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Landessortenversuche 2010: Wintertriticale

Im Gegensatz zum Winterroggen war bei der Anbaufläche von Triticale zur Ernte 2010 kein Einbruch zu verzeichnen. Vielmehr ist sogar eine leichte Steigerung zu erkennen. Lesen Sie nachfolgend, wie sich die Sorten in den diesjährigen Versuchen präsentierten.

Die vom Landesbetriebe für Statistik und Kommunikation geschätzten Erträge liegen aber deutlich unter dem Vorjahr. Auch das mehrjährige Mittel wird um rund 13 Prozent unterschritten. Somit ergibt sich eine niedersächsische Erntemenge von rund 440.000 Tonnen. Im Hinblick auf Auswuchs ist Triticale bekanntermaßen eine extrem gefährdete Getreideart. Nach den äußerst ungünstigen Erntebedingungen im August stellte diese Eigenschaft bei nicht zeitgerechter Ernte wie schon häufiger ein Problem dar. Dabei lassen sich jedoch kaum Sortenunterschiede erkennen.

Erträge der Sorten

Generell fallen die Erträge in den diesjährigen Landessortenversuchen aufgrund der Witterung wie auch in der Praxis deutlich geringer aus als in den Vorjahren.

In der Anbauregion der Sandböden West kann Dinaro unter diesen Bedingungen als mehrjährig geprüfte Sorte erneut überragend abschneiden.  Auch der kurze und sehr standfeste Grenado präsentiert sich sehr erfreulich. Die zweijährig geprüften Sorten dagegen überzeugen weniger. Nach einem deutlich besseren Vorjahr erreicht Cosinus aktuell einen leicht unterdurchschnittlichen Ertrag. Tulus bricht stärker ein. Ein absolut enttäuschendes Ergebnis liefert der aus agronomischer Sicht sehr interessante Agostino. Hier waren sowohl in den Versuchen als auch in der Praxis viele schartige Ähren zu beobachten. Die Ursache ist bislang unbekannt.Tarzan und Pigmej erbringen im ersten Prüfjahr ein viel versprechendes Ergebnis. Die Vermehrungsfläche für Pigmej ist in Deutschland jedoch sehr gering, so dass es Schwierigkeiten mit der Saatgutverfügbarkeit geben könnte.

Auf den Sandböden Nord mit aktuell sehr schwachen Erträgen liegt Grenado über die Jahre konstant an der Spitze. Dichtauf liegt Dinaro. Wie schon auf den Sandböden West sind die Ertragseinbußen bei unterlassenen Pflanzenschutzmaßnahmen bei dieser Sorte recht hoch. Tulus präsentiert sich recht erfreulich. Auch Cosinus kann ein Ergebnis knapp über dem Standardmittel erzielen und das schwache Abschneiden im Vorjahr ausgleichen. Agostino überzeugt nicht. Auch die beiden neuen Sorten Tarzan und Pigmej liefern eher schwache Erträge.

In der Standortregion Lehme West ist Grenado beste Sorte. Cosinus bestätigt das überdurchschnittliche Ergebnis des Vorjahres. Nach einem leicht unterdurchschnittlichen Abschneiden in 2009 präsentiert sich Tulus zur diesjährigen Ernte deutlich besser. Anders dagegen Agostino, der wie auch in den anderen Regionen massiv einbricht. Während Tarzan im ersten Prüfjahr sehr erfreulich abschneidet, präsentiert sich Pigmej eher schwach.

Auf den Lehmböden und im Hügelland ist Grenado die einzige mehrjährig geprüfte Sorte. Anders als in den übrigen Anbauregionen Niedersachsens präsentiert sie sich hier unterdurchschnittlich und scheint für diese Standortgruppe weniger geeignet zu sein. An diesem Beispiel wird deutlich, wie wichtig die relativ klein strukturierte Prüfung in den Landessortenversuchen ist, um die regionale Anbaueignung von Sorten herausarbeiten zu können. Tulus als zweijährig geprüfter Kandidat ist der Spitzenreiter nachdem das Vorjahr nur leicht unterdurchschnittlich war. Konstant positiv ist Cosinus. Agostino enttäuscht. Tarzan erzielt ein sehr erfreuliches Ergebnis. Pigmej dagegen kann im Ertrag im Vergleich mit den leistungsstarken Sorten nicht ganz mithalten.

Proteingehalte

Nach zwei eher schwachen Vorjahren liegt der durchschnittliche Proteingehalt über alle Sorten in der diesjährigen Ernte wieder höher. Besonders hohe Proteingehalte können Cosinus, Agostino und Tarzan aufweisen während Grenado und Dinaro eher schwächere Werte aufweise. Eine Untersuchung weiterer Qualitätsmerkmale erfolgt bei Triticale nicht.

War der Pflanzenschutz wirtschaftlich?

Der Krankheitsdruck fiel in diesem Jahr eher gering aus. Die Kosten für den Einsatz von Wachstumsreglern und Fungiziden belaufen sich in den Landessortenversuchen auf 108 Euro/Hektar. Um die Maßnahmen wirtschaftlich erscheinen zu lassen war bei einem angenommenen Preis von 16,50 Euro/dt ein Mehrertrag von 6,5 dt erforderlich. Beim Relativvergleich beider Behandlungsstufen im Schnitt über die Sorten zeigt sich, dass es keinen Unterschied gibt und beide Varianten die gleiche direktkostenfreie Leistung erbringen. Bei genauerem Hinsehen konnten Pflanzenschutzmaßnahmen bei Dinaro und Cosinus geringfügige Vorteile erbringen. Alle anderen Sorten zeigen keine Effekte oder geringe Mehrerlöse in der unbehandelten Variante.

 


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Andreas Lege
Getreide, Öl- und Eiweißpflanzen
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Stand: 06.09.2010