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Landessortenversuche 2012: Körnerleguminosen

Der überwiegende Anteil von Futtererbsen und Ackerbohnen wird nach wie vor im ökologischen Landbau angebaut. Dieses ist insoweit bedauerlich, da die positiven Aspekte des Anbaus von Körnerleguminosen häufig in der Gesamtbetrachtung nicht berücksichtigt werden. Die aktuellen Versuchsergebnisse finden Sie hier.

Auf den konventionellen Ackerbau entfielen zur Ernte 2012 380 Hektar Futtererbsen und 720 Hektar Ackerbohnen. Die Bedeutung ist somit verschwindend gering.
Die positiven Aspekte des Anbaus von Körnerleguminosen werden häufig in der Gesamtbetrachtung nicht berücksichtigt.

Zunächst einmal erweitern Ackerbohnen und Futtererbsen die Fruchtfolge.
Vor allem bei einem Anbau von Ackerbohnen lassen sich Arbeitsspitzen bei Aussaat und Ernte entzerren. Darüber hinaus haben Leguminosen einen positiven Einfluss auf die Bodengare und bewirken somit eine Strukturverbesserung des Oberbodens. Nach einer Getreidevorfrucht können Ungräser gut bekämpft werden. Dieses gewinnt vor dem Hintergrund zunehmender Herbizidresistenzen zunehmend an Bedeutung. Durch die Eigenschaft der Leguminosen durch eine Symbiose mit Knöllchenbakterien Stickstoff aus der Luft zu binden, kann auf eine N-Düngung verzichtet werden. Zudem besteht ein Einsparpotenzial von Stickstoff zur Folgefrucht. Diese Aspekte lassen sich mehr oder weniger gut monetär bewerten. Insgesamt ergeben sich aus dem Anbau aber viele Vorteile, die über eine reine Betrachtung des Deckungsbeitrages hinaus berücksichtigt werden sollten.

Die Erträge der  Sorten

Futtererbsen

In der Anbauregion Marsch, Geest, Hügelland Nord ist das Ertragsniveau in den Versuchen deutlich niedriger als in den Vorjahren. Hier liegt Salamanca ertraglich vorn, zeigt aber schwankende Erträge über die Jahre. Casablanca erreicht ein gutmittleres Ergebnis und korrigiert damit das schwache Vorjahresergebnis. Respect präsentiert sich durchschnittlich. Navarro konnte zur Ernte 2011 sehr erfreulich abschneiden, kann aber aktuell nicht ganz an das gute Ergebnis anknüpfen. Abarth wurde erstmalig im Landessortenversuch geprüft, überzeugt jedoch weniger.

Auf den Sand- und Lehmböden Nordwest liegt unter den mehrjährig geprüften Sorten Alvesta konstant an der Spitze des gesamten Sortimentes. Casablanca kann sich nach einem schwachen Vorjahr wieder deutlich steigern und zeigt sich positiv. Respect präsentiert sich unterdurchschnittlich und somit auf dem Niveau des mehrjährigen Mittels.
Die nunmehr dreijährig geprüften Sorten KWS Amiata und Auckland liefern ein erfreuliches Ergebnis.
Navarro zeigt im zweiten Jahr der Prüfung  eine sehr gute Leistung.
Abarth kann die überdurchschnittlichen Erträge der Wertprüfung nicht bestätigen und enttäuscht.

Kriterium Standfestigkeit 
Mindestens genauso wichtig wie der Ertrag ist beim Anbau von Futtererbsen die Berücksichtigung der Standfestigkeit und der Pflanzenlänge. Bestände, die vor der Ernte stark zusammenbrechen, lassen sich nur erschwert beernten, was zwangsläufig zu Ernteverlusten bis hin zu Totalausfällen führt.
Die Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein ermittelt im Rahmen ihrer Landessortenversuche einen so genannten HBE-Index. Dieser errechnet sich aus der Bestandeshöhe bei Ernte dividiert durch die Bestandeshöhe nach Abschluss der Blüte und die Erbsen das Maximum ihrer Wuchshöhe erreicht haben. Er kann als Maß für die Beurteilung herangezogen werden, wie stark die jeweiligen Sorten bis zur Ernte in sich zusammengerutscht sind. Besonders positiv ist bezüglich dieses Kriteriums über die Jahre die Sorte Respect zu beurteilen.

Ackerbohnen

Die Sortimente im Bereich der Ackerbohnen gestalten sich sehr überschaubar.
In  der Küstenregion positioniert sich Fuego ganz klar an der Spitze. Isabell liefert ebenfalls ein erfreuliches Ergebnis. Die tanninfreie Sorte Tangenta konnte im letzten Jahr aufgrund von Saatgutmängeln nicht in die Auswertung einbezogen werden. Aktuell präsentiert sie sich sehr schwach und kann somit nicht an die Leistungen aus der Vergangenheit anknüpfen. Erstmalig geprüft wurde die vicin- und convicinfreie Sorte Fabelle. Diese Verbindungen können negative Auswirkungen in der Tierhaltung wie eine verringerte Fruchtbarkeit bei Sauen oder verringerte Eigewichte in der Legehennenhaltung haben. Der Einsatz von Ackerbohnen in der Tierernährung wird somit begrenzt. Eine Entfernung dieser Verbindung aus Ackerbohnenmehl ist ohne aufwendige technologische Verfahren bislang nicht möglich. In der Küstenregion sind die ertraglichen Leistungen von Fabelle im ersten Prüfjahr noch nicht überzeugend. Hier bleiben weitere Versuchsjahre abzuwarten, um eine Beurteilung vornehmen zu können.


Auf den Lehmböden West liegt das Ertragsniveau zur aktuellen Ernte deutlich höher als in den Vorjahren. Isabell positioniert sich mit einem überdurchschnittlichen Ertrag vorn. Fuego und Tangenta erreichen knappmittlere Erträge. Die neue Sorte Fabelle fällt dagegen etwas ab.


 


Kontakt:
Andreas Lege
Getreide, Öl- und Eiweißpflanzen
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Stand: 21.03.2013