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Landessortenversuche 2010: Hafer

Der niedersächsische Haferanbau ist gegenüber dem Vorjahr noch einmal um rund 28 Prozent zurückgegangen und hat mit gut 10.000 Hektar einen historischen Tiefstand erreicht. Aufgrund der Witterung in der vergangenen Vegetationsperiode liegen auch die geschätzten durchschnittlichen Hektarerträge etwa 20 Prozent unter dem mehrjährigen Mittel.

Wie die Sorten in den Landessortenversuchen 2010 abschnitten können Sie hier nachlesen.

Witterungsbedingt erfolgte die Aussaat in diesem Frühjahr sehr spät und durch die lang anhaltende Vorsommertrockenheit waren keine zufrieden stellende Erträge zu erzielen. Daraus resultiert eine niedersächsische Hafererntemenge von rund 39.000 Tonnen Ein Minus gegenüber 2009 von 43 Prozent! Nicht einmal der Bedarf an Futterhafer kann noch aus der inländischen Erzeugung gedeckt werden. Noch schwieriger gestaltet sich die Situation bei Industriehafer. Die deutschen Hafermühlen sind darauf angewiesen, Hafer aus Finnland, Schweden und England zu importieren, um ihren Bedarf zu decken.

Zufriedenstellende Erlöse für die Landwirtschaft können hierzulande in der Regel nur dann erzielt werden, wenn sich das Erntegut direkt in der Pferdehaltung oder über die Verwertung als Haferflocken absetzen lässt. Bei dieser Nutzungsrichtung werden jedoch hohe Qualitätsanforderungen an das Ernteprodukt gestellt, die häufig nicht erreicht werden können. Bei der Vermarktung über die herkömmliche Erfasserschiene fallen die Deckungsbeiträge vergleichsweise niedrig aus. Große Konkurrenz um die Fläche übt auch hier der Mais aus.

Erträge der Sorten

Wie bereits erwähnt, liegen die durch den Landesbetrieb für Statistik und Kommunikationstechnologie ermittelten Durchschnittserträge unter dem mehrjährigen Mittelwert. Auch in den Landessortenversuchen fallen die Erträge vor allem auf den besseren Standorten niedriger aus als in den Vorjahren.

Auf den Sandstandorten Nordwest liegt Scorpion vorn und bestätigt somit das Vorjahresergebnis. Konstant überdurchschnittliche Erträge liefert Buggy. Diese Reihe kann Flämingsprofi aktuell nicht fortsetzten und verfehlt das Standardmittel knapp. Dicht dahinter und somit auf Vorjahresniveau liegt Flämingsgold. Freddy fällt im Vergleich stark ab. Zum zweiten Mal im Landessortenversuch wurde Max geprüft. Diese Sorte liefert wie schon 2009 das beste Ergebnis der Standortgruppe. KWS Contender kann sich mit seinem Abschneiden gegenüber dem Vorjahr deutlich verbessern. Neben den Gelb- und Weißhafersorten wurde im letzten Jahr der von einigem Pferdehaltern nachgefragte Schwarzhafer in die Prüfung aufgenommen. Ziel war unter anderem die Ermittlung des Ertragsniveaus. Dieses liegt im Bereich schwächerer Hafersorten, wobei die Ergebnisse der Versuche auf den leichteren Standorten etwas besser ausfallen als im Vorjahr. Dem entsprechend sollten Preisaufschläge bei der Vermarktung kalkuliert werden. Neu in der Prüfung waren drei Sorten. Hier liefert Galaxy ein viel versprechendes Ergebnis. Moritz und Flocke können dagegen die guten Zahlen aus der Wertprüfung nicht bestätigen.

In der Anbauregion Marsch, lehmige Standorte Nordwest sind über mehrere Jahre Flämingsgold gefolgt von Flämingsprofi im Vergleich die stärksten Sorten. Scorpion, Buggy und Dominik zeigen sich leicht unterdurchschnittlich. Etwas stärker fällt Freddy ab. Unter den zweijährig geprüften Sorten steigert sich Max und liefert einen Ertrag, der ihm in dieser Gruppe eine Spitzenposition sichert. KWS Contender präsentiert sich leicht über dem Durchschnitt. Der Schwarzhafer Zorro zeigt, dass er ertraglich mit den leistungsstarken gelb- oder weißkörnigen Sorten nicht mithalten kann. Die drei neuen Sorten Moritz, Galaxy und Flocke liegen im Bereich des Standardmittels.

Und die Qualitäten?

Das große Problem des Haferanbaus ist die Tatsache, dass sich akzeptable Deckungsbeiträge nur erzielen lassen, wenn sich die Möglichkeit der Vermarktung als Industriehafer für die Nährmittelherstellung anbietet oder wenn das Erntegut direkt an Pferdehalter verkauft werden kann. Preisaufschläge für Industriehafer werden jedoch nur dann realisiert, wenn die Mindestanforderungen seitens des Handels erfüllt werden. Und genau hier liegen die Schwierigkeiten. Nach wie vor ist das Hektolitergewicht eines der wichtigsten Kriterien. Gefordert werden Gewichte von 54 kg/hl, für die Einstufung als Qualitätshafer sind es sogar 55 kg/hl.

Seit nunmehr sechs Jahren erreichen in den Landessortenversuchen die hier geprüften Kandidaten die eben genannten Werte nicht mehr. Aufgrund der Witterung liegen die Werte im Schnitt über die Sorten noch einmal niedriger als im Vorjahr. Dennoch zeigen sich Sortenunterschiede. Um eventuelle Zuschläge bei der Bezahlung realisieren zu können, sollte die genetische Veranlagung für die Ausbildung höherer Hektolitergewichte in die Anbauentscheidung einbezogen werden. Bei genauerer Betrachtung zeichnet sich Max als Sorte ab, die vergleichsweise die besten Werte erzielt. Freddy und Flocke können hier nicht mithalten, liegen aber dennoch tendenziell höher als das restliche Sortiment. Zorro zeigt ebenfalls höhere Werte, kommt aber aufgrund der Schwarzkörnigkeit für die Produktion von Haferflocken nicht in Frage. Zu den Sorten mit eher schwachen Hektolitergewichten zählen wie auch schon in der Vergangenheit Buggy und Flämingsgold.

Bezüglich der Tausendkornmasse gab es in der aktuellen Ernte keine Probleme. Doch auch hier zeigen sich Unterschiede zwischen den Sorten. KWS Contender, Scorpion und Galaxy zeigen hohe Werte während Buggy und Zorro vergleichsweise niedrig tendieren.

Das Tausendkerngewicht und der Spelzenanteil sind in diesem Jahr nicht ermittelt worden. Aus den Ergebnissen der Vorjahre und der Einstufung durch das Bundessortenamt lassen sich aber dennoch Informationen ableiten. Flämingsprofi, Max und Flocke verfügen demnach über einen besonders geringen Spelzenanteil. Dagegen zeigen Freddy, Dominik und Zorro höhere Anteile. Da Zorro ohnehin nur als Futtergetreide verwendet wird, ist dieses Kriterium hier unerheblich.

 


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Andreas Lege
Getreide, Öl- und Eiweißpflanzen
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Stand: 24.01.2011