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Landessortenversuche 2014: Wintergerste

Die Ergebnisse der Landessortenversuch Wintergerste 2014 finden Sie hier.

Die Wintergerste konnte im Herbst 2013 in der Regel unter guten Bedingungen bestellt werden. Der warme Oktober förderte die Jugendentwicklung. Es folgte ein sehr milder Winter. Kurze Frostphasen mit Frösten bis -15°C konnten dank Schneebedeckung gut überstanden werden. Der Vegetationsbeginn war außerordentlich früh. Die Schossphase gestaltete sich häufig sehr lang. Daher war es vielleicht nicht immer ganz einfach, den richtigen Zeitpunkt für eine Anwendung von Wachstumsregulatoren zu finden. Lager trat daher in der aktuellen Vegetationsperiode stellenweise bereits sehr früh und landesweit stärker auf als in anderen Jahren. Die Niederschlagsverteilung gestaltete sich regional unterschiedlich. Bei ausreichender Wasserversorgung konnte eine lange Kornfüllungsphase realisiert werden. Dieses macht sich in den guten bis sehr guten Erträgen bemerkbar.

Die Anbaufläche der Wintergerste konnte noch einmal ausgebaut werden. Sie  erreicht nach einer ersten Prognose des Niedersächsischen Landesamtes für Statistik eine Fläche von rund 140.000 Hektar.


Ergebnisse der Sorten

In der Anbauregion der Marschböden kann unter den mindestens dreijährig geprüften Sorten die Hybridgerste SY Leoo aus ertraglicher Sicht am besten abschneiden. Der Ertragsvorsprung ist jedoch nicht ausreichend, um die höheren Saatgutkosten wirtschaftlich erscheinen zu lassen. KWS Tenor erreicht ein gutmittleres Ergebnis und liegt damit auf Höhe der Leistungen der Vorjahre. Pelican präsentiert sich durchschnittlich und kann damit nicht ganz an die sehr guten Ergebnisse der Vergangenheit anknüpfen. Zu berücksichtigen ist bei dieser Sorte die erhöhte Lagerneigung und die Anfälligkeit für Netzflecken.  KWS Meridian ist erneut unterdurchschnittlich. Ebenfalls unterdurchschnittlich und damit deutlich schwächer als in der Vergangenheit ist die gegen beide Typen des Gelbmosaikvirus resistente Sorte Nerz.
Die beiden zweijährig geprüften Kandidaten KWS Keeper, ebenfalls mit einer zweifachen Virusresistenz ausgestattet, und Anja können die erfreulichen Zahlen des Vorjahres nicht bestätigen.
Unter den neuen Sorten stellt sich die Hybride Wootan aus ertraglicher Sicht nach vorne. Dieser dürfte jedoch auch in diesem Fall die Sattgutkosten für Hybridsaatgut nicht einspielen. Die etwas längere aber dennoch standfeste Quadriga liegt in Höhe des Standardmittels. Daisy und Tamina können die in den Wertprüfungen gezeigten Leistungen bisher nicht bestätigen. Gleiches gilt für die sehr standfeste SU Ellen.  Hinsichtlich ihrer Einstufung zur Resistenz gegen das Gelbmosaikvirus ist diese Sorte etwas schwierig zu beurteilen. Nach Auskunft des Züchters bestehen Resistenzen gegen die GMV-Typen BaYMV-1 und BaYMV-2, nicht aber gegen den Typ BaMMV, der häufig gemeinsam mit dem Typ 1 auftritt. Das Bundessortenamt hat diese Sorte daher insgesamt als nicht resistent eingestuft.
Die definitiv nicht GMV-resistente zweizeilige Sorte Matros präsentiert sich durchschnittlich. Vielversprechend ist KWS Glacier.

Auf den Lehmstandorten Nordwest ist SY Leoo die einzige Sorte, die mit einem leicht überdurchschnittlichen Ergebnis aufwarten kann. Antonella und KWS Meridian können an die Vorjahresergebnisse nicht anknüpfen. Noch einige Prozentpunkte schwächer sind KWS Tenor und Nerz, die in den letzten Jahren ebenfalls deutlich besser abschneiden konnten. Lomerit bestätigt dagegen das schwache Ergebnis aus 2013.
Unter den zweijährig geprüften Sorten präsentiert sich Galation erneut überdurchschnittlich. Loreley dagegen enttäuscht eher.
Unter den erstmalig geprüften Sorten ist Wootan an der Spitze. Mit etwas Abstand aber immer noch deutlich überdurchschnittlich folgt Quadriga. Auffällig ist bei beiden Sorten die hohe Differenz zwischen behandelter und unbehandelter Stufe. Tamina erreicht ein knappmittleres Ergebnis. Dicht dahinter liegt SU Ellen. Daisy kann wenig überzeugen.
Die zweizeilige Wintergerste Matros kann erneut und mit hoher Konstanz ihre Leistungsfähigkeit unter Beweis stellen. KWS Glacier bestätigt die Wertprüfungsergebnisse nicht.

Auf den Sandböden Nordwest erreicht SY Leoo den besten Ertrag unter den mehrjährig geprüften Sorten. Auch Antonella präsentiert sich zum wiederholten Male überdurchschnittlich. KWS Tenor dagegen verfehlt knapp das Standardmittel. Roseval bricht im Ertrag stark ein.
Loreley erbringt im zweiten Prüfjahr eine sehr erfreuliche Leistung. Ebenfalls überdurchschnittlich ist Galation. Anja erzielt einen gut mittleren Ertrag. Die gegen beide Typen des Gelbmosaikvirus resistente Sorte KWS Keeper enttäuscht.
Quadriga stellt sich als neue Sorte an die Spitze des Gesamtsortimentes. Die Hybridsorte Wootan folgt dicht dahinter. Somit zeigt sich erneut, dass aktuelle Hybridgersten im Vergleich zu leistungsstarken Liniensorten häufig keine Ertragsvorteile bieten. Weit hinter den Spitzenreitern aber immer noch leicht überdurchschnittlich ist Daisy. Tamina kann dagegen im Ertrag wenig überzeugen. SU Ellen fällt im Ertrag stark ab. Diese Sorte zeichnet sich durch eine außerordentlich gute Standfestigkeit aus, die sie gerade im aktuellen Jahr immer wieder unter Beweis stellen konnte. Leider kann sie aus ertraglicher Sicht nicht mithalten.
In den beiden niedersächsischen Standortgruppen der Sandböden gestalten sich die Prüfsortimente relativ umfangreich, da hier der nach wie vor hohen Bedeutung des Anbaus zweizeiliger Futtergersten Rechnung getragen wird. Unter den diesjährigen Wachstumsbedingungen zeigen die zweizeiligen Gerstensorten, anders als in den Vorjahren, gegenüber den Mehrzeiligen gewisse Schwächen. Matros und California erzielen knappmittlere Erträge. Metaxa bricht nach einem sehr erfreulichen Ergebnis aus 2013 stark ein.
Die zweijährig geprüfte Albertine und auch die neue Sorte KWS Glacier präsentieren sich eher schwach. 


In der Standortgruppe Sandböden Nordhannover liegt das Ertragsniveau zur aktuellen Ernte außerordentlich hoch. Unter diesen Bedingungen bestätigt KWS Tenor mit einem gutmittleren Ertrag das Ergebnis des letzten Jahres. SY Leoo dagegen fällt etwas zurück.
Im nunmehr zweiten Prüfjahr präsentiert sich Anja leicht positiv und kann sich somit gegenüber dem Vorjahr etwas verbessern. Loreley zeigt sich erneut unterdurchschnittlich. Auch KWS Keeper kann weniger überzeugen.
Wie auch schon in anderen Anbauregionen stellt sich Quadriga aus ertraglicher Sicht an die Spitze des Sortiments. Es bleibt abzuwarten, ob sie die Leistungen zur kommenden Ernte wiederholen kann. Auch Daisy schneidet sehr erfolgreich ab. Wootan erreicht ein gutmittleres Ergebnis. Dieser Ertrag ist vor dem Hintergrund der erhöhten Saatgutkosten für eine Hybride unzureichend. Tamina verfehlt knapp das Standardmittel. Wie auch schon auf den Sandböden Nordwest fällt SU Ellen stark ab. Am Standort Rotenburg fiel die Sorte durch komplett abgeknickte Ähren auf, was sich in einem deutlichen Minderertrag auswirkte.
Im Teilsortiment der zweizeiligen Sorten stellt sich Matros ein weiteres Mal nach vorne. Die etwas erhöhte Anfälligkeit für Netzflecken scheint sich ertraglich nicht ausgewirkt zu haben. California bestätigt aktuell das gute Vorjahresergebnis. Albertine erbringt einen gutmittleren Ertrag während sich KWS Glacier im ersten Jahr
der Prüfung einen Ertrag in Höhe des Standardmittels präsentiert.


Auf den Lehmböden Südhannover ist KWS Meridian eine der Sorten, die sich stets mit erfreulichen Ergebnissen präsentiert. KWS Tenor liefert ebenfalls konstant überdurchschnittliche Erträge. Nach einem schwächeren Vorjahr zeigt auch Lomerit, dass sie, obwohl schon im Jahr 2001 in die Beschreibende Sortenliste eingetragen, nach wie vor eine Anbauwürdigkeit besitzt. Die hohe Lagerneigung ist bekannt und muss entsprechend behandelt werden. Leibniz zeigt über die Jahre leicht schwankende Erträge, aktuell auf leicht unterdurchschnittlichem Niveau. Gleichauf liegt SY Leoo. Die mit einer zweifachen Gelbmosaikresistenz ausgestattete Nerz präsentiert sich anders als in den Vorjahren eher schwächer. Auch Titus bestätigt die Leistungen der Vorjahre aktuell nicht.
Im zweiten Prüfjahr präsentiert sich die ebenfalls doppelt GMV-resistente KWS Keeper kurz über dem Standardmittel. Anja ist im Sortenvergleich durchschnittlich.
Quadriga ist die leistungsstärkste Kandidatin im Gesamtsortiment. Die Hybride Wootan rangiert dicht dahinter und zeigt auch in dieser Anbauregion, dass ein Mehrkosten deckender Ertrag nicht erwirtschaftet werden kann. Tamina liefert ebenfalls einen guten Ertrag. Insgesamt ist diese Sorte mit einer guten Resistenzausstattung versehen. Trotz des längeren Wuchstyps ist die Standfestigkeit in Ordnung. Daisy tendiert im Ertrag eher schwächer. Schlusslicht ist SU Ellen.
Während in den letzten Jahren die zweizeilige Gerste Matros im Ertrag durchaus mit den mehrzeiligen Vertretern mithalten konnte, gelingt ihr das zur aktuellen Ernte nicht. Auch KWS Glacier kann die vielversprechenden Ergebnisse der Wertprüfung nicht bestätigen.


In den Höhenlagen Mitte/ West kann SY Leoo das überdurchschnittliche Vorjahresergebnis bestätigen. Pelican tendiert leicht schwächer aber immer noch leicht überdurchschnittlich. KWS Tenor erbringt nach einem etwas schwächeren Vorjahr ein Ergebnis in Höhe des Standardmittels. Diese Sorte ist nicht zuletzt wegen der gut ausgeprägten Winterhärte für diese Anbauregion interessant. Während Leibniz einen knappmittleren Ertrag erreicht, fällt Nerz gegenüber der Vergangenheit deutlich ab.
KWS Keeper, wie auch Nerz doppelt GMV-resistent, positioniert sich leicht über dem Standard.
Unter den neuen Sorten liegen Quadriga und die Hybride Wootan gleichauf. Daisy gelingt nur ein leicht unterdurchschnittliches Ergebnis. Tamina und SU Ellen können weniger überzeugen.
Gleiches gilt aktuell auch für die beiden geprüften zweizeiligen Wintergersten Matros und KWS Glacier. Matros erzielte in der Vergangenheit sehr gute Ergebnisse, schafft es aber in der diesjährigen Ernte nicht.


Qualitäten der Ernte

Die Qualitäten der Ernte 2014 waren sowohl auf den leichten als auch auf den schwereren Standorten leider nicht immer unproblematisch. Aus der Praxis wurden regional unterschiedlich mitunter zu geringe Hektolitergewichte gemeldet. Im Schnitt über die Sorten liegen die Werte auch in den Landessortenversuchen niedriger als in den Vorjahren. Auch wenn seit Wegfall der Intervention der Mindestwert von 62 kg/hl kein KO-Kriterium mehr darstellt, wird von den Erfassern nach wie vor Wert auf eine gute Kornausbildung gelegt.
Auf den leichten Standorten fallen Metaxa, Albertine und Galation durch hohe Werte auf. Vergleichsweise schwächer zeigen sich Tamina, Loreley und die auch schon in den Vorjahren vergleichsweise schwächere Sorte KWS Tenor. Absolutes Schlusslicht mit einem Wert unter 62 kg/hl ist SU Ellen.
Auf den schwereren Böden stellen sich erwartungsgemäß die zweizeiligen Gersten qualitativ mit nach vorn. Doch auch mehrzeilige Kandidaten wie SY Leoo oder Daisy liegen im Vergleich höher. Schwächste Sorte ist auch hier SU Ellen.

 

Fungizideinsätze wirtschaftlich?

Hinsichtlich der Standfestigkeit wurden die Sorten im Jahr 2014 einer vergleichsweisen harten Probe unterzogen. Lager trat auch in vielen der Landessortenversuche verstärkt auf. Dieses wird in den zum Teil immensen Ertragsunterschieden zwischen behandelter und unbehandelter Stufe deutlich. Im Bereich der Krankheiten wurden Zwergrost und Netzflecken höher bonitiert als im Vorjahr.
Die Aufwendungen für Fungizide und Wachstumsregler betrugen in den diesjährigen Landessortenversuchen durchschnittlich 125 €/ha. Die Marktpreise sind leider erneut gesunken so dass der Geldrohertrag in der behandelten Stufe aktuell rund 650 Euro niedriger liegt als noch vor zwei Jahren. Durch die hohen Ertragsunterschiede im Kornertrag zwischen behandelter und unbehandelter Stufe von über 23,3 dt/ha fallen auch die Direktkostenfreien Leistungen mit 224 € zugunsten der behandelten Stufe aktuell deutlich höher aus als in den Vorjahren.
Auch bei Betrachtungen der einzelnen Anbauregionen war der Einsatz von Wachstumsreglern und Fungiziden überall und in allen Sorten wirtschaftlich. Dennoch sind deutliche Sortenunterschiede zu erkennen. Als Beispiel sei hier die Anbauregion der Lehmböden Südhannover genannt. Während bei Sorten wie Lomerit, Leibniz, Wootan und Quadriga der Ertrag in den unbehandelten Stufen über 30 Prozentpunkte beträgt und den Pflanzenschutzmitteleinsatz hoch wirtschaftlich erscheinen lässt, ist der Unterschied bei der durch eine hohe Standfestigkeit ausgezeichneten Sorte SU Ellen vergleichsweise gering.
 


Kontakt:
Andreas Lege
Getreide, Öl- und Eiweißpflanzen
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Stand: 20.08.2014