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Landessortenversuche 2014: Hafer

Die Ergebnisse der Landessortenversuche mit Hafer 2014 können Sie hier nachlesen.

Die Anbaufläche von Hafer hat in Niedersachsen einen historischen Tiefststand erreicht und sich im Verlauf der letzten zehn Jahre mehr als halbiert. Daraus resultiert eine niedersächsische Hafererntemenge von rund 49.000 Tonnen. Damit kann nicht einmal der Bedarf an Futterhafer aus inländischer Erzeugung gedeckt werden. Noch schwieriger gestaltet sich die Situation bei Industriehafer für die Erzeugung von Lebensmitteln. Die deutschen Hafermühlen sind darauf angewiesen, Hafer aus Skandinavien und England zu importieren, um ihren Bedarf zu decken.

Zufriedenstellende Erlöse für die Landwirtschaft können hierzulande in der Regel nur dann erzielt werden, wenn sich das Erntegut direkt in der Pferdehaltung oder über die Verwertung als Industriehafer, vor allem für die Erzeugung von Haferflocken, absetzen lässt. Bei dieser Nutzungsrichtung werden jedoch hohe Qualitätsanforderungen an das Ernteprodukt gestellt, die häufig nicht erreicht werden können. Bei der Vermarktung über die herkömmliche Erfassungsschiene fallen die Deckungsbeiträge vergleichsweise niedrig aus. Große Konkurrenz um die Fläche übt nach wie vor der Mais aus.

 Erträge der Sorten

Der durch das niedersächsische Landesamt für Statistik ermittelte Durchschnittsertrag liegt etwas unter dem Vorjahresergebnis aber dennoch recht deutlich über dem mehrjährigen Mittel. In den Landessortenversuchen fielen erzielten Erträge unterschiedlich aus. Während auf den Sandstandorten nicht an das sehr gute Ergebnis der beiden letzten Ernten angeknüpft werden konnte, zeigten sich auf den schwereren Standorten Rekordergebnisse aufgrund der ausreichenden Niederschläge.

 Unter den Bedingungen des eben genannten geringeren Ertragsniveaus auf den Sandböden Nordwest schneidet unter den mehrjährig geprüften Sorten Simon wie schon zur letztjährigen Ernte sehr erfreulich ab. Oberon, Max und Moritz präsentieren sich durchschnittlich. Letztere können sich damit wieder etwas verbessern. Scorpion bestätigt sein leicht unterdurchschnittliches Ergebnis.
Im nunmehr zweiten Jahr kann Ozon auf den leichten Standorten die hohe Leistungsfähigkeit bestätigen. Zu beachten ist hier aber die erhöhte Anfälligkeit für Lager. Poseidon und die sehr lange Sorte Symphonie können aktuell nur unterdurchschnittlich abschneiden. Vor allem Symphonie bricht damit gegenüber dem Ergebnis aus 2013 stark ein.
Erstmalig war in den Landessortenversuchen Tim vertreten, der sich überdurchschnittlich präsentiert. Auch bei dieser Sorte ist die Standfestigkeit geringer ausgeprägt.

In der Anbauregion Marsch, lehmige Standorte Nordwest liegt das Ertragsniveau sehr  hoch. Moritz erzielt unter diesen Bedingungen wie schon in den Jahren zuvor gute Erträge. Zu beachten ist hier die geringer ausgeprägte Standfestigkeit. Max erreicht einen knapp mittleren Ertrag und liegt damit auf dem Niveau der Vorjahre. Gleichauf liegt Oberon, der damit das überdurchschnittliche Abschneiden des letzten Jahres nicht bestätigt. Flocke und Simon präsentieren sich etwas schwächer.
Als nunmehr zweijährig geprüfte Sorte erzielt Poseidon das beste Ergebnis dieser Anbauregion. Symphonie dagegen fällt gegenüber der letztjährigen vielversprechenden Leistung deutlich zurück.
Tim erzielt im ersten Prüfjahr ein gutmittleres Ergebnis.

 Ergebnisse der Qualitätsuntersuchungen

Akzeptable Deckungsbeiträge lassen sich im Haferanbau nur dann erzielen, wenn sich, wie bereits erwähnt, die Möglichkeit der Vermarktung als Industriehafer für die Nährmittelherstellung anbietet oder wenn das Erntegut direkt an Pferdehalter verkauft werden kann.
Preisaufschläge für Industriehafer werden jedoch nur dann realisiert, wenn die Mindestanforderungen seitens des Handels erfüllt werden. Und genau hier liegen die Schwierigkeiten. Nach wie vor ist das Hektolitergewicht eines der wichtigsten Kriterien. Gefordert werden Gewichte von 54 kg/hl, für die Einstufung als Qualitätshafer sind es sogar 55 kg/hl.
Seit nunmehr zehn Jahren erreichen in den Landessortenversuchen die hier geprüften Kandidaten die eben genannten Werte nicht mehr, auch wenn aufgrund der Witterung die Werte im Schnitt über die Sorten wieder höher liegen, als im sehr schwachen Vorjahr. Bei genauerer Betrachtung zeigen sich durchaus Sortenunterschiede. Um eventuelle Zuschläge bei der Bezahlung realisieren zu können, sollte die genetische Veranlagung für die Ausbildung höherer Hektolitergewichte in die Anbauentscheidung einbezogen werden. Max und Oberon zeichnen sich als Sorten ab, die vergleichsweise bessere Werte erzielen. Zu den Sorten mit eher schwachen Hektolitergewichten zählen wie auch schon im Vorjahr Poseidon und Tim.
Bezüglich der Tausendkornmasse gab es in der aktuellen Ernte keine Probleme, auch wenn der Wert im Schnitt über die Sorten vergleichsweise niedrig liegt. Doch auch hier gibt es Unterschiede zwischen den Sorten. Scorpion und besonders Symphonie zeigen hohe Werte während Oberon und Max vergleichsweise niedrig tendieren.
Um als Industriehafer vermarktet werden zu können, darf der Spelzenanteil maximal 26 Prozent betragen. Insgesamt liegt der Anteil im aktuell geprüften Material auf Vorjahresniveau. Die Sorten Moritz und Ozon überschreiten aktuell knapp den Grenzwert. Einen erfreulich niedrigen Spelzenanteil zeigen dagegen erneut Flocke und Max.

Für die Erzeugung von Industriehafer scheint sich nach der Gesamtbewertung aller Merkmale vor allem Max zu eignen, auch wenn die Erträge nur durchschnittlich ausfallen. Der geplante Anbau sollte dabei auf Standorten erfolgen, die über eine gesicherte Wasserführung während der gesamten Vegetationszeit verfügen, da der Hafer wie bereits erwähnt einen vergleichsweise hohen Wasserbedarf hat.

 

 


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Andreas Lege
Getreide, Öl- und Eiweißpflanzen
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Stand: 19.02.2015