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Pflanzenanalyse - ein wertvolles Steuerungsinstrument für die Düngung

Mit Hilfe der Pflanzen- oder Blattanalyse kann der Ernährungszustand der Pflanzen in der Vegetation bestimmt werden. Die Methode wird bislang vornehmlich zur Diagnose von offensichtlichen Ernährungsstörungen genutzt. Die Pflanzenanalyse sollte jedoch zukünftig vermehrt auch zur Steuerung der Düngung eingesetzt werden.

Durch den Vergleich mit Richtwerten ist es möglich, den Ernährungszustand von Kulturpflanzen für alle Nährstoffe zu beurteilen. Ernährungsdefizite können in der Vegetation vor allem für Spurennährstoffe durch gezielte Blattdüngergaben ausgeglichen werden. Voraussetzung ist allerdings, dass die Probenahme frühzeitig zu Beginn des Schossens erfolgt. Bei den Makronährstoffen besteht auch die Möglichkeit, über das Blatt Defizite auszugleichen. Dies gilt vor allem für Magnesium und Schwefel. Besonders im letzten Jahr trat vermehrt Schwefelmangel auf, da im trockenen und kühlen April kaum Mineralisation statt fand. Eine verlässliche Bodenuntersuchung und darauf abgestimmte Düngerempfehlungen sind bislang für Schwefel nicht vorhanden. Bei Magnesium und Phosphor sind in den letzten Jahren aufgrund einer sehr geringen Düngung die Bodengehalte kontinuierlich abgesunken. Derzeit wird diskutiert, ob auf Standorten mit geringen Bodengehalten (Gehaltsklasse B) ausreichende Ernährungszustände erzielt werden können. Darüber hinaus gibt es Hinweise, dass bei dauerhaft pflugloser Bewirtschaftung eine Nährstoffverarmung des Unterbodens  eintreten kann, die die Nährstoffversorgung vor allem in trockenen Phasen beeinträchtigen kann. Die Pflanzenanalyse kann auch hier helfen, offene Fragen in der Düngeplanung und Bewertung zu beantworten.

Pflanzenanalyse kann offensichtliche Ernährungsstörungen auflösen

Wachstumsdefizite in der vegetativen Entwicklung von Pflanzen bis zu einem Totalausfall von Teilflächen können verschiedene Ursachen haben. Eine häufige Ursache ist Nährstoffmangel oder ein nicht standortgerechter pH Wert. Die Bodenuntersuchung gibt in diesen Fällen nicht immer eine ausreichende Erklärung. Leider wird meist noch eine Mischprobe von großen Schlägen gezogen. Eine GPS gestützte Beprobung von nach Bodenarten differenzierten Teilschlägen wäre deshalb von Vorteil. Die Pflanzenanalyse ist hier präziser, da sie auch die Wechselwirkungen berücksichtigt. Ein typisches Beispiel dafür ist Manganmangel in Folge überhöhter pH Werte. Bei der Probenahme ist es sinnvoll, die Pflanzenanalyse mit einer Bodenuntersuchung zu kombinieren. Um sicher zu gehen, kann die Pflanzenprobe gleichzeitig aus einem guten und einem schlechten Bereich gezogen werden. Es reicht auch ein Vergleich mit den Standard- oder Richtwerten aus. Die Pflanzenanalyse bieten sich ebenso zur Kontrolle des Ernährungszustandes von Pflanzenbeständen an, um latenten, d.h. nicht sichtbaren Nährstoffmangel frühzeitig zu erkennen. Dabei lernt man zusätzlich die unterschiedlichen Nährstoffansprüche der einzelnen Pflanzen kennen. Umfangreiche Pflanzenanalysen in Thüringen belegen, dass Weizen beispielsweise einen hohen Bedarf an Phosphat hat. Etwa 30 % der untersuchten Ackerflächen wies einen entsprechenden Mangel auf. Auf lediglich 10 % der Flächen fehlte Kalium, auf 7 % Mangan und auf 4 % Zink.
Bei Winterraps wurde eine gänzliche andere Situation ermittelt. Phosphat spielte hier eine untergeordnete Rolle. Aber auf 50 % der Flächen fehlte Kalium und Bor. Auch Magnesium war häufiger im Mangel.
Diese Kenntnisse von Ernährungszuständen können in vielfältiger Weise von Praxis und Beratung genutzt werden. Zum einen gibt die Pflanzenanalyse ergänzend zur Bodenprobe wertvolle Hinweise zum Ernährungszustand von Pflanzen. Besonders in trockenen Perioden wie im Moment kann sich zeigen, ob die Nährstoffpools der Böden ausreichen. Es kann auch überprüft werden, welchen Einfluss die Bewirtschaftung (Saatzeit, Bodenbearbeitung, etc.) auf die Nährstoffversorgung hat. Darüber hinaus wächst auch das Verständnis für die Besonderheiten der einzelnen Kulturarten. Dies hilft vor allem bei der Optimierung der Düngestrategie. Eine Herbstdüngung mit DAP oder die Andüngung im Frühjahr mit einem Volldünger kann die Bestockung des Winterweizens erheblich verbessern. In vielen Fällen kann dadurch die Stickstoffdüngung deutlich reduziert werden. Kalium und Magnesium kann demgegenüber besser zum Raps eingesetzt werden.

Reicht die Düngung aus?

Eine weitere Möglichkeit der Pflanzenanalyse ist die Kontrolle der Düngermengen. In vielen Betrieben sind die Nährstoffsalden von Phosphat und Kalium negativ, die Bodengehalte sind in Stufe B abgerutscht. Die anziehenden Düngerkosten führen dazu, dass die Grunddüngung wieder öfter in Frage gestellt wird. Reichen negative Nährstoffsladen aus oder sollten bei den Makronährstoffen zumindest ausgeglichene Salden und die Gehaltsklasse C angestrebt werden. Bei den vermehrt zum Einsatz kommenden organischen Düngern kann die Pflanzenanalyse schneller zeigen, ob die darin enthaltenen Grundnährstoffe voll anrechenbar und verfügbar sind. Hier reicht der Vergleich mit den Richtwerten der Pflanzenanalyse.
Auch bei der Schwefeldüngung stellt sich häufig die Frage, welcher Düngergaben erforderlich sind und ob überhaupt eine Schwefeldüngung notwendig ist. Schwefelmangel war im letzten Jahr häufiger zu verzeichnen, obwohl eine Andüngung mit einem schwefelhaltigen Dünger durchgeführt wurde. Durch die Pflanzenanalyse können auch bei der Schwefeldüngung latente Nährstoffdefizite ermittelt werden. In der frühen Phase führt Schwefelmangel zur Reduktion der Triebbildung, später begrenzt der Schwefelmangel vor allem die Eiweißbildung. Durch gezielte Boden- oder Blattdüngergaben können noch im Schossen oder in der späteren vegetativen Phase Ertrags- und Qualitätsverluste verhindert werden.

Spurennährstoffe nicht prophylaktisch düngen

Die Ermittlung des Nährstoffsbedarfs bei Spurennährstoffen ist ein weiterer wichtiger Einsatzbereich für die Pflanzenanalyse.  Die Bodenprobe gibt bei diesen Nährstoffen nur sehr begrenzte Hinweise für die Düngung. Die bereits angesprochenen Wechselwirkungen mit pH Gehalten und Witterung sind weitere Hindernisse. Besonders die momentane Witterung begrenzt die Nährstoffverfügbarkeit. Die gezielte Pflanzenanalyse zum Beginn des Schossens kann helfen, auch in diesem Bereich Nährstoffdefizite aufzuzeigen und um prophylaktische Düngergaben zu vermeiden. Durch den Einsatz von Spurennährstoffdünger entstehen besonders bei den formulierten Düngern Kosten von 8 – 10 €/ha.  Wintergetreide hat vor allem einen höheren Nährstoffbedarf an Kupfer und Mangan hat. Die Getreidearten haben jedoch recht unterschiedliche Ansprüche. Umstritten ist derzeit zu dem die Notwendigkeit der Bordüngung auch bei Wintergetreide. Pflanzenanalyse zeigen, dass vor allem auf Sandböden ein Düngebedarf für Bor besteht. Der Grenzwert liegt bei etwa 2,5 mg/kg TM.  
 
Zeitpunkte der Probenahme beachten 

Bei Wintergetreide kann die Pflanzenanalyse zum Ende der Bestockung bis zum Beginn des Ährenschiebens erfolgen. Dabei sollte die gesamte oberirdische Pflanzenmasse d.h. der Spross entnommen werden. Wurzeln und Erde verbleiben jedoch auf dem Feld. Verschmutze Proben könne nicht sicher beurteilt werden. Bei Raps kann die Pflanzenprobe im Knospenstadium bis zur Blüte erfolgen. Hier werden die gerade vollentwickelten Blätter untersucht. Bei Kartoffeln erfolgt die Analyse vom Knospenstadium bis zur Knollenbildung. Bei Rüben kann ab dem Reihenschluss die Probenahme durchgeführt werden. Zur Untersuchung müssen etwa 500 – 1000 g Pflanzenmaterial entnommen werden. Die Proben sollten in Papiertüten oder durchlöcherten Plastikbeuteln versandt werden. Ein kühlen der Probe ist nicht erforderlich. In der beigefügten Datei finden Sie eine Auflistung der Probenahmezeitspanne und die zu untersuchenden Organe der Pflanze.

Kosten schwanken erheblich

Die Pflanzenanalyse wird in allen Bodenuntersuchungsinstituten durchgeführt. Die Untersuchungsdauer beträgt etwa 8 Tage. Die Kosten schwanken jedoch von Labor zu Labor recht stark. Dies ist darauf zurückzuführen, dass Pflanzenanalysen in nur geringer Stückzahl durchgeführt werden. In den neuen Bundesländern ist das anders. Hier spielt die Pflanzenanalyse eine größere Rolle, die Preise sind hier deshalb oft günstiger. Bei der LUFA Nord West kosten die Pflanzenanalyse derzeit 59 € zuzüglich MWST. Die Pflanzenproben können bei allen LUFA Annahmestellen abgegeben werden.
Die  beigefügte Datei zeigt ein Ergebnis einer Pflanzenanalyse, das in graphischer Form einen guten Überblick über die Ernährungssituation gibt. Leider werden noch nicht alle Atteste in dieser Form übermittelt. Bei der Interpretation können sie auch gerne die Pflanzenbauberater der Landwirtschaftskammer heranziehen.

Hier finden Sie Merkblätter zur Düngung mit Grund- und Spurennährstoffen
 


Kontakt:
Dr. Ulrich Lehrke
Fachgruppe Pflanze
Telefon: 0511 4005-2251
Telefax: 0511 4005-2245
E-Mail:


Stand: 19.04.2011



PDF: 341/67F00543-237D-EEBF-5E692D2F6E6C76E6.pdf - 148.413085938 KB   Pflanzenanalyse   - 148 KB