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Landessortenversuche 2014: Sommerbraugerste

Die Anbaufläche von Braugerste hält sich seit drei Jahren relativ konstant. Sie beläuft sich in Niedersachsen auf rund 20.000 Hektar.
Die Erträge in den Landessortenversuchen fielen noch einmal höher aus als im bereits sehr guten Vorjahr.

 

Erträge der Sorten
Die Sortenprüfungen mit Sommerbraugerste standen in diesem Jahr an vier auswertbaren Standorten im intensiven Anbaugebiet Sandstandorte Nordwest.
Seit vielen Jahren wird die Sorte Quench für den Anbau in Niedersachsen empfohlen. Aus ertraglicher Sicht pendelt sie sich seit 2012 im Bereich des Durchschnitts ein. Hinsichtlich ihrer agronomischen Eigenschaften ist sie sowohl im Bereich Halm- und Ährenknicken als auch in der Widerstandsfähigkeit gegenüber Krankheiten, mit Ausnahme von Zwergrost, nach wie vor positiv zu bewerten. Als zweite langjährig geprüfte Sorte war Marthe im Landessortenversuch vertreten. Sie schneidet bereits zum zweiten Mal deutlich unterdurchschnittlich ab. Eine Bestätigung dafür, die Sorte nicht mehr für den Anbau zu empfehlen.
Nunmehr dreijährig geprüft ist Catamaran. Diese Sorte zeigt konstant überdurchschnittliche Erträge. Vor allem die erhöhte Lageranfälligkeit und die nur durchschnittlich ausgeprägte Resistenz gegenüber Krankheiten machen sie aber für einen Anbau weniger interessant.
Die drei nunmehr zweijährig geprüften Sorten Overture und Solist zeigen sich im Ertrag im Bereich des Standardmittels, Avalon ganz leicht darüber. Solist bestätigt das gute Abschneiden zur Ernte 2013 damit nicht. Hinsichtlich der Halmstabilität zeigen sich deutlichere Schwächen. Auch Overture ist hinsichtlich dieser Merkmale nur durchschnittlich. Ganz anders Avalon, die durch gute Standfestigkeit auffällt. Schwachpunkt ist die etwas höhere Anfälligkeit gegenüber Mehltau. Die Resistenzen gegenüber Zwergrost und Netzflecken sind gut.
Die anbautechnischen Ergebnisse sind neben den verarbeitungstechnischen Versuchsergebnissen die Grundlage für die Sortenempfehlungen der Landwirtschaftskammer in enger Zusammenarbeit mit der Arbeitsgemeinschaft zur Förderung des niedersächsischen Braugerstenanbaus.
Wie bereits seit vielen Jahren erhält erneut die Sorte Quench aufgrund ihrer Ertrags- und Qualitätsergebnisse eine Anbauempfehlung. Der eventuelle Anbau anderer Sorten sollte im Vorfeld mit Erfassern und Verarbeitern abgesprochen werden.

Proteingehalte im Keller
Braugerstenanbau und  Proteingehalt der erzeugten Ware stehen seit jeher in unmittelbarem Zusammenhang bei der Betrachtung. Weder ein Zuviel noch ein Zuwenig ist beim Prozess der Bierherstellung gut. Hohe Proteingehalte oberhalb 11,5 Prozent können die Gärung beeinträchtigen, die Filtration erschweren oder Ausflockungen im Bier verursachen. Zu geringe Gehalte unter neun Prozent sind wiederum auch ungünstig, da  der Geschmack des Bieres beeinträchtigt werden kann und die Stabilität des Schaumes herabgesetzt ist. Ferner benötigen die Hefen einen gewissen Anteil an Stickstoffverbindungen für ihre Ernährung. Insgesamt also ein recht enges Fenster.
Es ist noch keine zehn Jahre her, dass Landwirte immer wieder Preisabschläge hinnehmen mussten, wenn die zulässigen Proteingehalte der Braugerste überschritten wurden. Zur Ernte 2014 zeigte sich dagegen ein genau umgekehrtes Bild. Lediglich 20 Prozent der niedersächsischen Braugerstenernte konnte einen Rohproteingehalt oberhalb 9,5 Prozent erzielen. 80 Prozent dagegen erreichten diesen Wert nicht, lag häufig sogar unterhalb der 9 Prozent Marke. Dieses hatte direkte Auswirkungen auf den Erlös, da seitens der Erfassung Preisabschläge aufgrund eines zu geringen Proteingehaltes vorgenommen wurden. Eine völlig neue Situation.

Anhebung der N-Düngung
Die Sorte Quench zeigte von Beginn an in den Landessortenversuchen äußerst geringe Rohproteingehalte. Nach den Erfahrungen der Erntejahre 2013 und 2014 muss die Empfehlung lauten, die Stickstoffgabe moderat zu erhöhen, um hiermit zum einen mögliche Mehrerträge zu realisieren, vor allem aber auch Voraussetzungen zu schaffen, Braugerstenpartien mit ausreichenden Proteingehalten zu produzieren. In bisherigen Versuchen hat sich eine um 30 – 40 kg N/ha erhöhte  zweite Stickstoffgabe zum Beginn des Schossens bewährt. Die übliche erste N-Gabe nach der Saat bleibt bei 100 – 120 kg N/ha abzüglich des Nmin-Vorrats im Boden. In jedem Fall müssen dabei aber unbedingt die standortspezifischen Eigenschaften sowie die Erfahrungen des Betriebsleiters berücksichtigt werden. Die Frage nach einer anderen Terminierung der zweiten N-Gabe und deren Auswirkung auf Ertrag und Qualität ist in Versuchen bislang nicht abgeprüft, so dass hierzu noch keine Aussage getroffen werden kann.
Zur Absicherung der Standfestigkeit ist der Einsatz Trinexapac-ethyl-haltiger Mittel (Moddus, Countdown) nach Bedarf und in Abwägung des Landwirts im Rahmen der gesetzlichen Zulassung sowie in den Grenzen des Lebensmittelrechts beim Braugerstenanbau möglich. 


Kontakt:
Andreas Lege
Getreide, Öl- und Eiweißpflanzen
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Stand: 19.02.2015