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Landessortenversuche 2014: Wintertriticale

Die Landessortenversuche Wintertriticale 2014 sind ausgewertet.

Erneut ist die Anbaufläche von Triticale leicht ausgeweitet worden.
Die vom Landesbetrieb für Statistik und Kommunikation geschätzten Erträge fallen erfreulich aus. Daraus ergibt sich eine prognostizierte niedersächsische Erntemenge in Höhe von rund 596.000 Tonnen. Nach Bayern ist Niedersachsen das wichtigste Triticale produzierende Bundesland. Neben den vorherrschenden Bodenverhältnissen ist dafür sicher auch der hohe Bedarf an Futtergetreide in den Veredelungsregionen verantwortlich.
Der Umfang der in den diesjährigen Landessortenversuchen geprüften Sorten fällt vergleichsweise gering aus. Eine Reihe von zunächst für die Prüfung ausgewählten Stämmen wurde durch das Bundessortenamt nicht zugelassen oder seitens des Züchters zurückgezogen.


Erträge der Sorten

Auf den Sandböden Nordwest kann Adverdo unter den mehrjährig geprüften Sorten am besten abschneiden. Auch KWS Aveo zeigt über die Jahre durchweg erfreuliche Ergebnisse. Mit Ausnahme der Gelbrostresistenz ist diese Sorte mit sehr guter Widerstandsfähigkeit gegenüber Krankheiten ausgestattet. Dinaro liefert erneut ein deutlich unterdurchschnittliches Ergebnis und empfiehlt sich nicht mehr für einen Anbau. Ebenfalls unzureichend präsentiert sich Grenado.
Im zweiten Jahr der Prüfung kann sich Securo mit einem überdurchschnittlichen Ertrag  gegenüber der in 2013 erbrachten Leistung deutlich verbessern. Die Sorte zeigt jedoch relativ starke Schwankungen zwischen den Einzelortsergebnissen. Darüber hinaus ist die hohe Pflanzenlänge und verstärkte Lagerneigung zu berücksichtigen, die eine intensive Bestandesführung hinsichtlich Wachstumsregler erfordert. Der kurze und standfeste SU Agendus positioniert sich in Höhe des Standardmittels.
Die einzige neue Sorte Tantris kann nicht überzeugen.

In der Anbauregion Sandböden Nordhannover erzielt Adverdo mit einem durchschnittlichen Ertrag das beste Ergebnis der mindestens dreijährig geprüften Sorten. KWS Aveo tendiert dagegen wie bereits im Vorjahr schwächer. Grenado und Dinaro präsentieren sich deutlich schwächer. Vor allem Dinaro kann damit nicht an die Leistungen der Vergangenheit anschließen.
SU Agendus bestätigt das sehr erfreuliche Ergebnis der Ernte 2013 und stellt sich in der Ertragsleistung an die Spitze des Gesamtsortimentes. Die Sorte weist jedoch eine sehr hohe Anfälligkeit gegenüber Gelbrost auf. Dieses erklärt die massive Differenz zwischen behandelter und unbehandelter Stufe. Securo erreicht einen knapp mittleren Ertrag und liegt damit auf Vorjahresniveau.
Wie schon auf den Sandböden West kann Tantris die Ergebnisse der Wertprüfung nicht bestätigen.

Auf den Lehmen West schneidet der vergleichsweise lange aber dennoch standfeste  KWS Aveo unter den Kandidaten mit mindestens dreijähriger Prüfung mit einem guten Ertrag ab und zeigt damit Ertragstreue unter verschiedenen Jahrs- und Witterungsbedingungen. Tulus bestätigt das unterdurchschnittliche Ergebnis des Vorjahres. Adverdo und insbesondere Grenado fallen stark ab. Grenado ist unter dem Gelbrostdruck der vergangenen Saison quasi zusammengebrochen. Adverdo zeigt zwar eine sehr hohe Widerstandsfähigkeit gegen Gelbrost, hatte aber unter massivem Mehltaubefall zu leiden.
Securo liefert bereits zum zweiten Mal ein überdurchschnittliches Ergebnis. SU Agendus dagegen kann die Leistung aus 2013 aktuell nicht bestätigen. Die hohe Anfälligkeit gegenüber Gelbrost wird einen großen Einfluss gehabt haben.
Tantris präsentiert sich unterdurchschnittlich.

Die unbeständige Witterung ab Mitte August führte vor allem in den Höhenlagen Niedersachsens zu Erntebehinderungen. Davon betroffen war auch der LSV-Standort Mollenfelde. Die Datengrundlage für die Lehmböden/ Hügelland ist damit in diesem Jahr vergleichsweise dünn. Einmal mehr erweist sich, wie wertvoll die Prüfung in Anbauregionen ist. Diese Anbauregionen können sich über die Grenzen der Bundesländer hinweg erstrecken. Durch die gemeinsame Nutzung von Versuchsergebnissen, lassen sich, bei gleichzeitiger Kostenreduzierung für den einzelnen Versuchsansteller, weiterhin abgesicherte Aussagen zu den jeweiligen Sortenleistungen treffen. Aktuell stehen zwei Versuchsstandorte aus den Höhenlagen Nordrhein-Westfalens zur Verfügung.
Das Prüfsortiment in den Höhenlagen bestand zur Ernte 2014 aus lediglich fünf Sorten. Das Ertragsniveau fällt geringer aus als in den Vorjahren. Tulus präsentiert sich aus ertraglicher Sicht sehr erfreulich. Auch KWS Aveo liefert ein sehr gutes Ergebnis. Zu beachten ist hier aber, dass hinter dem Ergebnis nur ein Versuchsstandort steht, so dass auf jeden Fall die mehrjährige Betrachtung herangezogen werden muss. SU Agendus kann sich gegenüber dem letztjährigen Abschneiden verbessern und präsentiert sich auch überdurchschnittlich. Genau anders verhält sich Securo, der seinen letztjährigen Ertrag nicht wiederholen kann. Die erstmalig geprüfte Sorte Tantris bestätigt die Ergebnisse der Wertprüfung nicht.

Im Hinblick auf Auswuchs ist Triticale bekanntermaßen eine extrem gefährdete Getreideart. Gerade bei durch ungünstige Bedingungen verzögerten Ernteterminen stellt diese Eigenschaft häufig ein Problem dar. Dabei lassen sich jedoch bisher kaum Sortenunterschiede erkennen.

Proteingehalte

Die Proteingehalte liegen in diesem Jahr niedriger als im Vorjahr und eher auf dem Niveau des Jahre 2012. Erneut macht sich bei vielen Sorten der durch die hohen Erträge bedingte „Verdünnungseffekt“ bemerkbar. Gleichzeitig fallen die Proteingehalte bei Sorten, die durch Krankheitsbefall Ertragseinbußen zu verzeichnen hatten, tendenziell höher aus. Dieses gilt vor allem für Dinaro.

Auswirkungen von Intensitätsminderungen

Die Beobachtungen in den Landessortenversuchen zeigten in diesem Jahr einen deutlich erhöhten Krankheitsbefall vor allem hinsichtlich der massiven Gelbrostinfektion. Die Bestände der Wintertriticale zeigten erneut, dass die Zeiten als robuste und gegenüber Pilzkrankheiten robuste Getreideart der Vergangenheit angehören. Die Kosten für Fungizid- und Wachstumsreglermaßnahmen beliefen sich in den Landessorten-versuchen in diesem Jahr auf 158 Euro/ha. Bei einem für die Berechnungen herangezogenen Marktpreis von 15,00 €/dt inklusive Mehrwertsteuer müssen die Behandlungen zu einem Mehrertrag von rund 11 Dezitonnen führen, um eine Wirtschaftlichkeit zu erreichen. Die direktkostenfreie Leistung im Schnitt über alle Sorten zeigt, dass diese in der unbehandelten Variante in einer bisher nicht da gewesenen Größenordnung niedriger liegt als in der behandelten Stufe. Die Pflanzenschutzmaßnahmen führten in diesem Jahr also ausnahmslos zu wirtschaftlichen Mehrerträgen. Die Differenzen zwischen behandelter und unbehandelter Stufe zeigen auch bei detaillierterer Betrachtung der einzelnen Sorten in den jeweiligen Anbauregionen durchweg wirtschaftliche Mehrerträge durch den Pflanzenschutzmitteleinsatz. Es wird aber deutlich, dass die Differenz bei Sorten, die über eine gute Resistenzausstattung verfügen die Mindererträge deutlich geringer ausfallen als bei Sorten, die zum Beispiel sehr anfällig gegenüber Gelbrost sind. Unter dem Aspekt des integrierten Pflanzenschutzes, bei dem auch die Sortenwahl eine wichtige Rolle spielt, sollte nicht allein auf die Ertragsleistung sondern auch auf die Widerstandsfähigkeit gegenüber Pflanzenkrankheiten geachtet werden.


Kontakt:
Andreas Lege
Getreide, Öl- und Eiweißpflanzen
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Stand: 04.09.2014