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Landessortenversuche 2012: Winterroggen

Die zur vergangenen Ernte sehr erfreulichen Preise für Winterroggen scheinen eine Wirkung gehabt zu haben. Der Anbau ist gegenüber dem Vorjahr um rund 18.500 Hektar ausgedehnt worden. Hier finden Sie die aktuallsten Versuchsergebnisse.

In Kombination mit den guten Erträgen zur aktuellen Ernte ergibt sich daraus eine vom Landesbetrieb für Statistik und Kommunikation geschätzte niedersächsische Erntemenge von rund 898.000 Tonnen. Das entspricht einer Steigerung gegenüber 2011 von 50 Prozent.
Bekanntermaßen ist Winterroggen die Getreideart mit der ausgeprägtesten Winterhärte. Die ausgewinterten Flächen zeigten sich nach dem Winter somit auch ausgesprochen gering.

Ergebnisse der Sorten

Auf den Sandböden Nordwest überrascht in diesem Jahr das sehr hohe Ertragsniveau. Auch unter diesen Voraussetzungen ist nach wie vor Brasetto die leistungsstärkste Sorte. Dieses gilt sowohl aktuell als auch im Vergleich über mehrere Jahre. Dicht dahinter folgt Palazzo. Guttino kann sich nach einem durchschnittlichen Ergebnis im Vorjahr wieder steigern. Mephisto bestätigt sein überdurchschnittliches Ergebnis. Minello dagegen bricht im Sortenvergleich ein. Auch Vissello zeigt, dass die neueren Züchtungen ertraglich überlegen sind. An diesem Beispiel lässt sich deutlich der Zuchtfortschritt in der Getreidezüchtung erkennen.
Erstmalig geprüft wurde SU Satellit, der die Wertprüfung im Rahmen der Zulassung mit sehr guten Ergebnissen absolvierte. Diese wurden in den Landessortenversuchen bestätigt, indem die Sorte das Feld anführt.
Die Populationssorte Conduct liegt erwartungsgemäß hinten.

Auf den Sandböden Nordhannover liegt Palazzo unter den mehrjährig geprüften Sorten vorn. Minello erreicht wieder einen gut mittleren Ertrag und bestätigt die Konstanz über die Jahre. Gleichauf liegt Guttino. Brasetto und Visello positionieren sich in Höhe des Standardmittels beziehungsweise dicht dahinter. Es zeigt sich, dass die Sorten in ihren Ertragsleistungen somit dicht beieinander liegen.
Der zweijährig geprüfte Mephisto schneidet aktuell als beste Sorte dieser Anbauregion ab.
SU Satellit zeigt im ersten Jahr ein viel versprechendes Ergebnis. Auch SU Allawi präsentiert sich positiv.
Die Leistung der Populationssorte Conduct zeigt, dass der Anbau von Hybridsorten wirtschaftlicher ist. Die höheren Saatgutkosten werden durch die erzielbaren Mehrerträge mehr als ausgeglichen.

In der Anbauregion der Lehmböden ist Brasetto die beste mehrjährig geprüfte Sorte. Guttino und Palazzo erreichen ein gut mittleres Ergebnis. Visello und Minello tendieren dagegen bereits zum zweiten Mal schwächer.
SU Mephisto bestätigt das überdurchschnittliche Abschneiden des Vorjahres.
Die neue Sorte SU Satellit geht als Gruppenerste aus der diesjährigen Prüfung hervor.
Weit abgeschlagen ist Conduct. Der Anbau einer Populationssorte erfolgt in den Versuchen eigentlich nur noch, um den Ertragsvorsprung der Hybriden gegenüber den Populationssorten zu demonstrieren. An dieser Stelle sei noch einmal darauf hingewiesen, dass der Nachbau von Hybriden  aber auch synthetischen Sorten auf Grundlage des Sortenschutzgesetzes verboten ist. Auch aus ackerbaulicher Sicht ist jedoch von einem Nachbau abzuraten, weil hier Versuchsergebnisse bei beiden Sortentypen un¬wirtschaftliche Ertragsrückgänge gezeigt haben.


Fungizid- und Wachstumsreglereinsätze 2012

In den diesjährigen Landesortenversuchen verursachte der Einsatz von Wachstumsreglern und Fungiziden durchschnittliche Kosten in Höhe von 125 Euro/ha. Um eine Wirtschaftlichkeit der Behandlungen zu erzielen, war bei einem angenommenen Preis von 21 Euro/dt inklusive Mehrwertsteuer ein Mehrertrag von rund 6 dt/ha erforderlich.

Der Vergleich der direktkostenfreien Leistung zwischen behandelter und unbehandelter Stufe zeigt im Mittel über alle Sorten eine hohe Wirtschaftlichkeit der durchgeführten Maßnahmen. Unter anderem führte der vergleichsweise höhere Lagerdruck und, wie aus den Bonituren hervorgeht, das stärkere Auftreten von Braunrost zu den deutlichen Mindererträgen der unbehandelten Stufe.
In Jahren mit verhaltenerem Lager- oder Krankheitsdruck lassen sich bei genauerer Betrachtung in der Regel gewisse Sortenunterschiede hinsichtlich der Wirtschaftlichkeit erkennen. In diesem Jahr ist das Bild aber recht einheitlich. Bei allen Sorten führte der Einsatz der Pflanzenschutzprodukte zu wirtschaftlichen Mehrerträgen. Da solche Aussagen leider nicht im Voraus gemacht werden können, sollten von vorneherein gesunde und standfeste Sorten ausgewählt werden. In Verbindung mit den lokalen Bedingungen und den Erfahrungen der Betriebsleiter bietet sich somit die Möglichkeit, den Pflanzenschutzaufwand so gering wie möglich zu halten.


Qualitätsergebnisse

Aus qualitativer Sicht traten in der aktuellen Ernte in den Versuchen keine Probleme auf. Die Hektolitergewichte zeigen generell ein gutes Niveau.
Auch hinsichtlich der Fallzahlen traten keine Probleme auf. Es zeigt sich lediglich, dass SU Mephisto und Conduct zu niedrigeren Werten tendieren.


Mutterkorn – eine vergessene Krankheit?

Das Mutterkorn ist die Dauerform (Sklerotium) des Mutterkornpilzes Claviceps purpurea. Aufgrund der im Mutterkorn enthaltenen Alkaloide und ihrer Toxizität für Mensch und Vieh ist ein Befall mit diesem Pilz von Bedeutung von Nahrungs- und Futtergetreide. Roggen ist aufgrund seines offenen Abblühverhaltens besonders gefährdet, doch auch andere Getreidearten wie Weizen, Triticale u.a. sind gefährdet.
Im Handel herrschen strenge Grenzwerte für den Besatz mit Mutterkorn, die bei Getreide, das für die menschliche Ernährung Verwendung findet bei 0,05 % Gewichtsprozent liegen, für Futtergetreide bei 0,1% Gewichtsprozent. Vor allem in den Hybriden älterer Generation stellte der Mutterkornbesatz ein häufiges Problem dar, da die Pollenschüttung nicht ausreichte. Um diesem Problem entgegen zu wirken erfolgte in der Regel eine 10%ige Zumischung von Populationssorten, die über ein höheres Pollenschüttungsvermögen verfügen. Die Züchtung neuerer Stämme mit hohem Pollenschüttungs-vermögen führte dazu, dass sich das Risiko deutlich vermindern ließ und die Beimischung von Populationsroggen nicht mehr erforderlich war. Aktuell kommen nun jedoch wieder neuere, ertragsstarke Sorten in den Markt, die eine erhöhte Anfälligkeit für Mutterkorn aufweisen.
Das Bundessortenamt stuft die Roggensorten seit einigen Jahren auf Grundlage mehrjähriger und mehrortiger Resistenzprüfungen mit künstlicher Infektion in ihrer Anfälligkeit für Mutterkorn ein. In diesen Prüfungen zeigt sich, dass die Anfälligkeit von SU Mephisto, vor allem aber SU Allawi gegenüber den anderen Kandidaten im Sortiment deutlich erhöht ist. Zu bemerken ist dabei, dass die durchgeführte Resistenzprüfung bisher nur an der reinen Sorte durchgeführt wird. Hybridsaatgut kann, wie bereits erwähnt, mit einer zehnprozentigen Beimischung von Populationssorten in den Handel gebracht werden. Das Befallsrisiko lässt sich damit reduzieren. Dennoch sollte die Anfälligkeit der Sorte nicht aus dem Auge gelassen werden. Die Sortenwahl stellt ein wichtiges Kriterium bei der Vermeidung von Mutterkornbefall dar. Ergänzend dazu sollte mit ackerbaulichen Maßnahmen versucht werden, eine möglichst einheitliche und kompakte Blühphase über den gesamten Bestand zu erreichen. Hierzu zählen neben einer nicht zu geringen Aussaatstärke auch eine angepasste Düngung und optimierter Wachstumsreglereinsatz.


Kontakt:
Andreas Lege
Getreide, Öl- und Eiweißpflanzen
Telefon: 0511 3665-4387
Telefax: 0511 3665-4525
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Stand: 05.09.2012