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Kartoffelvirustestergebnisse in der Saison 2011/2012

Das vergangene Kartoffeljahr ist zunächst nicht ganz ohne Probleme verlaufen. Eine lange andauernde Trockenperiode im Frühjahr und große Blattlausfunde Mitte Mai gaben  Anlaß zur Sorge.  Schließlich hat es aber trotzdem eine gute Ernte gegeben, die mit zu den Spitzenergebnissen der letzten Jahre zählte.  
 

Vielen Landwirten juckt es bereits in den Fingern, ihre Pflanzmaschine für die Kartoffelbestellung aus der Scheune zu holen. Alles ist geputzt, gefettet und überprüft, es müsste nur noch das Wetter mitspielen.
Den Sortenspiegel für den Betrieb hat man schon im letzten Jahr festgelegt und das Saatgut ist zum größten Teil gekauft oder zumindest bestellt. Ausgestattet mit den neuesten Informationen von der Wietzendorfer Kartoffeltagung könnte es jetzt losgehen.
Betrachten wir das vergangene Kartoffeljahr einmal genauer und analysieren die Höhen und Tiefen.

Ein Tiefpunkt waren mit Sicherheit die hohen Blattlauszahlen, die schon relativ früh gefunden wurden. Eigentlich sah alles sehr gut aus. Durch den harten Winter mussten die Blattläuse im Ei überwintern und die im Frühjahr frisch geschlüpften kleine Läuse mussten sich erst wieder an infizierten Pflanzen beladen, bevor sie ein Infektionsrisiko darstellten. Schon im zweiten Blattlauswarndienst von Mitte Mai wurde darauf hingewiesen, dass in den Gelbschalen eine größere Anzahl Virusvektoren gefangen wurden. Diese Entwicklung steigerte sich noch etwas. Im Vergleich zu 2010, wo um die 19 KW durchschnittlich  2 – 3 geflügelte Läuse in den Gelbschalen gefunden wurden, waren es im Jahr 2011 um die 60 Tiere. Diese Entwicklung und dazu noch so früh, hat uns bewogen, keine Virustestbefreiung von bestimmten Kartoffelsorten zu empfehlen. Das in den folgenden Virustesten gefundene Ergebnis konnte zu diesem Zeitpunkt niemand erahnen.

Schwerer Wuchsschaden bei der Kartoffel, ausgelöst durch eine falsche Anwendung von wuchstoffhaltigen Herbiziden

Ein weiterer Punkt auf der Negativseite war die Witterung. Gerade noch rechzeitig kam der Regen  nach einer doch lange andauernden Trockenperiode im Frühjahr. Das Ergebnis waren wahrhaft riesige Kartoffelknollen. Es kommt selten vor, dass unsere Bakterientestproben mit 200 Knollen nicht in einen Sack passen. In diesem Jahr war es bei einigen Sorten so. Drillingen wird man für die Pflanzsaison 2012 mit der Lupe suchen müssen.
Als Höhepunkt kann die doch enorme Erntemenge bei Kartoffeln genannt werden, die mit zu den Spitzenergebnissen der letzten Jahre zählte.
Doch nun zu den in dieser Saison erzielten Werten in der Kartoffelvirustestung. Die im Gewächshaus ausgepflanzten Kartoffelproben schossen in diesem Jahr förmlich aus der Erde. Von Fäule oder schlechter Entwicklung war nichts, aber auch gar nichts zu sehen. Wüchsige, gesunde und stabile Kartoffelstecklinge konnten bewundert werden, so dass die Testung der amtlichen Proben Mitte Januar abgeschlossen werden konnte.
Wie aus den Tabellen zu entnehmen ist, wurden im Bereich des Vorstufen-/Basispflanzgutes 1189 Proben untersucht, das war geringfügig weniger als in der letzten Saison. Die Norm gehalten haben dabei 90,2%. Im letzten Jahr waren dies 91,4%. Abgestuft wurden 8,1% gegenüber 7,1% im Vorjahr. Die Basisnorm nicht gehalten haben 1,7% gegen über 1,5% im Vorjahr. Diese Werte sind etwas schlechter als im letzten Jahr, bewegen sich aber immer noch im oberen Bereich dessen, was wir erreichen können.
Auch im Bereich des zertifizierten Pflanzgutes war die Saison 2011/2012 als gut zu bezeichnen. Genau 94,3% der 1661 untersuchten Proben  hatten einen Virusbesatz von unter 8%, d.h. sie haben die Anerkennungsnorm erreicht. In der Saison 2010/2011 waren dies  97,3%, so dass auch hier eine Verschlechterung gegenüber dem Vorjahr eintrat, aber sich darüber beklagen, hieße Jammern auf hohem Niveau.
Die Probenmenge war auch hier, im Vergleich zum Vorjahr ungefähr gleich bis leicht ansteigend.
In den einzelnen Bezirksstellen innerhalb des Kammerbezirkes Hannover traten auch in diesem Jahr die gewohnten Unterschiede auf. Wie aus der Tabelle 1 zu ersehen ist, erreichte in dieser Saison die Bezirksstelle Bremervörde im Z-Bereich die besten Ergebnisse. Gerade dort, in dem doch begünstigenden Seeklima mit den beständigen Winden vom Meer können sich die Blattläuse nicht so recht etablieren. Allerdings stehen dort oben auch die mit Abstand virusanfälligsten Kartoffelsorten von ganz Niedersachsen, was den Seevorteil wieder etwas ausgleicht.
Bei den Vorstufen- und Basispartien konnte der Bereich Weser-Ems die besten Ergebnisse einfahren, was bei den dort angebauten Z-Partien nicht so gut gelang.
Im Bereich der einzelnen Sorten ergibt sich auch in diesem Jahr wieder das gewohnte Bild (siehe Tabelle 2). Infektionen mit dem Y-Virus waren zu über 95% der Fälle für Aberkennungen und Abstufungen verantwortlich. Neben dem Y-Virus tritt in den letzten Jahren wieder verstärkt das PVS-Virus auf, wohingegen das alte Blattrollvirus fast keine Rolle mehr spielt. Bei alle anderen Viren, wie PVM, PVX oder PVA freuen wir uns, diese ab und zu mal zu sehen, da sie sich doch sehr rar gemacht haben. Auffällig ist immer wieder, dass Sorten, die in der beschreibenden Sortenliste als hoch tolerant gegenüber dem PVY-Virus eingestuft sind, sich dann nach einigen Jahren des Anbaues nicht mehr ganz so günstig in den gefundenen Infektionshäufigkeiten darstellen. Worauf dies zurückzuführen ist, vermag niemand so genau zu sagen, es deutet aber darauf hin, dass sich auch bei den Viren Rassen entwickeln, die wesentlich aggressiver sind als ihre Vorfahren. Erinnert sei hierbei an das PVYNTN-Virus, das auch Sorten infiziert hat, die als nicht anfällig oder hoch tolerant gegenüber diesem Erreger galten.
Kommen wir nun zu einem etwas traurigeren Kapitel in der Virustestung von Kartoffeln. Es ist hier die Rede von den jährlich bei uns eintreffenden Privattestproben. Von den über 400 Proben, die bis heute eingesandt wurden, haben nur 73,9% eine Virusinfektionsrate von unter 8% eingehalten. Die restlichen 26,1 % wären im Rahmen der amtlichen Testung aberkannt worden. Bei diesen Partien waren auch Proben zu finden, die eine Infektionsrate von 100% aufwiesen. Daraus kann abgeleitet werden, dass in der Saison 2011/2012 sehr wohl Infektionen von Läusen gesetzt wurden, und dass nur die Blattlausbekämpfungsstrategie im Bereich der Pflanzkartoffelproduktion zu den sehr guten Ergebnissen geführt hat. Nicht verkennen dürfen wir jedoch, dass hier auch schon Werte von 60% und mehr an Aberkennungen standen. Also auch auf dem Bereich der Privattestproben zeigt sich das Jahr 2011 als nicht so schlecht. Trotzdem sollte dies kein Grund sein, auf anerkanntes Pflanzgut für den eigenen Anbau zu verzichten, denn die Pflanzgutqualität hängt nicht nur vom Virusstatus ab. Auch die Keimfähigkeit oder die Infektionen mit Schwarzbeinigkeit gilt es zu berücksichtigen. Hierbei zeigt sich in unseren Gewächshäusern dann doch der Klassenunterschied zwischen zertifiziertem Saatgut und anderen Herkünften. 
Ein Wort noch zur ebenfalls schon abgeschlossenen Bakterientestung. Auch hier gibt es Gutes zu vermelden. Es wurde keine Infektion mit Schleimkrankheit gefunden und bei der Bakterienringfäule wurden wir nur in einer Wirtschaftskartoffelpartie fündig. Dieses Ergebnis ist schon sehr respektabel, wenn wir uns die Zahlen von vor ca. 10 Jahren in das Gedächtnis rufen.
Was uns zur Saison 2012 jetzt etwas Bauchschmerzen bereitet, sind die oben erwähnten enormen Knollengrößen. Wir möchten hier nochmals ganz eindringlich davor warnen, das Pflanzgut zu schneiden. Gerade die Schneidewerkzeuge sind hervorragende Überträger von Krankheitserregern. Eine Desinfektion, egal mit welcher Lösung benötigt mindestens 20 – 30 Sekunden bis die Wirkung voll entfaltet ist (bei Schaumdesinfektion bis der Schaum sich aufgelöst hat!). In dieser Zeit sind schon wieder mehrere Knollen durchgeschnitten worden.
Schneiden von Pflanzgut heißt am falschen Ende sparen!
Für den Kartoffelanbau in der Saison 2012 wünschen wir Ihnen viel Erfolg, eine gute Ernte und hohe Erzeugerpreise.

Den vollständigen Artikel mit 1 Abbildung und 2 Tabellen können Sie sich mit der beiliegenden PDF-Datei herunterladen und/oder ausdrucken.  

 


Kontakt:
Dr. Volker Zahn
Sachgebietsleiter stellv. Leiter Pfl.schutzamt, Virologie, Bakteriologie
Telefon: 0511 4005-2172
Telefax: 0511 4005-2125
E-Mail:


Stand: 20.02.2012