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Ausnahmegenehmigungen für den Umgang mit Quarantäne-Schadorganismen zu Versuchs-, Forschungs- oder Züchtungszwecken

 Quarantäne-Schadorganismen sind nach EU-Recht meldepflichtige Schaderreger, die an Pflanzen große wirtschaftliche Schäden hervorrufen können. Nach bisherigen wissenschaftlichen Erkenntnissen stellen sie aber kein gesundheitliches Risiko für Mensch und Tier dar. Aufgrund  der Verbreitungsgefahr in der heimischen Flora ist der Umgang mit Quarantäne-Schadorganismen genehmigungspflichtig und muß vom Pflanzenschutzdienst überwacht werden. In Niedersachsen ist das Pflanzenschutzamt in Hannover der Ansprechpartner für alle niedersächsischen Forschungseinrichtungen und Untersuchungsinstitute, die mit Quarantäne-Schadorganismen umgehen wollen.

In der Phytomedizin werden alle Erreger, die bei Pflanzen Krankheiten hervorrufen, als Schadorganismen bezeichnet. Der Begriff „Krankheitserreger“ ist der Humanmedizin und der Tiermedizin vorbehalten und grenzt damit die pflanzenpathogenen Erreger deutlich davon ab. Kann es auch bei Krankheitserregern durchaus Übertragungen vom Menschen auf das Tier bzw. vom Tier auf den Menschen geben, steht die Gruppe der pflanzenpathogenen Schadorganismen für sich und wird in der Eingruppierung biologischer Agenzien, wenn überhaupt, schlimmstenfalls in die Risikogruppe 1 eingeordnet. Demnach besteht „beim Umgang mit den der Gruppe 1 zugeordneten Bakterien nach dem Stand der Wissenschaft kein Risiko für Mensch und Wirbeltiere“. Bei Pflanzen können bestimmte Bakterien, Pilze, Viren, sowie Insekten, Milben und Nematoden als Schadorganismen Krankheiten verursachen. So werden z.B. die Bakterien Clavibacter michiganensis sepedonicus (Ringfäule der Kartoffel), Ralstonia solanacearum (Schleimkrankheit der Kartoffel) und Erwinia amylovora (Feuerbrand) für Mensch und Tier in die Risikogruppe 1 als harmlos eingestuft, während sie bei ihren Wirtspflanzen einen erheblichen wirtschaftlichen Schaden anrichten können und deshalb als „Quarantäne-Schadorganismen“ anzusehen sind.

Als Quarantäne-Schadorganismen (engl. Quarantine Pests) (QSO) werden im Bereich der Europäischen Union (EU) alle Schadorganismen bezeichnet, die in den Anhängen der Richtlinie 2000/29/EG genannt werden. Das Verbringen von QSO ist nach RL 2000/29/EG innerhalb und in die Europäische Union verboten.

In begründeten Ausnahmefällen kann eine Genehmigung zur Einfuhr in die EU oder zum innergemeinschaftlichen Verbringen zu Versuchs-, Forschungs- oder Züchtungszwecken nach RL 2008/61/EG durch den Pflanzenschutzdienst ausgestellt werden. Erwerben darf QSO nur, wer eine Erlaubnis zur Arbeit mit QSO hat. Ausgestellt wird die Genehmigung durch den zuständigen Pflanzenschutzdienst (PSD), der auch für die Überwachung der Arbeiten mit QSO verantwortlich ist.

Bevor ein QSO erworben werden kann, müssen folgende Bedingungen erfüllt worden sein

•  Erteilung der Genehmigung zum Arbeiten mit QSO nach RL 2008/61/EG durch den PSD
•  Erteilung eines „Letter of Authority“ (Ermächtigung zur Einfuhr..) nach RL 2008/61/EG
   durch den Pflanzenschutzdienst.

Zuständigkeiten

Grundsätzlich ist der Pflanzenschutzdienst des Bundeslandes, in das die Quarantäne-Schadorganismen verbracht werden und in dem die Versuche stattfinden, für die Genehmigung und Überwachung der Forschungseinrichtungen und Untersuchungsinstitute beim Umgang mit QSO zuständig. In Niedersachsen wird diese Aufgabe vom Pflanzenschutzamt der Landwirtschaftskammer Niedersachsen vorgenommen.

Die Kontaktadressen der Pflanzenschutzdienste in den anderen Bundesländern finden Sie auf der Homepage des Julius-Kühn-Institutes. 

Biohazard

Um auf die biologische Gefährdung für Pflanzen hinzuweisen, empfiehlt das Pflanzenschutzamt die Verwendung des hier dargestellten Symbols.
Unter dem Biohazard-Symbol erscheint die Unterschrift gelb auf grünem Grund „Quarantäne-Schaderreger, Biogefährdung für Pflanzen“. QSO stellen eine Biogefährdung für Pflanzen, aber keine Gefährdung für Mensch und Tier dar.


Eine Biogefährdung besteht auch für Quarantäne-Schadorganismen

 

Den vollständigen Text finden Sie in der  beiliegenden

Fachinformation über den Umgang mit Quarantäne-Schadorganismen

Formulare  finden Sie in den beiliegenden Word-Dateien, die Sie am PC ausfüllen können.

Antrag nach Richtlinie 2008/61/EG.doc

  • Mit diesem Antragsformular können sie sie Genehmigung zum Arbeiten (a.)
  •  und/oder die Ermächtigung zur Einfuhr von Quarantäne-Schadorganismen beantragen

Checkliste nach Anlage I, RL 2008/61/EG.doc

  • die Checkliste enthält die Anforderungen nach Anlage I der RL 2008/61/EG und
    muß dem Antrag auf Genehmigung zum Arbeiten beigelegt werden  

Zur Kennzeichnung der Quarantänebereiche empfiehlt der niedersächsische  Pflanzenschutzdienst, die beiliegenden Biohazard-Schilder zu verwenden.

  • biohazard 1 "Unbefugter Zutritt verboten" ist ein Verbotsschild für Bereiche, in denen mit
        Quarantäneschadorganismen gearbeitet wird
  • biohazard 2 "Infektiöses Untersuchungsmaterial", ist ein Warnschild
        z.B. für geschlossene Transportkästen, in denen infektiöses Untersuchungsmaterial
        transportiert wird
  • biohazard 3 "Infektiöser Abfall" ist ein Hinweisschild
        z.B. für Autoklaveneimer oder Abfallstationen für infektiösen Abfall 
  • biohazard Klimaschrank kann als Hinweisschild an Klimaschränken oder Brutschränken
        angebracht werden, in denen Quarantäneschadorganismen gehalten werden.

Zur Beachtung  Diese Schilder sind vom niedersächsischen Pflanzenschutzdienst entwickelt
                         worden, die Anwendung ist aber in diesem speziellen Design nicht unbedingt
                         vorgeschrieben. 


Kontakt:
Dr. Justine Sylla
Leiterin Sachgebiet Pflanzengesundheit, Information
Telefon: 0511 4005-2161
Telefax: 0511 4005-2215
E-Mail:
Brunhild Koehler
Pflanzengesundheit, Information
Telefon: 0511 4005-2201
Telefax: 0511 4005-3176
E-Mail:


Stand: 24.07.2015



PDF: 11822 - 61.837890625 KB   biohazard 1: Zutritt verboten   - 62 KB  
PPT: 11826 - 91.5 KB   biohazard Klimakammer   - 92 KB