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Landessortenversuche 2017: Wintertriticale

Die Anbaufläche von Wintertriticale hat sich gegenüber den Vorjahren wieder leicht reduziert und liegt nach den vorläufigen Zahlen des Landesamtes für Statistik bei knapp 78.000 ha. Die Erträge werden in diesem Jahr wiederum etwas schwächer beurteilt.

Witterung

Mangelnde Bodenfeuchte führte im Herbst bei frühen Saaten zu Problemen bei der Bodenbearbeitung und verhinderte einen gleichmäßigen Feldaufgang, der sich nach einsetzenden Niederschlägen im Oktober jedoch wieder egalisierte. Auswinterungsschäden waren während des Winters 2016/2017 nicht zu verzeichnen. Außerdem trat kein gravierender Mehltau- oder Gelbrostbefall in den Beständen auf, die im Winter bzw. Frühjahr 2015/16 regional zu deutlichen Schädigungen geführt haben.

Die Hauptprobleme traten bei der Triticale zu Beginn der Ernte auf, da die Beerntung durch regelmäßige Niederschläge, oftmals im Zweitages-rhythmus, immer wieder unterbrochen wurde. Durch das wiederholte Abtrocknen und Durchfeuchten der Körner waren die Triticalebestände auswuchsgefährdet. Dies zeigte sich entsprechend in den ab August geernteten Waren mit schwachen Fallzahlen. Früh gedroschene Bestände hingegen bereiteten in der Regel keine Probleme in der Qualität.

Der Umfang der in den diesjährigen Landessortenversuchen geprüften Sorten fällt wie schon im letzten Jahr vergleichsweise gering aus. Von den insgesamt 10 Prüfsorten waren zwei neue Kandidaten.

Erträge der Sorten

Auf den Sandböden West erreicht die zweijährig geprüfte Sorte Cedrico den höchsten Ertrag und kann sich damit gegenüber dem Vorjahr steigern. Barolo und Lombardo erreichen ebenfalls gute Ergebnisse, wobei beide Sorten schwankende Einzelortergebnisse aufweisen. Die Sorte KWS Aveo konnte das sehr gute Vorjahresergebnis nicht wiederholen. Von den beiden neuen Sorten zeigt Temuco insgesamt bessere Leistungen als Robinson. Mehrjährig betrachtet erreichen Barolo und Lombardo überdurchschnittliche Erträge und sind für diese Anbauregion zu empfehlen. Aber auch Cedrico ist dank guter Standfestigkeit und insgesamt als gesund einzustufende Sorte mit guten Erträgen zu empfehlen.

In der Anbauregion Sandböden Nordhannover erreichen die zwei- und mehrjährig geprüften Sorten Cedrico und Lombardo dank konstanter Leistungen auf allen Einzelstandorten die höchsten Erträge. Barolo und die neue Sorte Robinson liegen ertraglich leicht unterdurchschnittlich. Temuco konnte in dieser Region noch nicht überzeugen. Die bekannte Sorte SU Agendus erreicht nur ein unterdurchschnittliches Ergebnis und wiederholt damit das schwache Vorjahresniveau. Als empfehlenswerte Sorten sind in dieser Anbauregion vornehmlich Lombardo und die zweijährige Sorte Cedrico zu empfehlen. Barolo ist durch ein sehr schwaches Ergebnis aus dem Jahr 2015 noch belastet.

Auf den Lehmen West können Cedrico und Lombardo mit sehr guten und konstanten Erträgen überzeugen. Barolo und die in dieser Region mitgeprüfte Sorte Tantris erreichen aufgrund schwankender Einzelstandortergebnisse nur einen leicht unterdurchschnittlichen Ertrag. Die bekannten Sorten Tulus und Securo können ertraglich nicht überzeugen. Mit zum Teil guten Leistungen hat Robinson einen besseren Einstand als die ebenfalls neue Sorte Temuco.

Dank der besten mehrjährigen Ertragsleistungen wird Lombardo klar empfohlen. Aber auch Tantris, Cedrico und Barolo zählen zu den empfehlenswerten Sorten, da sie standfester und insgesamt als etwas gesünder eingestuft werden, insbesondere was den Braunrostbefall anbelangt.

Im Anbaugebiet Lehmböden/Hügelland konnte mit 105 dt/ha wiederum ein hoher Versuchsertrag im Mittel der Sorten erzielt werden. Die konstantesten Erträge liefert hier die Sorte Cedrico, während Robinson dank eines sehr guten Einzelergebnisses insgesamt noch leicht höhere Erträge erzielt.

Die übrigen Sorten liegen alle auf einem vergleichbaren Niveau. Die zweijährig geprüfte Sorte Cedrico erreicht in dieser Anbauregion konstant gute Erträge und wird neben den etablierten Sorten Lombardo und Barolo für den Anbau empfohlen. Tantris und Tulus fallen gegenüber den drei empfohlenen Sorten ab. Bei den beiden neuen Sorten Temuco und Robinson müssen weitere Versuchsergebnisse abgewartet werden.

Qualitätseinstufungen

Die Proteingehalte liegen in der Ernte 2017 mit durchschnittlich 12,5 % auf einem guten Niveau ohne das gute Vorjahresergebnis mit 12,7 % ganz zu wiederholen. Festzustellen ist, dass insbesondere die ertragsstärksten Sorten, wie Lombardo, Barolo und Cedrico vergleichsweise geringe Rohproteinwerte erreichen. Hier könnte möglicherweise eine Art Verdünnungseffekt als Ursache genannt werden. Beim hl-Gewicht erreichen Cedrico und Robinson die höchsten Werte und sind sicherlich bei der Vermarktung entsprechend positiv zu beurteilen. Die Fallzahlen zwischen den Sorten variieren in diesem Jahr relativ stark. Am fallzahlstabilsten erweisen sich die Sorten Securo und Cedrico, aber auch Tantris und Barolo zeigen keine Schwächen. Etwas kritischer zu sehen sind die Werte bei KWS Aveo, Lombardo und Tulus.

Auswirkungen von Intensitätsminderungen

Während 2016 die Gelbrostproblematik vor allem bei älteren Sorten zu deutlichen Ertragsbeeinflussungen bei Verzicht auf Fungizide geführt haben, waren 2017 eher Behandlungen gegen Braunrostbefall und Blattseptoria wichtig; regional auch gegen Gelbrost und Mehltau. Dieses wird bei den Ertragsreaktionen der Sorten jedoch nicht in dem Maße erkennbar. Festzuhalten ist, dass vor allem die neueren Sorten, wie Cedrico, Temuco und Robinson ihre guten Einstufungen gegenüber Krankheiten auch in relativ geringen Mindererträgen bei Verzicht auf Fungizidmaßnahmen bestätigen.

Sorteneinstufungen

Lombardo zählt in allen Anbauregionen zu den ertragsstärkten Sorten und bestätigt damit auch die hohe Anbaubedeutung in Niedersachsen. Zu beachten ist die nur durchschnittliche Standfestigkeit und Schwächen durch Braunrostbefall sowie eine geringere Fallzahlstabilität; hervorzuheben ist die gute Winterhärte. Cedrico überzeugt in beiden Prüfjahren durch hohe und konstante Erträge und wird auch dank der Standfestigkeit und guter Einstufung gegenüber Krankheiten für alle Anbauregionen empfohlen. Barolo überzeugt mit Ausnahme der Anbauregion Sandböden Nord ebenfalls mit hohen Erträgen und insgesamt ausgewogener Einstufung gegenüber Krankheiten. Tantris wird noch für die Anbauregion Lehme West dank guter Erträge, Standfestigkeit und kaum Schwächen gegenüber Krankheiten empfohlen.

Zusammenfassung

In dem Triticalesortiment zeichnet sich ab, dass die neueren Sorten gegenüber Krankheiten etwas robuster sind. Dennoch müssen bei entsprechendem Krankheitsdruck nach wie vor gezielte Behandlungs-maßnahmen durchgeführt werden. Unter dem Aspekt des integrierten Pflanzenschutzes, bei dem auch die Sortenwahl eine wichtige Rolle spielt, ist hier eine Verbesserung erkennbar.

Inwiefern die Ernteprobleme mit entsprechenden Auswuchsproblemen den Triticaleanbau für das kommende Jahr beeinflussen, bleibt abzuwarten.


Kontakt:
Carsten Rieckmann
Getreide, Öl- und Eiweißpflanzen
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Stand: 22.09.2017