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Stickstoffdüngung im Raps

Im Raps hat sich nach niedersächsischen Erfahrungen ein Sollwert von 200 kg N abzüglich Nmin bewährt.
Der Sollwert ist je nach Bestandesentwicklung und N- Nachlieferung des Bodens zu korrigieren. Bei der üppigen Bestandesentwicklung in diesem Jahr sollten Einsparpotentiale genutzt werden. Im Mittel sind bei den verschiedenen N- Formen keine Unterschiede zu erwarten. Neben Stickstoff ist die Schwefel-versorgung durch ca. 40 kg/ha Schwefel sicher zu stellen.

Auch für Pflanzen gilt: optimale Leistung erfordert eine optimale Ernährung! Für hohe Erträge sind ausreichende Nährstoffmengen erforderlich. Aber gerade der Raps ist in Hinblick auf die Auswirkung auf die Umwelt kritisch zu betrachten. Mit der Ernte werden bei einem Ertrag von 40 dt/ha nur etwa 120- 130 kg/ha N vom Feld abgefahren. Der N-Bedarf, d. h. die zur Erzielung optimaler Rapserträge maximal aufgenommene N- Menge, kann jedoch 280 bis 300 kg/ha N betragen. 

Etwa 160 kg/ha N verbleiben mit den Ernterückständen (Blätter, Stroh und Schoten) auf der Fläche. Um hier die Belastung auf das notwendige Maß zu begrenzen, sollte besonders die Stickstoffdüngung optimal, dem Pflanzenbedarf entsprechend gestaltet werden.

In den N-Steigerungsversuchen (PDF-Anhang, Abbildung 1) des letzten Jahres konnten auf dem Standort Otterham bereits mit der reduzierten N- Düngung der maximale Ertrag erzielt werden. Auf dem Standort Astrup dagegen führten dagegen auch die erhöhten N-Gaben zu Ertragssteigerungen. Weiter ist auffällig, dass mit zunehmender N-Düngung die Ölgehalte zurückgehen. Bei mehrjähriger Betrachtung und in Hinblick auf die ökonomischen und auch ökologischen Effekte hat sich eine N- Düngung nach der Sollwertmethode bewährt und ein Sollwert von 200 kg N/ha abzüglich des Bodenvorrates (Nmin) empfohlen.

Verteilung und Stickstoffform
In den zurückliegenden Jahren wurde häufig die Frage nach der optimalen Aufteilungen und  Terminierung der Stickstoffdüngung gestellt. Die Ergebnisse aus unseren Düngungsversuchen zeigen, dass die Zweigabenstrategie mit dem Schwerpunkt der Düngung zum Vegetationsbeginn, so wie in Tabelle 1 (PDF -Anhang) beschrieben, sich bewährt hat. Die gesamte N-Düngung in einer einzigen Gabe zu Vegetationsbeginn mit Piamon 33-S führte in den Versuchen im Vergleich zur klassischen zweigeteilten N-Düngung besonders in Trockenjahren zu schlechteren Ertragsergebnissen. In üppigen Beständen könnte es bei einer einmaligen N- Düngung zu einer übermäßigen Förderung der vegetativen Blattmasse kommen.

Eine Zusammenfassung der N- Düngung zu einer Gabe sollte daher nur bei verhaltener Pflanzenentwicklung oder spätem Vegetationsbeginn in Betracht gezogen werden. Auch wenn ein Teil der N- Versorgung über Gülle abgedeckt wird, könnte eine Zusammenfassung der mineralischen N-Düngung interessant sein. Für die Stickstoffdüngung bieten sich zahlreiche Dünger an. Welche N-Düngerform gewählt wird, sollte der Preis und die technische Ausstattung des Betriebes entscheiden. Wirkungsunterschiede zwischen den drei gebräuchlichsten Formen Kalkammonsalpeter, AHL und Harnstoff sind im Allgemeinen auszuschließen, vorausgesetzt die beim Einsatz dieser Düngemittel geltenden Grundregeln werden eingehalten.

Einsatz von organischen Düngern
Auch die Verwendung von Gülle, Gärresten oder anderen organischen Düngern hat zur Rapsdüngung seinen festen Platz gefunden. Versuchsergebnisse weisen dabei darauf hin, dass die Ausnutzung des in den organischen  Nährstoffträger enthaltenden Stickstoffs nicht immer optimal ist. Aufgrund des frühen und relativ hohen Stickstoffbedarfes ist der Raps weniger in der Lage die N- Nachlieferung aus den organischen Düngern auszunutzen. Es ist daher sinnvoll, die organischen Dünger möglichst früh auszubringen. Auch die mineralische Ergänzung darf nicht zu spät zur Wirkung kommen. Wird Schweinegülle unter optimalen Bedingungen früh eingesetzt können ca. 70 % des Gesamtstickstoffgehaltes bei der Düngung angerechnet werden.

Werden Rindergülle oder Gärreste eingesetzt, sind etwa 60 % des Gesamtstickstoffs anzurechnen. Auf Flächen ohne langjährige organische Düngung liegen die Ausnutzungsgrade bei Gärresten häufig bei nur 50 %. Bei den in Otterham mit Gärresten durchgeführten Versuch (PDF-Anhang, Abbildung 2) lagen die Erträge bei einer Anrechnung von 60 % des Gesamtstickstoffs tendenziell unter dem der Sollwertdüngung. Wurden nur 40 % des Gesamtstickstoffs berücksichtigt, stiegen die Erträge tendenziell leicht an. Werden die organischen Dünger bei sonnigen und trockenen Wetter ausgebracht und befinden sich höhere Anteile auf der Pflanzenoberfläche sind höhere Ammoniakverluste möglich, so dass geringe Mineraldüngeräquivalente anzusetzen sind. Aus ökonomischen und auch ökologischen Gründen sollten die Wirtschaftsdünger unter möglichst optimalen Bedingungen, d.h. unter eher kühlfeuchten Wetter und in Streifen, möglichst mit Bodenkontakt, eingesetzt werden.

Die sich aus den langjährigen N- Steigerungsversuchen abgeleitete N- Düngeempfehlung spiegelt sich in den N- Düngeempfehlungen für Niedersachsen in (PDF-Anhang, Abbildung 3) wider.

Aktuelle Situation im Frühjahr 2015
Je Entwicklungsstand der Pflanzen, haben diese auch bis zum Vegetationsbeginn unterschiedliche N- Mengen aufgenommen. Normal entwickelte Bestände mit ca. 35- 45 Pfl. je m² deren Einzelpflanzen ca. 8- 10 Blätter ausgebildet konnten, haben auch ca. 60- 90 kg N/ha aufgenommen. Sehr üppige Bestände, bei denen die Pflanzen bei vergleichbaren Pflanzenzahlen ca. 12 Blätter ausbilden konnten haben durchaus 100- 140 kg N/ha dem Boden entzogen.
Die unterschiedliche Pflanzenentwicklung und damit die jeweils differenzierenden bereits aufgenommenen Stickstoffmengen ist ein wesentlicher Faktor zur Bemessung der optimalen N- Menge. Bei den in diesem Jahr häufig anzutreffenden üppigen Beständen kann der Sollwert von 130 kg N/ha abzüglich Nmin zu Vegetationsbeginn um 20- 40 kg N/ha vermindert werden. Begannen die älteren Blätter bereits im Herbst zu vergilben, kann dies ein Hinweis auf eine knappe N- Versorgung sein. In  diesen Fällen sollte auch in üppigen Beständen der Sollwert nur um 20 kg N/ha reduziert werden. Erscheinen auch die älteren Blätter des Rapses noch saftig grün, können die vollen 40 kg N/ha eingespart werden. Kommt es über Winter noch zu stärkeren Blattverlusten steht der enthaltende Stickstoff den Rapspflanzen verzögert über den Boden wieder zur Verfügung. In diesen Fällen oder sehr zögerlich einsetzenden Wachstum, empfiehlt es sich erforderliche Abschläge bei der N- Düngung erst bei der 2. N- Gabe durchzuführen.

Auf der anderen Seite sollten bei schwacher Bestandesentwicklung oder standortbedingter schlechter N – Nachlieferung Zuschläge zu der N- Startgabe in Höhe von 20- 40 kg N/ha berücksichtigt werden.
Korrekturen des Sollwertes können nach Bestandesentwicklung im Herbst durch die Ermittlung des oberirdischen Aufwuchses erfolgen. Vergleichbare Ergebnisse ergeben sich nach den Düngeempfehlungen der LWK Niedersachsen.

Eine erhöhte N- Startgabe wird auch empfohlen, wenn eine unterdurchschnittliche N- Nachlieferung zu erwarten ist. Bei der Nmin- Methode wird eine mittlere N-Nachlieferung unterstellt, Abweichungen zu dieser werden über die Korrekturen erfasst. Im Frühjahr setzt bei den Rapspflanzen bereits zeitig, bei noch niedrigen Bodentemperaturen ein verstärktes Wachstum mit entsprechend hohem Stickstoffbedarf ein. Die N- Nachlieferung des Standortes kann der, Raps daher weniger nutzen, als Getreide oder besonders Mais und Zuckerrüben.

Bei Mulchsaaten ist häufig eine etwas zögerlich einsetzende Mineralisierung bzw. zusätzliche N-Bindung durch die Umsetzung der oberflächennahen, organischen Substanz zu beobachten. In diesen Fällen sollte die Startgabe ebenfalls um ca. 20- 30 kg N/ha erhöht werden. Bei guter  Bestandesentwicklung können diese Stickstoffmengen ganz oder teilweise bei der zweiten Gabe wieder abgezogen werden.
Die Anschluss- bzw. Schossdüngung sollte zu Beginn der Streckung des Rapses erfolgen und ist abhängig von der bereits erfolgten Düngungshöhe, der Mineralisation organischer Substanz im Boden und der Kulturentwicklung. Sie dient vor allem der Förderung des Schotenansatzes und liegt in der Regel um die 70 kg N/ha.

Neben Stickstoff auch Schwefel beachten
Raps hat einen besonders hohen S-Bedarf. Bei Schwefelmangel sind deutlichen Ertrags- und Qualitätsverluste möglich. Soweit soll es nicht kommen. Nach stärkeren Niederschlägen über Winter ist besonders auf den leichteren Böden mit Sulfatverlagerungen zu rechnen, unter diesen Bedingungen sind deutliche Ertragseffekte durch eine Schwefeldüngung zu erwarten. Eine Düngung von ca. 40 kg Schwefel je ha trägt zur Absicherung der Erträge bei und ist daher heute eine Standardmaßnahme. Der Schwefel sollte dabei zu Vegetationsbeginn gegeben werden. Der in organischen Düngern wie Gülle und Gärresten enthaltene Schwefel trägt nur in geringen Anteilen zur Schwefel-Versorgung bei, da der enthaltene Schwefel im Wesentlichen organisch gebunden ist und erst nach erfolgter Mineralisierung den Pflanzen zur Verfügung steht. Schwefel wird nur in Form von Sulfat von den Pflanzen aufgenommen werden. Elementarer Schwefel kann erst, nachdem er zu Sulfat oxidiert wurde, von den Pflanzen aufgenommen werden.  Elementarer Schwefel kann daher nicht zur Deckung eines akuten Bedarfes beitragen.

Zusammenfassung:
• Im Raps hat sich nach niedersächsischen Erfahrungen ein Sollwert von 200 kg N abzüglich Nmin
bewährt.
• Der Sollwert ist je nach Bestandesentwicklung und N- Nachlieferung des Bodens zu korrigieren.
• Bei der üppiger Bestandesentwicklung in diesem Jahr sollten Einsparpotentiale genutzt werden
• Im Mittel sind bei den verschiedenen N- Formen keine Unterschiede zu erwarten.
• Neben Stickstoff ist die Schwefelversorgung durch ca. 40 kg/ha Schwefel sicher zu stellen.

 


 

 


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Lüder Cordes
Berater Pflanzenbau und Pflanzenschutz
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Stand: 19.02.2015