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Landessortenversuche 2011: Wintertriticale

Die Anbaufläche von Triticale ist zur Ernte 2011 mit einem Umfang von über 11.000 Hektar deutlich zurückgegangen. Weniger als vier Prozent der niedersächsischen Ackerfläche waren mit dieser Kulturart bestellt.
Die neuesten Sortenergebnisse aus den Landessortenversuchen finden Sie hier
 

Die vom Landesbetrieb für Statistik und Kommunikation geschätzten Erträge fallen aufgrund der Trockenheit rund neun Prozent niedriger aus als das mehrjährige Mittel. Die landesweite Erntemenge hat mit rund 377.000 Tonnen einen historischen Tiefstand erreicht.

Im Hinblick auf Auswuchs ist Triticale bekanntermaßen eine extrem gefährdete Getreideart. Wie schon häufiger zeigte sich auch in diesem Jahr in einigen Regionen Niedersachsens dieses Problem wenn das Getreide nicht rechtzeitig geerntet werden konnte. Auch in einigen Landessortenversuchen ließ sich Auswuchs beobachten. Sorten-unterschiede waren dabei aber kaum zu erkennen.

 Erträge der Sorten

Die lang anhaltende Trockenheit führte auf den Sandböden Nordwest dazu, dass die Erträge in den Landessortenversuchen im Schnitt über die Standorte noch einmal etwas unter dem schon geringen Vorjahreswert liegen.
Wie schon 2010 stellen sich Grenado und Dinaro deutlich an die Spitze. Agostino kann nach einem enttäuschenden Vorjahresergebnis an das überdurchschnittliche Ergebnis aus dem Jahr 2009 anschließen. Auch Tulus kann sich wieder deutlich verbessern. Cosinus präsentiert sich in Höhe des Standardmittels und fällt, anders als andere Sorten, durch eine relativ geringe Schwankungsbreite der Ergebnisse über die verschiedenen Versuchsstandorte auf. Pigmej fällt nach einem überdurchschnittlichen Ergebnis im Jahr 2010 deutlich zurück. Weit abgeschlagen liegt Tarzan.

Die Sortenergebnisse von den Sandböden Nordhannover streuen in diesem Jahr leider sehr stark. Agostino, Grenado und Dinaro positionieren sich vorn. Die hohen Relativwerte dürfen jedoch nicht überbewertet werden. Cosinus ist im Vergleich durchschnittlich, zeichnet sich aber durch eine vergleichsweise geringe Schwankungsbreite über die Einzelstandorte aus. Gleiches gilt für Tulus, der aber unter dem Standardmittel zurückbleibt. Es folgt Pigmej.
Das Ergebnis von Tarzan wird durch das katastrophale Abschneiden am Standort Rotenburg verfälscht. Auf den beiden anderen Standorten der Anbauregion schneidet die Sorte überdurchschnittlich ab.
Dieses Beispiel zeigt einmal mehr, wie wichtig es ist, bei der Betrachtung einzelner Jahre mehrere Versuchsstandorte heranzuziehen. Einzelortsergebnisse aus einzelnen Jahren haben nur eine geringe Aussagekraft. Dabei ist es auch absolut egal, ob sie in die positive oder negative Richtung tendieren.

In der Anbauregion Lehme West liegt das Ertragsniveau wieder deutlich über dem Vorjahr. Unter diesen Bedingungen schneidet Tulus als beste Sorte ab. Grenado erreicht ein gutmittleres Ergebnis. Dichtauf liegt Tarzan. Cosinus hat gegenüber der Vergangenheit einen deutlichen Einbruch zu verzeichnen. Hier bleibt abzuwarten, ob es sich dabei um einen Ausrutscher handelt. Agostino kann sich gegenüber 2010 zwar wieder verbessern, bildet aber dennoch das Schlusslicht dieser Gruppe.

Im Hügelland ist wie schon im Vorjahr Tulus die beste Sorte. Tarzan und Agostino präsentieren sich durchschnittlich. Während Tarzan gegenüber dem Ergebnis aus 2010 damit zurückfällt, steigert sich Agostino wieder deutlich. Grenado erreicht einen knappmittleren Ertrag. Cosinus tendiert in diesem Jahr schwächer und kann aktuell nicht an die überzeugenden Ergebnisse der Vergangenheit anknüpfen.

Proteingehalte

Der durchschnittliche Proteingehalt über alle Sorten liegt auf dem Niveau des Vorjahres. Tarzan liegt bezüglich dieses Qualitätsmerkmals klar an der Spitze. Etwa einen Prozentpunkt niedriger aber immer noch überdurchschnittlich sind Tulus und Cosinus. Grenado und Dinaro zeigen im Vergleich deutlich schwächere Werte.


Auswirkungen von Intensitätsminderungen

Die Landessortenversuche für Triticale werden zweistufig durchgeführt. Einer unbehandelten Variante steht eine optimal mit Wachstumsreglern und Fungiziden behandelte Variante gegenüber. Die in den unterschiedlichen Behandlungsstufen ermittelten Erträge können zur Beurteilung der Auswirkungen von Intensitätsminderungen herangezogen werden.
Für den Einsatz von Wachstumsreglern und Fungiziden entstanden in diesem Jahr Kosten in Höhe von 113 Euro/ha. Bei einem angenommen Preis für Triticale von 20 €/dt war somit ein Mehrertrag von 5,7 dt erforderlich, um die Kosten zu decken.
Dieses Jahr zeigt , dass sich in der direktkostenfreien Leistung im Mittel über die Sorten und Standorte aktuell keine Unterschiede ergeben. Der durch die Behandlungen zu erzielende Mehrertrag wurde also durch die Kosten „aufgefressen“. Wirtschaftliche Mehrerlöse ließen sich nicht erzielen.
Bei einer differenzierteren Betrachtung ergeben sich dennoch kleine Unterschiede. Auf den Sandböden West und Nord war bei den Sorten Grenado und Dinaro durch Wachstumsregler- und Fungizideinsatz ein wirtschaftlicher Mehrertrag zu erzielen. Auf den Lahmböden war dieses bei Grenado, Tulus und Tarzan der Fall. Im Hügelland dagegen konnten die Pflanzenschutzmaßnahmen bei keiner Sorte Vorteile erbringen.


Kontakt:
Andreas Lege
Getreide, Öl- und Eiweißpflanzen
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Stand: 03.09.2011