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Rapsaussaat: Gute Pflanzenentwicklung im Herbst absichern

Durch die gute Markt- und Preissituation bleibt der Anbau von Winterraps auch im kommenden Anbaujahr attraktiv. Nachdem in den letzten Jahren sehr hohe Rapserträge erzielt werden konnten, kann die diesjährige Ernte allerdings nicht überzeugen. Bereits im Frühjahr mussten viele Flächen aufgrund schlechter Entwicklung umgebrochen werden. Dafür waren neben der Trockenheit vorrangig die späte Getreideernte sowie die schwierigen Aussaatbedingungen 2010 verantwortlich. Der kühle und nasse Herbst sowie der frühe Winter haben ihr übriges dazu beigetragen, dass sich viele Pflanzen nur sehr schlecht entwickelt haben. Eine weitere Beeinträchtigung ergab sich durch den starken Befall mit Phoma lingam, der Wurzelhals- und Stängelfäule. Der feuchte Herbst brachte für diesen Pilz optimale Entwicklungsbedingungen. Bei der Beurteilung der ackerbaulichen Maßnahmen hat sich gezeigt, dass ein früher Saattermin - ab Mitte August - vorteilhaft war. Bei später Saat Anfang bis Mitte September waren die gepflügten Flächen den Mulchsaaten deutlich überlegen. Die schnellere Jugendentwicklung nach dem Pflug war offensichtlich. Dies wurde durch den Anbau von Hybriden verstärkt. Liniensorten vielen bei später Saat deutlich ab.  
In Bezug auf den Pilzbefall waren gesündere Sorten eindeutig im Vorteil. Fungizidmaßnahmen zeigten kaum Wirkung, da sie vermutlich häufig auch zu spät – Anfang Oktober – durchgeführt wurden.

Rapsaussaat im August abschließen

Milde Winter und überwachsene Rapsbestände haben in den letzten Jahren dazu beigetragen, dass sich die Aussaat des Rapses immer weiter bis in den September verschoben hat. Auch die Verdrängung von Wintergerste durch Winterweizen als Vorfrucht hat die Verzögerung bei der Aussaat verstärkt. Der Herbst 2010 zeigte jedoch, dass eine ausreichende Pflanzenentwicklung im Herbst nur bei zeitgerechter Aussaat zu erzielen ist. Der optimale Termin ist natürlich stark standortabhängig. Für alle Standorte gilt jedoch, dass die Aussaat nach Möglichkeit im August abgeschlossen werden sollte. In Höhenlagen und auf kalten trägen Tonstandorten sollte mit der Aussaat ab dem 10.-15. August begonnen werden. Auf sehr warmen und wüchsigen Standorten liegt der optimale Saattermin etwa um den 23.-27. August. Der Beginn der Aussaat hängt ab Ende auch davon ab, wie viel Fläche je Betrieb bestellt werden muss. In der Praxis zeigt sich hier immer wieder, dass besonders bei der Kapazität der Maschinen nicht zu sehr gespart werden sollte. Eine frühe und gute Pflanzenentwicklung ist die Grundlage für eine optimale Wurzelentwicklung. Viele Versuche belegen, dass dadurch die Wasser- und vor allem die Nährstoffaufnahme deutlich verbessert werden kann. Im Mittel der Jahre ergeben sich dadurch auch höhere Erträge.
In Bezug auf die Saatstärke ist Raps in Hinblick auf die Ertragsbildung in einem weiten Bereich sehr variabel. Dünne Bestände mit kräftig entwickelten Einzelpflanzen sind jedoch oft robuster und weniger anfällig. Aussaatstärken von 40-60 keimfähigen Körnern haben sich deshalb bewährt. Hybriden sowie Frühsaaten sollten in der Tendenz dünner ausgesät werden. Bei Liniensorten und bei Spätsaaten sowie schlechten Feldaufgangsbedingungen sind Zuschläge erforderlich. Bei Einzelkornsaaten muss die Saatmenge aufgrund der Konkurrenz in der Reihe auf etwa 30-35 Körner/qm reduziert werden.

Bei später Aussaat pflügen
In den letzten Jahren hat sich in vielen Betrieben die Mulchsaat von Raps durchgesetzt. Obwohl Raps als Feinsämerei einen hohen Anspruch an die Aussaat stellt, hat die Weiterentwicklung der Technik die Voraussetzungen für die Mulchsaat verbessert. Im letzten Herbst hat sich jedoch gezeigt, dass bei später Aussaat, insbesondere nach der Vorfrucht Winterweizen, dass Pflügen häufig vorteilhaft war. Die Jugendentwicklung war bei Mulchsaat deutlich schlechter als auf den gepflügten Standorten. Die starken Niederschläge Ende August hatten dazu beigetragen, dass viele Schläge stark vernässt waren. Erst durch das Pflügen konnte ein Abtrocknen der Flächen und eine bessere Erwärmung erreicht werden. Standorte, die erst im September in Mulchsaat bestellt wurden, hatten so keine Chance sich noch ausreichend zu entwickeln. Ein Umbruch von Mulchsaatflächen war häufig die Folge. Es stellt sich daher die Frage, ob zu Raps wieder häufiger gepflügt werden sollte.
Versuchsergebnisse (Graphik 1) belegen, dass Raps bei guten Saatbedingungen optimal in Mulchsaat bestellt werden kann. Die Voraussetzungen sind jedoch, dass die Vorfrucht möglichst früh räumt und dass - wie bereits erwähnt - die Aussaat termingerecht durchgeführt werden kann. Es ist daher auch zu überlegen, dass Stroh vor Raps zu verkaufen. Die derzeit guten Preise sind dazu ein Anreiz.
Die Intensität der Bodenbearbeitung vor der Rapsaussaat hängt stark von der Strohmenge der Vorfrucht ab. Der Strohertrag steht in einem Verhältnis zum Kornertrag von 0,8 zu 1. Vor allem nach der Vorfrucht Winterweizen sollte daher unverzüglich eine tiefe Einmischung des Strohs vorgenommen werden, um in der kurzen Zeit zwischen Ernte und Aussaat bereits eine gute Vorrotte einzuleiten. Der erste Arbeitsgang sollte bereits mit einem Grubber bei einer Arbeitstiefe von 10-12 cm erfolgen. Flügelschargrubber sind für die Mulchsaat ungeeignet. Neben der Gefahr der Bodenverdichtung unter nässeren Bedingungen, neigen sie dazu, dass Stroh schwadförmig in den Boden einzuarbeiten. Die Folge ist, dass die Pflanzen im Herbst aufgrund der Strohmatte keine Pfahlwurzel ausbilden können. Auch bei mehrbalkigen Grubbern sollte der erste Arbeitsgang daher ohne Flügelschare durchgeführt werden. Eine nur flache Stoppelbearbeitung mit einer Kurzscheibenegge bringt ebenfalls nur eine geringe Stroheinmischung. Der zweite Grubbberstrich zur Saat sollte je nach Bodenart und Strohmenge ca. 15-20 cm tief erfolgen. Je mehr Stroh anfällt, umso tiefer muss gelockert und eingemischt werden. Die Wahl einer früh abreifenden und möglichst kurzstrohigen Weizensorte wie z.B. MULAN, CUBUS oder DEKAN kann die Bestellbedingungen ebenfalls verbessern.

Die Mulchsaat hat zudem Vorteile, wenn organische Dünger vor Raps eingesetzt werden. Versuche und Praxiserfahrungen zeigen, dass durch das Einpflügen organischer Dünger ihre Wirkung verpufft. Häufig ist dann ein Nachstreuen mit Mineraldüngern erforderlich. Werden die Dünger jedoch flach eingearbeitet, können die jungen Wurzeln die Nährstoffe optimal verwerten.

Nach den letztjährigen Erfahrungen muss jedoch festgestellt werden, dass bei später Aussaat sowie bei starker Nässe das Pflügen vor Raps vorteilhaft ist. Auch auf dicht lagernden Böden - insbesondere auf leichten Sandböden - ist das Pflügen von Vorteil. Fazit: Bei der Bodenbearbeitung muss daher für eine optimale Rapsentwicklung eine flexible Ausrichtung möglich sein. Nur Mulch oder nur Pflug sind nicht zielführend.

Mulchsaaten früh düngen
Im letzten Herbst wurden viele schwache Rapsbestände noch nachgedüngt. Leider vielfach ohne nachhaltige Wirkung. Raps hat einen hohen Nährstoffbedarf. Zur Absicherung einer optimalen Herbstentwicklung sollte der Raps daher frühzeitig gedüngt werden. Besonders bei Mulchsaat ist eine Düngung bereits zur Saat sinnvoll, da das Stroh bei Mulchsaat vor allem Stickstoff immobilisiert. Gute Bestände nehmen bereits im Herbst bis zu 100 kg N/ha auf. Daneben entzieht Raps etwa 100 kg/ha Phosphat, 200 kg/ha Kalium sowie 50 kg/ha MgO. Unter Berücksichtigung der Ernterückstände - meist Getreidestroh - sollten dem Raps im Herbst die in der Tab. 1 dargestellten Nährstoffe zugeführt werden (Grundlage Gehaltsklasse C).   

Tab. 1: Düngebedarf von Raps nach Getreide (Stroh gehäckselt)
Phosphat: 100 kg P2O5/ha – 25 kg/ha Strohanteil =   75 kg P2O5/ha
Kalium : 200 kg K2O/ha – 85 kg/ha Strohanteil = 125 kg K2O/ha
Magnesium: 50 kg MgO/ha – 10 kg/ha Strohanteil =   30 kg MgO/ha 

Zur Düngung im Herbst sind organische Dünger optimal geeignet. In Tabelle 2 sind die Nährstoffrichtwerte aufgeführt, die mit den unterschiedlichen Düngern zugeführt werden. Grundsätzlich können die Nährstoffgehalte der Grundnährstoffe zu 100 % angerechnet werden. Ausnahmen sind bei Klärschlamm zu beachten. Bei Stickstoff kommen je nach Dünger ca. 30-40 % zur Wirkung. Durch die Düngeverordnung ergibt sich für Gülle, Jauche, flüssige Sekundärrohstoffdünger sowie HTK und Hähnchenmist eine Stickstoffobergrenze von 80 kg Gesamtstickstoff/ha oder 40 kg/ha Ammoium - Stickstoff.

Tab. 2: Nährstoffgehalte einiger organischer Dünger (nach Richtwerten LWK)
HTK 3 t/ha 60 kg/ha P2O5 45 kg/ha K2O 12 kg/ha MgO
Putenmist 4 t/ha 90 kg/ha P2O5 90 kg/ha K2O 20 kg/ha MgO
Rindergülle 15 m3/ha 30 kg/ha P2O5 105 kg/ha K2O 10 kg/ha MgO

Mastschweinegülle 40 kg/ha P2O512 m3/ha

50 kg/ha K2O 15 kg/ha MgO
Gärrest 20 m3/ha 40 kg/ha P2O5 80 kg/ha K2O 20 kg/ha MgO

Beim Einsatz mineralischer Dünger kann die Düngung u.a. mit DAP (ca. 1,5-2 dt/ha) und Kornkali (ca. 3 dt/ha) durchgeführt werden. Eine Schwefeldüngung ist im Herbst nur auf sehr schwachen Böden sinnvoll. Hier sollte auch über eine Blattdüngung mit Bor nachgedacht werden. Dies kann u.a. bei einer Fungizidanwendungen erfolgen.
Wie beim Einsatz von organischen Düngern ist es auch bei Mineraldüngern sinnvoll, den Dünger der jungen Wurzel zuzuführen. Bei Pflugsaat sollte daher die Düngung erst nach der Saat erfolgen.

Hybriden bei später Saat und auf schwächeren Standorten im Vorteil
Raps hat züchterisch einen hohen Stellenwert. Dies zeigt sich u.a. in der hohen Zahl der Neuzulassungen. Dabei verlagert sich der Schwerpunkt in der Zucht immer mehr auf Hybriden. Dies hat vor allem mit der besseren Gewinnsituation für die Züchter zu tun. In den Versuchen sind jedoch zwischen den besten Hybriden wie VISBY oder PR46W20 und den besten Liniensorten wie ADRIANA oder VISION, nur geringe Ertragsunterschiede zu beobachten. Es deutet sich jedoch immer wieder an, dass Hybriden auf schwächeren Standorten sowie bei später Aussaat im Vorteil sind. Hier können sie ihre bessere Vitalität und Wüchsigkeit ausspielen. Liniensorten sind jedoch häufig in der Gesundheit und bei der Qualität im Vorteil. Zudem ist das Saatgut preiswerter.
Die Notwendigkeit der Auswahl gesunder Sorten wird in diesem Jahr wieder sehr deutlich. Nachdem in den letzten beiden Jahren der Raps recht gesund abreife, zeigen sich jetzt in den Beständen viele vermorschte Pflanzen, die vorzeitig absterben und bei denen es auch zu einem Ausfallen der Körner kommt. Die Ursache ist die Wurzelhals- und Stängelfäule, die durch den Pilz Phoma lingam hervorgerufen wird. Der nasse Herbst hat diesen starken Befall begünstigt. Erste Auswertungen aus Sorten- und Fungizidversuchen belegen die große Bedeutung der Sortenwahl. Zwischen gesunden Sorten wie TREFFER, VISBY, GALLILEO und ADRIANA und anfälligen wie PR46W20 sind deutliche Unterschiede im Befall zu beobachten. Dieser Unterschied zeigte sich auch bereits in den letzten Jahren in Sortenversuchen der UFOP. Durch einen Fungizideinsatz lässt sich die Fäule kaum eingrenzen. Neben den genannten Sorten zählen auch LADOGA, GOYA und COOPER zu den gesünderen Sorten. Aufgrund der guten Gesundheit sowie der guten Qualität haben Liniensorten daher auf mittleren bis guten Standorten sowie bei früher Saat eine Anbauwürdigkeit.

Fazit: Nach den Erfahrungen des letzten Herbstes sollte die Aussaat von Winterraps möglichst im August abgeschlossen werden. Bei früher Saat ist die Mulchsaat dem Pflügen gleichwertig. Bei Mulchsaat kann vor allem in Hanglagen der Erosionsschutz besser gewährleistet werden. Pflügen verbessert vor allem die Jugendentwicklung und den Feldaufgang. Bei später Saat sollte daher gepflügt werden. Durch das Einpflügen organischer Dünger wird ihre Pflanzenverfügbarkeit jedoch deutlich gemindert. Bei der Sortenwahl sollten gesunde Sorten bevorzugt werden. Hybriden haben vor allem auf schwächeren Böden sowie bei später Saat Vorteile. 


Kontakt:
Dr. Ulrich Lehrke
Berater Pflanzenbau
Telefon: 0511 4005-2251
Telefax: 0511 4005-2245
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Stand: 07.08.2013