glücklicherweise nicht bewahrheitet.
Die Erträge in den Landessortenversuchen zeigten sich zur aktuellen Ernte sehr erfreulich. Die Praxiserträge liegen dagegen in etwa auf Höhe des Vorjahresniveaus. Insgesamt konnten in Niedersachsen rund 125.000 Tonnen Braugerste erzeugt werden. Leider reicht diese Menge nicht aus, um das Ziel zu erreichen, den Bedarf Niedersächsischer und Hamburger Mälzereien zu mindestens 50 Prozent mit einheimischer Ware abzudecken.

Niedersachsen ist aufgrund der Standortbedingungen und der Möglichkeit der intensiven Feldberegnung seit jeher ein Bundesland, in welchem beste Braugerstenqualitäten erzeugt werden können. Um Informationen für die richtige Sortenwahl zu liefern führt die Landwirtschaftskammer Niedersachsen nach wie vor umfangreiche Prüfungen durch.


Erträge der Sorten

Die Sorte Quench nahm über Jahre die Spitzenposition unter den geprüften Sorten ein. Zur Ernte 2012 fiel der Ertragsvorsprung erstmals nicht mehr so deutlich aus. Auch im aktuellen Erntejahr präsentiert sie sich mit einem gut mittleren Ertrag. Hinsichtlich ihrer agronomischen Eigenschaften ist sie sowohl im Bereich Halm- und Ährenknicken als auch in der Widerstandsfähigkeit gegenüber Krankheiten, mit Ausnahme von Zwergrost, als positiv zu bewerten. Über Jahre bereits konstant im Bereich des Mittels schneidet Propino ab. Marthe zeigt, dass sie aus ertraglicher Sicht mit neueren Sorten nicht mehr mithalten kann. Auch aus qualitativer Sicht ist diese Sorte mittlerweile überholt.
Die nunmehr zweijährig geprüften Sorten Catamaran und Passenger bestätigen jeweils beide das Vorjahresergebnis. Während Catamaran aus ertraglicher Sicht erneut überzeugt, fällt Passenger stark zurück und erweist sich als nicht konkurrenzfähig.
Im aktuellen Landessortenversuch Braugerste wurden drei neue Sorten erstmalig geprüft. Solist schneidet dabei am stärksten ab und bestätigt somit die guten Ergebnisse der Wertprüfung. Ouverture präsentiert sich leicht oberhalb des Mittels, Avalon leicht darunter.
 

Ein immer wieder intensiv diskutiertes Qualitätskriterium der Braugerste ist der Proteingehalt. Der Stickstoffgehalt beeinflusst viele Faktoren in der Bierherstellung. Hohe N-Gehalte können beispielsweise die Gärung beeinträchtigen oder die Filtration erschweren. Zu niedrige N-Gehalte unter neun Prozent sind dagegen aber auch ungünstig, da die Schaumstabilität oder der Geschmack des Bieres beeinträchtigt werden kann.
In der Vergangenheit mussten Landwirte immer wieder Preisabschläge hinnehmen, wenn die zulässigen Proteingehalte der Braugerste überschritten wurden. Durch intensive züchterische Bearbeitung ist es gelungen, Sorten auf den Markt zu bringen, die recht stabile niedrige Eiweißgehalte aufweisen. Die in Niedersachsen fast ausschließlich angebaute Sorte Quench zeigte in den letzten Versuchsjahren äußerst geringe Rohproteingehalte. Um zu testen, wie diese Sorte bei einer erhöhten Stickstoffdüngung reagiert,  erfolgt im Rahmen der Landessortenversuche seit nunmehr drei Jahren die Anlage einer Variante der Sorte Quench mit erhöhter N-Düngegabe. Die Stickstoffmenge wurde dabei um 30 kg/ha erhöht. Die zusätzliche Gabe wurde zum Zeitpunkt des Schossens aufgebracht. Diese zusätzliche N-Gabe führte in der aktuellen Ernte, wie auch schon 2011, zu deutlichen Mehrerträgen. In der Ernte 2012 ließen sich keine gesicherten Mehrerträge erzielen. In allen drei Versuchsjahren zeigte sich eine vergleichsweise erhöhte Bestandesdichte bei verringerter Bekörnung der Einzelähre in der höher mit Stickstoff versorgten Variante. Der Proteingehalt war stets leicht erhöht, überstieg aber nicht die zulässige Grenze. Der Gehalt an löslichem Stickstoff sowie freiem Amino-Stickstoff in der Lösung war leicht höher
Die vorliegenden Ergebnisse geben Anlass zu der Aussage, dass beim Anbau dieser Sorte die Stickstoffgabe moderat erhöht werden kann, um möglicherweise hiermit Mehrerträge ohne negative Auswirkungen auf den Proteingehalt zu realisieren. In jedem Fall müssen dabei aber unbedingt die standortspezifischen Eigenschaften sowie die Erfahrungen des Betriebsleiters berücksichtigt werden.

Verarbeitungsqualitäten

Bei kaum einer Fruchtart werden bei der Anbauempfehlung für eine Sorte so viele Parameter betrachtet wie bei der Braugerste.
Aus Sicht der Landwirtschaft sind vor allem Parameter wie Proteingehalt, Hektolitergewicht und die Siebsortierung von Interesse, da diese einen direkten Einfluss auf die Preisbildung haben.
Im weiteren Malz- und Brauprozess spielen aber viele weitere Eigenschaften eine Rolle.
Insgesamt fällt der Proteingehalt im Schnitt über die Sorten gegenüber den Vorjahren äußerst niedrig aus.


Kontakt:
Andreas Lege
Getreide, Öl- und Eiweißpflanzen
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Stand: 30.01.2014