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Landessortenversuche 2013: Hafer

Die Versuchsergebnisse aus den Landessortenversuchen Hafer liegen vor. Hier finden Sie Informationen zu Erträgen und Qualitäten.

Nachdem der Hafer im letzten Jahr durch die Auswinterung des Wintergetreides hinsichtlich der Anbaufläche in kaum nennenswertem Maß profitieren konnte, ist der Anbauumfang wieder auf den Wert der Vorjahre abgesunken. Nur rund 0,6 Prozent der niedersächsischen Ackerfläche waren zur Ernte 2013 mit Hafer bestellt. Die Konkurrenzkraft gegenüber anderen Feldfrüchten reicht nach wie vor nicht aus, um den Anbau wirklich interessant erscheinen zu lassen, wenn sich der Absatz an Pferdehalter oder über die Verwertung als Nahrungsgetreide nicht bietet. Vor allem letzterer scheitert häufig an den Qualitätsanforderungen. Nachdem im Jahr 2012 sehr erfreuliche Hafererträge erzielt werden konnten, fallen auch die aktuell vom Landesbetrieb für Statistik und Kommunikationstechnologie ermittelten Erträge erneut gut aus. Diese Tendenz zeigt sich auch in den Landessortenversuchen.
Die Aussaat gestaltete sich aufgrund des langen Winters eher verspätet. Gerade beim Hafer sollte die Aussaat so früh wie möglich erfolgen,  sobald es die Witterungs- und Bodenverhältnisse zulassen, nicht zuletzt, um die Winterfeuchtigkeit optimal nutzen zu können. Der Wasserbedarf des Hafers ist recht hoch. Die hohen Niederschläge im Frühsommer trugen vermutlich dazu bei, dass trotz der späteren Aussaat ein recht guter Ertrag gebildet werden konnte. Die Qualitäten konnten davon leider nicht profitieren.

Erträge der Sorten

Die Erträge in den Landessortenversuchen liegen auf den Sandböden Nordwest wie schon 2012 auf erfreulichem Niveau. Unter diesen Bedingungen schneidet unter den mehrjährig geprüften Sorten KWS Contender mit einem Ertrag in Höhe des Standardmittels am besten ab. Auch wenn das Ergebnis in den Vorjahren etwas besser war, zeigt sich die die Ertragsstabilität der Sorte. Dicht dahinter liegt Scorpion. Moritz und Max zeigen sich gegenüber den Vorjahren etwas schwächer.
Beste Sorte mit nunmehr zweijähriger Prüfung ist im aktuellen Erntejahr Simon, der sich 2012 leicht unterdurchschnittlich zeigte. Genau umgekehrt verhält es sich mit Oberon, der aktuell schwächer tendiert. Der sehr standfeste und gesunde Kurzhafer Kurt kann ertraglich nicht mithalten.
Unter den neuen Sorten erzielen Ozon und Symphonie viel versprechende Erträge. Etwas schwächer aber immer noch leicht überdurchschnittlich ist Poseidon.


Auch in der Anbauregion Marsch, lehmige Standorte Nordwest liegt das Ertragsniveau erneut erfreulich hoch. Moritz erzielt unter diesen Bedingungen wie schon in den Jahren zuvor gute Erträge. Zu beachten ist hier die geringer ausgeprägte Standfestigkeit. Max und Flocke fallen gegenüber den Leistungen der Vergangenheit etwas zurück.
Oberon kann sich im zweiten Prüfjahr gegenüber dem schwachen Start in 2012 mit einem überdurchschnittlichen Ergebnis deutlich steigern. Auch Simon präsentiert sich recht gut. Kurt schneidet im Vergleich über alle Sorten am schwächsten ab.
Im Block der neuen Sorten kann Symphonie die guten Ergebnisse aus der Wertprüfung bestätigen. Die Sorte zeigt eine vergleichsweise hohe Pflanzenlänge bei durchschnittlicher Standfestigkeit. Poseidon erzielt einen mittleren Ertrag. Ozon dagegen enttäuscht.


Ergebnisse der Qualitätsuntersuchungen

Großes Problem des hiesigen Haferanbaus ist, dass die erforderlichen Hektolitergewichte von mindestens 54 kg/hl in der heimischen Produktion häufig nicht erreicht werden. Nur dann lassen sich aber Erlöse erzielen, die den Anbau wirtschaftlich interessant machen können.
Seit inzwischen neun Jahren erreichen die in den Landessortenversuchen geprüften Sorten die für eine Vermarktung als Industriehafer erforderlichen Werte nicht mehr.
Im Durchschnitt der Sorten liegt das Hektolitergewicht aktuell bei 47,6 kg/hl. Zwischen den Sorten zeigt sich eine recht deutliche Differenzierung. Klar vorn liegt Max mit fast 51 kg/hl. Oberon erzielt immerhin einen Wert von 49,5 kg/hl. Deutlich schwächer zeigen sich Poseidon, Kurt und insbesondere KWS Contender.

Im Hinblick auf die Tausendkornmasse erreichen alle Sorten den für Industriehafer geforderten Mindestwert von 27 Gramm. Oberon, Kurt, Max zeigen sich vergleichsweise eher schwächer während Symphonie, Poseidon und KWS Contender Werte erbringen, die deutlicher über dem Versuchsmittel liegen.

Um als Industriehafer vermarktet werden zu können, darf der Spelzenanteil maximal 26 Prozent betragen. Insgesamt liegt der Spelzenanteil höher als in den Vorjahren. Die Sorte Moritz überschreitet sogar knapp diesen Grenzwert. Einen erfreulich niedrigen Wert zeigen dagegen Flocke und Max.

Wir haben an dieser Stelle schon häufig darauf hingewiesen, dass aus Vermarktungsgründen der Hafer eine Kultur ist, bei der es zwischen Ertragsleistung und Qualität abzuwägen gilt. Um eventuelle Zuschläge bei der Bezahlung realisieren zu können, sollte die genetische Veranlagung für die Ausbildung höherer Hektolitergewicht in die Anbauentscheidung einbezogen und gegebenenfalls auf etwas Ertrag verzichtet werden.

Für die Erzeugung von Industriehafer scheinen sich nach der Gesamtbewertung aller Merkmale vor allem Max und Flocke zu eignen, auch wenn die Erträge aktuell etwas schwächer ausfallen. Der geplante Anbau sollte dabei auf Standorten erfolgen, die über eine gesicherte Wasserführung während der gesamten Vegetationszeit verfügen, da der Hafer wie eingangs bereits erwähnt einen vergleichsweise hohen Wasserbedarf hat. Ein Wassermangel, vor allem in der kritischen Kornfüllungsphase, wirkt sich negativ auf die Qualität aus.


Kontakt:
Andreas Lege
Getreide, Öl- und Eiweißpflanzen
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Stand: 10.01.2014