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Landessortenversuche 2014: Winterraps

Die Ergebnisse der Landessortenversuche Winterraps 2014 liegen vor und können hier nachgelesen werden.

Die Anbaufläche von Winterraps ist nach der vergleichsweise hohen Anbaufläche des Jahres 2013 wieder zurückgegangen und liegt nach einer ersten Prognose des Landesamtes für Statistik bei rund 127.000 Hektar.  

Marktleistung vorrangig berücksichtigen

In den nachfolgend aufgeführten Darstellungen der Landessortenversuche Winterraps wird die Betrachtung vornehmlich auf die Marktleistungen der einzelnen Sorten in den verschiedenen Anbauregionen gelenkt. Diese sollten stärker als der reine Kornertrag berücksichtigt werden, da in erster Linie der monetäre Ertrag, der sich durch den Anbau einer Kultur erzielen lässt, ausschlaggebend ist. Gerade beim Raps ist nicht nur alleine der Ertrag entscheidend, sondern der Ölgehalt spielt ebenfalls eine bedeutende Rolle bei der Preisbildung.
Die hier dargestellte relative Marktleistung setzt sich aus den Erträgen und den Ölgehalten inklusive Preisaufschlägen von 1,5 Prozent je Prozent Ölgehalt bei 9 Prozent Feuchte und 2 Prozent Besatz zusammen. Für die Berechnungen der relativen Marktleistung wurde für die aktuelle Ernte ein Preis von 33 € je Dezitonne inklusive Mehrwertsteuer angenommen. Bei der Berechnung der Marktleistung werden auch die unterschiedlichen Saatgutpreise von Hybrid- und Liniensorten berücksichtigt. Für Hybridsaatgut kommt ein Aufschlag von 50 € je Hektar zum Ansatz. Die Berücksichtigung dieser Mehrkosten führt in der Berechnung letztlich von der Marktleistung zur bereinigten Marktleistung.

Ergebnisse der Sorten

In der Marsch konnte zur Ernte 2014 ein sehr hohes Ertragsniveau erzielt werden. Die hohen Erträge können die noch einmal gesunkenen Marktpreise  zumindest in dieser Anbauregion  in gewissem Maße abfangen.
Raptor ist die einzige Sorte mit mindestens zweijährigem Prüfergebnis, die ein überdurchschnittliches Ergebnis aufzuweisen hat. Somit kann das gute Abschneiden aus dem Jahr 2013 bestätigt werden. Von wenigen Ausnahmen abgesehen, liegen die übrigen Kandidaten des Sortimentes sehr dicht beieinander. Sherpa, PT 206 und DK Exstorm positionieren sich leicht über dem Standardmittel, in dessen Höhe PR46W20, Avatar und Midas liegen. Xenon erreicht ein knapp mittleres Ergebnis. Genie schwächelt zur aktuellen Ernte etwas. Visby dagegen fällt deutlicher ab und zeigt, gerade auch bei mehrjähriger Betrachtung, dass er mit neueren Sorten nicht mehr konkurrieren kann.
Als neue Sorte scheint SY Vesuvio interessant zu sein. Hier bleibt abzuwarten, ob sich das Ergebnis im kommenden Jahr wiederholen lässt. Mercedes und Marathon reihen sich leistungsmäßig in das breite Mittelfeld ein.

Auf den Sandböden Nordwest bestätigt Raptor seine Leistungsfähigkeit. Auch DK Exstorm und Hybrirock zeigen erfreuliche Ergebnisse. PR46W20, Sherpa und Avatar präsentieren eine durchschnittliche bereinigte Marktleistung. Während Sherpa und Avatar damit auf dem Niveau des Vorjahres liegen, tendiert PR46W20 gegenüber der Vergangenheit etwas schwächer. Midas liegt mit einem knapp mittleren Ergebnis etwas unter der Leistung aus 2013, gefolgt von Genie. Xenon und Visby tendieren aktuell, aber auch im Schnitt über die Jahre, schwächer.
Unter den erstmalig geprüften Sorten stellt sich die Liniensorte Arabella mit einem viel versprechenden Ergebnis nach vorne. Zu berücksichtigen ist hier, dass sich die Rangierung nicht allein aus Ertragsleistung und Ölgehalt zustande kommt, sondern als Liniensorte auch geringere Saatgutkosten in das Ergebnis der bereinigten Marktleistung einfließen. PT 211 überzeugt ebenfalls. Auch Mercedes präsentiert sich überdurchschnittlich. Es folgt Patron. SY Vesuvio und Marathon erreichen das Standardmittel nicht. Recht deutlich abgeschlagen ist Peter 29. Die Halbzwerghybride PX 104 fällt leistungsmäßig gegenüber den anderen Kandidaten des Sortimentes stark zurück.

In der Anbauregion der Lehmböden Nordwest stellt sich Hybrirock an die Spitze der zwei- oder mehrjährig geprüften Sorten. Allerdings scheint die Sorte anfälliger für Lager zu sein. Raptor, PT 206 und PR46W26 präsentieren sich in der bereinigten Marktleistung ebenfalls überdurchschnittlich. Dicht dahinter liegt Midas. PR46W20 positioniert sich wie auch schon im Vorjahr in Höhe des Standardmittels. Leistungsmäßig gleichauf ist DK Exstorm, der somit sein sehr gutes Ergebnis aus 2013 nicht wiederholen kann. Eine Ursache könnte die vergleichsweise höhere Lagerneigung der Sorte sein. Sherpa und Genie zeigen sich leicht unterdurchschnittlich. Es folgt Avatar, der somit gegenüber der Vergangenheit etwas abfällt. Gleiches gilt für Sherlock. Tores und erneut Visby fallen deutlich zurück.
Das beste Ergebnis des gesamten Sortimentes erreicht PT 211. Auch die beiden Liniensorten Arabella und der offenbar sehr standfeste Patron erbringen überzeugende bereinigte Marktleistungen. Vor dem Hintergrund der weggefallenen Insektizidbeize ist von zu frühen Aussaaten abzuraten. Dieses stellt sich unter Umständen einen Konflikt mit dem Anbau von Liniensorten dar, da diese im Vergleich zu Hybridsorten einen früheren Aussaatzeitpunkt erfordern, um eine ausreichende Vorwinterentwicklung sicherzustellen. Diesen Aspekt gilt es in die Anbauentscheidung mit einzubeziehen und abzuwägen. Leistungsmäßig ebenfalls überdurchschnittlich ist Marathon, dicht gefolgt von Mercedes und SY Vesuvio.
Der Halbzwerg PX 104 präsentiert sich im ersten Jahr der Prüfung auf dem Niveau der schwächeren Normalstrohhybriden.

In den Höhenlagen stellt sich Raptor nach einem schwachen Vorjahr an die Spitze. Hier bleibt abzuwarten, welches der beiden bisher vorliegenden Ergebnisse im nächsten Jahr bestätigt werden kann. Hybrirock, Avatar und PR46W20 liefern dagegen konstant gute Leistungen. PR46W26 präsentiert sich leicht überdurchschnittlich. Midas liegt auf dem Niveau des Standardmittels, Genie knapp darunter. Treffer, Xenon und Sherpa tendieren schwächer. Vor allem Letzterer war in der Vergangenheit besser. Es folgen PT 206 und der in 2013 deutlich bessere DK Exstorm. Visby kann mit dem hohen Leistungsniveau erneut nicht mithalten.
Auch in den Höhenlagen zeigt PT 211 ein viel versprechendes Ergebnis. Gleiches gilt aktuell für Patron. Bei dieser Sorte sollte aber die recht späte Reife berücksichtigt werden. Auch Arabella und SY Vesuvio präsentieren sich überdurchschnittlich. Marathon positioniert sich leicht über dem Mittel. Mercedes und vor allem Peter 29 können die Leistungen aus Wertprüfung oder Bundessortenversuch nicht bestätigen.

Kohlhernie-Resistenz

Das Auftreten der Rapskrankheit Kohlhernie nimmt deutlich zu. Bekanntermaßen sind Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern am stärksten betroffen. Doch auch in Niedersachsen wird immer häufiger von den Symptomen des Erregers berichtet. Grund dafür ist nicht zuletzt der zunehmende Anbau von Winterraps und die damit verbundene Einengung von Fruchtfolgen. Die Auswirkungen reichen von Welkeerscheinungen über verminderten Wuchs bis hin zu Totalausfällen. Ein solcher Totalausfall konnte im Jahr 2013 am LSV-Standort Ohrensen im Landkreis Stade beobachtet werden. Das tatsächliche Schadausmaß auf betroffenen Flächen ist jahres- und witterungsabhängig und somit schwer vorherzusagen. Die Erreger können im Boden sehr lange überdauern und sind nur schwer zu bekämpfen. Neben einigen pflanzenbaulichen Maßnahmen bietet auch der Anbau resistenter Sorten eine Chance.
Eine solche Sorte ist SY Alister. Zur Ernte 2013 zeigte sie sich überraschend stark und konnte, mit Ausnahme der Höhenlagen, ein überdurchschnittliches Ergebnis hinsichtlich der relativen Marktleistung erbringen. Im aktuellen Erntejahr erreicht sie auf den Sandböden und den Höhenlagen ein leicht überdurchschnittliches Ergebnis, während sie in der Marsch und auf den Lehmböden leistungsmäßig zurückfällt.
Da es sich bei den Resistenzen um rassenspezifische Resistenzen handelt, sollte diese Sorte jedoch ausschließlich auf Verdachtsflächen angebaut werden, um einem möglichen Überwinden der Resistenz durch den Erreger so lange wie möglich vorzubeugen!

LSV-Phomaresistenzprüfung 2014

Die Union zur Förderung von Öl- und Proteinpflanzen (UFOP) organisiert gemeinsam mit den Länderdienststellen alljährlich eine spezielle Phoma-resistenzprüfung.  An der Prüfung beteiligen sich die Länderdienststellen, das JKI in Braunschweig und die Sortenförderungsgesellschaft mbH über Standorte bei Züchterhäusern in Bundesländern, in denen die LDS keine Prüfstandorte mehr bereitstellen. Neben den Bonituren aus den Landessortenversuchen sind die Ergebnisse eine wichtige Information zur Beurteilung der Sorten. Dieses ist umso wichtiger, da bei den neu eingetragenen Sorten eine Beschreibung in diesem bedeutenden Merkmal durch das Bundessortenamt leider nicht mehr erfolgt.
Um die Vergleichbarkeit herstellen zu können, erfolgt in dieser Prüfung der Anbau eines anfälligen „Stammes Phona“, an welchem die Prüfglieder gemessen werden.
Die beiden nunmehr dreijährig geprüften Sorten Genie und Sherpa lagen in ihren Befallswerten deutlich unter denen des Stammes Phoma. Insbesondere Genie hatte niedrige Befallswerte.
Im zweiten Jahr der Resistenzprüfung wurden sieben Sorten geprüft. Im zweijährigen Mittel hatte DK Exstorm mit etwas Abstand die niedrigsten Befallswerte, und lag noch etwas unter den bereits niedrigen Boniturnoten von Genie. Mit Raptor und Midas folgen zwei Sorten, die höhere Werte als DK Exstorm hatten, aber noch deutlich unter denen des Stammes Phoma lagen. Höhere Befallswerte zeigten PT206, Avatar und SY Alister. Dennoch lagen diese Sorten  im zweijährigen Mittel unter denen des Stammes Phoma.
Die geringsten Befallswerte der im Jahr 2014 erstmalig geprüften Sorten hatten DK Exstorm sowie mit etwas Abstand Genie. Es folgten mit Midas und Raptor zwei Sorten, die etwas höheren Befall zeigten. Mit Sherpa, Marathon, Avatar und SY Alister folgten vier weitere Sorten mit einem etwas höheren Befallsniveau. Ein wiederum größerer Schritt mit höheren Befallswerten folgte hin zu den Sorten Patron und PT 206, die aber noch unterhalb des Wertes des anfälligen Stammes Phoma lagen. Über diesem Wert lag PX 104. 


Kontakt:
Andreas Lege
Getreide, Öl- und Eiweißpflanzen
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Stand: 07.08.2014