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Landessortenversuche 2012: Winterraps

Zur aktuell anstehenden Sortenwahl finden Sie hier die Ergebnisse der Landessortenversuche 2012.

Anders als im Jahr 2010 konnte die Aussaat des Winterrapses im vergangenen Spätsommer in Niedersachsen wieder unter besseren Bedingungen erfolgen, die Vorwinterentwicklung war normal. Die Kahlfröste Anfang Februar setzten dem Raps nicht so stark zu wie dem Getreide, auch wenn viele Bestände zum Ende des Winters recht mitgenommen aussahen und zunächst anderes vermuten ließen. Auffällig war, dass mit dem weiteren Verlauf zunächst zufrieden stellend aussehende Bestände plötzlich rückwärts zu wachsen schienen. Neben einem verstärkten Auftreten von Botrytis wurden auch Frostschäden an der Pflanzenbasis als Ursache in Erwägung gezogen.


Marktleistung vorrangig berücksichtigen

Letztendlich entscheidend beim Anbau einer jeden Kultur ist der monetäre Ertrag, der sich für den Landwirt je Hektar erzielen lässt.
Um die Sortenwahl zu erleichtern werden in den Darstellungen der Landessortenversuche Winterraps neben den reinen Erträgen auch die Marktleistungen der einzelnen Sorten in den verschiedenen Anbauregionen aufgeführt. Diese sollten stärker als der reine Kornertrag berücksichtigt werden. Auch bei der nachfolgenden Beschreibung der Sorten in den jeweiligen Anbauregionen wird die relative Marktleistung zu Grunde gelegt. Die Erträge sind zur Orientierung dennoch auch in Tabellenform dargestellt.
Die relative Marktleistung setzt sich aus den Erträgen und den Ölgehalten inklusive Preisaufschlägen von 1,5 Prozent je Prozent Ölgehalt bei 9 Prozent Feuchte u. 2 Prozent Besatz zusammen. Die in den Landessortenversuchen ermittelten Ölgehalte liegen im Schnitt über die 14 untersuchten Standorte auf Vorjahresniveau. Die zu erzielenden Preise fallen bereits im zweiten Jahr in Folge sehr erfreulich aus. Für die diesjährigen Berechnungen wurde ein Preis von 50 € je Dezitonne inklusive Mehrwertsteuer angenommen. Zudem werden auch die unterschiedlichen Saatgutpreise von Hybrid- und Liniensorten berücksichtigt. Für Hybridsaatgut kommt ein Aufschlag von etwa 30 € je Hektar zum Ansatz. Die Berücksichtigung dieser Mehrkosten führt in der Berechnung letztlich von der Marktleistung zur bereinigten Marktleistung.


Ergebnisse der Sorten

In der Marsch stellt sich unter den Sorten mit mindestens dreijähriger Prüfung PR46W20 mit einem leicht überdurchschnittlichen Ergebnis nach vorn, war aber in den Vorjahren im Relativvergleich stärker. Dimension bewegt sich konstant im Bereich des Standardmittels. Visby fällt gegenüber den letzten Jahren etwas ab. Ebenfalls leicht unterdurchschnittlich ist Galileo. Adriana bestätigt das schwächere Ergebnis aus 2011 und kann mit den Leistungsträgern nicht mithalten. Auch Hammer überzeugt aktuell weniger.
Im Vergleich über alle zweijährig geprüften Sorten präsentiert sich Compass, dicht gefolgt von Sherpa bereits zum zweiten Mal am stärksten. Genie, PR46W26 und Treffer können mit gutmittleren Erträgen nicht ganz an die sehr guten Resultate des letzten Erntejahres anknüpfen, scheinen aber dennoch interessante Sorten zu sein. Xenon dagegen fällt deutlicher ab.
Unter den neuen Sorten fällt Avatar positiv auf. Auch ES Alegria zeigt sich leicht überdurchschnittlich. Marquis und Primus dagegen schneiden deutlich schwächer ab.

Auf den Sandböden Nordwest ist die Ergebnisgrundlage in diesem Jahr leider erneut recht gering. Ein Versuchsstandort fiel durch Hagelschlag aus. Das Ertragsniveau liegt nach einem trockenheitsbedingten eher schwachen Vorjahr wieder höher. Unter diesen Bedingungen liegt PR46W20 klar an der Spitze des gesamten Sortimentes und beweist erneut die hohe Leistungsfähigkeit. Visby folgt mit einem gutmittleren Ertrag. Adriana, Dimension und Galileo verfehlen den Standardmittelwert knapp. Dimension schwächelt somit gegenüber der Vergangenheit.
In der Gruppe der zweijährig geprüften Sorten stellen sich erneut Compass und Genie nach vorn. PR46W26 und Sherpa zeigen sich durchschnittlich. Etwas schwächer ist Treffer. Leicht dahinter und somit gegenüber der Ernte 2011 stark zurückgefallen ist Xenon.
Beste neue Sorte ist Avatar. Marquis präsentiert sich in Höhe des Standardmittels. Primus, NK Grandia und ES Alegria empfehlen sich weniger.

In der Anbauregion Lehmböden Nordwest liegt PR46W20 vorn, dicht gefolgt von Visby. Die in diesem Sortiment älteste Sorte beweist somit, dass sie nach wie vor eine der Leistungsträgerinnen ist. Adriana zeigt sich erneut durchschnittlich. Auf gleichem Niveau liegt Dimension, der sich somit wieder etwas steigern kann. Anders Galileo, der wie schon 2011, schwächer abschneidet.
Unter den nunmehr zweijährig geprüften Sorten schneidet Compass am besten ab. Dicht gefolgt von Sherpa und PR46W26. Gutmittlere Erträge liefern Treffer, Sherlock und Traviata. Sherlock büßt den Ertragsvorsprung durch einen vergleichsweise geringen Ölgehalt wieder ein. Genie präsentiert sich durchschnittlich, Xenon knapp dahinter. Die Ergebnisse liegen somit alle sehr dicht beieinander. Wie schon im Vorjahr ist Amilia vergleichsweise schwächer.
Unter den neuen Sorten erbringt lediglich Avatar ein durchschnittliches Ergebnis. Die viel versprechenden Zahlen aus der Wertprüfung werden somit noch nicht ganz bestätigt. NK Grandia verfehlt das Standardmittel knapp. Die verbleibenden neuen Sorten Marquis, Primus und ES Alegria überzeugen nicht.
Einzige Halbzwerghybride im Landessortenversuch ist PR45D03. Diese im Wuchstyp deutlich kürzere und somit auch standfestere Sorte positioniert sich wie auch schon im Vorjahr auf dem Niveau schwächerer Normalstrohsorten.


In den Höhenlagen Mitte/ West rangiert PR46W20 an der Spitze und stellt somit die Anbauwürdigkeit unter Beweis. Auch Visby überzeugt erneut nach dem etwas schwächeren Vorjahr. Adriana, Dimension, Vision und Galileo fallen dagegen teilweise sehr deutlich ab.
Die bereinigten Marktleistungen der zweijährig geprüften Sorten liegen dicht beieinander. PR46W26, Treffer und Genie knüpfen nahtlos an die Leistungen der letztjährigen Ernte an. Xenon und Traviata können sich verbessern. Mit einem gut mittleren Ergebnis ebenfalls verbessern kann sich Compass. Gleichauf liegt Sherpa.
Wie schon in den Anbauregionen, so ist auch in den Höhenlagen Avatar die beste unter den Sorten. Primus, Grandia und vor allem Marquis und ES Alegria präsentieren dagegen deutlich schwächer.
 


Kontakt:
Andreas Lege
Getreide, Öl- und Eiweißpflanzen
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Stand: 20.08.2012