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Landessortenversuche 2014: Winterroggen

Die Ergebnisse der Landessortenversuche Winterroggen 2014 könnne Sie hier nachlesen.

Niedersachsen ist nach Brandenburg das zweitwichtigste Bundesland, was den Anbau von Winterroggen betrifft. Die aufgrund der guten Preise im Jahr 2012 stark ausgedehnte Anbaufläche des Vorjahres ist nach dem starken Einbruch der zu erzielenden Erlöse zur Ernte 2013 in einem Umfang von rund 20.000 Hektar wieder deutlich zurückgegangen. Dieses zeigen die Ergebnisse der GAP-Statistik aus dem Antragsverfahren 2014. Die durch das Landesamt für Statistik in einer ersten Prognose berechneten Erträge scheinen sich ähnlich gut zu gestalten wie im Vorjahr. Dieses zeigt sich auch in den Landessortenversuchen.


Ergebnisse der Sorten

Auf den Sandböden Nordwest waren in diesem Jahr fünf Sorten mit mindestens dreijähriger Prüfung vertreten. In diesem Teilsegment schneidet SU Mephisto am besten ab. SU Satellit erzielt ein gut mittleres Ergebnis und liegt damit dennoch recht deutlich unter den Leistungen der Vorjahre. Palazzo liegt in Höhe des Standardmittels. Guttino präsentiert sich unterdurchschnittlich und damit klar schwächer als in der Vergangenheit. Brasetto bestätigt das unzureichende Ergebnis des Vorjahres.
Die zweijährig geprüften Sorten SU Forsetti, SU Stakkato und SU Performer liegen mit sehr erfreulichen Ergebnissen sehr dicht beieinander. Zu beachten ist aber bei Su Stakkato die sehr hohe Anfälligkeit für Mutterkorn.
Unter den neu geprüften Kandidaten Liegt SU Cossani auf dem Niveau der führenden mehrjährig geprüften Kandidaten. SU Composit präsentiert sich durchschnittlich. KWS Bono und KWS Dellgano können dagegen die guten Ergebnisse der Wertprüfung nicht bestätigen.

Auf den Sandböden Nordhannover liegt SU Satellit unter den mehrjährig geprüften Sorten vorn. SU Mephisto präsentiert sich leicht überdurchschnittlich. Brasetto und Palazzo verfehlen knapp das Standardmittel. Deutlich schwächer dagegen ist Guttino.
SU Performer, SU Forsetti und SU Stakkato können die überdurch-schnittlichen Ergebnisse im zweiten Jahr der Prüfung wiederholen.
Im ersten Jahr der Prüfung zeigt sich SU Cossani vielversprechend. SU Composit erzielt einen gut mittleren Ertrag. KWS Dellgano zeigt sich durchschnittlich, KWS Bono positioniert sich knapp dahinter.

In der Anbauregion der Lehmböden ist SU Satellit die beste mehrjährig geprüfte Sorte. SU Mephisto erreicht ein Ergebnis leicht über dem Standardmittel. Palazzo liegt über die Jahre konstant mit einer durchschnittlichen Leistung. Brasetto präsentiert sich in der aktuellen Ernte mit einem knapp mittleren Ergebnis. Bereits im zweiten Jahr deutlich schwächer ist Guttino.
Die zweijährig geprüfte Sorte SU Forsetti stellt sich an die Spitze des Gesamtsortimentes. Generell ist für die Aussaat im Herbst 2014 zu beachten, dass Saatgut der SU Hybro-Sorten unter Umständen nur sehr eingeschränkt zur Verfügung stehen wird. SU Performer und SU Stakkato liefern erneut überdurchschnittliche Erträge.
Dieses gelingt unter den erstmalig geprüften Sorten nur SU Cossani. SU Composit präsentiert sich durchschnittlich. KWS Bono und KWS Dellgano fallen dagegen leistungsmäßig deutlich zurück.

Der Anbau einer Populationssorte erfolgt in den Versuchen eigentlich nur noch, um den Ertragsvorsprung der Hybriden gegenüber den Populationssorten zu demonstrieren. Die Sorte Conduct zeigt in allen Anbauregionen, dass  sie aus ertraglicher Sicht keine Alternative zu Hybridsorten darstellt.  An dieser Stelle sei darauf hingewiesen, dass der Nachbau von Hybriden  aber auch synthetischen Sorten auf Grundlage des Sortenschutzgesetzes verboten ist. Auch aus ackerbaulicher Sicht ist jedoch von einem Nachbau abzuraten, weil hier Versuchsergebnisse bei beiden Sortentypen unwirtschaftliche Ertragsrückgänge gezeigt haben.


Qualitätsergebnisse

Die Hektolitergewichte präsentieren sich erneut sehr erfreulich. Durch besonders hohe Werte zeichnen sich SU Forsetti, Guttino und KWS Dellgano aus. Vergleichsweise schwächer ist dagegen SU Satellit.
Die Untersuchung der Fallzahlen ist noch nicht abgeschlossen.
Die Fallzahlen liegen in diesem Jahr etwas geringer als im Vorjahr, welches sich durch sehr hohe Zahlen auszeichnete. Die seitens des Handels geforderten Fallzahlen von mindestens 100 bis 120 Sekunden werden allerdings wiederum spielend erreicht. Vor allem SU Performer und SU Stakkato zeigen sehr hohe Werte.
Zur Beschreibung des Backverhaltens von Roggen ist aber der so genannte Amylogrammwert, der in keiner Beziehung zur Fallzahl steht, von wesentlich größerer Bedeutung. Die Sorten werden durch das Bundessortenamt in diesem Merkmal eingestuft. Zur Ermittlung dieses Parameters ist jedoch keine geeignete Schnellbestimmungsmethode vorhanden.
 

Problematik Mutterkorn

Das Thema Mutterkorn stellte vor allem in der Ernte 2013 ein größeres Problem dar.
Roggen ist aufgrund seines offenen Abblühverhaltens besonders gefährdet, doch auch andere Getreidearten wie Weizen, Triticale u.a. können betroffen sein.
Im Handel herrschen strenge Grenzwerte für den Besatz mit Mutterkorn. Diese liegen bei Getreide, das für die menschliche Ernährung Verwendung findet bei 0,05 % Gewichtsprozent, für Futtergetreide bei 0,1% Gewichtsprozent.

Nicht zuletzt durch die Mutterkornproblematik der letztjährigen Ernte sind durch eine vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft initiierte und vom Max Rubner?Institut geleitete Arbeitsgruppe unter Beteiligung von Experten aus Verbänden, Institutionen und Firmen entlang der Wertschöpfungskette für Getreide „Handlungsempfehlungen zur Minimierung von Mutterkorn und Ergotalkaloiden in Getreide“ erarbeitet worden. Die Handlungsempfehlungen stehen auf der Homepage des Bundesministeriums zum download bereit.
Eine wichtige Aussage der Handlungsempfehlung ist, dass bei der Sortenwahl mutterkornanfällige Sorten  zu vermeiden sind. Bei Hybridsorten mit geringerer Pollenschüttung kann durch Beimischen von Populationssorten das Pollenangebot erhöht und die Mutterkornanfälligkeit reduziert werden.
Der Sortenmarkt wird im Roggen von zwei großen deutschen Züchtungsunternehmen, der KWS Lochow GmbH und der Saaten Union GmbH, beherrscht.
Das Problem Mutterkorn war über einige Jahre in den Hintergrund gerückt,  da vor allem solche Sorten Marktbedeutung hatten, die aus dem Hause KWS Getreide kamen. Dort war und ist es züchterisch gelungen, die natürliche Pollenschüttung stark zu erhöhen und somit das Mutterkornrisiko stark zu senken.
Aktuell kommen nun jedoch wieder neuere, ertragsstarke Sorten der Hybro/ Saaten Union in den Markt, die über diese genetisch bedingte hohe Pollenschüttung nicht verfügen und daher eine erhöhte Anfälligkeit für Mutterkorn aufweisen. Um diesem Problem entgegen zu wirken erfolgt bei diesen Sorten eine 10%ige Zumischung von Populationssorten, die über ein höheres Pollenschüttungsvermögen verfügen. Die Betrachtung der im Landessortenversuche zum Vergleich angebauten Populationssorte zeigt das deutliche schlechtere Ertragspotential im Vergleich zu den Hybriden.
In den Landessortenversuchen erfolgt die Prüfung aktuell anhand der reinen Hybride. Die Frage ist nun, ob und wie stark die Zumischung ertragsschwachen Populationsroggens den Ertrag beeinflusst.

Durch das Bundessortenamt erfolgt für die Roggensorten seit einigen Jahren auf Grundlage mehrjähriger und mehrortiger Resistenzprüfungen mit künstlicher Infektion die Einstufung hinsichtlich der Anfälligkeit für Mutterkorn. In diesen Prüfungen zeigt sich, dass die Anfälligkeit der Sorten aus dem Hause der Saaten Union höher ist, als bei den im Landessortenversuch befindlichen Sorten der KWS Lochow. Vor allem bei SU Stakkato und SU Satellit ist die Anfälligkeit stark erhöht. Zu bemerken ist dabei, dass die durchgeführte Resistenzprüfung bisher nur an der reinen Sorte durchgeführt wird. Hybridsaatgut kann, wie bereits erwähnt, mit einer zehnprozentigen Beimischung von Populationssorten in den Handel gebracht werden. Das Befallsrisiko lässt sich damit reduzieren. Dennoch zeigt die Einstufung Tendenzen hinsichtlich der unterschiedlichen  Anfälligkeit auf und sollte nicht aus dem Auge gelassen werden.

Fungizid- und Wachstumsreglereinsätze im Winterroggen 2014

Wie in jedem Jahr erfolgte auch zur Ernte 2014 die Anlage der Versuche mit einer unbehandelten und einer optimal mit Wachstumsreglern und Fungiziden behandelte Variante. Diese Versuchsanlage liefert wertvolle Informationen zur Wirtschaftlichkeit des Pflanzenschutzmitteleinsatzes und somit einen Beitrag zum integrierten Pflanzenschutz.

In den diesjährigen Landesortenversuchen verursachte der Einsatz von Wachstumsreglern und Fungiziden durchschnittliche Kosten in Höhe von 176 Euro/ha. Der erforderliche Aufwand liegt deutlich höher als in den Vorjahren. Aufgrund des erhöhten Krankheitsdruckes waren auf allen LSV-Standorten Frühbehandlungen notwendig. Auch der Einsatz von Wachstumsreglern war erhöht. Um eine Wirtschaftlichkeit der Behandlungen zu erzielen, war bei einem angesetzten Preis von 14,50 Euro/dt inklusive Mehrwertsteuer ein Mehrertrag von rund 12 dt/ha in der mit Wachstumsreglern und Fungiziden behandelten Stufe erforderlich.
Der Vergleich der direktkostenfreien Leistung zwischen behandelter und unbehandelter Stufe zeigt  bereits im Mittel über alle Sorten eine hohe Wirtschaftlichkeit der durchgeführten Maßnahmen. Der Unterschied beträgt 16 Prozentpunkte und ist damit so hoch wie seit Langem nicht mehr. Erhöhter Lagerdruck und ein wie bereits 2013 recht starkes Auftreten von Braunrost sind Erklärungen für deutliche Mindererträge der unbehandelten Stufe. Somit wird auch bei genauerer Betrachtung der einzelnen Anbauregionen deutlich, dass der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln in allen Sorten und Anbauregionen hoch wirtschaftlich war. Leider können solche Aussagen immer erst nach der Ernte getroffen werden. Daher sollten von vorneherein gesunde und standfeste Sorten ausgewählt werden, um in Verbindung mit den lokalen Bedingungen und den Erfahrungen der Betriebsleiter den Pflanzenschutzaufwand so gering wie möglich zu halten. 


Kontakt:
Andreas Lege
Getreide, Öl- und Eiweißpflanzen
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Stand: 20.08.2014