Webcode: 01028495

Landessortenversuche 2014: Körnerleguminosen

Die  acker- und pflanzenbaulichen Vorteile des Leguminosenanbaus in der Fruchtfolge sind schon häufig betrachtet worden. Dennoch tut sich der Leguminosenanbau in Niedersachsen, aber auch in anderen Bundesländern, schwer.  Der Anbau vor dem HIntergrund der greening-Vorgaben könnte neue Impulse setzen. Die aktuellen Sortenergebnisse finden Sie hier.

Der überwiegende Anteil von Futtererbsen und Ackerbohnen wird nach wie vor im ökologischen Landbau angebaut. Somit sind die dargestellten Anbauflächen der letzten Jahre noch in beide Nutzungsrichtungen zu unterscheiden. Die Bedeutung ist somit immer noch sehr gering. Die vom Landesamt für Statistik ermittelten Erträge fielen sowohl bei den Futtererbsen als auch bei den Ackerbohnen im Vergleich mit den Vorjahren sehr erfreulich aus. Sowohl die Realisierung eines frühen Aussaattermins als auch die günstige Niederschlagsverteilung trugen hierzu bei.

Die  acker- und pflanzenbaulichen Vorteile des Leguminosenanbaus in der Fruchtfolge sind schon häufig betrachtet worden. Sie unterbrechen den Entwicklungszyklus von Getreide- und Rapskrankheiten und tragen damit zu einem geringeren Krankheits- aber auch Schädlingsbefall sowie Ungrasdruck (Problemgräser Trespe und Ackerfuchsschwanz) bei. Darüber hinaus fördern sie die strukturverbessernde Bodengare des Oberbodens. Durch die Stickstofffixierung der Knöllchenbakterien ist eine standort- und witterungsabhängig bedingt unterschiedliche N-Einsparung in der Nachfrucht möglich. Der Leguminosenanbau ermöglicht insgesamt damit einen geringeren Aufwand an Produktionsmitteln in den Folgefrüchten.
Dennoch tut sich der Leguminosenanbau in Niedersachsen, aber auch in anderen Bundesländern, schwer. Grund hierfür ist, dass sich die genannten positiven Effekte häufig nur schwer monetär bewerten lassen. Insgesamt ergeben sich aus dem Anbau aber viele Vorteile, die über eine reine Betrachtung des Deckungsbeitrages hinaus berücksichtigt werden sollten.
Im Rahmen des Forschungsprojektes „LeguAN“ an der Fachhochschule Südwestfalen soll aktuell unter anderem versucht werden, den Vorfruchtwert von heimischen Körnerleguminosen einer genaueren monetären Bewertung zu unterziehen.
Aufgrund der geringen Marktbedeutung sind in den letzten Jahren auch die Zuchtprogramme in den Züchterhäuern leider stark zurückgefahren worden. Somit besteht die Gefahr, dass der Züchtungsfortschritt auf der Strecke bleibt und die Entwicklung neuer, leistungsfähiger Sorten, die einen Anbau interessant machen könnten, ausbleibt.
Pflanzliches Eiweiß ist in der Tierernährung unverzichtbar. Momentan wird der Bedarf an Eiweißträgern von der Futtermittelindustrie in großem Umfang aus Importen gedeckt, da die im Inland produzierten Mengen zu gering sind. Inwieweit agrarpolitische Maßnahmen, wie der Anbau im Zusammenhang mit den greening-Vorgaben oder gezielte Förderprogramme, zu einer Anbauausweitung beitragen  können, lässt sich aktuell noch schwer abschätzen.


Die Erträge der  Sorten

Futtererbsen

Die Anbauregion Marsch, Geest, Hügelland Nord umfasst nach dem Anbaugebietskonzept auch Regionen in Niedersachsen. Die Marsch ist hier inbegriffen. Versuche werden allerdings weder in Niedersachsen, noch in Schleswig-Holstein in der Marschregion angelegt. Vielmehr erfolgt die Prüfung auf der dortigen Geest bzw. im Hügelland. Der Vollständigkeit halber sind die Ergebnisse hier aber aufgeführt.
Das Ertragsniveau in den Versuchen ist deutlich höher als in den Vorjahren. Unter diesen Bedingungen liegt Navarro vorn und bestätigt damit das gute Leistungspotenzial. Salamanca präsentiert sich ebenfalls überdurchschnittlich, zeigt aber schwankende Erträge über die Jahre. Alvesta erreicht ein gutmittleres Ergebnis.
Respect liegt ertraglich bereits zum zweiten Mal weit abgeschlagen. Die gute Standfestigkeit ist aber ein deutlich hervorzuhebendes Merkmal dieser Sorte.
Zwei Sorten waren zum ersten Mal in der Prüfung vertreten. Während sich Astronaute überdurchschnittlich zeigt, verfehlt Volt das Standardmittel knapp.
Auf den Sand- und Lehmböden Nordwest liegt unter den mehrjährig geprüften Sorten Alvesta erneut mit an der Spitze des gesamten Sortimentes. Navarro kann sich nach einem schwachen Vorjahr wieder deutlich steigern und zeigt sich positiv. Respect präsentiert sich unterdurchschnittlich und somit auf dem Niveau des mehrjährigen Mittels.
Unter den drei neuen Sorten erzielt lediglich Astronaute ein überdurchschnittliches Ergebnis. Volt und besonders Mythic präsentieren sich eher schwach. Zu berücksichtigen ist hier aber auf jeden Fall die sehr geringe Datenbasis.

Kriterium Standfestigkeit 
Mindestens genauso wichtig wie der Ertrag ist beim Anbau von Futtererbsen die Berücksichtigung der Standfestigkeit und der Pflanzenlänge. Bestände, die vor der Ernte stark zusammenbrechen, lassen sich nur erschwert beernten, was zwangsläufig zu Ernteverlusten bis hin zu Totalausfällen führt.
Die Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein ermittelt im Rahmen ihrer Landessortenversuche einen so genannten HBE-Index. Dieser errechnet sich aus der Bestandeshöhe bei Ernte dividiert durch die Bestandeshöhe nach Abschluss der Blüte und die Erbsen das Maximum ihrer Wuchshöhe erreicht haben. Er kann als Maß für die Beurteilung herangezogen werden, wie stark die jeweiligen Sorten bis zur Ernte in sich zusammengerutscht sind. Besonders positiv ist bezüglich dieses Kriteriums über die Jahre die Sorte Respect zu beurteilen.

 
Ackerbohnen

Die Sortimente im Bereich der Ackerbohnen gestalten sich sehr überschaubar.
In  der Küstenregion positioniert sich Fanfare erneut an der Spitze des Sortiments. Ebenfalls sehr erfreulich ist Fuego. Isabell dagegen liefert bereits zum zweiten Mal ein eher schwaches Ergebnis.
Im Feld der zweijährig geprüften präsentiert sich Pyramid wie schon im Vorjahr leicht unterdurchschnittlich. Die tanninfreie Sorte Taifun schneidet bereits zum zweiten Mal sehr schwach ab. Tannine wirken sich negativ auf die Protein- bzw. Aminosäureverdaulichkeit bei Geflügel und Schweinen aus.
Auf den Lehmböden West liegt das Ertragsniveau zur aktuellen Ernte deutlich niedriger als in den Vorjahren. Vor allem am Versuchsstandort Haus Düsse konnten nur schwache Erträge realisiert werden. Die sehr standfeste Sorte Fuego positioniert sich, wie auch schon zur Ernte 2013, mit einem überdurchschnittlichen Ertrag vorn. Pyramid und Espresso erreichen ebenfalls überdurchschnittliche Erträge. Fanfare fällt mit einem knapp mittleren Ertrag gegenüber der Vorjahresleistung deutlich zurück. Auffällig ist die starke Streuung der Erträge über die Standorte. Isabell präsentiert sich auch unterdurchschnittlich. Taifun bestätigt als einzige tanninfreie Sorte des Prüfsortiments das vergleichsweise schwächere Vorjahr.
 


Kontakt:
Andreas Lege
Getreide, Öl- und Eiweißpflanzen
Telefon: 0511 3665-4387
Telefax: 0511 3665-4525
E-Mail:


Stand: 07.05.2015