Webcode: 01022324

Stickstoffdüngung im Raps - Bestände optimal versorgen

Raps besitzt einen relativ hohen Stickstoffbedarf. Zu der Höhe der optimalen N – Düngemenge werden seit Jahren N-Steigerungsversuche durchgeführt. Informieren Sie sich hier, wie Sie ihre Bestände im Frühjahr optimal versorgen.

Optimale N – Menge der Bestandesentwicklung anpassen

Bei der Betrachtung der letzten Jahre hat sich auch bei dem aktuellen Sortenspektrum der Sollwert von 200 kg N abzüglich des Bodenvorrates (Nmin) bewährt. Unter Raps sind im Mittel der Jahre relativ geringe Nmin Gehalte im Boden zu erwarten. In den N-Steigerungsversuchen des letzten Jahres konnten zwar mit höheren N-Mengen noch leichte Ertragszuwächse erzielt werden, unter Berücksichtigung der Kosten lag die Sollwertdüngung aber im wirtschaftlichen Optimum.

Was ist im Frühjahr 2013 zu erwarten?

Zur Zeit der Aussaat des Rapses Ende August 2012 fielen regional stärkere Niederschläge, so dass die Aussaat in diesen Fällen etwas verzögert erfolgte. Bis Mitte September fielen in Norddeutschland kaum Niederschläge, auf sehr schweren Böden führte dies aufgrund mangelnder Keimfeuchte teilweise zu einem verzögerten Auflauf der Rapssaat. Auf diesen sehr tonigen Standorten lief der Raps teilweise erst ab Mitte September auf. Bei zeitiger Aussaat und auf den milderen Standorten konnte der Raps dagegen zügig auflaufen und sich entsprechend üppig entwickeln.
Je Entwicklungsstand der Pflanzen, haben sie auch unterschiedliche N-Mengen aufgenommen. Die unterschiedliche Pflanzenentwicklung sollte bei der Bemessung der optimalen N – Menge berücksichtigt werden. Korrekturen des Sollwertes können nach Bestandesentwicklung im Herbst durch die Ermittlung des oberirdischen Aufwuchses erfolgen. Vergleichbare Ergebnisse ergeben sich nach den Düngeempfehlungen der LWK Niedersachsen. Demnach werden bei schwacher Bestandesentwicklung oder standortbedingter schlechter N-Nachlieferung Zuschläge zu der N-Startgabe in Höhe von 20-40 kg N/ha empfohlen. Ist die Bestandesentwicklung sehr üppig, haben die Pflanzen bereits im Herbst mehr Stickstoff aufgenommen, dementsprechend kann die N-Düngung im Frühjahr um 20-40 kg N/ha reduziert werden.
Erfolgte auf leichten Böden oder bei Mulchsaaten ohne Strohabfuhr keine N-Herbstdüngung, sind die N-Vorräte im Oberboden teilweise so gering, dass dadurch das Wachstum der Pflanzen im Herbst begrenzt wurde. In diesen Fällen zeigten die Pflanzen gelegentlich bereits im Herbst ein Vergilben der älteren Blätter und im Extremen auch eine leicht bläulich-violette Verfärbung. Betroffen sind häufiger die leichteren Böden, da es hier bei höheren Niederschlägen zu Nitratverlagerungen aus dem Oberboden gekommen ist. In diesen Fällen sollte die N-Startgabe um ca. 20-40 kg N/ha erhöht werden. Besonders, wenn sich ein zögerlicher Vegetationsbeginn einstellen sollte, könnten in diesem Fall nitrathaltige N-Dünger vorteilhaft sein.
Eine erhöhte N-Startgabe wird auch empfohlen, wenn mit einer unterdurchschnittlichen N-Nachlieferung zu rechnen ist. Bei der Nmin-Methode ist eine mittlere N-Nachlieferung unterstellt, Abweichungen zu dieser werden über die Korrekturen erfasst. Im Frühjahr setzt bei den Rapspflanzen bereits zeitig und bei noch niedrigen Bodentemperaturen ein verstärktes Wachstum mit entsprechend hohem Stickstoffbedarf ein. Die N-Nachlieferung des Standortes kann der Raps daher weniger nutzen als Getreide oder besonders Mais und Zuckerrüben.
Mit einer geringen N-Mineralisierung ist z.B. zu rechnen, wenn ein besonders niedriger Humusgehalt vorliegt und keine organische Düngung erfolgt. Da die N-Mineralisierung wesentlich von dem Sauerstoffgehalt im Boden abhängt, kann es  bei schlechter Bodenstruktur ebenfalls zu einer nur schwachen N-Nachlieferung kommen. Erfolgte die Bestellung also unter schwierigen Bedingungen, sollte die N-Düngung ebenfalls um 20-40 kg N/ha angehoben werden.
Auf der anderen Seite sind teilweise auch üppige Bestände anzutreffen. In diesen Fällen haben die Pflanzen im Herbst bereits überdurchschnittlich viel Stickstoff aufgenommen, so dass die N – Düngung im Frühjahr um 20-40 kg N/ha reduziert wurde. Die Reduktion der N-Gabe kann über beide Gaben verteilt werden. Kommt es über Winter noch zu stärkeren Blattverlusten oder setzt das Wachstum erst zögerlich ein, empfiehlt es sich, die Reduktionen erst bei der 2. N-Gabe durchzuführen.
Sterben bis zum Vegetationsbeginn noch wesentliche Anteile des Blattapparates ab, ist es sinnvoll, auch bei normal entwickelten Pflanzen, etwas startbetonter zu düngen (ca. + 20 kg N/ha). Ein Teil des in den Blättern enthaltenen Stickstoffs kann zu einem späteren Zeitpunkt noch zur Wirkung kommen und daher bei der späteren Gabe abgezogen werden.
Eine startbetontere Düngung ist auch dann zu empfehlen, wenn der Boden über längere Zeit wassergesättigt war und infolge des Sauerstoffmangels Feinwurzeln reduziert wurden. Wie auch auf schweren und kalten Böden sollte die Startgabe hier 20 – 30 kg N/ha höher ausfallen.
Bei Mulchsaaten ist häufig eine etwas zögerlich einsetzende Mineralisierung bzw. zusätzliche N-Bindung durch die Umsetzung der oberflächennahen, organischen Substanz zu beobachten. In diesen Fällen sollte die Startgabe ebenfalls um ca. 20 kg N/ha erhöht werden. Bei guter  Bestandesentwicklung können diese Stickstoffmengen ganz oder teilweise bei der zweiten Gabe wieder abgezogen werden.
Die Fröste Ende Januar werden wahrscheinlich nicht zu größeren Pflanzenausfällen geführt haben: zum einen war der Temperaturabfall nicht so extrem und zum anderen überdeckte eine leichte Schneedecke die Pflanzen, so dass die Vegetationspunkte vor extremen Temperaturen geschützt waren. Es ist aber noch nicht absehbar, ob noch stärkere Wechselfröste zu Beginn der Vegetation  zu Pflanzenausfällen führen können. 
Die zurückliegenden Fröste können dazu beigetragen haben, dass sich besonders auf den schweren Standorten die Bodenstruktur deutlich verbessert. Eine gute Frostgare fördert die Durchlüftung schwerer Böden und schafft damit gute Bedingungen für die N-Mineralisierung. Auf der anderen Seite beeinträchtigen länger anhaltende und tief in den Boden eindringende Fröste das Bodenleben. Die Mikroorganismen müssen sich im Frühjahr folglich erst wieder regenerieren, so dass zu erwarten ist, dass auch die Stickstoffmineralisierung etwas verzögert in Gang kommt. Unter diesen Bedingungen ist es sinnvoll, die Startgabe um ca. 10-20 kg N/ha zu erhöhen  und diese Düngermengen bei den folgenden Gaben wieder abzuziehen.   
Die Anschluss- bzw. Schossdüngung solle zu Beginn der Streckung des Rapses erfolgen und ist abhängig von der bereits erfolgten Düngungshöhe, der Mineralisation organischer Substanz im Boden und der Kulturentwicklung. Sie dient vor allem der Förderung des Schotenansatzes und liegt in der Regel um die 70 kg N/ha.

Im beigefügten Arikel finden Sie weitergehende Informationen zur Wahl der Düngerform und der Versorgung mit weiteren Nährstoffen.


Kontakt:
Lüder Cordes
Berater Pflanzenbau und Pflanzenschutz
Telefon: 05021 9740-132
Telefax: 05021 9740-138
E-Mail:


Stand: 29.01.2013