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Landessortenversuche 2012: Wintertriticale

Die aktuellen Ergebnisse aus dem Landessortenversuch Wintertriticale finden Sie hier im nachfolgenden Artikel.

Die Anbaufläche von Triticale ist zur Ernte 2012 im Vergleich zum Vorjahr unverändert geblieben. Nach wie vor sind somit weniger als vier Prozent der niedersächsischen Ackerfläche mit dieser Kulturart bestellt.
Triticale war von den Auswinterungsereignissen kaum betroffen. Geschätzt wurden lediglich 1,5 Prozent der im Herbst angelegten Flächen umgebrochen.
Die vom Landesbetrieb für Statistik und Kommunikation geschätzten Erträge fallen rund 12 Prozent höher aus als das mehrjährige Mittel. Nachdem die Erträge zur Ernte 2011 aufgrund der Trockenheit stark eingebrochen waren, wurden aufgrund der Niederschläge in der Kornfüllungsphase aktuell häufig sehr erfreuliche Erträge erzielt. Obwohl die Ernte witterungsbedingt erst verspätet beginnen konnte, scheint Auswuchs in diesem Jahr kein großes Thema gewesen zu sein. Gerade Triticale ist hierfür besonders anfällig.

 Erträge der Sorten

Aufgrund der Trockenheit des Jahres 2011 zeigten die letztjährigen Ergebnisse starke Streuungen zwischen den Standorten, zumal eine der Verrechnungssorten mancherorts extrem schlecht abschnitt und somit andere Sorten in ihren Relativleistungen , vor allem auf den leichteren Böden, stark anstiegen. Dieses ist generell bei der Interpretation der mehrjährigen Leistungen einiger Sorten zu berücksichtigen.

Auf den Sandböden Nordwest liegt das Ertragsniveau zur aktuellen Ernte auf sehr erfreulichem Niveau und exorbitant höher als in den beiden schwachen Vorjahren. Unter diesen Bedingungen zeigt sich unter den mehrjährig geprüften Sorten Tulus mit einem knappmittleren Ergebnis am  besten. Cosinus, Grenado und Dinaro tendieren dagegen schwächer. Auf gleichem Niveau liegt Agostino, der somit über die Jahre schwankende Erträge zeigt. Stark abgeschlagen wie auch schon letztes Jahr ist Tarzan.
Fünf Sorten standen erstmalig in der LSV-Prüfung. Hier Liegt KWS Aveo vorn, gefolgt von Mikado. Obwohl vom Bundessortenamt in ihrer Anfälligkeit gegenüber Gelbrost gering eingestuft, zeigte sie im diesjährigen Vergleich über alle Sorten den stärksten Befall. Es ist abzuwarten, wie sich die Widerstandsfähigkeit gegenüber dieser Krankheit entwickelt. Adverdo erreicht ein gutmittleres Ergebnis. Remiko dagegen präsentiert sich leicht unterdurchschnittlich. Eher enttäuschend ist KWS Tangens. Hier könnte die, genau wie bei Tarzan, geringer ausgeprägte Winterfestigkeit einen Einfluss auf den Ertrag gehabt haben.

In der Anbauregion Sandböden Nordhannover ist Dinaro über die Jahre konstant positiv zu bewerten. Tulus erzielt ein Ergebnis in Höhe des Standardmittels. Es folgen Grenado und Agostino, die unter dem erfreulichen Ertragsniveau nicht ganz mithalten konnten. Noch etwas schwächer Tarzan und Cosinus.
Unter den neuen Sorten bestätigt Adverdo das viel versprechende Ergebnis aus der Wertprüfung. Auch Mikado präsentiert sich erfreulich. Einen Ertrag leicht über dem Standardmittel erzielt KWS Aveo, dicht gefolgt von Remiko. KWS Tangens dagegen überzeugt nicht.

Auf den Lehmen West ist wiederum Tulus beste Sorte unter den Kandidaten mit mindestens dreijähriger Prüfung und zeigt somit eine hohe Ertragstreue unter verschiedensten Witterungsbedingungen. Cosinus präsentiert sich dagegen bereits zum zweiten Mal unterdurchschnittlich. Grenado und Tarzan fallen deutlicher zurück.
KWS Aveo und Mikado können in ihrem ersten Prüfjahr gute Ergebnisse liefern, wobei KWS Aveo die geringeren Schwankungen über die vier Standorte zeigt. Hier bleibt abzuwarten, ob sich die Ergebnisse in der Zukunft wiederholen lassen. Adverdo zeigt sich durchschnittlich. Remiko enttäuscht.

Im Hügelland steht das vergleichsweise kleinste Sortiment. Cosinus erreicht hier einen gutmittleren Ertrag nach einem etwas schwächeren Vorjahr. Tulus präsentiert sich durchschnittlich und ist im mehrjährigen Mittel die beste Sorte dieser Anbauregion. Die ebenfalls mehrjährig geprüfte Sorte Tarzan hat den Winter auf diesen Standorten nicht überstanden, was auch in ihrer Einstufung der Winterhärte durch das Bundessortenamt deutlich wird.
Mikado liegt deutlich an der Spitze des gesamten Sortimentes. KWS Aveo liefert im ersten Prüfjahr ein durchschnittliches Ergebnis ab. Adverdo und Remiko zeigen sich dagegen deutlich schwächer.


Proteingehalte

Die Proteingehalte liegen in diesem Jahr deutlich geringer als in den Vorjahren. Hierfür ist mit Sicherheit unter anderem der, durch die hohen Erträge bedingte, „Verdünnungseffekt“ verantwortlich. Tarzan und Cosinus liegen hier am oberen Ende, während die Proteingehalte von Grenado, Dinaro und Adverdo eher schwach ausfallen.


Auswirkungen von Intensitätsminderungen

Wie in jedem Jahr erfolgte auch zur Ernte 2012 die Anlage der Versuche mit einer unbehandelten und einer optimal mit Wachstumsreglern und Fungiziden behandelte Variante. Diese Versuchsanlage liefert wertvolle Informationen zur Wirtschaftlichkeit des Pflanzenschutzmitteleinsatzes und somit einen Beitrag zum integrierten Pflanzenschutz.
In der intensiv geführten Variante entstanden aktuell Kosten in Höhe von 124 Euro/ha. Bei einem angenommen Preis für Triticale von 22 €/dt incl. MwSt. war somit ein Mehrertrag von 5,6 dt erforderlich, um die Kosten zu decken.
Es zeigt sich, dass der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln recht deutliche wirtschaftliche Mehrerträge erbrachte. Dieses gilt auch differenzierter betrachtet für alle Sorten in allen Anbauregionen, wenn auch unterschiedlich stark ausgeprägt.
Die genetisch fixierte Widerstandsfähigkeit sollte somit in Verbindung mit der aktuellen Jahressituation und der Erfahrung des Betriebsleiters stets herangezogen werden, um den Pflanzenschutzmitteleinsatz so hoch wie nötig aber gleichzeitig so gering wie möglich zu gestalten.
 


Kontakt:
Andreas Lege
Getreide, Öl- und Eiweißpflanzen
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Stand: 05.09.2012