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Landessortenversuche 2015: Wintertriticale

Der Aufwärtstrend in der Anbauentwicklung von Triticale scheint sich fortzusetzen. Zur aktuellen Ernte waren rund 4,5 Prozent der niedersächsischen Ackerfläche mit dieser Kultur bestellt. Die aktuellen Sortenergebnisse finden Sie hier.

Erträge der Sorten

Auf den Sandböden Nordwest kann Adverdo unter den mehrjährig geprüften Kandidaten erneut am besten abschneiden.  Die kurze und standfeste Sorte SU Agendus positioniert sich leicht oberhalb des Standardmittels. Während KWS Aveo in den beiden Vorjahren stets erfreuliche Ergebnisse lieferte, ist die Leistung im aktuellen Jahr eher schwach. Securo zeigt mit einem aktuell sehr schwachen Ertrag, dass das Abschneiden zur Ernte 2014 wohl eine Ausnahme war. Die Sorte zeigt somit relativ starke Schwankungen zwischen den Jahren. Darüber hinaus ist die hohe Pflanzenlänge und verstärkte Lagerneigung zu berücksichtigen, die eine intensive Bestandesführung hinsichtlich Wachstumsregler erfordert.
Die neue Sorte Lombardo bestätigt die guten Ergebnisse der Wertprüfung. Vermutlich wird aber nur sehr wenig Saatgut zur Verfügung stehen. Die zweite neue Sorte Barolo schneidet dagegen mit einem leicht überdurchschnittlichen Ertrag vergleichsweise schwächer ab.

Die Ergebnisgrundlage ist  in der Anbauregion  Sandböden Nordhannover mit aktuell nur zwei Standorten gering.
SU Agendus kann, trotz der hohen Anfälligkeit für Gelbrost, seine Leistungsfähigkeit erneut unter Beweis stellen. Die Differenz zur unbehandelten Stufe zeigt, wie stark der Ertragseinbruch ausfällt, wenn keine Fungizide appliziert wurden. Der wenig standfeste Securo fällt gegenüber dem knapp unterdurchschnittlichen Ergebnis aus der Ernte 2014 deutlich zurück. Aufgrund des wüchsigen Wetters im Herbst und des milden Winters kam es in einigen Regionen zum Überwachsen der Bestände. Vom Überwachsen und einem hierdurch bedingt schlechteren Ausgangsbestand im Frühjahr besonders betroffen war Adverdo. Diese für Mehltau hoch anfällige Sorte zeigte sich in den vergangenen Jahren stets durchschnittlich, bricht aber aktuell stark ein. Dinaro enttäuscht bereits zum zweiten Mal.
Unter den neuen Sorten stellt sich Lombardo klar nach vorn. Barolo dagegen kann nicht überzeugen. Zu beachten ist aber noch einmal die geringe Anzahl an Versuchsstandorten, die hinter diesem Ergebnis steht.

Auf den Lehmen West zeigt SU Agendus, dass das Ergebnis aus 2014 offenbar ein Ausrutscher war. Aktuell präsentiert sich die Sorte überdurchschnittlich. Der Ertragseinbruch in der unbehandelten Stufe ist wegen der hohen Gelbrostanfälligkeit massiv. Die übrigen mehrjährig geprüften Sorten schneiden durchweg schwächer ab. Der gegenüber Braunrost und Mehltau sehr widerstandsfähige KWS Aveo und auch Securo präsentierten sich in der Vergangenheit wesentlich besser. Tulus dagegen setzt die Reihe der unterdurchschnittlichen Leistungen fort.
Tantris ist eine nunmehr zweijährig geprüfte Sorte. Während sie im letzten Jahr leistungsmäßig weniger überzeugte, stellt sie sich aktuell an die Spitze des Gesamtsortiments.
Lombardo liefert im ersten Jahr der Prüfung ein vielversprechendes Ergebnis. Barolo tendiert im Vergleich dagegen mit einem knapp mittleren Ergebnis schwächer.  

Im Anbaugebiet Lehmböden/ Hügelland schneidet KWS Aveo unter den Sorten mit mindestens dreijähriger Prüfung am besten ab. Tulus positioniert sich nach einem sehr starken Ergebnis zur letztjährigen Ernte in Höhe des Standardmittels. SU Agendus kann das Vorjahresergebnis ebenfalls nicht bestätigen. Securo enttäuscht und setzt damit den Abwärtstrend in der vergleichenden Ertragsleistung fort. Wie schon auf den Lehmböden, kann der standfeste Tantris auch in dieser Anbauregion als beste Sorte abschneiden und das eher schwache Vorjahr ausgleichen.
Die Beiden neuen Kandidaten Barolo und Lombardo können die in der Wertprüfung gezeigten Leistungen im Landessortenversuch bestätigen. Hier bleibt abzuwarten, ob sie im kommenden Jahr ähnlich stark abschneiden.

Proteingehalte

Die Proteingehalte liegen zur Ernte 2015 wieder höher als im schwachen Vorjahr und somit dem Niveau des mehrjährigen Mittels.
Bekanntermaßen ist bei hohen Erträgen durch den so genannten „Verdünnungseffekt“ der Rohproteingehalt vergleichsweise geringer. Gleichzeitig fallen die Proteingehalte bei Sorten, die durch Krankheitsbefall Ertragseinbußen zu verzeichnen hatten, tendenziell höher aus. Dieses erklärt aktuell den hohen Proteingehalt von Securo.


Auswirkungen von Intensitätsminderungen

Bereits im zweiten Jahr in Folge war ein starkes Auftreten des Gelbrosterregers zu beobachten. Die Bonituren zeigten ein weiteres Mal, dass die Zeiten, als Triticale eine gegenüber Pilzkrankheiten robuste Getreideart darstellte, der Vergangenheit angehören. Um den hohen Pilzdruck in Schach zu halten, summierte sich der Aufwand für Fungizidmaßnahmen  und Wachstumsregler in den Landessorten-versuchen in diesem Jahr auf 180 Euro/ha. Bei einem für die Berechnungen herangezogenen Marktpreis von 15,50 Euro/dt inklusive Mehrwertsteuer müssen die Behandlungen zu einem Mehrertrag von rund 11,5 Dezitonnen führen, um eine Wirtschaftlichkeit zu erreichen. Die direktkostenfreie Leistung im Schnitt über alle Sorten zeigt, dass diese gegenüber der behandelten Stufe fast so niedrig liegt wie 2014. Die Pflanzenschutzmaßnahmen führten in diesem Jahr also ausnahmslos zu wirtschaftlichen Mehrerträgen. Die Differenzen zwischen behandelter und unbehandelter Stufe zeigen auch bei detaillierter Betrachtung der einzelnen Sorten in den jeweiligen Anbauregionen durchweg wirtschaftliche Mehrerträge durch den Pflanzenschutzmitteleinsatz. Es wird aber deutlich, dass die Differenz bei Sorten, die über eine gute Resistenzausstattung verfügen die Mindererträge deutlich geringer ausfallen als bei Sorten, die zum Beispiel sehr anfällig gegenüber Gelbrost sind. Unter dem Aspekt des integrierten Pflanzenschutzes, bei dem auch die Sortenwahl eine wichtige Rolle spielt, sollte nicht allein auf die Ertragsleistung sondern auch auf die Widerstandsfähigkeit gegenüber Pflanzenkrankheiten geachtet werden.


Kontakt:
Andreas Lege
Getreide, Öl- und Eiweißpflanzen
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Stand: 23.09.2015